Riss in altem Eichentisch

Blutiger Anfänger

ww-pappel
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Hallo allerseits!

Mein Problem sind zwei Risse in einem alten Eichentisch, ca. 150 bis 200 Jahre, 78 x 160 x 4. Platte besteht aus drei verleimten Bohlen, die durch zwei darunterliegende Träger gehalten werden, die jeweils mit großen Eichendübeln mit den äußeren Platten verbunden sind. Der Tisch ist im Laufe der Jahre aufgegangen, ausgehend von einer Leimstelle zunächst ein ca. 30 cm langer Risss, der an der Kante im Holz bereits schräg beginnt, sich dann verliert, und sich von dort aus ca 1 cm versetzt bis über die Mitte des Tisches hinaus fortsetzt. Der Riss ist bis zu 4 mm breit. Der Tisch soll komplett restauriert werden.

Fräsen und neues Holzeinlegen ist ebenso unschön wie Ausfüllen mit Wachs oder Epoxy. Komplett aufsägen und neu zusammen leimen wäre eine Option, jedoch würde der Tisch dann zu schmal. Ich würde auch nur ungern die alte Dübel von unten zerstören wollen. Die Idee ist, den Riss mit Epoxy oder Leim zu füllen, sodann den Riss mit mehreren starken Zwingen auf Null zu bringen - ob das ohne Entfernen der beiden darunterliegenden Träger gelingt, wäre auszuprobieren. Dann könnte man mit zwei bis drei doppelten Schwalbenschwänzen (ca. 2-2,5 x 7 cm, Eiche) sowohl von oben als auch von unten verbinden, oder aber solche Schwalbenschwänze nur von unten einbringen, dann jedoch größere bis kurz unter die Oberfläche, also ca. 3,2 x 8 cm ca..

Was haltet Ihr davon? Oder habt Ihr eine andere gute Idee? Ach ja, die Platte hat im Bereich des Risses an der Außenseite des Tisches einen leichten Höhenversatz auch noch...:emoji_frowning2:

Dank im Voraus!

Per
 

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yoghurt

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Hallo Per,
kannst Du bitte mal ein Bild der Konstruktion machen? Also am BEsten den Tisch einmal von oben und einmal von unten. Danke!

Hintergrund der Frage ist, ob sich die Risse bei falscher Konstruktion überhaupt dauerhaft beheben lassen.
 

yoghurt

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.... Denn wenn ich schon "Querbalken" und "Dübel" höre, dann ahne ich schon, dass die Platte in der Breite nicht ungehindert arbeiten kann.

Wahrscheinlich ist es dann am sinnvollsten, die "Querbalken" zu lösen und die Dübel durch Schrauben mit Unterlegscheiben in Langlöchern zu ersetzen. Erst dann lohnt es sich den Riss mit Kraft zuzudrücken und zu verleimen. Eventuell geht das dann auch fugenfrei und mit Weißleim(?). Tante EDIT sagt: Spaltfrei könnte gehen, müsste man mal trocken mit Zwingen versuchen. (erst alle Bilder ansehen, dann denken und schreiben - Anfängerfehler, aber ich bin ja erst seit gestern hier im Forum!)
 

IngoS

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Hallo allerseits!
Platte besteht aus drei verleimten Bohlen, die durch zwei darunterliegende Träger gehalten werden, die jeweils mit großen Eichendübeln mit den äußeren Platten verbunden sind. Der Tisch ist im Laufe der Jahre aufgegangen,
Dank im Voraus Per
Hallo,

In der Konstruktion liegt der Hund begraben.
Früher, bei Ofenheizung hatte das Holz eine Feuchte von etwa 10%.
Bei den heutigen Zentralheizungen liegt die Feuchtigkeit um 8%.
Dadurch schwindet das Holz. Die Verdübelung verhindert, dass sich die Platte
zusammenziehen kann. Da bleibt dem Holz nur das Reissen.
In der Länge quillt und schwindet Holz fast gar nicht, aber eben in der Breite.
Die Verdübelung muss gelöst werden, die Platte neu verleimen und plan schleifen.
Die Träger wieder drunter schrauben, aber bei den äußeren Schrauben mit
Langlöchern, damit die Platte arbeiten kann. Dann ist Ruhe und die Platte hält.
Ein Foto von unten könnte hilfreich sein.
Anderer seits sind ein paar Risse in einem alten Tisch überhaupt kein Beinbruch und
unterstreichen nur die Echtheit.

Gruß

Ingo

Joghurt war etwas schneller.
 

yoghurt

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Hallo,
schön, dass wir uns einig sind!

Planschleifen finde ich überlegenswert! Ich würde vielleicht lieber mit der welligen Originaloberfläche mit Patina und Gebrauchsspuren leben. Vielleicht lässt sich mit Renuwell oder dergleichen der hässliche Wasserring entfernen.
 

Friederich

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ein 150-200 Jahre alter Tisch ist wie er ist.
Er muss nicht aussehen wie 16.
Es muss auch keine solchen Risse haben. Egal wie alt er ist.
Er muss auch nicht so beschädigt bleiben wie er ist.

Also erst mal schauen, ob und wo etwas sperrt.
Dann diese Sperre beseitigen.
Ich würde auch nur ungern die alte Dübel von unten zerstören wollen.
Wäre aber wahrscheinlich sinnvoll.
Lieber vernichte ich doch alte unsichtbare Dübel, als dass ich die sichtbare Platte mit irgendwas zuspachtle.
 

Blutiger Anfänger

ww-pappel
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Hallo Yoghurt, hallo Ingo!

Ihr seid klasse, es ist das erste Mal, dass ich eine Frage in diesem Forum stelle... und eure Reaktionszeit ist einmalig, echt großen Dank Euch!

Also:

Manchmal steht man ja auf der Leitung und wird betriebsblind. Klar, das Holz ist geschrumpft, und die großen Dübel haben ihn auseinander gezogen/gehalten. Die Verleimung zwischen den Bohlen ist hervorragend, und irgendwann ist dann nicht die Verleimung, sondern das Holz gerissen. Wenn man sich den Tisch genau anschaut, insbesondere von unten, sieht man auch an anderen Stellen leichte Spannungsrisse, aber gutes Holz kämpft. Völlig logisch nun auch in meinen Augen, zusammendrücken ohne vorherige Entfernung der Träger geht nicht. Schade, denn die ziemlich massiven Dübel werden sich nicht schadfrei entfernen lassen. Sie müssen aber der Symmetrie wegen auf beiden Seiten raus, und dann ersetzt werden. Langlöcher mit Scheiben zum Gleiten sind dabei eine gute Idee, dank auch für diesen Vorschlag! Also Träger weg, trocken mal zusammenspannen mit 4-6 Zwingen und Unterlage, sehen was die Risse machen, dann Leim oder Epoxy (????), pressen, zugleich den Höhenunterschied am Ende mit Hölzern/Zwingen verspannen, um ihn weg zu bekommen. Dann komplett schleifen, Träger mit Schrauben und Langlöchern/Unterlegscheiben aufsetzen. Etwaige leichte Rest-Risse verspachteln.

So könnte die Arbeit mit den Schwalbenschwänzen vermutlich sparen, weil die Spannung raus wäre. Die Platte ist grundsätzlich plan, wenn man den kleinen Versatz weg bekommt, genügt wohl mehrfaches Schleifen und Ölen, denke ich...denn auch ich kann die Flecken nicht mehr sehen. Patina ist ja ok, aber chic ist anders...und momentan fällt jeder Krümel durch!

Hab mal noch paar Bilder eingestellt zur Illustration der Träger und Verdübelung, und ne Skizze von dem vorhandenen alten Unterbau, wenn die mit dem Handy geladenen Bilder erscheinen, sonst kommen die morgen.

Das Ergebnis wird ein wenig dauern, ist auch Weihnachten jetzt, stelle ich aber vor, wenn sich nicht meinerseits bis dahin noch weitere Fragen ergeben, oder ihr nach den Fotos noch weitere Vorschläge habt. Würdet ihr in diesem Fall Leim oder Epoxy nehmen? Tendiere zu Letzterem im Moment, um Restspannung zu begegnen, öde hält Leim gleich gut zusammen?

Und habt ihr noch irgend eine Idee für passende Beine nach Aufarbeitung? könnte auch Metall sein, am Liebsten aber etwas leicht extravagantes aus Holz, vielleicht sogar mit Absicht gegensätzlich zu Platte, bin mir da noch nicht schlüssig... Die Platte (im übrigen nicht vier, sondern 4,5 cm dick) ist toll, aber die aus der morgen ebenfalls eingestellten Zeichnung ersichtliche Konzeption mit Mittelstange und auch noch tollen Fussauflagen erscheint mir ehrlich gesagt etwas aus der Zeit gefallen, vor allem nervt der Mittelträger und schlechte „Besitzbarkeit“ an den Kopfenden.

Auf jeden Fall nochmals Dank für die grundlegende Idee und Klärung in meinem Kopf, vor allem wegen der gedübelten Träger und Spannung nach Trocknung!

Soweit erstmal und Gruß, Per
 

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IngoS

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Hallo,

das sind keine durchgehenden Dübel, sondern Querholzstopfen, ca. 1,5 cm dick.
Wenn du die ausbohrst, kommen darunter sicher Schrauben zum Vorschein.

Gruß

Ingo
 

Friederich

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Und habt ihr noch irgend eine Idee für passende Beine nach Aufarbeitung?
Eine Möglichkeit:
https://www.etsy.com/de/listing/400591093/tischbeine-tischgestell-tischkufen?gpla=1&gao=1&&utm_source=google&utm_medium=cpc&utm_campaign=shopping_de_de_de_a-home_and_living-furniture-living_room_furniture-coffee_and_end_tables&utm_custom1=3f95757f-4b5a-4567-afd6-969501e1df0a&gclid=EAIaIQobChMIqIrbjLni1wIV77ftCh3cCgUnEAQYASABEgJ1CvD_BwE

Verschraubung natürlich durch Langlöcher. Hält gleichzeitig auch die Platte gerade.

Zum Verleimen der Platte genügt einfacher Holzleim
Die Zulagen für die senkrecht angesetzten Zwingen müssen glatt sein, damit die Platte beim Zusamenziehen durchrutschen kann.
Beschichtetes Plattenmaterial, oder Holz mit druntgelegter Plastiktüte .
Schon alleine, damit die Zulage nicht festleimt.
Wenn die großen Zwingen nicht reichen, geht auch Spanngurt.
 

holzz

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der arme alte Tisch- da haut man ihm die Füße weg, verleimt und schleift ihn- dann sieht er aus wie neu.
 

Blutiger Anfänger

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Zunächst Euch allen nochmal Dank, insbesondere auch Friederich mit seinen tollen Hinweisen, den ich noch nicht erwähnte, aber auch für die gerunzelten Stirnen von Holzz, magmog und Ingo! Ich liebe diesen Tisch, den er hat eine Geschichte, und ich würde ihn gerne so wie er ist erhalten. Aber Flüssigkeiten laufen durch, Krümel bleiben hängen und der Riss wurde in den vergangenen 30 Jahren größer. Ich werde jetzt erstmal die Träger entfernen, trocken zusammenfügen, dann entscheiden, ob ich das lose Brett ganz löse und erst dann leime oder den Leim mit Spritze in den Spalt gebe und von den Seiten wie auch in der Höhe spanne. Dann ist der Riss hoffentlich weg und der Tisch immer noch alt. Dann mal sehen, wie hoch dann noch der Höhenversatz ist und ob man irgendwie die größten Ringe auch ohne Schleifen weg bekommt, Yoghurt hatte da je eine gute Idee. Vielleicht kann man am Ende also die Platte alt belassen mit all ihrer Erfahrung, ich verstehe die entsprechenden Einwände!

Allerdings, lieber Holzz, die alten Beine sind leider keine solchen, sondern Platten, und der Verbindungsträger ist ebenfalls in Kniehöhe, niemand kann auch nur ein Bein ausstrecken! Auch ich finde es schade, aber ein Tisch soll doch belebt werden, rundum, und nicht nur Augenweide und Zeugnis der Vergangenheit sein. Die Fußablagen haben heute ihren Sinn verloren und stören bei den Stühlen, die Seitenplatten verhindern jedes Sitzen an den Kopfenden, der verbindende Träger nervt nur. Sind da die von Friederich vorgeschlagenen Beine so ein Sakrileg? Ich finde im Moment den Kompromiss ganz gut, junge Beine mit reparierter Platte, die aber nicht neu gehobelt / geschliffen, sondern nur zusammengefügt, gepflegt und geölt. Der Unterbau braucht ja nicht entsorgt zu werden, für den Fall der Fälle ist dann das Original schnell wieder hergestellt...
 

yoghurt

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Hallo,
ja, das klingt nach einem gangbaren Kompromiss. Letztlich willst du den Tisch nutzen, denn dazu ist er da. Der Forist BW hat mal das Bonmot gebracht: "Wenn der Kunde den Flachbildfernseher im Barockschrank will, dann baue ich ihm das!" (sinngemäß). Das war eine bewusste Überspitzung, weist aber zurecht darauf hin, dass wir nicht im Museum wohnen müssen!
 
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