Suche schönes, aber nicht zu schwieriges Design für "mid century" Stuhl

conny_g

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Hallo zusammen,

ich möchte in den nächsten Monaten mal versuchen ein Set Stühle für unseren Esstisch bauen und zwar in einem "modernen mid-century Stil", wie der Amerikaner da so sagt. Aus Massivholz, voraussichtlich amerikanischer Nussbaum.

Da habe ich kürzlich mal ein Video von Shaun Boyd dazu gesehen:

Dieser Stuhl ist schon mal ganz nett und von der Konstruktion auf den ersten Blick her einfach und machbar.
Aber einerseits glaube ich nicht, dass die gerade Lehne hinten besonders bequem ist und je länger ich mir den Stuhl ansehe desto mehr wird er mir "zu eckig".

Er dürfte also ein bisschen "organischer" sein als der und sollte auch Armlehnen haben.

Ich surfe jetzt schon einige Stunden im Web / auf Pinterest und habe mir noch nicht das ganz perfekte gefunden, was nicht ganz so "eckig" ist, aber für einen ambitionierten Anfängern noch machbar.
Die Stühle sind mir entweder zu klobig, wenn sie einfach gebaut sind oder schauen gleich viel zu aufwändig zu bauen aus.

Habt ihr einen Tipp?

Der Stuhl von Shaun Boyd:

 

Ernstl

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Hallo!

Vielleicht kommt das deinem Geschmack etwas näher:


Hier mehr Details zur Arbeitsweise:

Lg
Ernstl
 

Lico

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Ich kann nicht viel beitragen, außer zwei Einwänden:
In unserer Familie gibt es zwei derartige Stühle, über die sich alle ärgern, weil man aus irgend einem Grund dauernd über die hinteren Stuhlbeine stolpert, wenn man dahinter vorbei geht.
Nussbaum sieht klasse aus, eignet sich aber nach meiner Kenntnis, ebenso übrigens wie Mahagoni, nicht für Sitzmöbel und Tischgestelle. Es gilt dafür als zu spröde. Die Verbindungen halten nicht. Jedenfalls wurden zu meiner Zeit, als Nussbaum und Mahagoni noch mehr in Mode waren, derartige Möbel aus Buche oder wenn edler aus Kirsche gebaut und dann passend hingebeizt. Ich weiß allerdings nicht, ob es heutzutage bessere Verbindungsmittel gibt als früher, so dass das Argument möglicherweise nicht mehr trägt.

Lico
 

conny_g

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Ich kann zur Lösung nichts beitragen, bewundere aber das Problem. :emoji_slight_smile: Den Stuhl aus dem ersten Beitrag finde ich sehr schön, würde ihn allerdings nicht in die Kategorie leicht zu bauen einsortieren. Weder habe ich eine Festool Domino, noch kann ich winklige Sachen so genau fertigen. Vielleicht schaffe ich sowas in ein paar Jahren mal.

Gibt es irgendwo die Pläne dazu? Vor allem die Schablonen wären wichtig.
 

conny_g

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Ich kann zur Lösung nichts beitragen, bewundere aber das Problem. :emoji_slight_smile: Den Stuhl aus dem ersten Beitrag finde ich sehr schön, würde ihn allerdings nicht in die Kategorie leicht zu bauen einsortieren. Weder habe ich eine Festool Domino, noch kann ich winklige Sachen so genau fertigen. Vielleicht schaffe ich sowas in ein paar Jahren mal.

Gibt es irgendwo die Pläne dazu? Vor allem die Schablonen wären wichtig.

Mir ist jetzt nicht ganz klar wie Du das meinst mit "bewundere das Problem" :emoji_slight_smile:
Aber ich mache immer gerne schwierige Sachen, wenn ich was mache und ich finde den Stuhl für einen Anfänger (2. Lehrjahr Youtube-Schreinerlehre) sowohl machbar als auch anspruchsvoll.

Mir ist bisher noch keines meiner Projekte schief gegangen, brauchte aber immer enorm Vordenken/Vorplanung und viel Zeit für eine perfekte Ausführung und ihre Vorbereitung oder für Jigs, die mir garantieren, dass es nicht danebengeht. Ich schwitze immer bei "frei Hand"-Tätigkeiten, deren Wiederholbarkeit ich nicht garantieren kann. Lieber baue ich für 2h ein Jig als dass ich es in 1h Freihand hinpfusche. Und es wird alles 2-3x gemessen und gegengecheckt.
Der schlimmste Fehler, der mir bisher passiert ist, dass ich ich das große Sideboard für das Kinderzimmer des Söhnchens um 8cm kürzer bauen musste (200cm statt 208cm), weil ich beim Querschnitt der Bodenplatte mich nach dem "Zwischenstrich" bei 2 Metern gerichtet habe und nicht nach der Markierung bei 208cm. Musste dann entsprechend die Rückwände kürzen und für die rechte Seite noch eine Blende machen, damit es doch bis an die Wand geht. Optisch aber nichtmal als Problem identifizierbar.

https://www.woodworker.de/forum/threads/sideboard-an-dachschräge.108020/#post-648619

Zum Shaun Boyd Stuhl:
Im Prinzip sind es lauter gerade - oder besser: ebene - Teile, die man mit Schablonen, Bandsäge, Bündigfräser gut herstellen kann, kaum organische Formen, nur Sitz und Lehne. Und vorher natürlich säumen, abrichten, hobeln sowie ggf. Leimholz herstellen. Das habe ich alles im Kleinen schon gemacht, so wäre es in der Dimension und Qualität schon eine Herausforderung, aber sieht alles machbar aus.
Den Domino braucht man nicht unbedingt dafür, wäre auch mit normalen Holzdübeln machbar oder mit Domino-Dübeln, aber mit Oberfräse gefräst. Wäre nur sehr viel mehr Zeitaufwand, für ein Hobbyprojekt aber völlig egal. Wenn ich 6 Stühle davon mache, vielleicht würde ich mir sogar die Dominofräse dafür kaufen, damit ich nicht wahnsinnig werde.

Zum Style des Stuhls:
Beim ersten Sehen des Videos gefiel mir der Stuhl auch sehr gut, gerade weil die Konstruktion so straight ist. Aber je länger ich ihn mir ansah, desto "klotziger" erschien er mir. Und wenn ich mir vorstelle wie es sich drauf sitzt, dann hätte ich den Verdacht, dass man diese "klotzige" auch spürt.
Deshalb suche ich quasi eine Evolutionsstufe weiter von diesem Stuhl - mit Armlehne und etwas eleganter, aber auch nicht zu "organisch", denn das traue ich mir noch nicht zu. Das wäre ja 3-dimensional mit Schablonen zu arbeiten, d.h. auch für die Abrundungen etc. Schablonen zu haben. Oder eben freihand das alles 6x identisch hinzubekommen - genau das, was mich immer so stresst :emoji_slight_smile:

Ach ja, und Pläne gibt es hier:
https://www.shaunboydmadethis.com/plans
Man könnte sich sogar die Schablonen fertig bestellen.
 
Zuletzt bearbeitet:
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Ich versuche bei jedem neuen Möbelstück nur eine gänzlich neue Technik einzusetzen damit ich mich nicht verzettel. Bei so einem Stuhl sind es gleich viele neue Techniken die ich noch nie genutzt habe. Da muss ich erstmal einige Übungsstunden mit der Bandsäge machen. Und die angesprochenen Freiformarbeiten schätze ich auch kritisch, jedenfalls wenn mehrere gleiche Stühle in einem Raum stehen sollen. :emoji_slight_smile:
 

conny_g

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Naja, da fertigt man sich einmal ne Schablone an und kopiert. Das sollte doch kein Problem sein
In 2D kein Problem, also aus einem Brett öfters das gleiche Bein ausschneiden.
Bissle Abrunden der Kanten oder Anfasen mit der Kreissäge ist ja kein Thema.

Aber bei Kontouren in 3D wird's etwas kniffliger.
Zum Beispiel finde ich diesen Stuhl gut (heute gefunden):
https://www.hermanmiller.com/de_de/...chairs/full-twist-guest-chair/product-images/

Und die schwierigste Stelle beim Bau wäre die Armlehne mit diesem "Twist"-Look.
Grundsätzlich ist das natürlich erstmal ein Klotz aus einem Brett mit 3 Verbindungen, 2x Bein, 1x zur Rückenlehne.
Dann aber ich muss diese 3D-Form rausfräsen, schleifen, was auch immer. Das ist für einen Anfänger schon eine Nummer.
Und genau daher kommt aber die "Leichtigkeit" dieses Stuhl, dass er denn Übergang von Armlehne und Rückenlehne so elegant löst.

Der Rest des Stuhls sieht mir nicht so dramatisch aus, es ist nur dieses eine Teil.

Generell liegt der Unterschied von klobig zu hübsch in diesen organischen Finessen, also Bauteile 3D zu formen und nicht nur platte Bretter zu haben.
 

enovs

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Ok, verstehe. 3D Konturen sind da ne andere Hausnummer, da geb ich dir recht.
Ich persönlich finde aber, dass kleine Unregelmäßigkeit, gerade bei solch komplexeren 3D Geometrien, nicht störend sind. Im Gegenteil, es trägt zur Natürlichkeit des Möbelstücks bei. Aber das ist natürlich rein subjektiv.
 

enovs

ww-ulme
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Naja das klingt bei dir so einfach. Ich finde solche Designstühle wirklich anspruchsvoll und auch nur die wenigsten Hobbybastler scheinen sich an das Thema zu wagen. Schau mal wie wenige Stühle hier im Forum vorgestellt wurden.
Ja, hatte ja relativiert, dass die beim Stuhl vorhandenen „3D“ Geometrien doch sehr anspruchsvoll sind und sich nicht einfach kopieren lassen. Da stimme ich dir schon zu.
Mein Post war auf das kopieren von 2D Schablonen bezogen, was ja wirklich keine hohe Kunst ist.
 

conny_g

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Herrlicher Text!

Die zweite Hälfte der Woche hieß es dann die eigentliche Form der Stuhls mit der Flex und dem Arbortech Tuboblade [...] herausarbeiten.
Lustigerweise habe ich mich gestern mit dem Turboblade beschäftigt und konnte gerade noch so meinen Finger vom „Kaufen“-Button fernhalten.
 

pedder

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Es gibt einen Grund, weshalb sich diese Stühle nie gegen andere aus der Zeit (Wegner, Fritz Hansen) durchgesetzt haben.
Man sitzt nicht gut drauf.
 

welaloba

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I
Nussbaum eignet sich aber nach meiner Kenntnis, ebenso übrigens wie Mahagoni, nicht für Sitzmöbel und Tischgestelle. Es gilt dafür als zu spröde. Die Verbindungen halten nicht.
Lico
Das wäre jetzt mal was ganz neues. Ich weiß nicht, wieviele Nussbaumstühle ich schon in der Hand hatte -eswarensehr viele, allein das widerspricht der Aussage.
Gruß Werner
 

schrauber-at-work

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Moin,
Nussbaum sieht klasse aus
100% Zustimmung
eignet sich aber nach meiner Kenntnis, ebenso übrigens wie Mahagoni, nicht für Sitzmöbel und Tischgestelle
Ist mir, ebenso wie @welaloba, auch neu. Habe mit Nuss gute Erfahrungen, habe aus einer übrigen Bohle (selbst aufgeschnitten) einen Hocker für meine kleine (Knapp 5) gemacht um an den Couchtisch zu sitzen. Ist relativ filigren, hält aber auch mich, meine Ziehsohn oder meine Partnerin ohne Probleme aus, selbst als "Steighilfe".

Gestell


Platte nach dem schleifen


Nach dem ölen (bevor die Platte mit Nutklötzen mit dem Gestell verbunden wurde)


Wie kommst Du zu dieser Meinung @Lico ?
Eigene Erfahrung damit?

Gruß SAW
 

Lico

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Wie kommst Du zu dieser Meinung @Lico ?
Eigene Erfahrung damit?
Eigene Erfahrung insofern, als ich zu meiner Zeit immer dann, wenn Tischgestelle oder Stühle aus (eigentlich) Mahagoni oder Nussbaum gebaut werden mussten, damit sie zur vorhandenen Möblierung passen, mit Kirsche gearbeitet hab, die auf Mahagoni oder Nussbaum gebeizt wurde (hatten wir grade erst in einem andren Thread). Da es zumindest zwischen Nussbaum und Kirsche damals keinen großartigen Preisunterschied gab und wir Nussbaum lagermäßig vorrätig hatten, nehme ich mal an, dass die Begründung, die mein Meister dafür gegeben hat, soweit stimmt. Ich hab auch noch nie Sitzmöbel oder Tischgestelle aus Nussbaum oder Mahagoni gesehen. Letzteres bis auf genau einen sehr alten Stuhl, den es in unserer Familie gibt. Der steht aber nur aus dekorativen Gründen da und wird nicht genutzt, damit die Verbindungen nicht wieder ausbrechen.
Ich muss allerdings gestehen, dass ich das bezogen auf Nussbaum nie hinterfragt oder experimentell erprobt habe.

Lico
 

Lico

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Das wäre jetzt mal was ganz neues. Ich weiß nicht, wieviele Nussbaumstühle ich schon in der Hand hatte -eswarensehr viele, allein das widerspricht der Aussage.
Gruß Werner
Siehst Du, ich keinen einzigen. Möglicherweise ein regionales Phänomen oder irgendeine Entwicklung, die ich in den letzten vierzig Jahren nicht verfolgt habe. Ich kenne nur Kirsche, die auf Nussbaum gebeizt ist. Aber was weiß ich schon.

Lico
 

conny_g

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Hab jetzt mal ein paar Minuten gegoogelt nach den Eigenschaften von Nussbaum und fand nicht ansatzweise eine Aussage, dass es solche Eigenschaften hätte, also dass es spröde wäre.
 

Lico

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Hab jetzt mal ein paar Minuten gegoogelt nach den Eigenschaften von Nussbaum und fand nicht ansatzweise eine Aussage, dass es solche Eigenschaften hätte, also dass es spröde wäre.
Das scheint wohl zu stimmen, ihm die selben Eigenschaften wie Mahagoni zuzuschreiben, war wohl ein Irrtum von mir.
Ich hab gestern eine alte "Fachkunde für Schreiner" in der Hand gehabt. Man findet dort natürlich alles wissenswerte über Holz. Über Schnitt, Lagerung, Verleimung usw., aber nichts zur Eignung für diverse Zwecke. Das scheint so zu sein, dass es oral überlieferte Kenntnisse gibt, die einem Lehrling von seinen Gesellen und seinem Meister im Laufe von drei Jahren weiter gegeben werden. Ich vermute, das ist in anderen Gewerken ähnlich. Das schließt natürlich nicht aus, dass auf diese Weise falsches und nicht hinterfragtes tradiert wird.
In meinem Fall gehörte dazu, dass mein Meister mir erklärt hat, dass sich Nussbaum für Gestelle nicht eignet, weil die Verbindungen nicht dauerhaft halten, als ich das erste Tischgestell aus Kirsche bauen sollte, das dann anschließend aufwendig auf Nuss gebeizt werden musste. (Für Laien: Kirsche zu beizen ist aufwendig, weil das fertige Möbel erst gebleicht und anschließend nochmal geschliffen werden muss, bevor es gebeizt werden kann. Kirsche ist von Haus aus grünlich und das stört beim beizen. Übrigens wird Kirsche, wenn sie nicht wie heute modern ist, naturbelassen bleibt, immer gebleicht und gebeizt, um einen einheitlichen Farbton zu bekommen.)

Ich hab aber auch gegoogelt. Man findet bei Beschreibungen von Hölzern keinen Hinweis auf die Nichteignung für bestimmte Zwecke. Was man allerdings hier und da mal findet, sind Hinweise zu üblichen Verwendungszwecken. Für Nussbaum finde ich nur Hinweise zu Furnieren für hochwertige Möbel, Massivholz wird verbreitet für Gewehrschäfte, Pistolen- und Messergriffe verwendet. Im Unterschied zu anderen Hölzern kein Hinweis auf Möbel.
Wenn man nach Sitzmöbeln aus Nussbaum googelt, findet man überwiegend Möbel aus dem Antiquitätenbereich, bei denen ich dann selbst gerne gucken würde, ob das wirklich Nussbaum ist. Den einen oder anderen neuen Hocker finde ich auch. Es gibt hier und da mal einen Couchtisch, aber kein breites Angebot. Das spricht mMn dafür, dass an meiner Einschätzung vielleicht doch was dran sein könnte, warum auch immer. Aber macht ruhig. Neue Erkenntnisse gibt es nur, wenn neues erprobt wird.


Lico
 
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