PVA-Holzleim = Mikroplastik? Umweltaspekt von Leimholz wird kaum diskutiert

yoghurt

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Hallo,
systematisch sollten wir unterscheiden zwischen handwerklich verarbeitetem PVAC und industriellem Phenolharzleim. Das was an PVAC ins Abwasser gelangt landet vermutlich überwiegend im Klärschlamm der heutzutage unter Verwendung entsprechender Filteranlagen verbrannt wird - soweit ich weiß. Die Holzverarbeitend Industrie wird es sich heutzutage nicht mehr leisten können ihre Leimreste über das Abwasser zu entsorgen. Alte Holzprodukte werden heutzutage ebenfalls unter Verwendung geeigneter Filteranlagen in der Müllverbrennung/Energieerzeugung verbrannt. Insofern bleiben eigentlich nur „wild“ verbrannte Holzstücke und Holzwerkstoffe in heimischen Öfen, Osterfeuern etc. Tischlereien die Plattenreste verfeuern müssen über Öfen mit einer definierten Mindestleistung verfügen um sicherzustellen dass problematische Substanzen bei hohen Temperaturen unschädlich gemacht werden.

Ich bin immer dafür, dass sich jeder an die eigene Nase fasst und das eigene Handeln kritisch überprüft und in eigener Verantwortung Maßnahmen ergreift um seinen ökologischen Fußabdruck zu minimieren. Ob aber die Verwendung von Holzleim und Holzwerkstoffen gerade der Punkt ist mag jeder für sich selbst entscheiden.

Ich habe mal ein paar Monate in einem Betrieb gearbeitet dessen Selbstanspruch ein hohes Maß an Baubiologie/Nachhaltigkeit war. Die Möbel sollten durch die Verwendung von Fischleim und Leinöl im Prinzip kompostierbar sein. Das ist machbar, greift aber singuläre Aspekte von Ökologie und Nachhaltigkeit heraus. Ohne zu weit ins Detail zu gehen, war mir dieser Ansatz zu naiv. Konsequent hätte man viele weitere Punkte beachten müssen um wirklich schlüssig zu wirtschaften. Das sieht natürlich für den Hobbyisten ganz anders aus. Hier kann lokal gekauft werden und mit Fischleim und Leinöl hochwertiges gebaut werden so dass alleine die Qualität der Arbeit eine lange Lebensdauer des Holzproduktes sicherstellt.

Spaßmodus:
Wir haben ja schon eine Liga gegen Akkuwerkzeuge in Privathand, wir können eine weitere Liga gegen Spanplatten im Hobbykeller gründen. Ich bin da raus, da werde ich kein Mitglied!
 

andama

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Na endlich, die ganze Zeit hab ich schon drauf gewartet, dass so ein Spruch kommt...
Man muss nicht gleich die ganze Welt retten. Man kann auch im kleinen anfangen.
Nur mal so, als Gedankenanstoß.
Was tust du jetzt, verarbeitest du den verteufelten Leim und wenn ja wieviel?
Wir sind umgeben von Chemie, in Lebensmitteln, in allen Alltagsgegenständen, im Auto, im Haus, in der schon genannten Kleidung. Jeder soll seinen eigenen Weg finden, den Verbrauch zu optimieren oder zu minimieren. Ich glaube da ist der Holzleim das wirklich kleinste Problem im Hobbybereich.
 

Konrad4

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Was tust du jetzt, verarbeitest du den verteufelten Leim und wenn ja wieviel?
Wir sind umgeben von Chemie, in Lebensmitteln, in allen Alltagsgegenständen, im Auto, im Haus, in der schon genannten Kleidung. Jeder soll seinen eigenen Weg finden, den Verbrauch zu optimieren oder zu minimieren. Ich glaube da ist der Holzleim das wirklich kleinste Problem im Hobbybereich.
Weil es auf der Welt größere Probleme gibt, heißt es ja nicht, dass man sich über die kleineren Probleme keine Gedanken machen darf.

Ich hatte an das Thema bisher nicht gedacht und bin dankbar für den Denkanstoß. Und ja, ich werde Weißleim dennoch weiter nutzen. Aber etwas bewusster und mit dem Gedanken im Hinterkopf, ob es da in Zukunft für mich vielleicht nicht doch bessere Lösungen gibt. Eben klein anfangen überall wo es geht.
 
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isso

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Und dann gibt es Menschen, die haben ein Problem damit , dass Menschen denken und hinterfragen.

Kannste dir nicht ausdenken.

Es wirkt als hätte hier jemand irgendwen an den Pranger gestellt.

Ich werde einfach achtsamer sein und das hier verfolgen.

Nur natürliche Leime wäre allerdings auch ein ganz gutes Marketingtool.

Vielleicht doch mal testen ob und wie wir das in den Ablauf bekommen?
 

Maxe_M

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Auch ein Aspekt ist m.E. die Entsorgung der Möbelstücke. Bei der Verbrennung von Holz fällt grob 1% Asche an*, die in der Müllverbrennung dann letztlich mit den Hausmüllresten deponiert wird. Durch Weißleim und Oberflächenehandlung ist eine andere Entsorgung ja praktisch ausgeschlossen. Letztlich helfen aber auch einzelne "unbehandelte" Möbel nicht, weil bei der Entsorgung keiner mehr weiß, wie sie hergestellt wurden.

*https://www.lwf.bayern.de/mam/cms04...wiederverwertung_im_wald_gesamtheft_gesch.pdf
 

seschmi

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Weißleim (Polyvinylacetat) ist da ziemlich unbedenklich.

PVAc lässt sich problemlos verbrennen, und da wird der allergrößte Teil landen. Entweder mit dem Holz, oder, wenn man Pinsel ausspült, über Abwasser im Klärschlamm, der auch größtenteils verbrannt wird.

Trotzdem ist die von Ben angesprochene Entsorgung (trocknen lassen und Restmüll) deutlich besser als abwaschen.

Mit der Asche hat das nichts zu tun, das PVAc trägt nicht zur Asche bei.

Wenn doch etwas in die Umwelt gelangt, weil ein Möbelstück draußen verrottet, ist es einigermaßen biologisch abbaubar, jedenfalls keine „Ewigkeitschemikalie“. Das sind ja auch extrem winzige Mengen. Es ist auch ungiftig. Das spielt im Verhältnis zu anderen Kunststoffen keine Rolle.

Industriell werden andere Leime verwendet (Spanplatten, OS:emoji_sunglasses:. Schon aus Kostengründen ist die Gesamtmenge an PVAc gering.

Wer privat trotzdem verzichten will, kann Fischleim nehmen. Für gewerbliche Nutzer ist das eher nichts aufgrund der langen Abbindezeit, für privat ist das eher ein Vorteil bei komplexen Verbindungen.

Schleifstäube sollte man grundsätzlich nicht einatmen, auch reiner Holzstaub ist schädlich.

Der Weißleim ist sicher kein relevantes Problem was Mikroplastik etc angeht.
 

yoghurt

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Hallo,
wo kommt diese Zahl her und auf was genau bezieht sie sich? Ist das deutscher Sprachgebrauch, also 3900 Milliarden Tonnen?

(Mein Taschenrechner behauptet bei einer Dichte von etwas mehr als 1g/cm3 einen Würfel mit einer Kantenlänge von 15km.)
 
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heiko-rech

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Hallo,
Ich bin schon erstaunt über was du @Edefix dir so Gedanken machst.
Haben wir wirklich keine anderen Probleme?
Klar haben wir andere Probleme in unserer Gesellschaft / Zeit. Aber mal ehrlich, wer von uns ist denn in der Lage sich aktiv an der Lösung der großen Probleme unserer Zeit zu beteiligen? Im Gegenzug kann sich aber jeder um die kleinen Probleme in seinem direkten Umfeld kümmern, bevor aus den kleinen Problemen wieder große Probleme werden.

Gruß
Heiko
 
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Edefix

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Wenn man Möbelbau Zukunftsorientiert denkt dann hat das Thema ein riesen Potential. Hier sind die Tüftler und Erfinder gefragt. Man könnte so viele neue Sachen ausprobieren. Ich lese das einige schon Erfahrung mit Fischleim haben. Wenn es möglich ist Leimholz Platten mit Fischleim her zu stellen, dann sollte es möglich sein so ein Standard Billi Regal komplett PVA frei her zu stellen. Obwohl bei der Oberfläche bin ich nicht sicher. Da muss wahrscheinlich noch getüftelt werden.
 

flüsterholz

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Hallo,
wo kommt diese Zahl her und auf was genau bezieht sie sich? Ist das deutscher Sprachgebrauch, also 3900 Milliarden Tonnen?

(Mein Taschenrechner behauptet bei einer Dichte von etwas mehr als 1g/cm3 einen Würfel mit einer Kantenlänge von 15km.)
https://prismaneconsulting.com/report-details/polyvinyl-acetate-market#:~:text=In 2023, the global Polyvinyl Acetate demand,Polyvinyl Acetate market during the forecast period.

Wir müssen uns jetzt aber auch nicht an einer Zahl aufhängen. Auch wenn es nur 1% davon sind, finde ich sie nicht extrem winzig.
Mir geht es auch viel mehr darum, dass jeder in seinem Bereich schauen darf, wo er ein wenig zur Lösung von Umweltproblemen beitragen kann. Das darf ja auch erstmal nur ein Produkt sein, das mir finanziell und vom Komfort her keinerlei Einbußen bringt. Irgendwann kommt das nächste Produkt dazu, usw. Wenn man sich einfach nur mal fragt, brauche ich das Produkt unbedingt und wenn, muss es unbedingt aus Kunststoff oder einem anderen umweltbelastenden Material sein. Oder gibt es Alternativen, die ich mir auch leisten kann. Das wäre zumindest ein Anfang. Und vielleicht macht es dann ja sogar Spaß sich Alternativen zu überlegen. Mir ging es jedenfalls so und wir haben bei vielen Prozessen auch die Kinder mitdenken und entscheiden lassen. Und ich habe das Gefühl, dass das auch was gebracht hat.

Ich will hier auch gar nicht Kunststoffe grundsätzlich verteufeln. Es gibt sicher Bereiche, in denen die sehr schwer oder gar nicht zu ersetzen sind. Mir fällt da insbesondere der medizinischen oder Elektrik/Elektronikbereich ein. Aber dort ist es dann sinnvoll. In anderen Bereichen und auch in unserem alltäglichen Leben gibt es immer wieder durchaus Alternativen, die mit der Umwelt schonender umgehen.

Ich halte mich bei solchen Grundsatzdiskussionen eigentlich lieber zurück, aber ich bekomm halt einen Hals, wenn sich dann schon jemand Gedanken um Alternativen macht und dann Sprüche kommen, wie, hast du keine anderen Probleme, lass doch erstmal die anderen machen, bei denen sind die Umweltbelastungen viiiiel höher als bei mir, usw. Ist halt einfacher, als einfach mal selber anfangen.

Gruß Michael, der sich inzwischen auch schon wieder beruhigt hat. Muss jetzt auch mein Blutdruckmittel nehmen. :emoji_wink:
 

agnoeo

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3,9 Billionen Tonnen, Tendenz steigend, findest du "extrem winzig"?

In 2023, the global Polyvinyl Acetate demand was estimated to be over 3,900 kilotons

ich lese das als 3900000t, also 3,9 Mio. Tonnen.

Gruß, David
 

carsten

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Hallo

was mich wundert dass noch keiner die Kosten für die Leime verglichen hat.

Dictum ruft für den gebrauchsfertigen Fischleim 38 € / kg auf. Wir Zahlen 110 € für 30 kg für einen D3 Weißleim. Bzw die Flasche 500g für 5,30 €
Presszeit für den Fischleim wird mit 12 Stunden angegeben. Bei Weißleim werden teils unter 30 min angegeben. Ich persönlich rechne mit 2 Std.

Und leider muss man, wenn man mit dem Schreinern Geld verdienen will auch die Zeiten berücksichtigen.
Und leider ist für die meisten Schreinerkunden der Preis doch nicht ganz unerheblich. Die Klientel denen der Ökologische Aspekt so wichtig ist dass der Preis eine untergeordnete Rolle spielt ist sehr sehr gering.

Ich versuche ja meinen ökologischen Fußabdruck im Auge zu behalten, aber Weißleim hätte ich jetzt nicht auf die To Do Liste gesetzt um diesen zu optimieren.
 

flüsterholz

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ich lese das als 3900000t, also 3,9 Mio. Tonnen.

Gruß, David
Ups, sorry, Rechenfehler. Extrem winzig würde ich es trotzdem nicht nennen.
Ich versuche ja meinen ökologischen Fußabdruck im Auge zu behalten, aber Weißleim hätte ich jetzt nicht auf die To Do Liste gesetzt um diesen zu optimieren.
Aber Hauptsache man macht irgendwas und macht die Bemühungen anderer nicht lächerlich. Und wenn du noch bessere Wege gefunden hast, ist doch super.
Das Glutinleime im gewerblichen Bereich schwierig sein können, ist mir durchaus bewußt. Und angenehm ist der Geruch, wenn man ihn selber noch herstellt, sicher nicht. Ich habe das persönlich noch erleben dürfen und habe seitdem eine extreme Abneigung gegen den Geruch von Knochenleim.
Aber es geht ja hier auch in erster Linie um den Hobbybereich und darum überhaupt etwas zu machen. Eben einfach mal anfangen.
 

brubu

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@carsten hat ein gutes Argument. Ein Ansatz wäre die Lösung der Bio Bauern. Sie haben auch mehr Aufwand durch Verzicht auf Pestizide. Das holen sie über den Preis wieder rein.
Ja aber, bei uns gibt es Bauern die sich von Bio wieder abwenden weil der Mehraufwand zu gross ist und nicht richtig entschädigt wird.
Man sieht es ja auch auf dem Bau, ich empfehle möglichst dicke Dämmung um für die Zukunft gerüstet zu sein, aber in Normalfall entscheidet der heutige Preis.........
 

inselino

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Hier gingen ja jetzt ein paar Dinge durcheinander und ich würde da gerne von der Kunststoffseite mal ein bisschen was beleuchten.

1. Trennung EVA und EVOH
Leider gibt es hier immer noch Verwechslung. Ethylvinylactetat (EVA/EVAc) ist das Polymer im Leim, Ethylvinylalkohol (EVOH) wird z.B. in Folien als Sauerstoffbarriere eingesetzt. Wichtig zu wissen ist, dass sich bei EVA die Acetat-Gruppe Abspalten kann und dann hat man EVOH. EVOH ist auch wasserlöslich, das könnte also die Erklärung für die mangelnde Beständigkeit unter Bewitterung erklären.

2. Mikroplastik
Wir müsse uns immer klar machen, worüber wir hier reden. Es geht NICHT! um kleine Plastikstücke von Verpackungen an denen dann Tiere verenden. Was auch schlimm und ein Problem ist aber das ist makroskopisches Plastik. Mikroplastik sind super kleine Bestandteile wie z.B. Reifenabrieb die im Stoffkreislauf (als feste Partikel) mitschwimmen, sich irgendwo aggregieren und dann über die Nahrung wieder aufgenommen werden. Das Polymer an sich ist dabei nicht unbedingt schädlich. Es kann aber zum einen schädliche Additive enthalten (Weichmacher, Farbstoffe etc.) zum anderen kann es als Fremdkörper im Organismus Reaktionen hervorrufen z.B. Entzündungen.
Wasserlösliche Stoffe sind soweit ich weiß auch kein Mikroplastik, denn die sind wiederum gelöst und damit keine festen Partikel mehr. Sie reichern sich auch nicht an, da sie ja mit dem Wasser wieder aus dem Körper transportiert werden können. Es werden da auch keine additive mitgebracht dem beim Lösen werden ja die Polymerketten vereinzelt und die Additve sind nicht mehr gebunden.

3. Abbaubarkeit/Kompostierbarkeit/Löslichkeit etc.
Sind zwei recht unterschiedliche Dinge. "Abbaubarkeit" meint meistens "Ich werfe es in den Wald und nach Zeit X ist es weg". Während "Kompostierbarkeit" ein definierter Begriff ist. Dabei wird in einem definierten Verfahren (Thermokomposter bei entsprechender Temperatur) geschaut ob nach einer Zeit X noch Bestandteile >1mm² (o.ä.) vorhanden sind.
Das ist eine wichtige Unterscheidung denn z.B. PLA (was man im 3D Drucker hat) wäre im Thermokomposter kompostierbar, während es in der Umwelt sehr lange bestehen würde. Wenn es sich allerdings zu Mikroplastik zerreibt dann würde es vermutlich in der Magensäure einfach kaputt gehen. Zusätzlich sollte man wissen, dass es zwischen biobasierten Kunststoffen und bioaabbaubaren Kunststoffen einen Unterschied gibt. Es gibt biobasierte Kunststoffe, die nicht abbaubar/kompostierbar sind (z.B. PE aus Bio-Ethanol) oder erdölbasierte Kunststoffe, die biologisch abbaubar sind (PBAT).
Da ich bei Mikroplastik über gelöstes Plastik gesprochen habe: Gelöst ist nicht abgebaut. Wenn du Zucker in Wasser auflöst ist der Zucker fürs auge weg, wenn das Wasser verdunstet ist der Zucker wieder da. Wenn vorher ein Bakterium den Zucker in Alkohol umsetzt dann ist er umgewandelt udn wenn das Wasser verdampft bleibt nur die Hefe übrig.
Da kommen ich auch an meine Grenzen, ich weiß nicht, wie kritisch gelöste Substanzen in der Umwelt sind. Grundsätzlich ist es aber so: Wenn sich was in Wasser löst, kriegen wir es schnell in der Körper rein aber genauso einfach auch wieder raus. Solange der Stoff selbst also ungiftig ist, ist das deutlich besser als Stoffe, die sich akkumulieren. Gelöste Stoffe können auch durch Organismen einfacher abgebaut werden, das heißt aber nicht, dass das bei PVOH funktioniert, erst recht nicht schnell). Aber schon besser als bei "Ewigkeitschemikalien".

4. Globale Probleme und Plastik
Häufig wird Plastikmüll als Symbol für Umweltschäden gesehen insbesondere solche Dinge wie die riesigen Müllinseln, die irgendwo im Meer treiben. Man sollte sich dabei aber klar machen, dass es einen sehr großen Unterschied zwischen physischer Verschmutzung der Umwelt gibt und der Zerstörung von Ökosystemen durch den Klimawandel. Selbst so empfindlichen Systemen wie Korallen ist makroskopisches Plastik im Meer relativ egal. Im Gegenteil Riffe werden mit Hilfe von alten Reifen wieder aufgebaut, die dann von Korallen überwuchert werden. Den Wald stört es wenig wenn da Plastikfalschen rumliegen, das stört eher uns Menschen.
Was hingegen sehr problematisch ist, ist die Verbrennung fossil hergestellter Kunststoffe und der resultierende CO2 Ausstoß, stichwort Globale Erwärmung. Hier wäre eine Lösung, biobasierte Polymere zu nehmen, da diese zumindest einen großen Teil der gesammten CO2 Bilanz zum Wachstum aufgenommen haben.

5. Wachstumsmärke und Wachstumszahlen von Websites
Wenn man online nach irgendeinem Markt sucht, findet man fast für jedes Thema eine Seite einer indischen Firma (oder einer US/UK Firma deren Subunternehmen in Indien sitzt). Ziel ist diese Marktanalysen zu verkaufen. Wir haben in der Firma mindestens einmal monatlich mit sowas zutun und können sicher sagen, dass uns da noch nicht ein seriöser Laden mit vernünftigen Zahlen über den Weg gelaufen ist.
Die sind maßlos überzogen, wenn man von 1-10% der genannten Zahlen ausgeht könnte das realistisch sein.
Man muss sich klarmachen, dass ernsthafte Marktanalyse richtig viel Geld kostet. Wenn jemand belastbare Zahlen für den PVAc Markt hätte dann würde er die nicht ins Internet werfen.
Henkel wird eine ganze Abteilung dafür haben, die für die Produkte rausfindet, was es gibt, wie der Preis ist etc. Manchmal gibt es aus Branchenverbänden gute Zahlen, z.T. finden die sich auch mal in der Wikipedia.

Fazit:
Um zum Weißleim zurückzukommen. Ich halte das Problem für überschaubar. Das PVAc wird vermutlich in PVOH umgewandelt und schwimmt dann gelöst (aber nicht abgebaut) im Meer. Es ist kein "Null-Fußabdruck" wie bei Glutenleim der sicherlich komplett abbaut aber ich denke der Einfluss für Mensch und Umwelt ist sehr überschaubar. In Möbeln dürfte das Holz sowieso primär thermisch verwertet werden, auch hier ist PVAc abseits des CO2 Ausstoßes unkritisch.
Ich finde es schön und wichtig, dass sich Leute darüber Gedanken machen und sich hier im Forum austauschen. Ich habe auch schon häufiger überlegt, im Privatbereich auf Fischleim umzustellen nach dem Vorbild von Heiko.
Gleichzeitig sollte man sich schon über die Relationen der Effekte klar sein. Weiterhin viel zu Fliegen, mehrfach die Woche Fleisch zu konsumieren, Heizen mit Öl/Gas oder PKWs mit Benzin/Diesel richten vermutlich um einen Faktor 100-1000 mehr Schaden an Ökosystemen an als der Weißleim in der eigenen Werkstatt.
Ich begrüße diese Auseinandersetzung als "Ein kleiner Baustein von vielen" und lehne sie als "damit habe ich was für die Umwelt getan und kann an anderer Stelle nachlässig sein" ab, dafür passen die Relationen einfach nicht.
 

brubu

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Etwas zu umweltfreundlicherem Leim. Früher wurde im Zimmereibereich mit Kaseinleim gearbeitet weil der auch bei tieferen Temperaturen abbindet. Einer der Hauptnachteile ist wohl der alkalische PH Wert der zu Verfärbungen führen kann.
Vor längerer Zeit hat eine grosse Holzbaufirma aus ökologischen Gründen wieder mit Kaseinleim gearbeitet.
Aktuell finde ich bei dieser Firma nichts dazu.
 

ClintNorthwood

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Hallo zusammen,

ich bin gerade über einen Punkt gestolpert, über den meiner Meinung nach viel zu wenig gesprochen wird: der Einsatz von PVA-Holzleim (Weißleim) im Holzhandwerk.

Soweit ich verstanden habe, basiert dieser Leim auf Polyvinylacetat – also einem Kunststoff. Damit besteht jede verleimte Fuge in Leimholzplatten, Möbeln, Sperrholz usw. im Grunde aus einem Kunststoffanteil. Wenn man das weiterdenkt, heißt das doch auch:
Sehr viele unserer „Holz“-Produkte enthalten dauerhaft Plastik.

Was mir dabei Sorgen macht:

  • Beim Schleifen, Fräsen oder Entsorgen können feinste Partikel entstehen
  • Diese Partikel sind biologisch nicht abbaubar
  • Holz wird oft als besonders nachhaltiger Werkstoff beworben – aber der Kunststoffanteil im Leim wird dabei kaum erwähnt
  • Industriell wird extrem viel Leimholz verarbeitet – die Mengen summieren sich also
Mir ist klar, dass Leim technisch viele Vorteile hat (Stabilität, Haltbarkeit, Ressourceneffizienz durch Plattenwerkstoffe). Trotzdem frage ich mich:

  • Wird hier ein Mikroplastikproblem unterschätzt?
  • Gibt es umweltfreundlichere Alternativen, die im Alltag wirklich praktikabel sind?
  • Wie wird verleimtes Holz am Lebensende korrekt entsorgt oder recycelt?
Ich will das Handwerk nicht schlechtreden – ich finde Holz als Werkstoff großartig. Aber wenn wir ehrlich über Nachhaltigkeit sprechen, sollten solche Punkte doch auch offen diskutiert werden.

Wie seht ihr das?
Wer aus Plastikflaschen trinkt, nimmt die 300 fache Menge an Nanoplastik zu sich im Vergleich zu Glasflaschen mit Kunststoffverschlussmaterialien zu sich...
Wer Pinsel oder Farbrollen auswäscht wegen der Nachhaltigkeit, ist ökologisch betrachtet ein Umweltferkel. Aber so was von!!
Wer die nach einmaligem Gebrauch wegwirft ist nicht ganz so schlimm.
In Kunststoffdispersionen jedweder Art, ob mit blauem Engel oder mit sonstwas zur Gewissensberuhigung ist halt Mikroplastik vorhanden, was dann ins Trinkwassersystem gelangt.
Also gleich eine Profifirma beauftragen, die Reinigungssysteme unterhält, welche eine fachgerechte Entsorgung ermöglichen.

Und nun kommt noch jemand mit Leim um die Ecke und nutzt wahrscheinlich Lithium-Akkus im Handy. Leim herstellen/kochen ist jedoch auch wieder nur mit Energie möglich. Strom ist auch nicht ganz grün unterwegs. Holz und Kohle auch wieder nicht optimal.

Was also soll ich nun machen? Auf Leim und Klebstoffe verzichten und als Hobby die Wolken beobachten?
Gut, wenn jeder nur das nötigste aufträgt, ist schon viel gewonnen.

Noch besser ist es ökologisch gesehen, sich vollständig zu entkleiden, sich in den ganz ganz tiefen Wald zu legen und sterben.
 

Softwood

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Hier gingen ja jetzt ein paar Dinge durcheinander und ich würde da gerne von der Kunststoffseite mal ein bisschen was beleuchten.

1. Trennung EVA und EVOH
Leider gibt es hier immer noch Verwechslung. Ethylvinylactetat (EVA/EVAc) ist das Polymer im Leim, Ethylvinylalkohol (EVOH) wird z.B. in Folien als Sauerstoffbarriere eingesetzt. Wichtig zu wissen ist, dass sich bei EVA die Acetat-Gruppe Abspalten kann und dann hat man EVOH. EVOH ist auch wasserlöslich, das könnte also die Erklärung für die mangelnde Beständigkeit unter Bewitterung erklären.

2. Mikroplastik
Wir müsse uns immer klar machen, worüber wir hier reden. Es geht NICHT! um kleine Plastikstücke von Verpackungen an denen dann Tiere verenden. Was auch schlimm und ein Problem ist aber das ist makroskopisches Plastik. Mikroplastik sind super kleine Bestandteile wie z.B. Reifenabrieb die im Stoffkreislauf (als feste Partikel) mitschwimmen, sich irgendwo aggregieren und dann über die Nahrung wieder aufgenommen werden. Das Polymer an sich ist dabei nicht unbedingt schädlich. Es kann aber zum einen schädliche Additive enthalten (Weichmacher, Farbstoffe etc.) zum anderen kann es als Fremdkörper im Organismus Reaktionen hervorrufen z.B. Entzündungen.
Wasserlösliche Stoffe sind soweit ich weiß auch kein Mikroplastik, denn die sind wiederum gelöst und damit keine festen Partikel mehr. Sie reichern sich auch nicht an, da sie ja mit dem Wasser wieder aus dem Körper transportiert werden können. Es werden da auch keine additive mitgebracht dem beim Lösen werden ja die Polymerketten vereinzelt und die Additve sind nicht mehr gebunden.

3. Abbaubarkeit/Kompostierbarkeit/Löslichkeit etc.
Sind zwei recht unterschiedliche Dinge. "Abbaubarkeit" meint meistens "Ich werfe es in den Wald und nach Zeit X ist es weg". Während "Kompostierbarkeit" ein definierter Begriff ist. Dabei wird in einem definierten Verfahren (Thermokomposter bei entsprechender Temperatur) geschaut ob nach einer Zeit X noch Bestandteile >1mm² (o.ä.) vorhanden sind.
Das ist eine wichtige Unterscheidung denn z.B. PLA (was man im 3D Drucker hat) wäre im Thermokomposter kompostierbar, während es in der Umwelt sehr lange bestehen würde. Wenn es sich allerdings zu Mikroplastik zerreibt dann würde es vermutlich in der Magensäure einfach kaputt gehen. Zusätzlich sollte man wissen, dass es zwischen biobasierten Kunststoffen und bioaabbaubaren Kunststoffen einen Unterschied gibt. Es gibt biobasierte Kunststoffe, die nicht abbaubar/kompostierbar sind (z.B. PE aus Bio-Ethanol) oder erdölbasierte Kunststoffe, die biologisch abbaubar sind (PBAT).
Da ich bei Mikroplastik über gelöstes Plastik gesprochen habe: Gelöst ist nicht abgebaut. Wenn du Zucker in Wasser auflöst ist der Zucker fürs auge weg, wenn das Wasser verdunstet ist der Zucker wieder da. Wenn vorher ein Bakterium den Zucker in Alkohol umsetzt dann ist er umgewandelt udn wenn das Wasser verdampft bleibt nur die Hefe übrig.
Da kommen ich auch an meine Grenzen, ich weiß nicht, wie kritisch gelöste Substanzen in der Umwelt sind. Grundsätzlich ist es aber so: Wenn sich was in Wasser löst, kriegen wir es schnell in der Körper rein aber genauso einfach auch wieder raus. Solange der Stoff selbst also ungiftig ist, ist das deutlich besser als Stoffe, die sich akkumulieren. Gelöste Stoffe können auch durch Organismen einfacher abgebaut werden, das heißt aber nicht, dass das bei PVOH funktioniert, erst recht nicht schnell). Aber schon besser als bei "Ewigkeitschemikalien".

4. Globale Probleme und Plastik
Häufig wird Plastikmüll als Symbol für Umweltschäden gesehen insbesondere solche Dinge wie die riesigen Müllinseln, die irgendwo im Meer treiben. Man sollte sich dabei aber klar machen, dass es einen sehr großen Unterschied zwischen physischer Verschmutzung der Umwelt gibt und der Zerstörung von Ökosystemen durch den Klimawandel. Selbst so empfindlichen Systemen wie Korallen ist makroskopisches Plastik im Meer relativ egal. Im Gegenteil Riffe werden mit Hilfe von alten Reifen wieder aufgebaut, die dann von Korallen überwuchert werden. Den Wald stört es wenig wenn da Plastikfalschen rumliegen, das stört eher uns Menschen.
Was hingegen sehr problematisch ist, ist die Verbrennung fossil hergestellter Kunststoffe und der resultierende CO2 Ausstoß, stichwort Globale Erwärmung. Hier wäre eine Lösung, biobasierte Polymere zu nehmen, da diese zumindest einen großen Teil der gesammten CO2 Bilanz zum Wachstum aufgenommen haben.

5. Wachstumsmärke und Wachstumszahlen von Websites
Wenn man online nach irgendeinem Markt sucht, findet man fast für jedes Thema eine Seite einer indischen Firma (oder einer US/UK Firma deren Subunternehmen in Indien sitzt). Ziel ist diese Marktanalysen zu verkaufen. Wir haben in der Firma mindestens einmal monatlich mit sowas zutun und können sicher sagen, dass uns da noch nicht ein seriöser Laden mit vernünftigen Zahlen über den Weg gelaufen ist.
Die sind maßlos überzogen, wenn man von 1-10% der genannten Zahlen ausgeht könnte das realistisch sein.
Man muss sich klarmachen, dass ernsthafte Marktanalyse richtig viel Geld kostet. Wenn jemand belastbare Zahlen für den PVAc Markt hätte dann würde er die nicht ins Internet werfen.
Henkel wird eine ganze Abteilung dafür haben, die für die Produkte rausfindet, was es gibt, wie der Preis ist etc. Manchmal gibt es aus Branchenverbänden gute Zahlen, z.T. finden die sich auch mal in der Wikipedia.

Fazit:
Um zum Weißleim zurückzukommen. Ich halte das Problem für überschaubar. Das PVAc wird vermutlich in PVOH umgewandelt und schwimmt dann gelöst (aber nicht abgebaut) im Meer. Es ist kein "Null-Fußabdruck" wie bei Glutenleim der sicherlich komplett abbaut aber ich denke der Einfluss für Mensch und Umwelt ist sehr überschaubar. In Möbeln dürfte das Holz sowieso primär thermisch verwertet werden, auch hier ist PVAc abseits des CO2 Ausstoßes unkritisch.
Ich finde es schön und wichtig, dass sich Leute darüber Gedanken machen und sich hier im Forum austauschen. Ich habe auch schon häufiger überlegt, im Privatbereich auf Fischleim umzustellen nach dem Vorbild von Heiko.
Gleichzeitig sollte man sich schon über die Relationen der Effekte klar sein. Weiterhin viel zu Fliegen, mehrfach die Woche Fleisch zu konsumieren, Heizen mit Öl/Gas oder PKWs mit Benzin/Diesel richten vermutlich um einen Faktor 100-1000 mehr Schaden an Ökosystemen an als der Weißleim in der eigenen Werkstatt.
Ich begrüße diese Auseinandersetzung als "Ein kleiner Baustein von vielen" und lehne sie als "damit habe ich was für die Umwelt getan und kann an anderer Stelle nachlässig sein" ab, dafür passen die Relationen einfach nicht.
Der Hinweis ist völlig in die richtige Richtung, da es sich um einen wasserlöslichen Kunststoff handelt, ist die Überschrift mit Mikroplastik falsch.
in dem Zusammenhang sollte man dann schon eher auf die Dispersionsfarben schauen, denn diese enthalten das gleicht Polymer PVAc und das wird z.B. teilweise durch Verwitterung abgetragen - wobei, da würde ich mir eher über das wasserunlösliche Titanweiß Gedanken machen….
 

HolzandMore

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8. Längengrad
Ohne Kunststoffe würden wir (fast) alle nackt herum laufen. Ein Leben ohne ist eigentlich nicht mehr vorstellbar. Das würde uns ins 19. Jahrhundert zurückkatapultieren, und diese Zeit war für das gemeine Volk alles andere als schön und bequem.
Man sollte sich dessen schon bewust sein und im eigenen Rahmen versuchen den Konsum von Kunststoff einzuschränken.
Mehr ist aber nicht drin. Leider wird der weitere Weg bereits vorgezeichnet sein mit allen negativen Konsequenzen.

Aber Kopf hoch, positiv denken :emoji_grin:
Gruß Andi
 

Seanathair

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Ich halte das Problem PVA-Leim bzgl. Microplastik für vernachlässigbar. Wenn man sich an solchen Kleinigkeiten aufreibt, verliert man leicht den Blick für's wesentliche. Straßenbau und Autoreifen sind mit Abstand die Hauptquelle für Microplastik.
 

magmog

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am hessischen Main & Köln
.......... Kleidung, Farben, Anstriche, Fanggeschirr der Fischer....... alles jährlich in tausenden Tonnen neu auf dem Markt.
Alleine durch Abrieb kommen täglich unglaubliche Mengen zu den bereits bestehenden hinzu!
 
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