Kratzer im Tisch->abgeschliffen, geölt und jetzt weissliche Flecken. Hilfe!!!

Dieses Thema im Forum "Neuling fragt Profi" wurde erstellt von Gingha, 23. Dezember 2004.

  1. Gingha

    Gingha ww-pappel

    Beiträge:
    11
    Hilfe!
    Ich hatte einige (nicht tiefe) Kratzer in meinem geölten Nussbaumtisch.
    Diese habe ich dann auf Rat eines Do-it.youselt-Verkäufers mit 600 und 400 Schleifpapier abgeschliefen. Danach kontaktierte ich jedoch meinen Schreiner, welcher mir empfiehl das ganze nochmals mit 180er Papier zu schleifen, was ich auch tat.
    Ich habe daraufhin den Tisch geölt. Die Kratzer sind zwar verschwunden, jedoch sind an den Stellen, wo ich geschliffen habe weissliche matte Stellen (man sieht quasi, dass da geschliffen worden ist).

    Wieso gibt's diese Flecken? Kommt das davon, dass ich nur einmal (statt 3mal geölt habe? Oder habe ich nun meinen Tisch durch das feine Schleifpapier kaputt gemacht?
    Bitte helft mir, erfahrene Holzexperten :emoji_wink:, ich bin am verzweifeln!
    Und das so kurz vir Weihnachten :emoji_frowning2:((

    Was soll ich machen?
    Weihnachtliche Grüsse
    Gingha
     
  2. edelres

    edelres ww-robinie

    Kratzer

    Hallo Gingha,

    kein Grund zum Verzweifeln, es gibt keine Probleme es gibt nur Loesungen usw.

    Es ist ein Nachteil von geoelten Oberflaechen, dass Abrieb, Kratzer usw helle Stellen hinterlassen.Ein Vorteil wiederum ist der dass sie relativ leicht wieder zu entfernen sind.

    Ich repariere Schaeden auf geoelten Oberflaechen, wie von dir beschrieben, indem ich das gleiche Oel wie bei der Erstbehandlung auf die Fehlerstellen auftrage und diese nass in nass mit 220/320er Schleifpapier schleife, sollten die Schaeden ueber einer groesseren Flaeche verteilt sein, schleife ich nass in nass die gesamte Oberflaeche mit oel, lasse das Oel ca 30-90 Minuten stehen und wische das ueberschuessige Oel sorgfaeltig ab und lasse die Oberflaechen trocknen. Hilft meist mit einmaliger Behandlung.

    Eine gute dauerhafte, schuetzende, geoelte Oberflaeche ist nur durch mehrere Oelauftraege ca 2 – 4 zu erreichen. Das in den Holzporen durchgetrocknete Oel ergibt die erwuenschte Schutzschicht. Falls ueberschuessiges Oel auf der auf der Oberflaeche trocknet so ist dieses besonders Kratzerempfindlich Ich finde dass bei richtig geoelten Oberflaechen durch das nicht sichtbare Finish die Schoenheit des Holzes voll zur Geltung kommt.

    Schleifen mit 400 oder 600er Papier auf geoelten Oberflaechen, hilft nur dem Verkaeufer, 180er Papier greift staerker an und entfernt dabei leicht die duenne mit Oel abgedichtete Schutzschicht. Kratzer die tiefer wie die Oberflache liegen werden dabei nicht entfernt. Es entstehen glaenzende und matte Stellen auf der Oberflaeche, das Resultat des aggresiven Schleifens, ist dass praktisch eine neue Schutzschicht aufgetragen werden muss.

    Wuensche guten Erfolg und schoene Feiertage.

    mfg

    Ottmar
     
  3. Gingha

    Gingha ww-pappel

    Beiträge:
    11
    Herzlichen Dank Ottmar für Deine Antwort!

    Zunächst mal wünsche ich Dir wunderschöne Weihnachten!!!! Ich hoffe, Du hattest einen schönen Heilig Abend!

    Da bin ich aber beruhigt! Ich habe leider nicht so viel Ahnung von Holzarbeiten (dafür koche ich gut :emoji_slight_smile:)

    Du hast beim von DIr angewendeten Schleifpapier zwei Zahlen angegeben 220/320. Was bedeutet das genau?

    Ich habe meinen Tisch mit 180 und dann mit 240 geschliffen. Ist das nicht gut?
    Ich habe auch nicht die ganze Oberfläche gechliffen, nur um die Stellen herum...

    Aber eins muss ich noch sagen: Ich finde, der Nussbaum hat schon wunderschönes holz,, aber er ist einfach verd....t weich! Ein kleiner Stups mit dem Finger und schon gibts ne Delle oder nen Kratz!
    Gibt es nicht eine Möglichkeit um das Holz zu verhärten? :emoji_slight_smile:

    Schöne Festtage wünschend
    Gingha
     
  4. edelres

    edelres ww-robinie

    Kratzer Flecken

    Schoene Feiertage verehrte Gingha,

    vielen Dank fuer die Gruesse und Wuensche!

    Gutes Kochen ist wichtiger als die Oberflaechenbearbeitung von einem Tisch, da fuer ein gelungenes Essen oefter ein Lob zu hoeren ist, die erbrachten Leistungen fuer den Tisch werden schnell vergessen. Ich koche fuer mich selbst, der unterschied zwischen Kochen und Restaurieren ist der wenn mir beim Kochen etwas schief geht kann ich es meist noch selber essen!! (Unterschied Baecker/Koch – Schreiner)


    mit 220/320 meine ich jedes Schleifpapier von der Koernung 220 bis einschliesslich 320 ist brauchbar. 180er Papier ist in deinem Fall viel zu grob/aggresiv, 240er ist in Ordnung.

    Ich verwende 180er Papier fuer den Endschliff auf unbehandeltem Holz, auf behandelten Flaechen greift es zu stark und dann ist gleich das Finisch durchgeschliffen und das ergibt Flecken. Ich vermute diesen Fehler bei deinem Tisch. Ohne Erfahrungen ist es wohl kaum moeglich in dieser Situation eine gleichmaessige Oberflaeche zu erzielen. Es ist nur ein Kurieren an den Symtomen ohne die Ursache zu beseitigen. In der Situation in der du dich mit deinem Tisch befindest mache ich folgendes.

    Ich lasse den Tisch fuer eine Woche in einer geheizten Umgebung Trocknen dann schleife ich den Tisch, in Faserrichtung, mit 180er Papier ab bis jede Spur von Finisch verschwunden ist. Nun entstaube ich die Oberflaeche sorgfaeltig (Pressluft oder Staubsauger).Fuer den ersten Oelauftrag, erhitze ich dieses im Wasserbad auf ca 50/60°/C (keine offene Flamme zum Erhitzen verwenden; Selbstentzuendungsgefahr!)Das Erhitzen verringert die Viskositaet des Oeles und es dringt dadurch tiefer ein. Das Oel zu verduennen bewirkt das Gegenteil, da die Verduennug auf Grund der Duennfluessigkeit tiefer ins Holz eindringt, dieses saettigt und das Eindringen von Oel behindert. Der erste Auftrag ist der wichtigste, jeder Fehler hier ist spaeter schwer zu korrigieren.

    Ich beobachte das auf der Oberflaeche stehende Oel und an den Stellen wo es staerker aufgesogen wird bringe ich mehr Oel auf, so dass die Oberflaeche gleichmaessig glaenzend aussieht. Das Oel lasse ich dann 30-90 Minuten einziehen und wische dann das ueberschuessige Oel sorgfaeltig mit einem nicht fasernden Lappen in der Richtung des Holzfaserverlaufes ab. Die Oberflaeche sieht nun gleichmaessig leicht glaenzend aus, durch Ansehen der geoelten Oberflaeche aus verschiedenen Blickwinkeln stelle ich fest das sich kein Oel auf der Oberflaeche befinded, falls noetig entferne ich auch dieses wiederum in Faserrichtung! Nun lasse ich den Tisch tun und lassen was er will naehmlich trocknen! Geduld, Geduld, Geduld und nochmals Geduld. Aus welchen Gruenden auch immer, das gleiche Oel auf dem Holz der gleichen Holzart, trocknet von Fall zu Fall verschieden.

    Wichtig!!! Bevor ich ein neues Oel benutze mache ich einen duennen Probeaufstrich auf ein Stueck Glass(Scherben) diesen lasse ich dann trocknen nach 12 Stunden teste ich auf Klebrigkeit und wiederhole dies dann bis das Oel zu einem gleichmaessigen Film aufgetrocknet ist. So habe ich einen Anhaltspunkt wie schnell das Oel trocknet. Im Holz kann es kuerzer oder laenger dauern.

    Nun bringe ich den zweiten Oelauftrag auf. Diesen Auftrag schleife ich nun nass in nass (240er Papier)auf der gesamten Oberflaeche in Holzfaserrichtung Mit dem Schleifen erreiche ich folgendes, es ergibt einen feinen Holzabrieb, velcher sich in Vertiefungen/Ritzen usw ansetzt und mit dem Oel unsichtbar antrocknet. Die Oberflaeche wird so dichter und gleichmaessiger. Nun stelle ich wiederum fest dass das Oel gleichmaessig auf der ganzen Oberflaeche steht. Wie vorher, nach ca 30 – 90 Minuten wische ich das Oel sorgfaeltig in Holzfaserrichtung ab. Nun wieder Geduld und Trocknen lassen, dauert meist laenger als der erste Auftrag.

    Der Dritte Auftrag gleich wie der Zweite, nur wechsele ich fuer den Nasschliff zu 320e Papier. Nach dem Durchtrocknen sehen ob die gewuenschte Oberflaeche erreicht ist, gleichmaessiges Aussehen von allen Seiten. Solte ein vierter Auftrag erforderlich/erwuenscht sein, das gleiche wie beim 3. Auftrag.


    Ich habe alles genau so aufgeschrieben wie ich es mache, was ich jedoch nicht mitteilen kann sind meine 40+ jaehrigen Erfahrungen. Ich hatte genug Zeit Fehler zu machen, machte auch regen Gebrauch davon und hin und wieder kommen neue dazu, doch die Erfahrung hat mir bisher immer wieder aus jedem Loch herausgeholfen in welche ich fiel.

    Dein Tisch gibt dir nun die grosse Moeglichkeit eigene Erfahrungen zu sammeln.

    Ich weiss nicht welches Oel du verwendest, ich verwende aus Gewohnheit (Vorteil?) auf Nussbaumholz Tungoel. Der Trockenvorgang bei Tungoel geschieht durch einen selbststaendig ablaufenden chemischen Prozess, ohne Luftsauerstoff Einfluss. Das Tungoel trocknet gleichzeitig Innen und Ausssen, Tungoel darf auf keinen Fall auf der Oberflaeche stehend trocknen. Dies ergibt einen Eisblumeneffekt!

    Ich wuensche dir guten Erfolg und Geduld, in ein paar Tagen steht dir ein ganzes neues Jahr dafuer zur Verfuegung!!!

    Noch schoene Feiertage und einen guten Rutsch ins neue Jahr mit einer perfekten Tischoberflaeche
    wuenscht dir herzlichst

    Ottmar

    PS: Ich verlange fuer eine geoelte Oberflaeche das vierfache gegenueber einer Spritzlackierten. Interesanterweise verlangen Kunden danach, die solche von mir ausgefuehrten Oberflaechen bei Freunden oder Bekannten sahen und sind gerne bereit den dafuer geforderten Preis zu bezahlen.
     
  5. Gingha

    Gingha ww-pappel

    Beiträge:
    11
    Lieber Ottmar!

    Wow! Das ist aber eine ausführliche Antwort! Vielen vielen Dank!

    Ich muss sagen, dass auch ich das Gefühl hatte, das 180er Papier sei zu agressiv, habe deshalb fast nur mit 240er geschliffen.
    Aber die Flecken waren nach diesem Vorgang eigentlich weniger schlimm als nach dem 400/600er Schleifen!
    Deshlab vermute ich, dass die Flecken vom zuwenig Oelen kommen!
    Den ganzen Tisch abschleifen mag ich nicht, werde aber versuchen, die matteren Stellen nochmals zu ölen!

    ich wünsche DIr einen schönen Stephanstag,
    herzliche Grüsse
    Gingha
     
  6. Gingha

    Gingha ww-pappel

    Beiträge:
    11
    P.S.

    Die Flecken sind nicht extrem sichtbar.
    Sie sind einfach gegen das Licht als mattere Stellen erkennbar. Ich demke, sie werden nach mehr Oelen verschwinden!

    Grüsschen
    Gingha
     
  7. raftinthomas

    raftinthomas ww-robinie

    Beiträge:
    3.810
    Ort:
    Aachen/NRW
    ein problem stellt natürlich auch dar, dass nun an einigen stellen die oberfläche eine andere güte hat als am rest des tisches, wahrscheinlich eine bessere. daher würde ich die ganze platte nochmal ANschleifen (feines vlies oder 180-220er papier) und nochmal dünn komplett ölen.
     
  8. Didge

    Didge ww-pappel

    Beiträge:
    2
    Ort:
    Meck/Pomm
    Hallo Ottmar,

    könntest du den 2 Schliff noch mal etwas genauer erklären.

    Nachdem der erste Ölauftrag getrocknet ist, schleifst du nass mit Wasser die Platte und wischst diese dann sauber und lässt sie trocknen um dann den 2 Auftrag zu bringen, richtig ? Wie können denn da Ablagerungen entstehen ?

    Gru Jens
    Dieser Link ist nur für registrierte Mitglieder sichtbar.
     
  9. toby250375

    toby250375 ww-esche

    Beiträge:
    422
    Ort:
    Ahlen
    nee,da hast du den ottmar falsch verstanden.....
    der zweite und der dritte "schliff" sind auch der zweite und der dritte Ölauftrag.
    Soll heissen,beim Nasschleifen wird kein Wasser ,sondern das auch beim ersten Auftragen verwendete Öl benutzt.
    dieses mischt sich dann mit den enstehenden bei 240 er papier microfeinen holzabträgen und bildet eine paste,die sich in den mimiritzen des Holzes ablagert und beim aushärten die Oberfläche dichter macht.

    p.s.:emoji_open_mouth:ttmar,ich hoffe ich habe deine Beschreibung richtig interpertiert?
    gruss,Toby
     
  10. edelres

    edelres ww-robinie

    Oel Schleifen

    [FONT=Arial, sans-serif]Hallo Forumsfreunde,[/FONT]


    [FONT=Arial, sans-serif]@toby, genau richtig danke fuer den Gruss![/FONT]


    [FONT=Arial, sans-serif]@Didge,[/FONT]


    [FONT=Arial, sans-serif]Danke fuer die Nachfrage Jens, die Fragen hier im Forum bringen mich dazu ueber das Warum eines Routineablaufes nachzudenken. [/FONT]


    [FONT=Arial, sans-serif]Ich arbeite grundsaetzlich mit unverduenntem Leinoelfirnis/Tungoel. Fuer den ersten Auftrag erhitze ich das Oel im Wasserbad, auf ca 50°/C, dies ist nicht so kritisch, ist das Holz kalt,gehe ich bis auf 60°/C durch das Erhitzen wird das[/FONT]
    [FONT=Arial, sans-serif]Oel duennfluessiger und benetzt die Oberflaeche leichter. [/FONT]


    [FONT=Arial, sans-serif]Das leichte nass in nass Schleifen bewirkt wie toby erwaehnte ein gewisses glaetten, nebenbei werden die beim Oelauftrag unvermeidlichen Luftblaeschen an die Oberflaeche gebracht welche beim Oelauftrag mit Pinsel entstehen. Diese eingeschlossenen Luftblaeschen koennen beim Durchtrocknen wie Pickel oder kleine Krater in der Oberflaeche [/FONT][FONT=Arial, sans-serif]erscheinen [/FONT][FONT=Arial, sans-serif].[/FONT]


    [FONT=Arial, sans-serif]Das Oelfinish ist sehr einfach, erst durch das Beschreiben hoert es sich kompliziert an.[/FONT]


    [FONT=Arial, sans-serif]Viel Spass beim Oelen – Woodworken im Neuen Jahr.

    mfg

    Ottmar
    [/FONT]
     
  11. csctom

    csctom ww-pappel

    Beiträge:
    1
    Ottmar- kannst du uns eine Marke & Bezugsaddresse für dein "Stöffchen" nennen? Bei der Suche nach Tungöl finde ich in erster Linie nur Kosmetik-Produkte....
     
  12. Frank S

    Frank S ww-esche

    Beiträge:
    508
    Ort:
    Oberhavel
    Tungöl und auch Leinöl kannst Du unter anderem auch Dieser Link ist nur für registrierte Mitglieder sichtbar. erwerben.

    Gruß, Frank
     
Die Seite wird geladen...
  1. Diese Seite verwendet Cookies, um Inhalte zu personalisieren, diese deiner Erfahrung anzupassen und dich nach der Registrierung angemeldet zu halten.
    Wenn du dich weiterhin auf dieser Seite aufhältst, akzeptierst du unseren Einsatz von Cookies.
    Information ausblenden
  1. Diese Seite verwendet Cookies, um Inhalte zu personalisieren, diese deiner Erfahrung anzupassen und dich nach der Registrierung angemeldet zu halten.
    Wenn du dich weiterhin auf dieser Seite aufhältst, akzeptierst du unseren Einsatz von Cookies.
    Information ausblenden