Hallo Fritz,
für mich ist das Wort "Betrug" ist schon starker Tobak.
Genauso wie das Wort "gedroht".
Was wirft der Käufer Dir denn vor?
Du hast ihm höherwertiges Holz für einen höherwertigen Preis angeboten. Und billigeres (minderwertigeres, preiswerteres...) für einen billigeren.
Dein Käufer wollte offensichtlich das Billigere haben.
Ich an Deiner Stelle würde mir folgende Fragen stellen:
Hat sich der Käufer das Holz vor Ort selbst angeschaut?
Habe ich dem Käufer dieses Holz "aufgeschwatzt"?
Habe ich den Käufer falsch beraten (bzgl. des möglichen Verwendungzweckes)?
Habe ich ein schlechtes Gewissen?
Bin ich eine Firma?
Wenn ich die Fragen, außer der ersten, mit `nein´ beantworten kann, würde ich mir keine Sorgen machen.
300,-/m3 für eingeschnittenes Holz sind da, wo ich herkomme, wirklich nicht teuer. Auch für Nadelholz. Überteuert warst Du also sicher nicht.
An Eiche-Fachwerkhäusern, die ich gesehen habe, ist auch immer Splint verbaut worden. An der Sichtseite außen ist mir kein Splint aufgefallen, kann aber sein, daß der sich schon seit langer Zeit verabschiedet hat (kenne nur alte Fachwerkhäuser aus Eichenholz).
Alte Fachwerkhäuser hat man ja nicht aus gesägtem Holz, sondern aus beschlagenem Holz Holz gebaut. Einstielig mit Kern in der Mitte. Je nach Kundenwunsch und Kunden-Geldbeutel sind die Hölzer nicht immer scharfkantig gewesen, also auch mit Splint dran. Im Prinzip nicht anders als bei Dir.
Sicher hat man auch "früher" versucht, da wo das Haus schön sein soll, möglichst die schönsten Hölzer zu verbauen.
Mir persönlich gefällt unbehandeltes Eichenholz mit Splint an einem Balken überhaupt nicht, ich würde ihn entfernen. Lieber hätte ich kein vollkantiges Holz. Das ist aber persönlicher Geschmack.
Noch ein paar Worte:
Die DIN EN 350-2 beschreibt die natürliche Dauerhaftigkeit von Holzarten gegen Lebewesen, die das Holz zerstören wollen (bei uns in allererster Linie Pilze und dann Insekten). Die DIN EN 350-2 klassifiziert in fünf Klassen, von 1 (sehr dauerhaft) bis 5 (nicht dauerhaft).
Splintholz aller (!!) Holzarten wird in Klasse 5 -also `nicht dauerhaft´ - eingestuft (egal ob Fichtensplint oder Eichensplint oder Lärchensplint oder Teakholz-Splint).
Vor eingen Tagen hat es mal einen Beitrag zu Robinien-Pfosten gegeben, wo der Splint weggegammelt ist.
Robinien-Kernholz ist bekanntlich sehr widerstandsfähig (Klasse 1-2 nach DIN EN 350-2), Robinien-Splint aber nicht (Klasse 5), deswegen gammelt der auch schnell weg.
Das Splintholz Deiner Eichenbalken ist also ohne künstlichen Holzschutz nicht dauerhaft gegen Pilze und Insekten.
Die Frage ist nun: wie stark sollen Deine Hölzer in verbautem Zustand Pilzen und Insekten ausgesetzt werden?
Dazu ist die DIN EN 335 zu beachten, sie regelt die sog. Gebrauchsklassen von Holz in dessen Einbauzustand. Die Klassen gehen von 0 bis 5, inkl. Klasse 3.1 und Klasse 3.2.
Den Außenbereich von Fachwerkhölzern stufe ich in Klasse 3.1 ein. Sofern es "richtig" verbaut ist. Richtig verbaut heißt, konstruktiver Holzschutz ist beachtet worden, das Holz kann zwar überall naß werden, aber kann auch überall wieder "schnell" abtrocknen (natürlich insbesondere an den Verbindungsstellen). Damit erreichst Du, daß Dein Holz niemals so feucht wird, daß Pilz-Wachstum möglich ist.
Kannst Du diesen konstruktiven Schutz nicht gewährleisten, fällt Dein Holz in Gebrauchsklasse 3.2. Oder 4.
Wendest Du keinen künstliche Maßnahmen an, empfiehlt (schreibt vor?) die DIN EN 335 für Einsatz in Gebrauchsklasse 3.1 Hölzer der Dauerhaftigkeitsklasse 2. Das wäre also Dein Eichenholz (sofern es von keiner Roteiche stammt).
Und zwar mit einem Splintanteil von weniger oder maximal 5%.
Hast Du Deinem Käufer also Holz mit kleiner gleich 5% Splintanteil verkauft, kann er Dir auch als Fachfirma mit Beratung gar nichts.
Zu den Gebrauchsklassen ist evtl. ist folgender Link interessant:
https://informationsdienst-holz.de/...05_T02_F02_Holzschutz_Bauliche_Massnahmen.pdf
Gruß, Andreas