Truhe restaurieren - öl oder wachs?

plazwick

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hallo liebe forumsmitglieder,
von verwandten habe ich eine alte eichentruhe mit wappenmalerein erhalten, die ich sehr gern in unser wohnzimmer aufstellen möchte. dazu will ich sie so herrichten, dass der originalzustand möglichst erhalten bleibt bzw. gesichert wird.
Da sie lange zeit auf einem speicher stand und dementsprechend verschmutzt war, habe ich sie heute vorsichtig mit brot und einem leicht feuchten lappen mit essigwasser abgerieben und gereinigt.
nun meine fragen:
1. aus welcher zeit stammt sie? ich vermute mitte 18. Jh.?
2. das holz des deckels ist im vergleich zum corpus (vermutlich durch lichteinfluss) leicht aufgehellt, was mich aber nicht stört. wie sollte man es behandeln (wachs/ öl?), damit die wappenmalereien (ca. 1855) keinen schaden nehmen? ich habe von einem imker bienenwachs. kann ich diesen mit terpentin erhitzen und auf die malereien streichen, oder ist das schädlich?
3. die eisenbeschläge sind teilweise angerostet, tragen aber noch reste schwarzer farbe. wie verfahre ich damit? (hammerit rostschutz schwarz???)

wäre über eure tips sehr dankbar und bedanke mich schon mal im vorraus.
lg. grüsse

sebastian
 

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TinaRestauro

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Hallo Sebastian,
Ich rate dir dringend ab, an deiner Truhe weitere Selbstversuche zu testen. Das ist die Aufgabe für einen qualifizierten Restaurator. Durch Essigwasser können erhebliche Schäden an der Malerei und dem Holz entstehen, auch im Nachhinein. wie man hier bei einer Restaurierung bzw Konservierung verfahren soll lässt sich anhand eines Fotos nicht beantworten. Dazu müsste die Truhe vorher untersucht werden. Einfach Öel oder Wachs draufzuschmieren würde sich verbieten. Ebenso Rostschutzfarbe aus dem Baumarkt. Tu dir und der Truhe einen gefallen und beauftrage einen Restaurator, auch wenn ich mich wiederhole. der Wertverlust bei einer falschen Behandlung rechtfertigt meine Rat ebenso.
Datieren würde ich die Truhe in das 18.Jht.

Grüße Tina
 

plazwick

ww-pappel
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hallo tina,

danke für deine tips. denkst du denn wirklich, dass eine professionelle restauration bei der truhe sinnvoll ist? das restaurieren wird doch sicherlich teurer werden, als die ganze truhe wert ist??? von einem händler habe ich erfahren, dass er sie in seinem laden für 600€ anbieten würde.
ich hatte eigenlich vor, dass selbst zu machen und bin davon ausgegangen, dass wachs unschädlich ist. (lösungsmittel, schleifaktionen, beizen usw. wollte ich eh nicht zum einsatz bringen.)
lg. sebastian
 

derstraubi

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Diese Truhe ist etwas sehr besonderes. Da solltest Du nicht Deine Fähigkeiten ausprobieren. Bitte! :emoji_slight_smile:
Die Restaurierungskosten übersteigen den Handelswert im Regelfall. Aber für 600 € kann ich nichtmal die Holzkiste machen. Da rede ich noch nicht von den Beschlägen im Wert von 2500 € und der Malerei im gleichen Rahmen.
Der Wert der Truhe ist also um ein vielfaches höher als der Handelswert und auch viel höher als die Restaurierungskosten.
Da ist der ideelle und kunstgeschichtliche Wert nicht eingerechnet.
Also auf jeden Fall zum Restaurator. Wenn Dein Geldbeutel Nein sagt, kannst Du ja mal fragen, ob und was Du eventuell wie selber machen kannst. Gerade bei so Reinigungssachen kann ein Ungelernter nach gründlicher Einweisung schon einiges machen.
Aber unbedingt anschauen lassen.
Viel Spaß!
 

TinaRestauro

ww-birnbaum
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Solltest du dir eine Restaurierung nicht leisten können, spar lieber ein wenig drauf. Die Kosten steigen meist erheblich, wenn Kunden vorher versuchen es aus Kostengründen selber zu probieren. Die dadurch entstanden Schäden sind gravierender als Alterungsschäden durch den Gebrauch eines Möbels. Über den genauen Marktwert kann ich bei deiner Truhe nichts sagen. Händler setzten da bei einem Ankauf meist sehr niedrig an.....
Und suche dir den Restaurator gut aus. Nicht den erstbesten Hinterhofschreiner mit "Restaurationswerkstatt", sondern einen ausgebildeten Fachmann mit entsprechen Reverenzen. Einen entsprechenden Link habe ich dir schon gegeben. Einfach beim Restauratorenverband unter Berufsregister nachschauen.

Gruß Tina
 

plazwick

ww-pappel
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danke für die tips. da scheint der händler wohl ein geschäft gewittert zu haben.
ich werde mich in der nächsten woche mal mit dem museum in verbindung setzen und nach einer taxierung und nach möglichkeiten einer selbstrestauration fragen.
wie beschrieben hatte ich gestern den ganzen tag mit säuberungen (pinsel, brot, essigwasser) verbracht. zum glück blieb die farbe erhalten. neue wasserflecken etc. sind auch nicht aufgetaucht, sodass die truhe momentan sauber und im originalzustand ist. die oberfläche finde ich ansprechend, d. h. farbangleichungen etc. möchte ich nicht vornehmen lassen. ich suche eigentlich nur noch nach einer möglichkeit, wie ich das momentane ergebnis möglichst dauerhaft konservieren kann. in einem handbuch für möbelrestauration las ich, dass eichentruhen in der regel mit einer mischung aus bienenwachs u. terpentin behandelt werden. das erscheint mir auch sinnvoll, da eine politur doch irgendwann reist und so die malereien evtl. abplatzen lässt.

ps. noch ein foto vom momentanen zustand.

welche nachteile hätte denn eine wachsbehandlung???
 

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WinfriedM

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Es gibt auch jede Menge Bücher zur Möbelrestauration, ein paar davon taugen sogar. Ich würde da mal durch eine gute ausgestattete Bibliothek schlendern.

Bei so einer wertvollen Truhe würde ich auch nur das machen, was recht sicher unkritisch ist. Und vorher immer erstmal an anderen Objekten üben.
 

plazwick

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jetzt habt ihr mich doch alle etwas verunsichert. ich warte erstmal ab, was die restauratoren vom museum meinen. vielleicht ist die kiste doch wertvoller, als ich gedacht habe. :confused:
 

welaloba

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Den Gedanken mit Wachs und Terpentin solltest du aus deinem Gedankengang streichen, so lange nicht klar ist, welches Lösemittel die Malereien anlöst.
Ansonsten schließe ich mich den Vorrednern an: Wenn du eigentlich keine Ahnung von der Materie hast, solltest du das Experimentieren mit was auch immer gleich wieder einstellen. Wenn du einen Plan hättest, würdest du hier nicht fragen. Wenn du sorglos wärst, würdest du hier auch nicht fragen, sondern fortfahren, die Truhe unrestaurierbar zu machen. So ist der Weg zum Experten, der die Truhe in Augenschein nimmt, der einzig richtige Weg. Erst mal. Per Betrachtung von Fotos geht da kaum mehr als Spekulation darüber, was die richtige Behandlung wäre.
Gruß Werner
 

giefers

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Hallo Sebastian!

Danke für Deine Mail an meine persönliche email. Ich beantworte Dir die Fragen lieber hier bei Woodworker, damit die Antworten für aller lesbar sind:
Zur Frage mit den Kosten => auf den ersten Blick scheint Deine Truhe in einem besseren Zustand, d. h. dem ursprünglichen Zustand zu sein. Meine Truhe war mit blauer Ölfarbe bestrichen. Es war extrem aufwändig, diese sorgfältig ohne Beschädigung des Holzes und Eisenbeschläge abzulösen. Meine Truhe hatte einen ursprünglichen Eier-/Lehmanstrich, den die Restauratorin auch versuche wollte zu erhalten aber es war leider nicht möglich. Ebenso war es nicht möglich, die ursprüngliche orange Bemalung zwischen den Eisenlöchern zu erhalten bzw. komplett sichtbar zu machen. Lange Rede kurzer Sinn. "Meine" Restauratorin sagte, dass sie irgendwann mal aufgehört hat, die Stunden zu zählen und wir einen Festpreis abgemacht haben, denn wenn sie wirklich die Stunden mal Stundensatz gerechnet hätte, wäre sie bestimmt bei 8.000 € gelandet, welches die Truhe nicht wert ist, somit hat sie "nur" 3.500 € incl. des Preis für das neue Schloss genommen. Für den Preis ist vor einiger Zeit eine vergleichbare Truhe auf einer Auktion weggegangen. Es ist natürlich immer eine Frage, wieviel Dir die Truhe aufgrund des verwandschaftlichen Verhältnisses wert ist. Meine Truhe war von meinem verstorbenen Lieblingsonkel, sodass mir an der Instandsetzung sehr viel gelegen hat und auch der Preis nebensächlich war aber natürlich bin ich glücklich darüber, dass "meine" Restauratorin ein solches Herz hatte und teilweise für ihren Beruf lebt und nicht wegen des Geldes. Aus diesem Grund musste sie leider auch ihr Restaurationsatelier aufgeben und arbeitet jetzt "ganz normal" in einer Firma, damit monatlich und pünktlich das Geld eingeht. ==> Als Tip kann ich Dir daher nur sagen, wie auch schon einer meiner "Vorredner" geschrieben hat, dass es sinnvoller ist, die Truhe einem Diplomrestaurator in die Hände zu geben, da Du mehr kaputt machen kannst, denn bestimmte (chemische) Materialien, die Du für das Holz nutzt, reagieren alergisch bei Metall und können dieses schädigen und umgekehrt. ABER Du musst selber wissen, welches Risiko Du eingehen möchtest. Es ist auf jeden Fall eine schöne Truhe, die es zu erhalten gilt.

Zur Frage zu den Metallbeschlägen: Nein, die Metallbeschläge wurden nicht gelöst, dass wäre zu risikoreich gewesen, da die Metallbeschläge durch Rost ziemlich angegriffen waren. Die Restauratorin hat die Metallbeschläge mit einem rosterhaltenden Mittel bearbeitet, welches "Kriecheigenschaften" haben soll und sich selber irgendwie an alle Stellen arbeitet, auch wenn man sie dort nicht bestrichen hat. Mir sagte "meine" Restauratorin, dass man die Beschläge nicht unbedingt abmachen sollte, wenn es nicht unbedingt notwendige ist, da es immer zusätzliche Belastungen für das Metall ist. Wie schon oben gesagt, solltest Du vorsichtig sein, mit welchen Mitteln Du die Truhe behandelst. Bienenwachs scheint eine sinnvolle Variante zu sein, speziell bei alten Holz, damit hat "meine" Restauratorin meine Truhe auch gestrichen aber sie sagte, dass das Bienenwachs pflegeintensiver wäre als irgendein Lack oder ähnliches, da man alle paar Jahre die Truhe wieder einwachsen sollte.

Zur Frage des neuen Schlosses: "Meine" Restauratorin hat das Schloss nicht selber hergestellt sondern von einem Fachbetrieb herstellen lassen. Das neue alte Schloss hat 250 € gekostet. "Meine" Restauratorin wollte mir auch nicht wirklich den Fachbetrieb verraten, der das Schloss angefertigt hat (ich denke, dass es über fünf Ecken irgendwo in Polen oder so gefertigt wurden), da es eine sehr aufwendige Arbeitsweise ist. "Meine" Restauratorin meinte zu mir, dass jede Truhe bzw. Mödelstück seine Geschichte schreibt und sie daher auch nicht alle Beschläge ersetzen würde, dass macht auch irgendwie den Wert/Geschichte der Truhe aus, von daher hatte ich mich nur für das Schloss entschieden, da das der zentrale Punkte der Truhe ist. Vielleicht gibt es hier in BS oder Umgebung eine Schmiede, die Dir einige Ersatzteile schmieden könnte, wenn es für Dich so wichtig ist. Ich denke, dass ich von "meiner" Restauratorin nicht mehr viel erfahren werde, da sie ihren Betrieb aufgegeben hat.

Ich hoffe, dass ich Dir helfen konnte und wünsche Dir bei der Restauration noch viel Erfolg. Meine handwerklichen Fertigkeiten als auch mangels Zeit konnte ich die Restauration nicht durchführen. Im Falle eines Verkaufs hätte die Truhe einen höheren Wert, wenn Du nachweisen kannst, dass die Truhe von einem Diplom-Restaurator restauriert wurde. Ich weiß nur, wenn ich die Restauration selber durchgeführt hätte, hätte ich einige erhaltenswerte Sachen an der Truhe zerstört, daher habe ich die Restauration lieber in die richtigen Hände gelegt.

Solltest Du weitere Fragen haben, schreibe mich am Besten wieder an meine persönliche email, da ich mich nicht im Woodworker-Forum tummele.

Es grüßt
Martin
 

edelres

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Truhe aus dem Besitz der Freiherren von Luetzow


Hallo Sebastian,

Glueckwunsch und Gratulation zu solch einem Stueck deutscher Geschichte.

Die Truhe stammt aus dem Besitz der Freiherren von Luetzow..

Untitled - 2.jpg ,
Wappen aus einem Wappenbuch ca 1870 1871.jpg

Das rechte Wappen ist ein Wappen der Freiherren von Luetzow, die von rechts unten nach links oben lehnende Sturmleiter auf gelbem (=Gold) Feld, auf dem Deckel noch gut sichtbar, ist ein deutlicher Beweis des frueheren Besitzers. auf der Helmzier ist eine Krone des niederen Adels/Freiherrenkrone mit vier Zacken zu sehen aus welcher drei Pfauenfedern und zwei Blumen heraus ragen

Das linke Wappen ist nicht deutlich genug um dies so leicht zuordnen zu koennen.

Einen solchen Gluecksfall habe ich noch nie erlebt, dass ein Gegenstand allein ein Beweismittel der Autenzitaet darstellt.

Der Name Luetzow ist mir noch aus meiner Schulzeit gelaeufig, Ludwig Adolf Wilhelm von Lützow, der um 1813 gegen die franzoesische Besatzung in Preussen ein Freikorps aufstellte. Beruehmt wurde das Freikorps durch Theodor Koerner, welcher als Leutnant im Korps,im August 1813 in einem Scharmuetzel mit Franzosen fiel. Mein damaliger Lehrer, war ein Theodor Koerner Bewunderer, deshalb hat sich der Name Luetzow so stark bei mir eingepraegt.

Eine Truhe welche sich einem solchen beruehmten Namen der Freiheitskriege gegen Napoleon zuordnen laesst ist ein einmaliges Stueck deutscher Geschichte.

Ich wuede den Istzustand von einem Fachmann konservieren lassen, dies erhaelt den Wert, laesst eine schonende Nutzung zu und laesst alle Moeglichkeiten einer intensiven Restaurierung in der Zukunft offen. Der Aufwand dazu ist relativ gesehen gering.

mfg

Ottmar

PS: Die Luetzows entstammen aus einem alten Adelsgeschlecht welches sich bis ca 1200(?) zurueckverfolgen laesst
 

Hans-Friedrich

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Die Truhe stammt aus dem Besitz der Freiherren von Luetzow..

Womit dann auch das "W. v. L." unter dem Wappen erklärt wäre.

Achtung Halbwissen: Wurden solche Truhen nicht an frisch Vermählte verschenkt? Sogenannte "Aussteuertruhen"? Dann würde ich mal behaupten, das einer der Brautleute die Initialen "R. v. C." trug :emoji_wink:

Du könntest zum Beispiel mit der Familie in Kontakt treten. Google liefert die Familienhomepage, über die man auch eine Nachricht schreiben kann.
 
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