Glück gehabt - was ich am Frästisch nie wieder mache!

Dieses Thema im Forum "Tipps & Wissenswertes von woodworker" wurde erstellt von Komihaxu, 5. November 2016.

  1. Komihaxu

    Komihaxu ww-robinie

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    Wollte heute am Frästisch einige handtellergroße Teile aus Eiche mit dem Bündigfräser bearbeiten.
    Dabei habe ich einiges falsch gemacht. Einiges aber auch richtig - nur deshalb habe ich noch alle Finger und bin unverletzt. Zum Glück habe ich mitgedacht und das Werkstück nicht in der Hand gehalten, sondern es in eine Holzschraubzwinge gespannt und darüber dem Fräser zugeführt.

    Was war passiert?
    Ich hatte ein paar Außenkonturen schon erfolgreich gefräst und wollte dann das vorgebohrte Loch bündig zur Schablone auffräsen. Beim ersten Kontakt griff der Fräser voll ins Hirnholz und riss mir die Schraubzwinge aus der Hand. Dadurch schlug der Fräser noch wilder gegen das Werkstück.

    Die Schläge waren so heftig, dass es die gut 3 Kilo schwere Casals-Fräse zusammen mit der Incra-Platte aus dem Tisch heraushob!!! So wie sie auf dem Foto zu sehen ist, lag sie am Ende da. Die dünne Einlegeplatte (eigentlich über 4 starke Magnete gehalten), wurde ebenfalls aus der Incra-Platte herausgedrückt und schleuderte mehrfach um den noch drehenden Fräser herum. Die Spuren im Aluminium der Platte und am Einlegeblech kann man auf den Fotos bewundern. Die Wendeplatten des Fräsers sind natürlich hin. Die Spindel der Fräse hat es zum Glück unbeschadet überlebt.

    Ich konnte zum Glück meine Hände schnell genug wegziehen und nach einer Schrecksekunde die noch laufende Fräse per Schlag mit der flachen Hand auf den Aus-Knopf stoppen. Gut, dass ich das Bedienfeld so angebracht habe, dass der Stopp-Knopf über die Platte hervorsteht und man eigentlich nur dagegenfallen muss, um den Strom abzustellen. Wenn ihr noch keinen Sicherheitsschalter am Frästisch habt - kauft euch einen! Und bringt ihn so an, dass er sehr einfach zu erreichen ist. Die Bremsfunktion der Oberfräse ist hier auch noch ganz nützlich.

    Was habe ich falsch gemacht?
    1. Das Werkstück ist tendenziell zu klein und zu leicht für diese Aktion.
    2. Wichtiger: Der Fräser griff mit einem Großteil des Umfangs ein. An den Außenkonturen der Schablone kein Problem. Das Fräsen im Loch war aber dumm.
    3. Fräsen von Hirnholz: Hirnholz zu fräsen ist immer gefährlicher. Entlang des Umfangs des Lochs wechseln sich Langholz und Hirnholz ab.
    4. Drehzahl vermutlich zu hoch. Der 19mm-Fräser lief bei 16000 U/min.
    5. Zu viel Materialabnahme auf einmal.

    Was hab ich gelernt?
    zu 1. Wenn kleine Werkstücke, dann sicher an eine große und schwere Haltevorrichtung anbringen, die es einem nicht aus der Hand reißen kann, bzw. die durch ihr Eigengewicht vom Fräser nicht herumgeschubst werden kann.
    zu 2. nie wieder Innenkonturen mit kleinem Radius (hier: Loch) nachfräsen, sondern von Anfang an fertig bohren.
    zu 3. Fräsen im Hirnholz vermeiden, sofern möglich.
    zu 4. Drehzahl stark reduzieren, sofern möglich.
    zu 5. Das Bauteil ist 25mm dick, aus Eiche. Das erschien mir von vorne herein als zu viel. Leider war es nicht möglich, den Fräser höher oder tiefer einzustellen, um die Dicke in mehreren Schritten abzunehmen, weil sonst der Anlaufring keinen Kontakt mehr mit der Schablone gehabt hätte. Hierzu fällt mir auch keine andere Lösung ein.

    Fazit
    Glück gehabt. Wendeplättchen und Einlegeplatte kaputt. Aber egal, weil selbst unverletzt! Puh! Hätte übel ausgehen können...

    Habt ihr noch Anmerkungen/Ideen, was man besser machen kann?
     

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  2. DZaech

    DZaech ww-eiche

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    Solche Löcher auszufräsen ist allgemein riskant, der entscheidene Fehler liegt aber beim Fräser.... Hättest du einen mit Anlaufring am ENDE der Spindel verwendet wäre wohl nichts passiert. Der Punkt lag darin, dass der Fräser fest angegriffen hat, dadurch hat es dir das Werkstück aus der Hand geschlagen und angehoben über das Kugellager. Der Fräser war nun ohne jede Tiefenbegrenzung in Eingriff, und das in einem kreisrunden Loch... Er hat angefangen rundherum anzuhängen und hat eine extreme Drehkraft entwickelt, welche sich auf die ganze Fräseinheit übertrug, und dir alles umhergeschlagen hat.

    Wenn das Kugellager oben gewesen wäre, hätte es dir in jedem Fall die Frästiefe begrenzt. Es wäre sicherlich zu einem Rückschlag und Schreckensmoment gekommen, ungembremst in das Teil hineinhacken hätte er sich aber nicht können, und so ein Szenario wäre ganz verhindert oder wesentlich weniger extrem gewesen.


    Dieses Problem mit Anlaufring unten kommt auch im Professionellen Bereich vor. Wenn ich an der Tischfräse grössere Teile mit Schablone fräse, achte ich IMMER darauf das Kugellager wenn möglich über den Fräser zu setzen. Sollte ich aus welchen Grund auch immer, das Werkstück anheben, verhindert das Kugellager den ungebremsten Eingriff.

    Fazit:
    Hättest du einen kleinstmöglichen Fräser, mit Kugellager oben verwendet, wäre die Sache wahrscheinlich ohne Probleme vonstatten gegangen.



    Kleine Ergänzung:


    Bezüglich deiner Bedenken wegen der Drehzahl,die Drehzahl war nicht zu hoch, sondern zu tief, je langsamer der Fräser dreht umso mehr "hängt" er ein im Holz. An der TF lasse ich den 80mm Fräskopf mit Kugellager mit 10'000 U/min laufen beim Schablonenfräsen, grob Überschlagen mit der Faustformel ergibt das 40m/s, was eher an der unteren Grenze liegt. Die optimale Schnittgeschwindigkeit ist mit Oberfräsenwerkzeugen nie zu errreichen, deshalb bis 30mm Durchmesser IMMER maximale Drehzahl geben. Bei deinen 19mm/16000U/min ergibt sich 16m/s Schnitt, was definitiv VIEL ZU WENIG ist. Die untere empfohlene Grenze bei Tischfräsen liegt bei 30m/s, dein Fräser müsste dazu mit 30'000 U/min laufen. Die Faustformel ist Radius x Anzahl Tausend Drehzahl.

    Also r 1cm x 30 k Umdrehung = 30m/s Umfanggeschwindigkeit. Die Formel ist erstaunlich genau, Abweichung ist nur wenige %.


    Viele Grüsse
    David
     
  3. kgb007

    kgb007 ww-esche

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    Ich versteh das nicht ganz. Wogegen ist denn der Anlaufring gelaufen? Man sieht keine Schablone. Wolltest du das frei Hand rund fräsen??

    Sorry, hab es noch mal gelesen.
    Die Differenz zwischen Schablone und Werkstück muss so gering wie möglich gehalten werden. Wie viel wolltest Du weg fräsen?
    Und: beherzt festhalten! wenn das erst mal ins rotieren kommt, hilft nur noch wegrennen.
     
  4. Komihaxu

    Komihaxu ww-robinie

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    Danke für die Anregung. Das hatte ich noch nicht bedacht.
    Es handelt sich um einen Fräser, der für Handvorschub geeignet ist. Und da muss sich der Fräser zwar selbst in der Spandicke begrenzen. Aber du hast recht: liegt der Anlaufring oben, würde das Werkstück dagegen stoßen und das Material von den Schneidkanten fernhalten.

    Die Schablone ist aus durchsichtigem Kunststoff. Wenn man genau hinschaut, sieht man sie.

    Hab ich natürlich gemacht. Wie man siehst, hilft das aber bei der Gewalt auch nicht. Es handelt sich um eine Fräse mit 2 Kilowatt, die bleibt nicht stehen. Da bräuchte es schon ein ordentliches Kaliber an Haltevorrichtung. Mit schön langem Hebel, großen Griffen und einem Eigengewicht von mehreren Kilos. Die hebt der Fräser dann nicht mehr rum. Für Leisten und Einsetzarbeiten habe ich mir eine Aigner Spannlade gekauft, aber die war für diese Arbeit ungeeignet.
     
  5. Fiamingu

    Fiamingu ww-robinie

    Guten Morgen,
    mein Senf zum Geschehen. Die Adapterplatte gehört in
    den Tisch geschraubt. Schablonenfräsen nur mit Schablone
    nach oben und passendem Bündigfräser. Somit ist die Schneide
    unter der Schablone, allenfalls gleich. Somit kannst du auch bei
    kleinen Stücken die Schablone mit einem Griff versehen und
    so dein Werkstück führen. Bündigfräser gibt es mit grosser
    Schneidenlänge. Meiner hier ist bei 50 mm und das reicht mir.
    Sei Froh dass es nur das Material geschrottet hat.
     
  6. Ossei

    Ossei ww-kirsche

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    Hallo und danke für den ausführlichen Erfahrungsbericht!

    Die Hinweise von @DZaech mit dem Kugellager oben am Fräser und der Schnittgeschwindigkeit werd ich mir gleich hinter die Ohren schreiben. Danke auch dir!

    Viele Grüße,
    Ossei
     
  7. gleiter

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    Das kannst Du laut sagen, Du hast irres Glück gehabt.

    Erst vor zwei Jahren hat's einem sehr erfahrenen Kollegen ein ebenfalls kleines Werkstück aus der Hand gerissen, Hand nachgezogen - drei Finger teils bis auf den Knochen lädiert. Ich "durfte" dann das Faschierte weg putzen und die Blutspur quer durch die Werkstatt entfernen, war keine besonders angenehme Arbeit. Die Finger, übrigens, konnten wieder hergestellt werden, erstaunlich, was die Medizin heutzutage leisten kann. Auch wenn sich das über Monate gezogen hat.

    Genau so und nicht anders.

    Selber Einer mache ich solch filigrane Arbeiten nie an der Tischfräse sondern baue mir lieber Hilfs- und Unterstützungsführungen für die Handoberfräse. Auch wenn's mehr Aufwand ist - ich bin auf diese Weise immer weg vom Flugkreis des Fräsers. Und natürlich beide Hände am Gerät, eh' klar.

    Gruß aus dem Wein/4, André.
     
  8. Erbsensuppe

    Erbsensuppe ww-nussbaum

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    Hey, gut dass nix schlimmes passiert ist.
    Danke für die lehrsame Info und gute Darstellung.
     
    fabsen2102 gefällt das.
  9. M4x

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    Thema ist zwar schöschon älter aber mag mir trotzdem mal jemand erklären, weshalb es mit einem Anlaufring auf der anderen Seite des Fräsers nicht passiert wäre?

    Danke!
    Max
     
  10. Fiamingu

    Fiamingu ww-robinie

    Mit dem Anlaufring oben ist die drehende Schneide unterhalb der Schablone.
    Somit weniger Gefahr in den Fräser zu kommen Es steht halt nur aus dem Fräs-
    tisch heraus was nötig ist.
     
  11. Hondo6566

    Hondo6566 ww-robinie

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    Hallo,
    da hast du aber wirklich Glück gehabt!
    Warum aber sollte die Einlegeplatte Schrott sein? Die hat es ja nur angehoben?
    Der Einsatz der beschädigt ist kannst du ja ersetzen.
    Nächstes mal die Einlegeplatte festschrauben am Tisch. Wundere mich gerade warum die Incra-Platte hier keine Befestigungslöcher hat.

    Sehe an deinen Tasten dass du ein motorischer Fräserlift hast, wie hast du das realisiert? Hast du davon ein paar Bilder?
    Gruß Andreas
     
  12. M4x

    M4x ww-pappel

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    Ah, okay - danke! Das macht Sinn.

    Viele Grüße
    Max
     
  13. qnc42

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    Dass mit einem obenliegenden Anlaufring weniger passiert wäre, verstehe ich.

    Bei mir entscheide ich oberer oder unterer Anlaufring abhängig von der Faserrichtung. Da es bei mir auch schon gegen die Faser gehackt hat, drehe ich jetzt das Werkstück samt Schablone um und nutze den anderen Anlaufring (ich nutze fürs Kopierfräsen einen Fräser mit zwei Anlaufringen). Wenn die Schablone dann unten liegt, schaut mein Fräskopf echt weit aus dem Tisch - dafür fräse ich mit der Faser.

    Ist das nicht ratsam? Die Alternative wäre, die Schablone auf die andere Seite zu kleben/schrauben, wird meist nicht genauer...

    Das Ganze ist natürlich nicht relevant für den kleinen Innenkreis des TE, eher für einen großen Außenkreis.

    Gruß, Alex
     
  14. Komihaxu

    Komihaxu ww-robinie

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    Die kleine (silberne) Einlegeplatte wurde um den Fräser herumgewirbelt und hat auch ganz schöne Spuren in der großen (goldenen) Einlegeplatte hinterlassen.

    Mittlerweile hab ich die Kleine ersetzt und mich mit den Spuren an der Großen arrngiert. Stört nicht weiter, nachdem ich mit der Feile die Riefen geglättet habe. Ist immer wieder eine Erinnerung an den Vorfall.

    Ist sie jetzt. Zusätzlich eingeklebt. Die Fräse hab ich eh noch nie ausgebaut.

    Schrittmotor, von einem Arduino mit Shield gesteuert.
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    Dass das unnötig ist, war mir schon vor 4 Jahren klar. Würde ich es nochmal elektrisch bauen? Nein. Bzw. wenn du, dann richtig Übertrieben, mit automatisch einmessender Fräser-Nullstellung und Display, wo man die gewünschte Fräshöhe sofort eingeben kann und das Teil präzise dort hin fährt. Aber dann kann ich mir auch gleich eine kleine CNC bauen...

    Ich rate zu einer bequem zu erreichenden Handkurbel.
     
  15. qnc42

    qnc42 ww-fichte

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    Komihaxu, dein Fräsumbau kommt mir sehr bekannt vor. Bei mir sieht es so aus:

    Umbau.jpg

    Auch mit Arduino + Shield. Ich bin den Schritt weitergegangen, mit Display, Höhenkalibrierung und Fräshöhenvorwahl. Ist bei mir jetzt ca. 2 Jahre im Einsatz und hat sich bewährt. Falls es interessiert: Dieser Link ist nur für registrierte Mitglieder sichtbar.

    Einzig ein paar Memory-Tasten für das Umspringen von einem zum anderen Kopierring habe ich noch nicht eingebaut, das fehlt mir noch. Sieht tendenziell alles nach Spielerei aus, funktioniert aber anstandslos, und ich finde es sinnvoll.
     
  16. PePi58

    PePi58 ww-fichte

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    Baiersdorf
    Hallo,
    der Vorfall erinnert mich fatal an Dieser Link ist nur für registrierte Mitglieder sichtbar.. Vorher hatte ich immer auf einen Kopierfräser mit Anlaufring unten geschielt. Spätestens jetzt sind diese Allüren endgültig weg. Vielen Dank für das Teilen der negativen Erfahrungen.
    Viele Grüße,
    Peter
     
  17. WinfriedM

    WinfriedM ww-robinie

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    Ort:
    Dortmund
    Kommt drauf an, wie viel Material mit der Schablone weggenommen werden sollte. Selbst wenn es nur 2mm gewesen sind, hackt ein Fräser da extrem ins Holz.

    So kleine Innenkonturen zu fräsen finde ich sehr gefährlich. Ein System, was sich im Fehlerfall wunderbar aufschaukelt.

    Ich hab mir einen Fußschalter an die Fräse gebaut, da ist man sehr viel schneller von runter, also irgendwo einen Notaus zu suchen. Sowas hier:
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