Wohnzimmer selbst bauen - welches Holz?

sensorback

ww-pappel
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Hallo Forum,

ich bin neu hier und deshalb geb ich mal ein, zwei Sätze zu mir ab: Ich bin Softwareentwickler, hab also beruflich nichts mit Handarbeit zu tun. Ich bau mir seit eh und je vieles selbst. Meine Rennräder, Computer, Möbel und auch alles was man im Alltag mal so braucht. Wenn die Meute blöd rumsteht und sich fragt "was machen wir denn da jetzt, wie tun wir denn XYZ?" dann hab ich schon mein Taschenmesser gezückt und suche im Kämmerlein nach Zeug aus dem sich etwas machen lässt, mit dem man XYZ lösen kann. In den letzten Jahren hab ich mich dann auch im Möbelbau versucht (Terrassenschrank, selbst auspendelnde Hängeregale an Stahlseilen, Garderobe an Stahlseilen, ...).
Nun ist das Wohnzimmer dran. Es ist alles geplant, Bilder aus den Skizzen gibts hier: https://www.dropbox.com/sh/v43xziizypaapai/AADUGc_uh-oO7vJATqkOY2wIa?dl=0

Die Couch ist gekauft, alles andere möchte ich selbst bauen. Nun hab ich mir von einem lokalen Händler ein Angebot für meine Zuschnittliste stellen lassen, das sind Dekorplatten mit 2mm Kanten. Der Preis liegt bei 1250 Euro. Das ist etwa das dreifache dessen, das ich fürs Holz allein ausgeben möchte. Nun steh ich da und bin auf die Auswahl in den Baumärkten angewiesen. Da bleiben dann einige Optionen:

  1. Dekorplatten: Mit Bekantung komm ich da bei den diversen Platten auf ca. 400 Euro.
  2. Diverse Leimholzplatten (Akazie, Eiche) die optisch schon passen: Kann ich nur stückweise kaufen und muss die Zuschnitte dann möglichst effizient darauf verteilen. Kommt dann insgesamt etwas teurer, aber im Budget.
  3. Buchen Leimholzplatten: Sind optisch noch nicht OK weil zu hell, mit Anstrich komm ich da eventuell auf ein optisch gutes Ergebnis.

Als Probeschrank hab ich mir billige Fichtenholz Platten zuschneiden lassen und diese mit einer Nußfarbigen Lasur bestrichen. Die große Dummheit dabei: Zum Trocknen auf die Terrasse gelegt, in der Nacht hats dann auch noch geregnet. Der 120x30cm Deckel und Boden haben sich jeweils so aufgestellt, dass der Höhenunterschied von Mitte zu Ecke etwa 2cm war.
1. Fragenblock: Fichtenholz kommt eh nicht in Frage. Aber muss ich mit solchen Effekten auch bei Leimholzplatten mit oder ohne Anstrich rechnen? Kann ich das verhindern? Die Platten vor der Verarbeitung eine Woche im Innenraum lagern?

Den zweiten Probeschrank hab ich aus Rohspanplatten gebaut. Der passt 1A. Sitzt, wackelt und hat Luft. Die Scharniere funktionieren einwandfrei, alles ist gerade, die Dübel passen perfekt (Wolfcraft Meisterdübler zur Hilfe genommen).
2. Fragenblock: Ist bei (Dekor-)Spanplatten mit wesentlicher Verformung wie beim Fichtenholz zu rechnen? Muss ich hier auf etwas achten?

Mein Favorit ist aktuell eine Eichen-Leimholzplatte von einem der großen Baumärkte (ich weiß nicht ob ich den hier jetzt nennen darf, ist der der meint, dass es immer was zu tun gibt und bei dem alles ab der ersten Schraube ein "Projekt" ist). Die gibts dort in 2000x600x18mm. Ich müsste also die Zuschnitte darauf möglichst effizient verteilen und dann in der Holzzuschnitt Abteilung ganz freundlich gucken, die Trinkgeldkasse füttern und hoffen dass die mich nicht selbst auf die Säge legen. Denn das gesamte Wohnzimmer besteht aus 79 Brettern. Ich würde zwar nicht alles aufeinmal kaufen und zuschneiden lassen, sondern immer nur Möbelstückweise, damit ich besser reagieren und eventuell umplanen kann wenn ich beim Aufbau auf Ideen komm. Am Ende bekomm ich aber wahrscheinlich beim Holzzuschnitt ne eigene Kaffeetasse.
Die Krux an dieser Leimholzplatte ist, dass ich die Schnittkanten dann mit dem gleichen Öl behandeln müsste, wie die Platte selbst sonst sind die Kanten viel heller.
3. Fragenblock: Gibts Argumente gegen mit Öl behandelte Leimholzplatten? Haben mit Öl behandelte Leimholzplatten irgendwelche guten oder schlechten Eigenschaften hinisichtlich Bau von Wohnzimmermöbeln?

4. Fragenblock: Gibts im allgemeinen Argumente oder Hinweise für oder gegen dieses Vorhaben? Mir gefällt an der Sache, dass ichs modular nach den eigenen Wünschen aufbauen kann. Wenn mir ein Schrank nach drei Monaten nicht doch nicht gefällt, fliegt er raus oder wird zu einem anderen Möbelstück verarbeitet. Ich komm beim Aufbau drauf dass die Türen doch nicht so schick sind? Alles klar, denk ich mir was anderes aus.
 

Dusi

ww-robinie
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Ich versuche mal ein paar Antworten:

Verziehen: Das hat sich deswegen so verzogen, weil der Schrank von einer Seite feucht geworden ist. Da kannst du so viel Lagern im Vorfeld wie du willst, im Regen wird sich das immer Verziehen. Generell ist es so, dass sich Holzwerkstoffe wie MDF, Multiplex oder Spanplatte (mit und ohne Dekor) kaum verziehen, wenn man nicht ganz grob was falsch macht (z.B. seinen Schrank im Regen über Nacht stehen lassen).

Materialauswahl: Also ich finde, dass wenn man sich so viel Mühe macht eine ganze WOhnzimmereinrichtugn zu bauen auch vernünftiges Material nutzen sollte. Die Qualität von Baumarktholz ist oft wirklich unterirdisch. Suche mal nach m2 PReisen von Eiche Leimzholz keilgezinkt, da wirst du sehen, dass das im Baumarkt nicht günstiger ist. Zumeist ist die Qualität nur schlechter, z.B. ist die Verleimung nicht in Ordnung und ähnliches. Und diese vorgeölten Platten sind ein Graus... Wenn du die Schleifen willst setzt sich der Schleifer gleich zu und die Kanten wie du ja schon sagst, musst du auch noch Ölen. Das wird nicht ganz harmisch passen. Meine Empfehlung, suche dir einen Tischler, der dir das Material besorgen kann und den Zuschnitt macht. Wahrscheinlich wirst du den Zuschnitt bezahlen müssen, aber mehr als ein paar wenige Arbeitsstunden kann das nicht ausmachen und du musst dich nicht über die Mistqualität ärgern. Eiche Leimholz ist bestimmt sehr hübsch, ich mag es sehr gerne z.B. wenn man das mit weiss lackierten Teilen kombiniert (z.B. hier https://www.woodworker.de/forum/kuechenanrichte-t89994.html )
Bestimmt hilft man dir hier im Forum auch weiter, einen Tischler zu finden, der so einen Auftrag auch annehmen will und dir deswegen keinen Mondpreis gibt.

Modulare Aufbau: Ich denke, das ist bei so einem Vorhaben ganz wichtig ist, alles nacheinander zu machen. Ich würde auch schauen, dass die einzelnen Elemente nicht so groß werden. Ich z.B. weiss, dass ich Bauteile bis ca. 1,6m gut alleine Verarbeiten kann. Größere Dinge sind schwierig. Aber man kann auch einen 2,40m hohen Schrank aus zwei Teilen zusammenstellen. Da kann man auch sehr kreativ werden.

Ich hoffe, das hilft dir.

Dusi
 

TomfromMuc

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Hallo Sensor,

kann mich Dusi nur anschließen: such Dir einen örtlichen Schreiner, der Dir hilft. Evtl. mußt Du etwas suchen, bis Du den richtigen findest....... Vor allem bei Leimholz: da gibt es gewaltige Unterschiede. Im Baumarkt wirst Du kaum richtig gute Qualität finden. Oder Du sortierst aus 100 Platten die 5 guten heraus. Da muß man aber auch wissen, woran man die guten erkennt....

Und wenn Du Wohnzimmermöbel bauen willst:

1. Ist bei "massiv" gute Holzqaulität gefragt.
2. Wenn Du mit Massivholz bauen möchtest, sind neben Qualitätsholz auch ein paar konstruktive Dinge zu beachten. Nicht umsonst ist Schreiner ein Lehrberuf. Wenn Du diese Dinge nicht kennst, wäre Dekorspan die deutlich bessere Empfehlung, denn das arbeitet wesentlich weniger.

Außerdem glaube ich, daß Dein Ansatz evtl. etwas falsch ist. Wenn Du für das ganze Wohnzimmer (ohne die genaue Größe zu kennen) 400,- Euro im Zuschnitt fertig mit 2 mm bekanntet rechnest, ist das eventuell etwas zu knapp kalkuliert....

Viel Erfolg beim Projekt, LG Tom
 

Basic2004

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Ich bau mir seit eh und je vieles selbst. Meine Rennräder, Computer, Möbel und auch alles was man im Alltag mal so braucht. Wenn die Meute blöd rumsteht und sich fragt "was machen wir denn da jetzt, wie tun wir denn XYZ?" dann hab ich schon mein Taschenmesser gezückt und suche im Kämmerlein nach Zeug aus dem sich etwas machen lässt, mit dem man XYZ lösen kann.

Kommt mir irgendwie komisch vor.
 

sensorback

ww-pappel
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Danke schon mal für eure Hilfe. Dass es da solche Qualitätsunterschiede gibt, wusste ich nicht. Die 400 Euro kommen so zustande: 8,3 Quadratmeter Holz, ein optisch passendes Dekor mit Quadratmeterpreis von 14 Euro macht 116,20 Euro. 70 Meter Kante bei 2mm Kante zu 3,50 pro Laufmeter macht 245 Euro. Sind 361,20 Euro. Baumarktpreis eben. Ist bei Dekorspan auch ein derartiger Qualitätsunterschied?
Wenn ich da lese, dass Dekorspan optimaler für mein Vorhaben ist weils weniger arbeitet, bin ich auch schon überzeugt weil ich sowas ja vermutet hab. Das sind eben die Nachteile mit denen man sich als Selbstbauer abfinden muss, und das passt für mich aber auch. Die anderen Vorteile wiegen das für mich auf.
 

Java

ww-kirsche
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Dekospan arbeitet zwar deutlich weniger als Leimholz oder Vollholz bzw. so gut wie gar nicht, aber dafür kann man Dekospan nicht mehr reparieren.
Wenn bspw. der Papagei das Dekospan annagt oder das Deko sonst irgendwie abgeht, dann kannst du es wegwerfen.
Möbelstücke aus Vollholz und Leimholz dagegen lassen sich reparieren und restaurieren, mit dem Pressspanzeugs geht das so gut wie nicht, das sind Wegwerfprodukte für den industriell auf Maß definierten Massenmarkt.
Und dann weiß man nie, was in das Pressspanzeugs alles noch für chemische Produkte eingeleimt wurde.
 

MysteriumHolz

ww-robinie
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Ah hab was entdeckt bei deinen Ideen :

Eiche Leimholz, geölt. Du hast dir ja schon Gedanken um die Kanten gemacht.
Öl lieber selber auftragen. Grund: Google mal nach Heiko Rechs Blog geölte Leimholzplatten oder Buche Leimholz geölt Baumarkt oder so. Kann das jetzt schlecht verlinken mit dem Handy.
Heiko Rech hat da schlagkräftige Argumente dagegen aufgeführt. Und Anleitungen zum Ölen hat er vermutlich auch.
 

steigerwälder

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hm, ein immer wiederkehrendes Problem:
mann / frau möchte gern Möbel selbst bauen, teilweise gibt's sogar profimäßige werkstattausrüstung, aber wie kommt man an den begehrten Werkstoff?
baumarkt-rotz ist es wirklich oft nicht wert dafür auch noch Geld zu zahlen.
also zum örtlichen holzhändler (örtlich heißt bei mir z.b. 40 km einfach) und hoffen, daß dieser auch an privat kleine mengen veräußert (aber auch hier ist man nicht gerne gesehen).
dann halt der weg zum örtlichen schreiner:
der kalkuliert Materialbeschaffung, arbeitstunden, maschinennutzung usw. (zurecht natürlich) und zum schluß muss man sich leider wirklich die frage stellen, wo noch der sinn des eigenbaues ist.

genau dieses Thema hab ich die letzte zeit mit vielen hobbyholzer durchgekaut, Lösungsvorschlag hatte letztendlich keiner.
einziges Fazit: selbstbau scheitert einfach zu häufig an den hohen materialpreisen für Endverbraucher bzw. an fehlenden bezugsmöglichkeiten und Ikea und co. freuen sich über die nächsten kunden mit wegwerfprodukten.

Wenn ich im hier diskutieren fall noch beschläge usw. hinzurechne, bin ich wohl auch nicht weit von einem Fertigprodukt entfernt, oder?
 

tract

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wenn ich manches so lese:

Die Qualität von Baumarktholz ist oft wirklich unterirdisch
baumarkt-rotz ist es wirklich oft nicht wert dafür auch noch Geld zu zahlen.
....

dann muß ich mich wundern, bzw. beglückwünsche jeden, der sooo tolle Holzhändler oder Fachmärkte in der 'Nähe' hat.

Mal als Gegenbeispiel:
benötigte OSB-Platten und fand im Angebot eines >20km entfernten Holzfachmarktes ein gutes Angebot für geschliffene Platten in 25mm.
Angerufen ob Zusägen etwas kostet (Zitat Prospekt: ... Unsere Profis [...] schneiden Ihnen die Bauplatten schnell und sauber millimetergenau zu) - im Baumarkt ist das i.d.R. ja kostenlos.
Gesamtpreis war trotz Aufpreis des Zusägens (aus der Verlegeplatte sollen lediglich zwei ohne Nut/Feder gesägt werden) auf deren Plattensäge noch o.k., also per Mail den Auftrag erteilt.
Bin dann einen Tag später vorbeigefahren und habe die Platten abgeholt.
Zuhause dann festgestellt:
- auf einer Länge von ~ 600mm etwa 3mm schief
- statt angebotenen 25mm sind es tatsächlich 24mm Platten
dazu fiel mir später im Angebot wie auf der Rechnung auf: EN330 - natürlich Quatsch, es müßte EN300 heißen, EN330 hat was mit Holzschutzmitteln zu tun, EN300 hingegen beschreibt die Hauptnorm für die Verwendung von OSB-Platten.

Habe dann per Mail um Vorschlag zur Lösung des Problems geben.
Antwort (ohne Entschuldigung, nur folgende beiden Sätze):
Wenn wir die Platte 3mm schmaler schneiden, erstatten wir Ihnen die 5,00 EUR Zuschnittkosten; oder wenn Sie die Platte behalten können, könnten wir Ihnen einen Einkaufsgutschein über 10,00 EUR anbieten.

D.h. 40km und > 1/2h investiert und dann SO ein Ergebnis.

Auch bei dort vor längerer Zeit geauften Kanthölzern mußte ich genau so erstmal sortieren, bis ich gute fand. Zuhause nachgemessen, stellte ich fest, daß es statt 10x10cm tatsächlich
9,5x9,5mm war.
Sicher, hätte ich KVH gekauft, wäre es exakt gewesen - aber im Baumarkt später nachgeschaut: dort steht bei den einfachen Kanthölzern 98x98mm und das stimmte auf den Millimeter genau.
Im Fachmarkt liegt das Holz in einer großen Außenhalle, im Baumarkt im geheizten Markt - kann also auch nicht mit Feuchtigkeit zu tun haben.
Wenn man 100x100mm kauft, aber 95x95mm erhält, dann bekommt man 10% weniger Material für sein Geld.


Was ich damit ausdrücken will:

die Kritik gegenüber Baumärkten, bzw. der Lob gegenüber Fachmärkten usw. ist keine allgemeingültige Wahrheit.
Man muß auch im Fachmarkt ganz genau so wie im Baumarkt die erworbene Ware nachprüfen.
Und meine Erfahrung deckt sich ja mit diesem Beitrag:
https://www.woodworker.de/forum/eilt-kummer-qualitaet-buchen-arbeitsplatten-t90417.html


Der Vorteil im Fachmarkt:
der kann einem, z.B. von Osmo, hochwertige Ware bestellen.
Aber das sieht dann preislich ganz anders aus.
Kurz geschaut
('Profi', A/B - Qualität)
Eiche 19mm
- Leimholz mit durchgehenden Lamellen m² EUR 162,00
Eiche 18mm
- Leimholz mit keilgezinkten Lamellen m² EUR 122,00
('Hobby' , B/C - Qualität)
Eiche 18mm
- Leimholz mit keilgezinkten Lamellen m² EUR 96,00

zum Vergleich:
Bauhaus
Eiche 18mm keilgezinkt, soll A/B-Qualität sein - m² 48,10
https://www.bauhaus.info/leimholzpl...olzplatten/c/10000759&activeCategory=10000759
(natürlich spielen bei der Preisgestaltung auch noch Dinge wie Zertifizierung des Holzes eine Rolle)
 

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steigerwälder

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dann kann ich dich wirklich nur beglückwünschen, ich hab die vier größten baumärkte hier in der nähe durch, osb und co. für allgemeine bauzwecke kann man dort kaufen, mehr aber nicht, an ernsthaften Möbelbau ist da leider nicht zu denken.
mpx- kanten entsprechender Qualität, lösende leimschichten nach einem tag an siebdruckplatten, zuschnitt mit brandspuren vom stumpfen Sägeblatt mit teilweise starken maßabweichungen an identischen zuschnittsgrößen.
leimholz mit durchgehenden Lamellen im hartholzbereich überhaupt nicht vorhanden usw.

die liste ginge endlos so weiter, das ist aber offtopic und führt wohl auch zu nichts.

da es aber wohl leute mit anderen Erfahrungen gibt freu ich mich für diese.
 

WinfriedM

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Was ich damit ausdrücken will:

die Kritik gegenüber Baumärkten, bzw. der Lob gegenüber Fachmärkten usw. ist keine allgemeingültige Wahrheit.
Man muß auch im Fachmarkt ganz genau so wie im Baumarkt die erworbene Ware nachprüfen.

Ja, hab erst diese Woche wieder eine Erfahrung gemacht, das die Welt eben doch nicht so einfach schwarz-weiß gestrickt ist. Hab hier in Dortmund bei einem sehr renomierten Holzhändler, der sich auf Sperrholz und Multiplex spezialisiert hat, Zuschnitte aus Birke Multiplex bestellt. Hatte auch extra noch gefragt, ob die Qualität so ist, dass man die direkt als Möbeloberfläche nutzen kann. Man sagte mir, kein Problem, weil eine Seite A, die andere Seite B-Qualität ist.

Zuschnitt klappte terminlich alles gut, Preis war günstiger, als im Baumarkt. Die Zuschnitte waren aber nicht maßhaltig, Abweichungen von 1mm um das Sollmaß. Also einmal 499mm, einmal 501 mm. Wenn man daraus einen Kasten verleimen will, geht da nichts. Schwarze Brandspuren an den Schnitten waren mehrfach da. Und einmal hat er die Säge zweimal angesetzt und so einen blöden Versatz im Schnitt von vielleicht 0,5mm.

Und dann die Oberfläche: Auf der B-Seite gab es mehrere Flickstellen, wo vielleicht so 5cm große Flicken reingesetzt wurden. Das ist ja noch ok. Aber auch auf der A-Seite gab es bei den 6 Einzelteilen 2 Teile, wo auch da ein Flicken drin war. Ich will doch aber kein Möbelstück haben, wo ein Flicken mitten in der Tür ist.

Fazit: Beratung schlecht. Material keine ausreichende Qualität. Schlechter Zuschnitt. Aber auch gut durchorganisiert, große Materialauswahl, freundlich und günstiger Preis.

Man muss das glaube ich eher so sehen: Überall arbeiten Menschen und ob die wirklich qualitativ hochwertig arbeiten, hängt von so vielen Sachen ab. Nicht zuletzt auch vom Arbeitsklima und der Bezahlung. Und gerade die beiden Faktoren sind in der heutigen Zeit eher ungünstiger geworden.
 

beda

ww-ahorn
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hm, ein immer wiederkehrendes Problem:
mann / frau möchte gern Möbel selbst bauen, teilweise gibt's sogar profimäßige werkstattausrüstung, aber wie kommt man an den begehrten Werkstoff?
baumarkt-rotz ist es wirklich oft nicht wert dafür auch noch Geld zu zahlen.
also zum örtlichen holzhändler (örtlich heißt bei mir z.b. 40 km einfach) und hoffen, daß dieser auch an privat kleine mengen veräußert (aber auch hier ist man nicht gerne gesehen).
dann halt der weg zum örtlichen schreiner:
der kalkuliert Materialbeschaffung, arbeitstunden, maschinennutzung usw. (zurecht natürlich) und zum schluß muss man sich leider wirklich die frage stellen, wo noch der sinn des eigenbaues ist.

genau dieses Thema hab ich die letzte zeit mit vielen hobbyholzer durchgekaut, Lösungsvorschlag hatte letztendlich keiner.
einziges Fazit: selbstbau scheitert einfach zu häufig an den hohen materialpreisen für Endverbraucher bzw. an fehlenden bezugsmöglichkeiten und Ikea und co. freuen sich über die nächsten kunden mit wegwerfprodukten.

Wenn ich im hier diskutieren fall noch beschläge usw. hinzurechne, bin ich wohl auch nicht weit von einem Fertigprodukt entfernt, oder?

Hallo schönen Feiertag
Ganz verstehe ich das Problem nicht. Wenn ich zum Schreiner in der Nähe gehe, mich vorher Schlau mache über die Produkte die sein Holzhändler bietet, Ihm genau sage was ich brauche (ganze Platten vorrausgesetzt).dann is es doch wurst ob er bei der nächsten Zustellung 10 Platten oder 12 Platten bestellt. Die Zustellung- ist klar muß ich zahlen.
LG
 

sensorback

ww-pappel
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Die örtlichen Schreiner die ich kontaktiert hab, haben wenig begeistert reagiert. Die Gründe kann ich mir gut vorstellen: Er will natürlich auch den Aufbau leisten und belohnt haben. Und wahrscheinlich noch viel lästiger für ihn: Er fürchtet, vermutlich zurecht, dass Kunden die nur Holz und Zuschnitt von ihm kaufen, die sind, die ihn dann bei Schwierigkeiten mit dem Aufbau nerven aber für die Hilfe nix zahlen wollen.

Ich werde es mit Dekorspan Baumarkt Rotz versuchen. Zumindest eins der Möbelstücke werd ich damit mal aufbauen. Da haben wir im Baumarkt unseres Vertrauens ein Dekor gefunden, das uns gefällt. Dort hab ich auch schon sehr oft Zuschnitte machen lassen, die gepasst haben oder die sofort neu geschnitten wurden wenns mal daneben war. Erfahrungsgemäß kommts dabei auf die Tageszeit an: "Zwanzg Minuten vor Schluss lass lieber sein, kurz nach Mittag lädst du genaue Schnitte ein." ... etwas Baumarkt Poesie.
Ich weiß auch, dass Flexibilität sehr viel Wert ist und die eigene Inkompetenz (ich bin eben kein professioneller Möbelbauer) zum Teil aufwiegen kann. Es ist einfach hilfreich wenn man sich das gleiche Brett am selben Tag dreimal holen kann. Beim großen Holzhändler warte ich Tage oder Wochen drauf, bis ich ein verbohrtes, verschnittenes oder in der Planung fehlendes Brett nachbekomme. Der Kompromiss dabei ist natürlich die eingeschränkte Auswahl beim Holz, damit muss man leben wenn man sowas als ambitionierter Laie selbst macht.

Da ists natürlich auch sehr hilfreich, wenn man sich mit einer so regen Diskussion wie hier eine Meinung über diese eingeschränkte Auswahl und die Unterschiede zur großen, aber eher unflexiblen Auswahl beim Holzhändler machen kann. Das Ergebnis ist hier für mich: Dekor arbeitet weniger bis gar nicht. Bei aller Diskussion hier seid ihr euch in dem Punkt ziemlich einig, und das deckt sich auch mit den Aussagen anderer Quellen.

Auch hinsichtlich Leimholzplatten bin ich jetzt schlauer. Ich war bisher der Meinung, es liegt an der Holzsorte, obs mehr oder weniger arbeitet. Aber generell ist so, falls ich das richtig verstanden hab, dass jede Sorte zu einem Grad arbeitet, der bei Möbelbau Konstruktionen erfordert, die das kompensieren. Oder wo man an den relevanten Stellen eben nicht Leimholzplatten sondern anderes Material verwendet. Es kommt wohl mehr drauf an, in welcher Form das Holz vorliegt. Bei Span liegt das Holz in einer Form vor, wo die Eigenschaften die das Holz so stark arbeiten lassen wie bei Leimholzplatten, fast wegfallen.
Die Kanten, der Oberflächenschliff, klebrige geölte Oberflächen sind Eigenschaften auf die ich auch bisher schon eher unbewusst geachtet hab. Diese Eigenschaften sind eben so oberflächlich und offensichtlich, dass ich auch als Laie erkenne, dass ich mit einer verklebten Oberfläche oder mit einer runden Kante beim Möbelbau nix anfangen kann.

Man beachte auch, dass meine geplanten Möbel keine Raketenwissenschaft sind. Ich hab in der Planung darauf geachtet, dass ich beim Aufbau großteils mit Holzdübeln auskomme. Dübeln funktioniert mit dem "Wolfcraft Meisterdübler" (echt bescheuerter Name) spitze, das hab ich an zwei Probeschränken gesehen. Das komplizierteste an meinem Projekt sind die Scharniere, und die hab ich bei beiden Probeschränken hinbekommen. Die Probeschränke waren einmal Fichtenholz und einmal Rohspan. Das KISS-Prinzip ("Keep it simple, stupid" bzw. andere Varianten zu lesen unter KISS-Prinzip wers nicht kennt) hat für mich beim Do-It-Yourself oberste Priorität. Deshalb, und weil ich sie einfach nicht mag, gibts in der Planung auch keine Laden. Wir brauchen ohnehin kaum Stauraum im neuen Wohnzimmer.

Auch aus der Erfahrung, vor allem beim Aufbau von Rennrädern, weiß ich, dass gutes Werkzeug die halbe Miete ist. Deshalb hab ich auch nur Dinge eingeplant, für die ich das entsprechende gute Werkzeug hab.

Auch die Aufhängungen werden eher simpel. Für die Wandpaneele werd ich mir wohl hübsche French Cleats basteln. Die farbigen Regalbretter drauf werden geklemmt (da kommt nur Dekozeug drauf, keine Last). Der Hängeschrank bekommt entweder schicke Alu-Schwerlastkonsolen falls ich welche finde. Oder eine viertel-hohe Rückwand oben hinten, an der ich ein Aufhängungssystem verbaue mit dem ich schon andere, schwerere Dinge aufgehängt hab. Auch Stahlseile sind aus der Diskussion noch nicht ganz aus dem Rennen, da ich dazu eine grobe Idee hab für die ich in den letzten Tagen keine Zeit hatte um sie weiter auszutüfteln. Die beiden Tische bekommen unter der rechteckigen Box statt einem Brett wohl einen schicken Alufuß den ich dann so verbauen werde, dass ich Unebenheiten im Boden oder nicht milimetergenaue Arbeit kompensieren kann. Irgendeine Konstruktion die eine unauffällige Höhenverstellbarkeit bietet - genauso wie bei der Stahlseilidee muss ich da noch etwas tüfteln und probieren.

Man muss einfach etwas über den Horizont schauen und dort wo die Möglichkeiten als Laie eingeschränkt sind, mit Kreativität kompensieren. Die Kreativität kommt oft dann, wenn man im Baumarkt in der Eisenwaren- und Holzabteilung ein paar Runden dreht. Da sieht man Werkzeuge (zB. Meisterdübler), Materialien (Lautsprecher mit dickem "Strukturputz" bestrichen um die etwas ungenau verklebten Kanten zu verstecken und die Dinger in der Wandfarbe anpinseln zu können) und Teile die man nicht kannte und schon ergeben sich Ideen.
 
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