PVA-Holzleim = Mikroplastik? Umweltaspekt von Leimholz wird kaum diskutiert

Edefix

ww-pappel
Registriert
10. April 2025
Beiträge
13
Ort
Süd Niedersachsen
Hallo zusammen,

ich bin gerade über einen Punkt gestolpert, über den meiner Meinung nach viel zu wenig gesprochen wird: der Einsatz von PVA-Holzleim (Weißleim) im Holzhandwerk.

Soweit ich verstanden habe, basiert dieser Leim auf Polyvinylacetat – also einem Kunststoff. Damit besteht jede verleimte Fuge in Leimholzplatten, Möbeln, Sperrholz usw. im Grunde aus einem Kunststoffanteil. Wenn man das weiterdenkt, heißt das doch auch:
Sehr viele unserer „Holz“-Produkte enthalten dauerhaft Plastik.

Was mir dabei Sorgen macht:

  • Beim Schleifen, Fräsen oder Entsorgen können feinste Partikel entstehen
  • Diese Partikel sind biologisch nicht abbaubar
  • Holz wird oft als besonders nachhaltiger Werkstoff beworben – aber der Kunststoffanteil im Leim wird dabei kaum erwähnt
  • Industriell wird extrem viel Leimholz verarbeitet – die Mengen summieren sich also
Mir ist klar, dass Leim technisch viele Vorteile hat (Stabilität, Haltbarkeit, Ressourceneffizienz durch Plattenwerkstoffe). Trotzdem frage ich mich:

  • Wird hier ein Mikroplastikproblem unterschätzt?
  • Gibt es umweltfreundlichere Alternativen, die im Alltag wirklich praktikabel sind?
  • Wie wird verleimtes Holz am Lebensende korrekt entsorgt oder recycelt?
Ich will das Handwerk nicht schlechtreden – ich finde Holz als Werkstoff großartig. Aber wenn wir ehrlich über Nachhaltigkeit sprechen, sollten solche Punkte doch auch offen diskutiert werden.

Wie seht ihr das?
 

carsten

Moderator
Teammitglied
Registriert
25. August 2003
Beiträge
20.566
Alter
51
Ort
zwischen Koblenz und Wiesbaden
Hallo

pah chatGPT sei Dank:

Hier ist eine Zusammenfassung des Artikels „Umweltverträglichkeit wasserlöslicher Polyvinylalkohole in aquatischen Systemen“ von chemie.wiki:

Was ist Polyvinylalkohol (PVA)?

  • PVA ist ein wasserlöslicher, synthetischer Kunststoff mit breitem Einsatzspektrum (z. B. wasserlösliche Verpackungsfilme, Textil- und Papierindustrie, Medizin, Lebensmittelbereich). (chemie.wiki)
  • Er ist ungiftig, geruchs- und geschmacksneutral, biokompatibel und hat gute physikalisch-chemische Eigenschaften wie Filmbildung, Elastizität und Barriereeigenschaften. (chemie.wiki)

Umwelteintrag in aquatische Systeme

  • Durch die weit verbreitete Nutzung – besonders von wasserlöslichen Beschichtungen und Folien – gelangt PVA häufig in Gewässer. (chemie.wiki)

Biologischer Abbau

Der Abbau von PVA hängt stark von der Umwelt bzw. den Mikroorganismen ab:

In Wasser (aquatische Systeme)

  • PVA kann biologisch abgebaut werden, vor allem wenn Mikroorganismen, die PVA verwerten können, akklimatisiert sind (z. B. in Kläranlagen mit PVA-belastetem Abwasser). (chemie.wiki)
  • In ungewohnten mikrobiellen Umgebungen (z. B. typischer Klärschlamm ohne Anpassung) ist der Abbau dagegen gering. (chemie.wiki)
  • Einige Studien zeigen, dass PVA unter idealen Bedingungen sogar vergleichbare Abbauraten wie natürliche Stoffe erreichen kann, wenn sich spezialisierte Mikroben etabliert haben. (chemie.wiki)

In Boden oder Kompost

  • Der mikrobielle Abbau ist häufig mäßig bis gering, da PVA-abbauende Mikroben seltener vorkommen. (chemie.wiki)
  • Pilze können zwar PVA oxidativ verändern, dies führt aber meist nicht zu einem vollständigen Metabolismus. (chemie.wiki)

Faktoren, die den Abbau beeinflussen

  • Anzahl und Art der PVA-abbauenden Mikroorganismen
  • Chemische Eigenschaften des PVA (Molekulargewicht, Hydrolysegrad)
  • Wechselwirkungen mit organischen und anorganischen Komponenten im Milieu (chemie.wiki)

Zusätzliche Erkenntnisse

  • Aerober Abbau (mit Sauerstoff) ist am relevantesten in Kläranlagen und Gewässern. (chemie.wiki)
  • Anaerober Abbau (ohne Sauerstoff) scheint gering zu sein und wird stark vom Molekulargewicht beeinflusst. (chemie.wiki)
  • Studien deuten an, dass niedermolekulare PVA-Fragmenten schneller abgebaut werden als große Polymerketten. (chemie.wiki)

Fazit

  • PVA kann unter bestimmten Bedingungen biologisch abbaubar sein, besonders in aquatischen Systemen mit passenden Mikroorganismen.
  • In Böden oder weniger spezialisierten mikrobiellen Umgebungen ist der Abbau jedoch meist langsamer oder unvollständig.
  • Die tatsächliche Umweltwirkung hängt daher stark von lokalen Bedingungen und der Dynamik der Mikroorganismen ab. (chemie.wiki)
 

heiko-rech

ww-robinie
Registriert
17. Januar 2006
Beiträge
4.452
Ort
Saarland
Hallo,
  • Wird hier ein Mikroplastikproblem unterschätzt?
Ja, das trifft aber auf viele Dinge ein unserem Alltag zu. Ich versuche dort zwar auch anzusetzen, praktisch ist das aber extrem schwer. Das fängt bei Plattenwerkstoffen an und endet beim Auswaschen des Leimpinsels.
  • Gibt es umweltfreundlichere Alternativen, die im Alltag wirklich praktikabel sind?
Tierische Leime, wobei Fischleim meiner Meinung nach am einfachsten in der Handhabung ist, aber auch nicht vegan und nicht für den Außenbereich geeignet. Ich verwende ihn recht gerne, lebe aber auch nur zu etwa 95% vegan :emoji_slight_smile:
  • Wie wird verleimtes Holz am Lebensende korrekt entsorgt oder recycelt?
Am besten wohl, indem man immer wieder etwas Neues daraus macht und generell Möbel nicht als Wegwerfartikel betrachtet. Ansonsten werden die meisten Möbel und Holzabfälle wohl thermisch entsorgt. Dabei gelangt zwar kein Mikroplastik in den Boden oder in Gewässer, aber eben Gase in die Luft.
Ich will das Handwerk nicht schlechtreden – ich finde Holz als Werkstoff großartig. Aber wenn wir ehrlich über Nachhaltigkeit sprechen, sollten solche Punkte doch auch offen diskutiert werden.
Klar, sollte man das offen diskutieren. Ich fürchte nur, dass die Allgemeinheit sich nicht sonderlich dafür interessiert. Sicherlich kommen hier auch sehr schnell die üblichen Argumente:
  • Erst mal um Dinge kümmern, die viel schlimmer sind
  • Sollen die anderen erst einmal anfangen
  • Das funktioniert für mich nicht
  • Was bringt das denn, wenn das nur einzelne machen
  • Soll die Politik sich mal drum kümmern
  • usw. usw.
Wie seht ihr das?
Genauso wie beim Verzicht auf tierische Produkte oder dem Verzicht auf das Auto. Einfach selbst informieren, anfangen damit, nicht groß diskutieren und nicht immer nur den bequemsten Weg wählen.

Gruß
Heiko
 

FredT

ww-robinie
Registriert
26. Juni 2014
Beiträge
6.060
Ort
Halle/Saale
Also am Besten alles, was mit Leim in Verbindung gekommen ist, thermisch entsorgen. Oder besser nur noch Metall verarbeiten?
Und die nächste dicke Frage ist dann nach der Nachhaltigkeit der 3D-Druck-Artikel; wie werden die recycelt oder entsorgt; welche Umwelteinflüsse ergeben sich? (Nein, bitte keine neue Diskussion damit lostreten.)
 

brubu

ww-robinie
Registriert
5. April 2014
Beiträge
6.712
Ort
CH
Solange unser Plastikabfall und billigste Altkleider in extremen Mengen, politisch gewollt, in Afrika und Ostasien in der Umwelt landen, mache ich mir wegen dem Leim wirklich keine Sorgen.
Das heisst nicht, dass wir uns nicht um die Umwelt sorgen, Leim wird bei uns aushärten gelassen und nur geringste Mengen gehen ins Abwasser. Wasserbeize, Wasserlackabfall etc. wird verdunsten gelassen, die Trockensubstanz geht in den Müll.
Lösemittellack und Abfall kommt in die Entsorgung.
 

isso

ww-robinie
Registriert
21. Januar 2025
Beiträge
2.636
Ort
sonstwo
Ich finde es, wie Heiko auch, erstmal gut zu gucken was man selber machen kann.

Wir waschen seltenst mal Leim ab. Wir nutzen fast ausschließlich Silikonpinsel und Zahnspachtel zum Leimen. Das kann man beides aushärten lassen und dann den Leim "abpulen". Ich gebe zu, die Motivation war eher des "am besten für uns funktionierenden Systems" geschuldet als dem Gedanken an Mikroplastik.

Ein Verzicht auf PVAC ist für mich nicht denkbar. Aber wie schon angemerkt trifft das ja nicht die paar Platten, die wir machen, eher die Industrie.

Trotzdem ist hier etwas einfach "bewusster" geworden. Also werde ich das beachten und bewusster damit umgehen.
 

heiko-rech

ww-robinie
Registriert
17. Januar 2006
Beiträge
4.452
Ort
Saarland
Hallo
Und die nächste dicke Frage ist dann nach der Nachhaltigkeit der 3D-Druck-Artikel; wie werden die recycelt oder entsorgt; welche Umwelteinflüsse ergeben sich?
Ich habe drei Drucker am laufen. Ich verwende fast ausschließlich Recycling-Filament aus Deutschland (https://www.recyclingfabrik.com/). Meine eigenen Reste gehen zu diesem Hersteller zurück und werden wieder zu Filament, ich bekomme dafür eine Gutschrift. Die Spulen gehen entweder zurück zum Hersteller oder es kommen Wechselspulen zum Einsatz.

PLA und PETG lassen sich hervorragend sorten- und farbenrein recyclen. Auf diese Weise gehandhabt, gehört der 3D-Druck zu den umweltfreundlichsten Arten Kunststoff zu nutzen.

Gruß
Heiko
 

summa4ever

ww-esche
Registriert
19. Oktober 2022
Beiträge
578
Ort
Freiberg
Mache ich auch so. redline filament bietet neben ihren "neuen Filamenten" auch Recycling-Filament an und nimmt auch Reste zurück.
 

Edefix

ww-pappel
Registriert
10. April 2025
Beiträge
13
Ort
Süd Niedersachsen
Man hat doch eigentlich immer die Wahl: Teil des Problems zu sein – oder Teil der Lösung.

Bevor unsere Welt von Kunststoffen überschwemmt wurde, war Holz der zentrale Werkstoff. Häuser, Brücken, Möbel, Werkzeuge, Wagen, Eimer, Geschirr – fast alles bestand aus massivem Holz. Es war selbstverständlich, langlebig, reparierbar und vor allem: ein natürlicher Rohstoff. Entsprechend hoch angesehen und gefragt war das Handwerk rund ums Holz.

Heute stehen wir vor riesigen Umweltproblemen, und viele davon hängen direkt oder indirekt mit Plastik zusammen. Gleichzeitig suchen immer mehr Menschen nach nachhaltigen Alternativen – und genau hier kommt Holz wieder ins Spiel.

Für mich ist Holz ganz klar ein Werkstoff der Zukunft.
Er wächst nach, speichert CO₂, lässt sich reparieren, wiederverwenden und am Ende sogar energetisch verwerten. Und wir Holzwerker arbeiten jeden Tag damit. Wir haben Erfahrung, Wissen über Konstruktion, Haltbarkeit und Verarbeitung – also genau das Know-how, das es braucht, um wirklich nachhaltige Produkte zu bauen. Wenn wir es richtig angehen.
 

FredT

ww-robinie
Registriert
26. Juni 2014
Beiträge
6.060
Ort
Halle/Saale
3D: Auch von mir als Endkunde, sprich also fertige Teile? Denn das ist wohl der Großteil der Anwender. Oder gelbe Tonne oder Restmüll?
 

HolzandMore

ww-robinie
Registriert
16. Januar 2023
Beiträge
1.603
Ort
8. Längengrad
Oder gelbe Tonne oder Restmüll?
Gelbe Tonne bzw. gelber Sack ist ein Recyklingsystem eines Verbandes/Unternehmens dem sich zig Betriebe angeschlossen haben und (eigentlich) nur die Verpackungen wo deren Symbol (da gibts auch wieder zig Symbole die für Verwirrung sorgen) drauf ist sollten im gelben Sack landen.
ABER Kunststoffverpackungen oder Verbundverpackungen (z.B. Milchverpackung) sollte man da auch rein schmeißen - rein rechtlich aber wäre dies Restmüll.
Aber da könnte man vortrefflich darüber diskutieren.
Gruß Andi
 

Patworker

ww-robinie
Registriert
15. April 2022
Beiträge
607
Ort
Rheinisch-Bergischer Kreis

Patworker

ww-robinie
Registriert
15. April 2022
Beiträge
607
Ort
Rheinisch-Bergischer Kreis
@Edefix: Ich bin weder Inhaber noch kenne ich den Betreiber der Webseite. Nicht kommerziell, Allerdings hat sich diese bislang als solide Informationsquelle mit geeigneten Quellenangabe hervorgetan.

@agnoneo: mea culpa, beim lesen habe ich die Abkürzung PVA als übliche Abkürzung für den ebenfalls in Leim verwendeten Polivinylakohol gelesen.
 

heiko-rech

ww-robinie
Registriert
17. Januar 2006
Beiträge
4.452
Ort
Saarland
Hallo,
@Patworker. Hast du auch eine offizielle Quelle die PVA Leim im Zusammenhang mit Mikroplastik für völlig unbedenklich hält?
Vielleicht kann ja zuerst einmal von jemandem, der sich da wirklich auskennt dargelegt werden, ob PVA nun im Holzleim gleichzusetzen ist mit dem von Leimherstellern in der Regel angegebenen PVAC. Alleine die Tatsache, dass es in Lebensmitteln enthalten sein darf, ist für mich persönlich noch lange kein Indiz für die Unbedenklichkeit eines Stoffes.

Darüber hinaus kann so ein Weißleim ja auch andere umweltschädliche Stoffe enthalten. Gewissheit erlangt man da wohl am schnellsten über die Sicherheitsdatenblätter der Hersteller. Hier ein Zitat aus dem zum Propellerleim von Bindan:
Empfehlung:
Darf nicht zusammen mit Hausmüll entsorgt werden. Nicht in die Kanalisation gelangen lassen.
3D: Auch von mir als Endkunde, sprich also fertige Teile? Denn das ist wohl der Großteil der Anwender. Oder gelbe Tonne oder Restmüll?
Im Prinzip kannst du auch als Endkunde deine nicht mehr benötigten 3D-Druckteile an einen Recycler senden. Ich bezweifle aber, dass das in kleinen Mengen per Versand ökologisch sinnvoll ist. So gesehen wäre das ein Fall für den Restmüll. Oder du fragst in deinem Bekantenkreis einfach mal herum, ob da jemand das so macht, wie von mir beschrieben. Oder frag in einem Makerspace nach. Ist halt auch die Frage, wie viel Mühe du dir für eine möglichst sinnvolle Entsorgung machen möchtest.

Mit dem eigentlichen Thema hat das aber alles nichts mehr zu tun. Also am besten einen extra Faden aufmachen oder wieder zurück zum eigentlichen Thema kehren.

Gruß
Heiko
 
Zuletzt bearbeitet:

Edefix

ww-pappel
Registriert
10. April 2025
Beiträge
13
Ort
Süd Niedersachsen
Ist es eigentlich technisch möglich Leim holz Platten aus Hasenleim her zu stellen? Wenn ja dann währe das do eine super Lösungsansatz oder?
 

heiko-rech

ww-robinie
Registriert
17. Januar 2006
Beiträge
4.452
Ort
Saarland
Ist es eigentlich technisch möglich Leim holz Platten aus Hasenleim her zu stellen? Wenn ja dann währe das do eine super Lösungsansatz oder?
Ich verwende zur Herstellung von Leimholzplatten sehr gerne Fischleim. Das sollte mit anderen Glutenleimen auch gehen. Schließlich ist Leimholz ja nichts anderes als eine Verleimung von Massivhölzern zu einer Platte. Das hat man schon gemacht, bevor der Weißleim erfunden wurde. Selbst kleine Mengen Dreischichtplatte habe ich schon mit Fischleim selbst hergestellt.
 

Blamaili

ww-buche
Registriert
29. August 2017
Beiträge
293
pah chatGPT sei Dank:
Mir scheint das war ein tolles Beispiel für "Warum sollte man ChatGPT und andere ChatBots nicht benutzen". Das sind zwei unterschiedliche Dinge: https://de.wikipedia.org/wiki/Polyvinylalkohol und https://de.wikipedia.org/wiki/Polyvinylacetat Ich bin kein Chemiker, wer weiß wie korrekt der Rest ist. Wenn ich jeden Fakt einzeln nachlesen soll, kann ichs auch gleich selbst lesen...

Ich finde Gedanken über die Nachhaltigkeit sehr gut. Ich denke, man sollte mit den "low hanging fruits", also den einfach zu pflückenden Früchten, anfangen. Da ist die Verwendung von Leim wahrscheinlich nicht dabei.

All meine (hobby-mäßig) gebauten Möbel sind aus wiederverwendetem Holz. Als Berliner finde ich alles mögliche auf der Straße (zum Beispiel Eichenbalken *tischbauend*), aber auch bei Kleinanzeigen findet sich vieles. Das ist dann (wenn man nicht eine 100-km-Autoanfahrt hat) super nachhaltig. Nachteil ist: Man baut, wenn man was findet :emoji_slight_smile:.
 
Oben Unten