Fernsehschrank Buche geölt

detla

ww-kastanie
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Moin zusammen,

nach den beiden Tischen neulich (https://www.woodworker.de/forum/threads/einfacher-couchtisch-vom-anfänger.113162/) dachte ich, da geht noch mehr.

Der Plan war ein Fernsehschrank mit Schubladen und Schränken. In die Schubladen soll Bastelzeug (DinA3 Blöcke und sowas) in die Schränke der DVD Spieler und evtl Spiele/Puzzles.
Weil ich es von der Optik her gerne mag, wenn an den Ecken Stollen sind und die durch die Deckplatte durchgehen, hab ich mich grob an dem Tisch orientiert. Das Ergebnis sieht grob so aus:
IMG_4860.JPG

Wie immer ist ja bei sowas die Hauptfrage: Was habe ich gelernt und was würde ich jemandem raten, der das auch machen will.
  • Beim Ausschneiden der Stollenform aus der Deckplatte hab ich einen schweren Fehler gemacht. Ich habe mir eine Form aus Sperrholz gemacht und wollte die mit der Kopierhülse und der Oberfräse nachfahren. Der Denkfehler: mit einem 12mm Fräskopf durch 18mm tiefes Buchenholz ist wirklich viel Holz auf einmal. Das ging extrem schwer, irgendwann fing es an zu rauchen und bevor ich gemerkt hab, das was schief läuft (ich hatte die Atemmaske auf) kamen Glutstückchen rausgeflogen. Es ist nichts weiter passiert, aber beim nächsten Mal würde ich wieder mit der Stichsäge grob vorschneiden und nur die Feinarbeit mit der Fräse machen.
  • Schubladen sind echte Zicken. Ich hab ewig gebraucht, bis alle Schubladen auf der richtigen Höhe waren. Weil ich da keine Justiermöglichkeiten hatte, hab ich immer wieder Schienen abgeschraubt und neu angeschraubt. Zentraler Fehler war, dass ich den Korpus schon zusammengebaut hatte und die Schienen dann in den fertigen Korpus einsetzen musste.
  • Gegenüber dem Couchtisch war ich immerhin so clever, Schienen zu nehmen, die man entriegeln kann. Dadurch kann man die Teile am Korpus und an der Schublade getrennt anschrauben. Ich glaube, ohne diese Möglichkeit wäre das hier gescheitert.
  • Die Stollen an den Ecken sind 58*58mm. Die Türen sind ja Innenanschlag (und rutschen damit 18mm nach innen). Als der Korpus fertig war, sagte das Augenmaß: das kann nicht gehen. Tatsächlich sind die Löcher für die Scharniere fast ganz am Ende des Stollens. Wäre das nicht Buche sondern Nadelholz, wären die Schrauben sicher ausgerissen. Bei der Planung hatte ich daran aber gar nicht gedacht und war dann auch überrascht, dass die Scharniere alle das gleiche Maß haben...
  • Eine gute Idee war, die Front quasi als große Platte zu nehmen und dann die Schubladen und Türen aus einer Platte zu sägen. Damit hatte ich die Garantie, dass die Maße stimmen und die Spaltmaße "schön" bleiben (jeder Spalt hat ungefähr die gleichen 3-4mm die die Säge wegnimmt).
  • Ich hab diesmal meine Beschläge nicht bei Amazon sondern bei einem Fachhändler bestellt. Wenn man - wie ich bisher - nur immer bei Amazon schaut, fallen einem die Augen raus, wenn man das erste mal in einem Webshop von einem echten Fachhändler ist. Besonders gefreut haben mit die Griffe, denn die entsprechen genau dem, was ich haben wollte.
  • Eigentlich ist es logisch, aber man sollte auch bei den Zierleisten über die Statik nachdenken. Eine 160cm lange Zierleiste, die 2cm hoch ist hält praktisch nichts und ist mir beim bearbeiten gebrochen. Ich hab das dann gerettet, in dem ich die beiden umlaufenden Zierleisten mit der Deck- und der Bodenplatte verklebt und verschraubt habe. Nächstes mal würde ich Zierleisten mit mindestens 4cm ansetzen.
  • Rückwand habe ich gelassen, das Ding ist auch ohne stabil genug.
  • Beim nächsten Mal nehme ich Maß, wie hoch die Bodendüse vom Staubsauger ist. Die passt knapp nicht drunter und das wird mich langfristig glaube ich ärgern.
  • Beim Ölen war ich zu ungeduldig und hab auf das Hirnholz der Bodenplatte zu wenig Öl aufgetragen. Das sieht leider nicht so gut aus und da werde ich wohl nochmal nachölen müssen. Bei meinem nächsten Projekt (läuft noch) habe ich das so gemacht, dass ich als erstes das Hirnholz mit reichlich Öl mehrfach überpinselt habe und dann, nachdem alles andere dann auch gestrichen war (und das Öl auf der Hirnseite schon tief eingezogen war) nochmal ordentlich nachgepinselt - das sieht um Längen besser aus. Ich hatte einfach zu viel Angst, dass Öl stehen bleibt und habe aus den Augen verloren, wie viel Öl unbehandeltes Holz "trinkt"
  • Die Schubladen klemmen ein wenig. Das liegt daran, dass ich als Anfänger es nicht besser kann. Ich kann damit gut leben, aber das sollte man sich vorher klar machen
  • In Summe bin ich extrem zufrieden damit. Vom Gesamteindruck ist es genau das, was ich mir vorgestellt habe und jedesmal, wenn ich ins Wohnzimmer komme, grinse ich es momentan noch einmal an. Die Rückmeldung von dritten war auch eher Ungläubigkeit, dass ich das selber hinbekommen habe - dabei war es in Summe nicht wirklich schwierig.
  • Arbeitszeit ist schwer zu bestimmen, aber ich würde schätzen, so 3-4 Tage (wobei ohne Witz fast ein Tag für die Justierung der Schubladen draufgegangen ist)
Hier noch ein paar Detailbilder:
IMG_4861.JPG IMG_4862.JPG IMG_4863.JPG IMG_4864.JPG
Auf dem letzten Bild kann man den Farbunterschied zwischen dem Hirnholz der Bodenplatte und dem Längsholz des Seitenteils sehen.

Viele Grüße,
Jonathan
 

bdik111

ww-ahorn
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Ist dir doch gut gelungen. Meine ersten Schubladen waren auch ne ziemliche Murkserei. Buche an sich gefällt mir gut nur die Leimholzplatte wäre mir zu viel für die Front.
Die Türen sind sehr gewagt da die von nichts gerade gehalten werden. Das kann gut gehen oder aber auch nicht. Alternative wäre Rahmen mit Füllung oder Gratleisten
 

detla

ww-kastanie
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Ich hab tatsächlich auch über andere Türen nachgedacht, aber als ich angefangen habe, hatte ich das Gefühl, das übersteigt meine Fähigkeiten. Aktuell läuft nebenher der Versuch, einen Küchenschrank mit Glaseinlage in der Tür zu machen. Wenn das funktioniert, passe ich vielleicht auch hier nochmal an.
Über das Thema Gratleisten denke ich nochmal nach...

Was die Front angeht hatte ich eine kleinere Konsole als Vorbild und habe die größer skaliert. Wie viel wuchtiger das dadurch wird, war mir nicht klar. Andererseits: da wo und wie das Ding jetzt steht, passt es gut, weil es sich gut in den Raum einfügt. Kann sein, dass es mir auch zu viel wäre, würde es frei im Raum stehen.
Viele Grüße,
Jonathan
 

Wrchto

ww-robinie
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Ich nehme an, alle vier Beine gehen durch bis oben, oder? Falls ja, wie verhinderst Du Probleme, wenn sich die obere Platte in der Breite ändert, und dann durch die Beine keinen Platz hat. Oder ist da genügend Luft, und man sieht das auf den Bildern nicht?
Die Seitenwände sind Rahmen/Füllung, oder? Somit hättest Du ja schon Erfahrung, und sollten sich die Türen wirklich werfen (was ich befürchte) dann kannst Du die ja auch in Rahmen/Füllung bauen

Passt übrigens gut zum Boden finde ich
 
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detla

ww-kastanie
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Ich fürchte, ich bin zu sehr Amateur, um so weit in die Zukunft zu denken. Die Seitenteile sind (genau wie alles andere) schlichte Leimholzplatten. An der Boden- und Deckplatte sind zu den Beinen hin Spalte (~1-2mm), ein wenig Platz zum Arbeiten hat die Deckplatte also. Wenn Probleme auftreten, muss ich mir dann was überlegen (das käme dann ggf. als Nachtrag hier rein).
Viele Grüße,
Jonathan
 
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