Jetzt aber…
Grundsatz:
Verdeckt ist immer schlechter, als sichtbar und daher zu vermeiden!
Die Nachteile aller verdeckter Systeme liegen auf der Hand: Die Befestigung erfolgt immer irgendwie seitlich,
- wo die Kräfte bei Spannungen im Holz am größten sind und obendrein
- nur eine Teil der Stärke der Diele zum halten genutzt werden kann,
- was bei allen System dazu führt, dass die Haltekraft durch Schwinden und Quellen variiert und oft bis zum Versagen nachlässt
- was auch bei allen Systemen das Quellen irgendwie behindert und lokal zu Belastungsspitzen (Stauchungen) führt
- und bei vielen Systemen eine Tauschen einzelner Dielen unmöglich macht
- Schließlich sind Stöße in der Fläche meist kritisch, da Mindestabstände zum Dielenende nicht eingehalten werden können
Der simple, subjektive und gestalterisch auch nicht wirklich begründbare Vorteil der Unsichtbarkeit von Befestigungsmitteln, wiegt diese mannigfaltigen und schwerwiegenden Nachteile m.E nicht auf. Soll dennoch dem irrationalen Wunsch nach verdeckter Befestigung entsprochen werden, ist dies nur mit einigen Einschränkungen möglich:
- Quellen und Schwinden (Q&S) sind auf ein Minimum zu reduzieren indem
- eine "Holzart" gewählt wird, die dies gewährleistet. Dies sind
- kostspieligen Exoten wie Ipé oder modifizierte Hölzer wie
- Thermoholz,
- Accoya,
- Kebony, oder
- gar kein Holz, nämlich WPC
- und die Dielen möglichst schmal gewählt werden: 100 - 120mm sollte das Maximum sein
- Es sollten möglichst lange Dielen über die gesamte Breite der Terrasse gewählt werden, Stöße in der Fläche also möglichst vermieden werden
- Kein System gewählt wird, welches eine seitliche Nut erfordert - die Schwächung durch die Nut ist erheblich, insbesondere bei den üblichen Dielenstärken von um die 20 bis max 25mm. Eine untere Nutwange von >15mm könnte funktionieren, womit man bei einer Stärke von > 30mm läge.
- Ein System gewählt wird, welches eine ein Tausch einzelner Dielen erlaubt
- Ein System gewählt wird, welches das Q&S nicht behindert und bei diesem auch seine volle Haltekraft beibehält.
Dies im Hinterkopf gehen wir mal die Vorschläge durch:
Igel:
- Pro: Keine Nut erforderlich
- Contra:
- behindert Q&S bzw. lässt bei starken Schwund nach
- Kein Tausch in der Fläche möglich
- Umständlich und bei Hartholz auch fast unmöglich zu verlegen.
- extrem Aufwändig bei kurzen Dielen wegen der Notwendigkeit doppelter UK-Latten an allen Stößen
- Fazit: machbar aber mit vielen Einschränkungen:
- nur eher schmale Dielen mit max 120mm
- am besten Lärche, Douglasie (oder KDI - kotz!)
- penibel auf Einbaufeuchte achten!
- nervliche Stabilität, sollte mal eine einzelne Diele vorzeitig versagen
- Ich habe den Igel (noch V1) tatsächlich mal angewendet. Holzart war Eiche, wo das Eintreiben der Dornen per Spezialwerkzeug gerade noch möglich war. Bei Robinie oder härteren Exoten dürften das sehr mühselig bis unmöglich sein. Lärche/ Douglasie geht natürlich problemlos. Bei Weichholz ist auch die Stauchung im Bereich der Halter beim Quellen weniger problematisch.
Natur in Form: Auf ein System, was nur aus
Alu und Plastik besteht, braucht man im
Woodworker Forum eigentlich kaum einzugehen, insbesondere wenn es sich auch noch mit den Greenwashing-Begriff "Natur" schmückt. Aber dennoch der wichtige Hinweis zu WPC: Vor lauter Freude über das sehr geringe Quellen und Schwinden wird gern übersehen, dass WPC dadurch zwar wenig in Stärke und Breite variiert, wohl aber deutlich in seiner Länge: Nämlich nicht mit der Feuchte, sondern mit der Temperatur: 0,3 mm bis 0,5 mm Längenänderung je Meter und 10° Temperaturdifferenz gelten als Hausnummer. Also eine 5m lange Diele kann sommers schon mal einen guten Zentimeter länger sein, als im Winter.
Terraflex:
- Pro:
- Tausch in der Fläche möglich
- konstruktiver Holzschutz durch den Abstandshalter zur UK
- Contra:
- seitliche Nut erforderlich mit allen genannten Nachteilen
- wenig Spiel für Q&S
- Fazit: es gibt schlechtere Systeme, aber es gelten viele Einschränkungen:
- schmale Dielen
- nur teure Holzarten mit wenig Q&S mgl.
- am besten keine Stöße
Dilia & Sigha: sind nahezu identisch und teilen sich die Eigenschaften
- Pro
- System, die Q&S angemessen berücksichtigen
- Tausch in der Fläche möglich
- konstruktiver Holzschutz durch den Abstand zur UK
- keine seitliche Nut erforderlich
- Contra:
- ziemlich aufwändig und teuer
- breitere und damit teure UK erforderlich
- 4,2x17mm Schrauben haben eine kritisch geringe Auszugskraft
- Stöße extrem aufwändig
- Fazit: In der Summe (vor allem wenn man die Arbeitszeit mitrechnet) teuer und aufwändig. Wegen Verschraubung von unten doch wieder nur für eher ruhige Holzarten geeignet um die Spannungen und damit die Auszugskräfte auf die Schrauben zu minimieren.
TENI Terrassenclip
- Pro:
- Tausch in der Fläche möglich
- Seitliche Kehle schwächt weniger als eine Nut
- konstruktiver Holzschutz durch den Abstand zur UK
- Stöße einigermaßen einfach zu realisieren
- Contra:
- Nur für sehr ruhige Holzarten geeignet (auch lt. Hersteller)
- sehr eingeschränkte Auswahl an Dielen mir der speziellem seitlichen Profil
- wenig Spiel für Q&S
- hohe Abhängigkeit von der Haltbarkeit des Kunststoffs, der recht stark belastet wird
- Fazit: Wenn man die Einschränkungen in Kauf nimmt sicher ein angenehm einfaches System mit etwas ungewisser Standzeit
Die genannte System sind eine kleine Auswahl des enormen Zoos an verdeckten Befestigern, die inzwischen am Markt sind. Die meisten basieren auf Prinzipien, die hier aufgeführt sind. Mit den genannten Kriterien lassen sich alle anderen irgendwie einordnen bzw. beurteilen
Insbesondere Systeme wie den Terraflex gibt es inzwischen etliche. Die Einschränkung auf
Dielen mit seitlicher Nut bei diesen Systemen lässt sich ganz elegant umgehen: Normale, stumpfkantige Dielen können mit recht überschaubarem Aufwand im Bereich der Befestigung mit einer
Lamellofräse die nötige Aussparung verpasst bekommen. Man schlägt sogar 2 Fliegen mit einer Klappe: Die Schwächung ist derart natürlich erheblich geringer, als bei einer durchgehenden Nut. Es gab sogar mal einen Halter, der das von vornherein vorsah und eben auch wie ein Lamello ausgeformt war. Ich hab ihn nie verwendet, und fand ihn jetzt per kurzer Recherche auch nicht mehr. Falls es den noch gibt und ihn jemand kennt: Bitte verlinken!