OT und fast ein Frust Faden… welche Bratpfanne?

joh.t.

ww-robinie
Registriert
14. November 2005
Beiträge
8.888
Ort
bei den Zwergen
Wir haben eine Le Creuset Gusspfanne mit Emaille (?) Beschichtung innen und außen. Innen bröckelt das Zeug weg. Hat jemand Erfahrung mit Dienstleistern für Neubeschichtung? - kein Teflon!
Habe einen alten Gussbräter. Bei dem ist es ähnlich.
Erstmal die Frage wie man das Email komplett weg bekommt???
 

DerCo

ww-robinie
Registriert
10. Januar 2024
Beiträge
908
Alter
38
Ort
Bad Arolsen
Hallo,
als Teflon-Dealer vom Dienst stehe ich voll auf Gusspfannen! Meine Freundin hat mir heute ein ausgewachsenes 40cm-Exemplar geschenkt, darin landen morgen die Entenbrüste für die ganze Mischpoche….

Aber im Ernst, der Einsatz von Fluorchemie sollte stark limitiert werden. Alles was einmal in die Umwelt gelangt bleibt da ewig. Wobei man solche Stoffe natürlich auch kontrolliert unter Verwendung geeigneter Filteranlagen verbrennen kann.

Ich hatte heute das Glück einer exklusiven Führung durch eine Hausmüllverbrennungsanlage. Ich sprach mit dem Betriebsleiter u.a. über die Ewigkeitschemikalie PFAS.
Die Verbrennungstemperatur auf dem Rost (wo es brennt) liegt bei denen bei 1.100-1.300°c. In Kombination mit einer ausreichenden Brenndauer ist das heiß genug, um PFAS (und somit garantiert auch PTFE) zu oxidieren.
Wenn ich's richtig verstanden haben, werden die Kohlenstoffverbindungen dabei getrennt.

Durch die hohen Temperaturen verbrennt, bzw. oxidiert beinahe alles. Er sprach von einem Wirkungsgrad von min. 99,5%.
Die beim oxidieren entstehenden Gase werde in der Rauchgasreinigung mit Natron und Kalkpulver neutralisiert. Das größere Problem, aus sich der Verbrenner, sind nicht die Ewigkeitschemikalien, sondern Chlorid, das beim Verbrennen von PVC entsteht und Schwermetalle.

Die Überbleibsel der Rausgasreinigung werden aufgefangen und gehen in den Bergwerksversatz, sprich werden untertage beseitigt.
Der volumenmäßig weitaus größere Abfallstrom ist die Müllverbrennungsschlacke, oder auch Rostasche. Sie ist durchsetzt mit allerhand Mineralik, Eisen- und Nichteisenmetallen, wohl über 90 Gewichtsprozent.

In der Schlackenaufbereitung werden die Metalle separiert, die s.g. MV-Schrotte werden aufbereitet und gehen in die stoffliche Verwertung. Der Mineralikanteil wird ebenfalls abgeschieden, gewaschen / aufbereitet und kann als Ersatzbaustoff verwendet werden.

------------

Oxidation erfolgt lt. Google erst bei über 1.100°c. Ob die besichtigte Anlage stellvertretend für alle weiteren stehen kann, vermag ich nicht objektiv zu beurteilen. Zumindest ist das verbrannte Material, eine Mischung aus Hausmüll und Verpackunsgabfällen, und somit der angestrebte Heizwert, Standard bei eigentlich allen Hausmüllverbrennungsanlagen die ich kenne.

Mir reicht es um mein Behauptung bestätigt zu sehen, dass Ewigkeitschemikalien wirkungsvoll durch Verbrennung verschwinden können.
 

Martin45

ww-robinie
Registriert
10. März 2013
Beiträge
7.195
Ort
417xx
Danke, finde deine "Müllberichte" immer sehr interessant, einfach auch weil ich da rauslese, dass du im "Thema" bist und einen super Einblick mit Hintergrundinfos hast.
Durch die hohen Temperaturen verbrennt, bzw. oxidiert beinahe alles. Er sprach von einem Wirkungsgrad von min. 99,5%.

Bei den Mengen, die durch so eine Anlage gehen, finde ich 0,5% schon eher erschreckend viel. Das ist wie das Spülmittel, wo dann drauf steht zu 99,7% (?) biologisch abbaubar. Aber das sind ja nicht 0,3% von einer kleinen Flasche im Haushalt. Das sind riesen Mengen in einer Straße, Ort, Stadt usw. die jeden Tag in das Abwasser und die Flüsse gelangen oder sich wie beim PFAS über die Jahre anreichern. Das ist ja keine Einmaldosis, sondern eine ständige sich anreichernde Belastung rund um die Müllverbrennungsanlage.



Zum Thema Bratpfanne. Scheint auch für die Produzenten immer schwerer zu werden Beschichter zu finden, die wegen PFAS PTFE/Antihaftbeschichtungen verarbeiten können, wollen, dürfen.
 

welaloba

ww-robinie
Registriert
26. August 2008
Beiträge
3.696
Ort
Hofheim / Taunus
Und? Oder haben sie Dich zur Verschwiegenheit verpflichtet?
Oh sorry, ich wollte berichten . Creuset Service war eher arschig, ich habe die Pfanne "in Eigenleistung" mit Flex und Fächerscheiben von der restlichen Lackierung befreit und eingebrannt. Ist jetzt wieder eine Gusspfanne.
Gruß Werner
 

inselino

ww-robinie
Registriert
15. Januar 2017
Beiträge
1.709
Ich hatte heute das Glück einer exklusiven Führung durch eine Hausmüllverbrennungsanlage. Ich sprach mit dem Betriebsleiter u.a. über die Ewigkeitschemikalie PFAS.
Die Verbrennungstemperatur auf dem Rost (wo es brennt) liegt bei denen bei 1.100-1.300°c. In Kombination mit einer ausreichenden Brenndauer ist das heiß genug, um PFAS (und somit garantiert auch PTFE) zu oxidieren.
Wenn ich's richtig verstanden haben, werden die Kohlenstoffverbindungen dabei getrennt.

Durch die hohen Temperaturen verbrennt, bzw. oxidiert beinahe alles. Er sprach von einem Wirkungsgrad von min. 99,5%.
Die beim oxidieren entstehenden Gase werde in der Rauchgasreinigung mit Natron und Kalkpulver neutralisiert. Das größere Problem, aus sich der Verbrenner, sind nicht die Ewigkeitschemikalien, sondern Chlorid, das beim Verbrennen von PVC entsteht und Schwermetalle.

Die Überbleibsel der Rausgasreinigung werden aufgefangen und gehen in den Bergwerksversatz, sprich werden untertage beseitigt.
Der volumenmäßig weitaus größere Abfallstrom ist die Müllverbrennungsschlacke, oder auch Rostasche. Sie ist durchsetzt mit allerhand Mineralik, Eisen- und Nichteisenmetallen, wohl über 90 Gewichtsprozent.

Hier gehen aus meiner Sicht ein paar Dinge durcheinander bzw. sind nicht ganz richtig dargestellt. Das ist bitte nicht als Vorwurf an dich oder den Mitarbeiter zu verstehen, ich kann mir schon vorstellen, was gesagt wurde und wie es gemeint ist und so kommt dann (wenn man nicht sehr genau hinschaut) eben ein durcheinander heraus.

Mit genug Temperatur bekommt man jedes Molekül klein, also die Bindung zwischen den einzelnen Atomen gebrochen. Das gilt natürlich auch für PTFE und andere PFAS. typischerweise entstehen dabei recht instabile Radikale die sich dann neue Partner suchen und da eben Sauerstoff aufgrund der Luft sehr gut verfügbar ist in der Regel zu sehr stabilen Oxiden führt, ist das ein sehr gern gesehener Bindungspartner und z.B. Kohlenstoffbestandteile werden eben zu Kohlenstoffdioxid usw. Das ist ja auch das Konzept bei der Verbrennung. Da der Hauptbestandteil aller organischer Verbindungen (und dazu zählen Kunststoffe auch) bestehen aus wenigen Elementen am häufigsten Kohlenstoff, Wasserstoff, Stickstoff und alle werden zu gasförmigen oxiden die einfach nach draußen ziehen. Metalle bleiben als entsprechende Schlacke zurück, die dann in entsprechende Lagerstätten verbracht werden.
Das Problem beim Fluor ist, dass es eben der stärkste Bindungspartner ist, noch stärker als Sauerstoff und daher hier kein Oxid ensteht. Wenn müsste Sauerstofflourid entstehen, das bei Wasserkontakt dann zu Flusssäure weiterreagiert. Einige Untersuchungen zeigten, dass bei der Verbrennung von PTFE Wasserstofffluorid entsteht (HF in Wasser dann eben auch Flusssäure). Flusssäure ist hochgiftig, würde allerdings in der Umwelt relativ schnell abreagieren z.B. zu Calciumfluorid und wäre vermutlich weit weniger kritisch, als der Begriff "hochgiftig" vermuten liese. (Die Giftigkeit beruht vor allem darauf, dass es die Nervenbahnen von Organismen sehr schnell und effizient zerstört).

Chlorid verhält sich im wesentlichen genauso wie Fluorid, ist nur weniger aggresiv und daher eigentlich auch unkritischer (sieht man z.B. daran, dass HCl bzw. Salzsäure weit weniger gefährlich ist). Das Problem entsteht hier rein durch die Menge, die verbrennen halt hunderte Tonnen PVC und müssen das ganze Chlorid abfangen während wir selten PTFE als Fußboden verlegen. Das macht PTFE aber nicht weniger schlimm sondern es geht nur im restlichen Müll einfach sehr gut unter.

Ich meine wenn ich auf meinen jährlichen Hausmüll schaue, dann geht das PTFE darin komplett unter. In einer PFannenbeschichtung sind 2-3g PTFE enthalten, bei 151 kg Restmüll (Durchschnitt in D) sind das 0,001 %. Und ja mein PFAS Ausstoß ist sicherlich höher, da man das Zeug leider überall als Problemlöser verwendet aber das Zeug im Abfallstrom zu finden und den genauen Abbau nachzuweisen ist die Nadel im Heuhaufen.

War das Hauptproblem nicht das was bei der Produktion entsteht und in die Umwelt gelangt?

Und das ist und bleibt bei Pfannen das Hauptproblem, um PTFE irgendwo draufzubekommen musst du es oft in Lösemitteln lösen und die sind ebenfalls PFAS und davon fällt dann viel mehr an mit teils fragwürdiger Entsorgung.

Und z.B. bei Skiwachs, Schmiermitteln etc. hilft auch die Verbrennung wenig, denn das Zeug landet einfach so in der Umwelt und der Nahrungskette. Wir können ja schlecht nach jedem Winter die oberen 10cm der Piste abtragen und verbrennen (wobei ich mir nicht sicher bin, ob man das Zeug mittlerweile für Ski verboten hat).
 

Joargh

ww-nussbaum
Registriert
24. Juli 2011
Beiträge
75
Und z.B. bei Skiwachs, Schmiermitteln etc. hilft auch die Verbrennung wenig, denn das Zeug landet einfach so in der Umwelt und der Nahrungskette. Wir können ja schlecht nach jedem Winter die oberen 10cm der Piste abtragen und verbrennen (wobei ich mir nicht sicher bin, ob man das Zeug mittlerweile für Ski verboten hat).
Die wenigsten Skiwachsen waren flouriert. Definitiv im High End Bereich, danach fällt der Einsatz stark ab, allein schon aus Preisgründen. Hochflouriertes Wachs konnte ohne Probleme um den Faktor 10 teurer sein, manche Produkte auch mehr. Langjährige Klassiker wie Kitzbühel oder Ansbach dürften erhöhte Werte im Boden aufweisen. Das Bild, dass Skipisten flächendeckend verseucht sind, halte ich jedoch für überzogen weil die Masse der Anwender nicht mit dem teuren Wachs hantierte.

Mittlerweile haben die großen Dachorganisationen des Wintersports den Einsatz von flouriertem Wachs verboten und auch die großen Hersteller haben es aus dem Sortiment genommen.

Ich finde es gut, dass es verboten wurde. Es ist irrelevant, ob man fünf km/h schneller unterwegs sein kann. Aber das Beispiel Skiwachs ist in meinen Augen eher ein plakatives Verwendungsbeispiel als eine große Verunreinigungsquelle.
 

Manohara

ww-robinie
Registriert
1. August 2023
Beiträge
930
Ort
Witzenhausen
meine einfache Überlegung dazu:
alles, was für Mensch und Umwelt giftig sein könnte, sollte niemand herstellen.
Eigentlich sollte das die Antwort aller menschlichen Herzen bei jedem einzelnen Entscheidungstreffer sein - dann brauchte es nichtmal Verbote.
... aber auf mich hört ja niemand :emoji_wink:
 

SebastianThiel

ww-robinie
Registriert
5. August 2022
Beiträge
632
Ort
51399
meine einfache Überlegung dazu:
alles, was für Mensch und Umwelt giftig sein könnte, sollte niemand herstellen.
Eigentlich sollte das die Antwort aller menschlichen Herzen bei jedem einzelnen Entscheidungstreffer sein - dann brauchte es nichtmal Verbote.
... aber auf mich hört ja niemand :emoji_wink:

Auf in die Steinzeit und Krieg
 
Registriert
13. März 2018
Beiträge
1.560
Ort
Leipzig
meine einfache Überlegung dazu:
alles, was für Mensch und Umwelt giftig sein könnte, sollte niemand herstellen.
Eigentlich sollte das die Antwort aller menschlichen Herzen bei jedem einzelnen Entscheidungstreffer sein - dann brauchte es nichtmal Verbote.
... aber auf mich hört ja niemand :emoji_wink:
Der abgedroschene Spruch - die Dosis macht das Gift - stimmt doch aber. Trink mal 10 Liter Wasser auf einmal oder iss eine 250g Packung Speisesalz.

Noch ein kleiner Schmunzler zum Mittag gefällig? https://www.der-postillon.com/2021/04/homoeogift.html :emoji_sunglasses:
 
Zuletzt bearbeitet:

inselino

ww-robinie
Registriert
15. Januar 2017
Beiträge
1.709
Die wenigsten Skiwachsen waren flouriert.
Das kann ich nicht beurteilen, da ich kein Skifahrer bin und würde dir da glauben. Mir ging es auch eher exemplarisch um reibeigenschaften denn für die wird sehr häufig an unterschiedlichsten Stellen PFAS eingesetzt. Schmiermittel in Maschinen, Schläuche in der Endoskopie, Gleitflächen etc. und darüber gelangt eben auch einiges in die Umwelt (wenn es ewig in der Maschine bleibt müsste man ja nicht nachschmieren).

Ich bin auch ein wenig skeptisch, ob die Verteufelung von PFAS wirklich so super kritisch ist. Man muss halt schon auch sagen, wir nutzen das Zeug ja gerade deßhalb, weil es chemisch sehr inert ist und quasi nicht reagiert. Und ein Stoff kann nun einfach nicht beides sein, sehr inert und sehr reaktiv (und damit giftig).
Es gehört aber auch zur Wahrheit, dass wir es an vielen Stellen einfach nicht brauchen. Endoskopie funktioniert auch ohne PFAS. Nur wollen alle höher schneller weiter und die absoluten Topeigenschaften bekommt man halt entweder mit sehr viel Tüftelei und Aufwand oder oft deutlich simpler mit einer Prise PFAS im Kunststoff.
was ich gerne herausstellen wollte ist, dass es uns und der Welt besser ginge, wenn jeder darauf achtet, dass die Welt durch das eigene Handeln besser wird und weniger darauf, was die Geldbörse dazu sagt.
Ich denke das ist ein wichtiger und richtiger Grundsatz, auch wenn wir gesamtgesellschaftlich wirklich alles dafür tun nach dem Motto zu leben, wenn jeder an sich selbst denkt ist an jeden gedacht. (oh oh ich höre lieber auf mit Politik:emoji_slight_smile: )

Das mit dem Gift ist halt wirklich eine schwierige Grenze. Und damit meine ich jetzt nicht den Quatsch wie Salz oder Wasser aber es gibt ja schon eine Menge Stoffe, bei denen das eben eine sehr enge Gradwanderung ist. Denken wir an die Überdüngung der Felder und durch Ausbringung von Gülle aufgrund unseres hohen Fleischkonsums und die daraus resultierenden Schäden an Gewässern und dem Grundwasser.

P.S. Eigentlich ging es hier ja um Pfannen, ich bin jetzt auf Edelstahl umgestiegen. Bei meiner (teureren) AMT Schmorpfanne war nach nicht mal einem Jahr Teile der Beschichtung und das nicht nur am Boden, wo es vielleicht mal zu warm gewesen sein könnte sondern auch an den unteren Seitenwänden wo einfach Stücke wie Lack abgeplatzt sind. Auch der Support hat im wesentlichen mir die Schuld gegeben und mir empfohlen mit einem Rabatt eine neue zu Kaufen.
 
Registriert
13. März 2018
Beiträge
1.560
Ort
Leipzig
Das ist meine private Meinung:

Wer sich jetzt Mühe geben möchte @Manohara in #188 misszuverstehen, der kann das gerne tun. Aber ist das nötig? Wieso, weshalb, warum?
Naja das ist so ein Wunsch einer heilen Welt die es nie gab und nie geben wird. Ganz entfernt kann ich den Ansatz dahinter verstehen. In Wirklichkeit müssen wir uns einfach mit vielen Dingen arrangieren um nicht wie Steinzeitmenschen zu leben. Und viel wichtiger ist es noch geschult im Umgang mit giftigen Substanzen zu agieren. Und am besten auch noch eine Kontrollinstanz zu haben welche dies überwacht. Es wird z.B. niemand Motoröl verbieten wollen. Es kommt schnell mal zu einem Malheur beim Ölwechsel. Da sind im Zweifel 5 Liter giftige Pampe im Boden und versauen das Grundwasser.

Und auch wenn wir Menschen im Großen und Ganzen alles dafür tun unsere Existenz zu vernichten, bei einigen Themen geben wir uns aber auch Mühe es besser zu machen. Ich kann nur für einen kleinen Teil der Elektronikindustrie sprechen und finde es sehr löblich wie viele giftige Stoffe in den letzten 25 Jahren alles verboten wurden. Jahr um Jahr werden weitere Ausnahmen gestrichen oder Grenzwerte gesenkt. Macht uns operativ oft Probleme passende Ersatzprodukte zu verarbeiten und Prozesse umzustellen. Aber schön für die Menschheit und für die Natur. Was hieß es noch früher man könne ohne Blei nicht löten usw. usf...
 

DerCo

ww-robinie
Registriert
10. Januar 2024
Beiträge
908
Alter
38
Ort
Bad Arolsen
Mit genug Temperatur bekommt man jedes Molekül klein, also die Bindung zwischen den einzelnen Atomen gebrochen. Das gilt natürlich auch für PTFE und andere PFAS. typischerweise entstehen dabei recht instabile Radikale die sich dann neue Partner suchen und da eben Sauerstoff aufgrund der Luft sehr gut verfügbar ist in der Regel zu sehr stabilen Oxiden führt, ist das ein sehr gern gesehener Bindungspartner und z.B. Kohlenstoffbestandteile werden eben zu Kohlenstoffdioxid usw. Das ist ja auch das Konzept bei der Verbrennung. Da der Hauptbestandteil aller organischer Verbindungen (und dazu zählen Kunststoffe auch) bestehen aus wenigen Elementen am häufigsten Kohlenstoff, Wasserstoff, Stickstoff und alle werden zu gasförmigen oxiden die einfach nach draußen ziehen. Metalle bleiben als entsprechende Schlacke zurück, die dann in entsprechende Lagerstätten verbracht werden.
Das Problem beim Fluor ist, dass es eben der stärkste Bindungspartner ist, noch stärker als Sauerstoff und daher hier kein Oxid ensteht. Wenn müsste Sauerstofflourid entstehen, das bei Wasserkontakt dann zu Flusssäure weiterreagiert. Einige Untersuchungen zeigten, dass bei der Verbrennung von PTFE Wasserstofffluorid entsteht (HF in Wasser dann eben auch Flusssäure). Flusssäure ist hochgiftig, würde allerdings in der Umwelt relativ schnell abreagieren z.B. zu Calciumfluorid und wäre vermutlich weit weniger kritisch, als der Begriff "hochgiftig" vermuten liese. (Die Giftigkeit beruht vor allem darauf, dass es die Nervenbahnen von Organismen sehr schnell und effizient zerstört).

Guten Abend,

und besten Dank für die Erläuterung. Insofern ich bei der Führung etwas falsch verstanden oder im Nachgang falsch wiedergegeben haben sollte, bitte ich das zu entschuldigen. Das war nicht meine Absicht.

Zu meinem Verständnis: Kohlenstoff bindet sich an Sauerstoff, da Sauerstoff der stärkere Partner ist.
Beim Fluor bindet sich der Sauerstoff an Fluor, da Fluor der stärkere Partner ist.
Der Unterschied liegt also darin, wer sich hier an wen bindet. Richtig?

Neutralisiert oder bindet denn aus Deiner Sicht Natron und Kalk das Gas in der Rauchgasreinigung und machen es damit unschädlich? Dann wäre das Ziel erreicht, wenn auch anders, als von mir beschrieben.
Andernfalls, würde Sauerstofffluorid ungebremst aus dem Schornstein treten, würde es dann nicht bereits in der Luft mit Wasser in der Luft zu Flusssäure reagieren und - salopp formuliert - als Saurer Regen auf die Erde fallen?
 

Todde

ww-esche
Registriert
3. August 2013
Beiträge
464
Ort
Bonn
Moin,
mal kurz von der KI zusammengefasst:

In der Müllverbrennungsanlage wird Fluor (enthalten in Kunststoffen, Teflon oder bestimmten Chemikalien) bei über 850°C vollständig zersetzt. Es verbindet sich im heißen Rauchgas fast vollständig zu Fluorwasserstoff (HF), der durch die nachgeschaltete Rauchgasreinigung (Wäscher) sicher aus dem Abgas entfernt und neutralisiert wird, sodass er nicht in die Umwelt gelangt.

Der genaue Ablauf in der Müllverbrennungsanlage:
  1. Thermische Zersetzung: Fluorverbindungen (z.B. Fluorpolymere) werden im Verbrennungsraum bei Temperaturen zwischen 860°C und 1000°C mineralisiert. Dabei wird die Struktur der sogenannten "Ewigkeitschemikalien" (PFAS) sicher aufgebrochen.
  2. Bildung von Fluorwasserstoff: Das freigesetzte Fluor reagiert mit dem im Müll enthaltenen Wasserstoff zu gasförmigem Fluorwasserstoff (HF).
  3. Rauchgasreinigung: Das Gas gelangt in die nachfolgende Abgasreinigungsanlage, in der Regel ein saurer Wäscher. Dort wird das Gas durch den Einsatz von Wasser und meist Kalk (Calciumhydroxid) ausgewaschen und neutralisiert.
  4. Sichere Entsorgung: Durch die Neutralisation entsteht ungiftiges Calciumfluorid (CaF2). Es wird als unbedenklicher Filterkuchen aus dem System geschleust und sicher deponiert oder in der Industrie weiterverwertet.
Ohne KI weiter:
Das größere Problem dürften wie erwähnt diejenigen Ewigkeitschemikalien sein, die nicht den Weg in die korrekte Müllverbrennung finden.
Dabei ist das Problem nicht, dass irgendwo etwas in der Umwelt "rumliegt", das chemisch nicht reagiert. Das Problem entsteht, wenn Lebewesen / Menschen diese Substanzen aufnehmen (Stichwort Mikroplastik) und sie dort hormonell aktiv werden. Sie wirken dann als sogenannte endokrine Disruptoren und können in das Hormonsystem eingreifen und körpereigene Botenstoffe nachahmen oder blockieren, was zu Störungen in der Entwicklung oder im Stoffwechsel führen kann.

Gruß, Todde
 

Holzfummler

ww-robinie
Registriert
16. Januar 2013
Beiträge
2.510
Ort
Berlin
Moin,
wir haben nach Pfannen mit "hohem" Rand gesucht. Bei Lege (Besseresser; deckt auf, etc. ) habe ich solche gesehen, mit abnehmbaren Griff.
Durch Zufall bei Otto ein 3er Set zu 90,-. von der Firma Sauter, innen keramikbeschichtet, aussen Edelstahl, planer Boden.
Angebot
Seit dem brennt nix mehr an, mit einem Zewa einfach zu reinigen, geht auch im Geschirrspüler. Super.
LG
Thomas
 

inselino

ww-robinie
Registriert
15. Januar 2017
Beiträge
1.709
und besten Dank für die Erläuterung. Insofern ich bei der Führung etwas falsch verstanden oder im Nachgang falsch wiedergegeben haben sollte, bitte ich das zu entschuldigen. Das war nicht meine Absicht.
Ich hoffe, das kam in meinem Beitrag auch klar so rüber, ich möchte da weder dir noch den Mitarbeitenden einen Vorwurf machen. Es gibt ja eben auch einen Unterschied zwischen Theorie und Praxis. In der Theorie ist Fluor kritischer als Chlor, in der Praxis kommt das eine vermutlich Millionen- bis Milliardenfach häufiger vor und ist damit in der Praxis natürlich das größere Problem.

Nun zu deinen Fragen. Dieses Spiel mit "wer bindet an wen" ist nicht ganz einfach zu beurteilen aber grob kann man sich an der sogenannten Elektronegativität richten (die findet man im Periodensystem) und die liegt so zwischen 0,X und 4. Wobei eben Fluor mit 4 den höchsten Wert hat. Das bedeutet, Fluor zieht Elektronen extrem stark zu sich. Und Elektronen sind die Teilchen, die für chemische Bindungen verantwortlich sind. Vereinfacht gesagt will ein Atom immer 8 Außenelektronen haben. Kohlenstoff hat z.B. 4, braucht also noch 4 Partner die ihm eines abgeben daher hat Kohlenstoff immer 4 Bindungen. Sauerstoff hat 6 ihm fehlen also 2 und Fluor hat 7, ihm fehlt also 1. Atome kommen aber in der Natur immer in Verbindungen vor, bei denen sie diese 8 Elektronen haben. Wenn jetzt, z.B. durch hohe Temperatur doch mal ein Fluor-Radikal mit 7 Elektronen auftaucht, dann schaut es sofort, wo es sein achtes Elektron herbekommen kann. Und weil Fluor eben so stark im Anziehen von Elektronen ist, kann es zu jeder existierenden Bindung gehen und diese sprengen und sich selbst als neuen Bindungspartner einsetzen.
Und das ist Vor- und Nachteil zugleich. Vorteil ist es, denn wenn Fluor einmal irgendwo dran ist, gibt es quasi nichts, was es da rauswirft. Es reagiert also mit nichts anderem (inert). Nachteil, denn diese starke Bindung bleibt dann auch ewig bestehen.
Und das verursacht dann Probleme. Ob PFAS als endokrine Disruptoren aktiv sind weiß ich leider nicht, bei der Wirkung im menschlichen Körper bin ich überfragt und glaube auch, insgesamt wissen wir da noch recht wenig drüber.

Sauerstoff ist übrigens der zweitstärkste bei der Bindungskraft mit einer Elektronegativität von 3,5. Wie wer mit wem bindet ist aber ein größeres und komplexeres Feld. Denn eine Kohlenstoff-Sauerstoff-Bindung einer Estergruppe in einem Polyester wie PET oder PLA ist viel leichter zu spalten als eine Kohlenstoff-Kohlenstoff-Bindung in einem Polyethylen und auch eine Sauerstoff-Sauerstoff bindung, wie sie in unserer Atemluft vorkommt lässt sich relativ gut spalten, sonst würde unsere Atmung ja nicht funktionieren. Das beantwortet alles die Frage nur teilweise, ich hoffe aber die obrige Erklärung zeigt, warum man bei Fluor eben ein besonderes Augenmerk drauf hat und bei anderen Dingen nicht.

Nun zur Frage der Abgasreinigung. Der KI Erklärung würde ich von der Logik her folgen. Ich hatte auch irgendwo gelesen, dass aus fluorierten Verbindungen HF (Fluorwasserstoff) entsteht und ich weiß, dass bei chlorierten Verbindungen bei der Verbrennung gerne HCl (Chlorwasserstoff) entsteht. HF würde sich in Wasser lösen und es entsteht Flusssäure und wenn da irgendwo Calcium rumfliegt dann entsteht unkritisches Calciumfluorid.
Calciumionen sind auch das, was eine Fluor-Vergiftung aufhält, sollte irgendein wahnsinniger mal wieder mit Flusssäure rumgeferkelt haben. Spaß beiseite, das ist wirklich sau gefährlich, lass die Finger davon, Flussäure zerstört katalytisch eure Nervenbahnen, es frisst sich also langsam immer weiter. Ein Dozent in der Uni meinte, auf den wissenschaftlichen Konferenzen der Flusssäure-Chemiker hat ein relevanter Anteil amputierte Körperteile....
Aber auch hier braucht nicht wieder Panik zu kriegen, die Flusssäure entsteht ja nur kurz im Abgas, sobald das gewaschen ist ist es komplett ungefährlich. Und selbst wenn die abgase unkontrolliert entweichen würden, fliegen in der Luft genug Reaktionspartner rum, als dass das abreagiert, bevor es auf der Erde landet. Zumindest in den geringen Konzentrationen.
 
Zuletzt bearbeitet:

Seanathair

ww-robinie
Registriert
16. März 2023
Beiträge
749
Ort
Kiel
Eigentlich sollte das die Antwort aller menschlichen Herzen bei jedem einzelnen Entscheidungstreffer sein - dann brauchte es nichtmal Verbote.
Wie soll das funktionieren?
Die Folgen menschlichen Handelns vorauszusehen ist eine fast unlösbare Aufgabe. Das Bfr versucht eine gewisse Abschätzung vorzunehmen. Aber dann kommen wirtschaftliche Interessen, Arbeitsplätze, etc. Autoindustrie, Internet, Nanotechnik, additive Fertigung, KI....wer macht sich da ernsthaft Gedanken um die Folgen. Ja, die, die dann Spinner und Spaßbremsen abgetan werden.
KI ist auf dem Weg zu einer gigantischen Spekulationsblase, die unmengen an Energie und Kapital verschlingen wird, kaum Arbeitspkätze schafft, zum großen Teil für fragwürdige Dinge (Pornos) verwendet werden wird um die Investizionen zu refinanzieren. Dem wird auch kaum ein Riegel vorgeschoben werden, da Investoren nicht verprellt werden dürfen (to big to fail).
Rechnet doch einmal nach, wie viel jeder Erdenbürger für KI regelmäßig zahlen muss um die geplanten Investizionen und den Energieverbrauch zu refinanzieren. Ach ja, wir kriege ja wieder Atomkraftwerke, dann geht's ja.....
 
Oben Unten