Schleifen von gedrechselten Bauteilen

halessa

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Hallo in die Runde!

Ich bin gerade wieder dabei, ein Werkstück mit vielen gedrechselten Elementen zu restaurieren. Es wurde professionell glasgestrahlt und es sind aber noch tiefsitzende Lackreste vorhanden, auch wurde durch das Strahlen die Oberfläche relativ rau.

Einige kleine Teile die ich abgebaut habe kann ich in bei einem befreundeten Drechsler in die Drechselbank einspannen und so abschleifen, den Hauptteil kann ich leider nicht zerlegen und muss also manuell arbeiten. Da das Holz sehr hart ist (Buche) habe ich selbst mit groben Schleifpapier kaum eine Materialabtragung.

Ich hab Schleifpapier, Schleifschwämme und Stahlwolle hier, die glatten Flächen hab ich schon mit dem Dreieckschleifer bearbeitet, aber gerade an den Stirnseiten des Vollholzes hat sich der Lack richtiggehend eingesaugt.

Jetzt meine Frage? Wie kriege ich den Lack ab ohne die gedrechselten Elemente zu beschädigen? Soll ich es mit Ablaugen probieren?
 

schrauber-at-work

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Hallo,

Sandstrahle halt ich für Holz ungeeignet, zerstört ja die Fasern.
Ablaugen wird denke ich nicht funktionieren, wenn dann Abbeizen mit einem ordentlichen Abbeizer. Also nicht aus dem Baumarkt sondern im Farbenfachhandel kaufen.

Gruß SAW
 

halessa

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Hallo SAW, es wurde glasgestrahlt, nicht sandgestrahlt. Ich denke die wussten schon was sie taten weil das Werkstück mit Farbe total überkleistert war und man mit Ablaugen da nicht weitergekommen wäre. Ich hab es zuvor auch selbst mit dem Heisluftgebläse versucht, der Lack hat nur gelacht. Es ist auch schätzungsweise 99% der Farbe entfernt worden, nur das letzte Prozent in den feinen Rillen und Kanten der Drechselelemente ging halt nicht ganz raus. Hab gestern schon ein paar Stunden geschliffen, aber es ist extrem mühsam. Ich frage mich halt ob bei Abbeizer das überhaupt rausgehen würde, da die Farbe richtiggehend ins Holz eingezogen ist und nicht nur an der Oberfläche sitzt.

Das Werkstück hat außerdem etliche Wurmfraßschäden, die ich in einem weiteren Arbeitsgang noch versorgen muss.
 

Batucada

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Bist du sicher, dass es ein professioneller Strahlvorgang war? Für manche Teile ist es jetzt ohnehin zu spät. Aber für's nächste Mal bzw. für die anderen Teile sollte ein anderes Strahlmittel genommen werden. Es gibt spezielle Strahlmittel, die einen weichen Abtrag bewirken, z.B. Soda oder Backpulver. Es hängt zu einem Teil von der Masse des Strahlmittels ab, wie viel Energie das Strahlmittel beim Beschleunigen in der Düse aufnehmen kann, diese Energie ist beim Auftreffen für den Abtrag verantwortlich. Und zu einem weiteren Teil ist es die Beschaffenheit des Strahlmittel selbst, ob die Oberfläche des darunter liegenden Holzes überhaupt beschädigt wird. Und zum guten Schluss hängt es noch von der Geschicklichkeit beim Führen der Strahldüse ab. Ich habe z.B. eine etwa 25 Jahre alte Hammerschlaglackierung "gereinigt" und anschließend mit Klarlack überzogen. Die Teile sehen aus, als kämen sie frisch aus dem Handel.

EDIT: Strahlen mit Glas(kügelchen) ist für die weiche Holzoberfläche völlig ungeeignet.
 

halessa

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Hallo Batucada, ja ziemlich sicher. Hab das Stück hier zu einem Betrieb zum Ablaugen gegeben, da dies aber hier nicht mehr gemacht wurde, wurde es zu einem Partnerbetrieb in Deutschland eingeschickt (http://www.holzcleanic-sued.de). War jetzt eh fast acht Wochen weg. Als ich es zurückbekam stand auf dem Laufzettel "strahlen", ich denke die haben das angesehen und gemerkt dass sie mit Ablaugen da nicht weiterkommen. Ich war dann auf der Webseite der Firma und dort ist als Service auch Glasstrahlen angegeben. Ich müsste halt anrufen und nochmal extra nachfragen. Das Holz ist an der Oberfläche teilweise aufgeraut, also gehe ich davon aus dass das mit dem Glas schon korrekt ist. Mit der Art und Beschaffenheit sowie dem Geschick des Arbeiters gebe ich dir völlig recht. Aber da es immer noch Lackreste gibt hat derjenige da schon vorsichtig gearbeitet. Und das Holz ist brutal hart. Ich hab an den geraden Stellen mit 60er-Schleifpapier mit dem Dreieckschleifer geschliffen, da brauchte ich ordentlich Druck um überhaupt Abtrag zu bekommen.
 

Batucada

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Du solltest mal im Internet nach Seiten suchen, die die Physik des Strahlens näher beschreiben. Ich bleibe dabei, dass Glasstrahlen zum schonenden Entlacken von Holz ungeeignet ist. Auch wenn die Holzcleanic das anders sieht.
 

halessa

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Hallo Batucada, mache ich gerne und nehme ich auch zur Kenntnis, aber bei meiner derzeitigen Fragestellung hilft mir das nicht weiter.
 

carsten

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Hallo

Dreiecksschleifer sehe ich als völlig ungeeignet. Da ist mit passendem Schleifpapier der Abtrag im Handschliff höher.
Evtl. Schleifpapier mit Leinen ( Schleileinen) mehmen. Alternativ die kleinen Farbreste der Holzfarbe angleichen.
 

andama

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Wie kriege ich den Lack ab ohne die gedrechselten Elemente zu beschädigen? Soll ich es mit Ablaugen probieren?

Wenn nur noch einzelne Stellen mit Farbe übrig sind, würde ich es mit Ablauger probieren. Diese Stellen gut einstreichen und wichtig einwirken lassen und sobald die Farbschichten weich geworden sind, mit einer weichen Messingbürste ausbürsten. Ist mühsam, funktioniert aber.
 

halessa

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Wenn nur noch einzelne Stellen mit Farbe übrig sind, würde ich es mit Ablauger probieren. Diese Stellen gut einstreichen und wichtig einwirken lassen und sobald die Farbschichten weich geworden sind, mit einer weichen Messingbürste ausbürsten. Ist mühsam, funktioniert aber.
Hallo andama, vielen Dank dann werde ich das mal probieren. Mühsamer als manuelles Abschleifen kanns auch nicht sein. Es sind wirklich nur Farbreste in den Ecken und Rundungen, die geraden Teile sind großteils sauber.

Hier mal ein Bild wo man schön die Farbreste erkennen kann (inklusive Wurmschaden)

IMG_6618.JPG
 
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halessa

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Bekommst Du die gedrechselten Teile noch weiter zerlegt und kannst auf einer Drehbank mit Schonbacken und mit Schmirgelleine arbeiten?
Hallo, ja einige Teile habe ich zerlegen können und kann sie auch auf einer Drechselbank eines Bekannten abschleifen, das hatte ich für diese Teile bereits angedacht. Aber den Hauptteil kann ich nicht zerlegen.
 

halessa

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Hallo
Dreiecksschleifer sehe ich als völlig ungeeignet. Da ist mit passendem Schleifpapier der Abtrag im Handschliff höher.
Evtl. Schleifpapier mit Leinen ( Schleileinen) mehmen. Alternativ die kleinen Farbreste der Holzfarbe angleichen.
Hallo carsten, den Dreieckschleifer habe ich nur für die flachen Elemente verwendet, das ging recht gut. Bei den Drechselteilen gebe ich dir völlig recht. Ich hab auch kurz angedacht, mir den Proxxon Langhals-Winkelschleifer zu gönnen, da es dafür Schleifvliese gibt und man damit eventuell gut um die Ecken kommen würde. Was hältst du davon?
 

dascello

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Lieber Halessa,

dieses zerfressene Teil willst du erhalten?
Ich fürchte, das zerbröselt beim festen Händedruck.
Neu drechseln ist aber überhaupt kein Ding.
Was evtl ginge: In Epoxy baden und in Vakuum alle Löcher ausfüllen.
Dafür muss das danach aber trotzdem wieder in Form gedreht werden.....

Gruß

Michael
 

halessa

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Lieber Halessa,

dieses zerfressene Teil willst du erhalten?
Ich fürchte, das zerbröselt beim festen Händedruck.
Neu drechseln ist aber überhaupt kein Ding.
Was evtl ginge: In Epoxy baden und in Vakuum alle Löcher ausfüllen.
Dafür muss das danach aber trotzdem wieder in Form gedreht werden.....

Gruß
Michael

Hallo Michael, ich hab erst gestern die Wurmschäden ausgefräst, es sieht auf dem ersten Bild schlimmer aus als gedacht. von der Tiefe schätze ich maximal 3-4 mm, der Rest vom Bein ist arschhart (Buchenholz), ich habs jetzt nicht im Kopf aber ich schätze das Bein hat an der Stelle ungefähr 3,5 bis 4 cm. Ans nachdrechseln hab ich auch schon gedacht, das wäre meine Option gewesen wenn das Bein zu beschädigt und nicht zu retten gewesen wäre. Allerdings möchte ich soviel wie möglich an Originalsubstanz erhalten und das Bein ist so dermaßen fest verbaut, dass ich es vermutlich rausbohren hätte müssen. Die Epoxy-Lösung hab ich auch schon im Kopf gehabt, aber an Stabilität mangelt es nicht, d.h. es wird die gute alte Holzspachtel zum Einsatz kommen. Ich will auch keine Wissenschaft mit Vakuum usw. draus machen sondern im Rahmen meiner Möglichkeiten agieren ohne unendlich Budget zu verbraten. Das Bein ist eines von drei und nicht an der Stelle wo das meiste Gewicht sitzt.

Ich denke die Wurmschäden waren auch der Grund warum das Teil totlackiert wurde, man hat einfach immer wieder drübergestrichen anstatt das ordentlich machen zu lassen.

21bc802a-5348-4f39-9016-f2e27eeaeb3e.jpg
 

Holz-Christian

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Lieber Halessa,

dieses zerfressene Teil willst du erhalten?
Ich fürchte, das zerbröselt beim festen Händedruck.
Neu drechseln ist aber überhaupt kein Ding.
Was evtl ginge: In Epoxy baden und in Vakuum alle Löcher ausfüllen.
Dafür muss das danach aber trotzdem wieder in Form gedreht werden.....

Gruß

Michael
Servus, sehe ich auch so, das ist in etwa so als ob man ein Brathähnchen reanimieren möchte.:emoji_grin:

Da würde ich nichts anderes als Neuanfertigung in Betracht ziehen.

Gruß Christian
 

carsten

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Hallo

den Kollegen schließe ich mich an. Und der Vergleich mit dem Brathähnchen ist recht treffend.
allein das Material und erst recht inkl Arbeit kostet ein mehrfaches des neuen Teils.
Holzspachtel die wie Holz aussieht gibt es nicht. Das gibt immer einen einfarbigen Fleck, außer man lackiert es eben deckend und dann wären auch die Farbreste egal.
 

halessa

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Wenn das Zeit bis Anfang November hat, mach ich dir das.

Hallo cello, sehr nett von dir, aber einen Drechsler samt Werkstatt hab ich an der Hand, das ist also kein Problem.

Die Herausforderung ist eher, wie ich das Bein rausbekomme, ganz einfach weil über dem Bein noch ein zweites Holzelement sitzt, das heißt, von oben rausklopfen geht nicht. Unten ist das Bein ebenfalls noch mit dem Rest der Konstruktion verbunden. Und alles sitzt wirklich bombenfest. Und das muss dann auch wieder entsprechend reingebaut werden, das sehe ich als den schwierigsten Part an. Ich stelle euch nochmal ein Bild vom ganzen Korpus rein. Dann kann man die Problematik – und was es werden soll – besser erkennen. :emoji_slight_smile:

IMG_6617.JPG
 

Eder Franz

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Schleifen mit Papier nützt da wenig, da die Farbe in der Tiefe liegt. Hier brauchst Du ein Schleifmittel, dass da reinkommt: Eine Schleifbürste.

https://www.qwant.com/?q=schleifbürste&t=images

Aber jetzt mal ehrlich. Warum soll das ab? Um so einen Shabby-Look hinzubekommen, pinseln andere extra noch Farbe drauf. Sieht doch absolut klasse aus mit dem Taubenblau. Ich würde es eventuell sogar so lassen. Da scheint noch etwas Geschichte durch.

Neu machen würde ich da auch nichts. Ein knuspriges Brathänchen! Es wird nicht besser, wenn man da nachträglich Federn anklebt.
 
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halessa

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Schleifen mit Papier nützt da wenig, da die Farbe in der Tiefe liegt. Hier brauchst Du ein Schleifmittel, dass da reinkommt: Eine Schleifbürste.

https://www.qwant.com/?q=schleifbürste&t=images

Aber jetzt mal ehrlich. Warum soll das ab? Um so einen Shabby-Look hinzubekommen, pinseln andere extra noch Farbe drauf. Sieht doch absolut klasse aus mit dem Taubenblau. Ich würde es eventuell sogar so lassen. Da scheint noch etwas Geschichte durch.

Neu machen würde ich da auch nichts. Ein knuspriges Brathänchen! Es wird nicht besser, wenn man da nachträglich Federn anklebt.

Hallo, ich habe gestern mit dem von carsten empfohlenem Schleifleinen gearbeitet und es funktioniert. Viel besser als das normale Schleifpapier. eine kleine Schleifbürste hab ich beim Proxxon irgendwo dabei und könnte ich mir für die Stellen wo ich mit Papier nicht weiterkomme gut vorstellen. Die werde ich mal suchen gehen, danke für den Tipp.

Was das mit der Farbe abmachen betrifft: Erstens stehe ich nicht auf Shabby-Look, zweitens waren da soviele Schichten Farbe drauf dass eben alles zugekleistert war und zwar mit einem besonders grässlichen Militärgrün. Du siehst auf dem Bild nur die Reste. Das Stück soll auch wieder eine – teilweise – Farbfassung bekommen und du hast recht, Taubenblau habe ich für diese Fassungselemente angedacht. Das würde auch dem original skandinavischem Farbschema entsprechen. Und als dritter Punkt, das Stück wäre im Urzustand nicht benutzbar, da die Stellschrauben sich durch den Farbauftrag kaum bewegen ließen.

Und was das neu machen etc und "nicht besser werden" betrifft, ich denke das ist wohl meine Sache.
 
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Eder Franz

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Das bleibt letztlich Deine Sache. Natürlich!

Aber ich komme auch nicht zu Dir nach Hause und kommentiere ungefragt dein Mobiliar. Du kommst virtuell zu mir. Wer hier fragen stellt und von der Zeit und den Erfahrungen Dritter profitieren möchte, muss dann auch Meinungen zulassen oder sein eigenes Ding durchziehen. Und zwar alleine im Keller.

Da du fragst: Ich würde die Farbe so lassen. Sieht perfekt aus. Wenn Du die Farbe runterholst, sieht das Ding anschließend so tot aus, wie Knut und Moppe. Wenn das dein Ziel ist: Schleifbürste!
 

halessa

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Ist mir schon klar, und ich nehme das gerne zur Kenntnis. Nur war meine Frage hier nicht ob ich die Farbe lassen soll sondern wie kriege ich die Reste am besten runter. Das ist halt eine Geschmacksfrage, darüber kann man eben nicht streiten.

Und die Idee mit der Schleifbürste finde ich Klasse.
 

fledi

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Zu den stark verwurmten Teilen: Ich habe bei Herrn Greef gelernt, das man sowas stabilisieren kann, indem man die Teile in Knochenleim tränkt. Videoanleitung dazu hier. Ich würde gar nicht so viel von dem Gebrösel entfernen, sondern erstmal sehen,was der Knochenleim so schafft, den Rest kann man immer noch zuspachteln.

Gruss,
Fledi
 

halessa

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Hallo Fledi, danke, das Video ist sehr spannend! Ich hab sogar Knochenleimpellets zuhause!
 
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