Einfacher Couchtisch vom Anfänger

detla

ww-kastanie
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Hallo zusammen,

was den Möbelbau angeht bin ich Anfänger. In meiner Holz-Historie gibt es zwar sowas wie Lagerregale und ein wenig Deko, aber richtige Möbel, noch dazu solche, die später mal im Wohnzimmer steht, gab es bisher nocht nicht.

Der Plan
Wir hatten früher mal einen einfchen Couch-Tisch von Möbelum/RS-Möbel (Fredo). Das ist ein Buchenholz-Tisch nach Maß mit einer einfachen Zarge, ohne Schnick-Schnack. Nach einem Blick auf die Preise im Prospekt und die Holzpreise im Baumarkt dachte ich mir, das kann ich auch.
Dann dachte ich mir, mit ein bißchen Geduld bekomme ich in den Tisch auch noch eine versteckte Schublade hinein, so für Fernbedienungen, Zeitung oder so.
Die Platte wird eine 27mm Buchenplatte, die Beine 80x80 Buchen Kantholz und die Zarge 92x19mm (letzteres kam optisch am dichtesten an den Original-Tisch ran).

Voraussetzung
Ich hab eine (für Anfänger) gut ausgestattete Werkstatt. Prunkstück ist eine 254mm Zug- Kapp- Gehrungssäge (mit einem 80-Zahn Sägeblatt, das allein fast so viel gekostet hat, wie die Maschine mit einem einfachen Sägeblatt) und diverse weitere Elektrogeräte (z.B. Akkuschrauber, diverse Schleifer und eine Oberfräse).
Speziell besorgt habe ich mir eine Metall-Bohrschablone für Dübel/Exzenterverbinder. Ich hab da bei Amazon nach mehrmaligem tiefen durchatmen und schlucken 80 Euro für die Metallvariante ausgegeben.

Ausführung
Bei langen, geraden Schnitten (alles jenseits der 30cm der KGS) bin ich nicht gut, also habe ich mir die Buchenholzplatte (200*63,5*27) im Baumarkt auf die 125cm kürzen lassen. Das Buchen-Kantholz habe ich mit der KGS in knapp 50cm lange Beine verwandelt, die Zarge als 135cm - 2*8cm -1cm bzw. 63,5cm - 2*8cm - 1cm gesägt. Alle Teile habe ich bis 240er Korn mit einem Exzenterschleifer glatt gemacht. Ein langes Teil habe ich in drei Teile zerlegt (zwei Randstücke, eine Blende für die Schublade).
Die Kanten der Beine sowie der Platte habe ich mit einem Abrundfräser - äh - abgerundet und dann nochmal mit bis zu 240er Korn mit dem Excenter-Schleifer glatt gemacht.
Bei den Beinen habe ich mit der Bohschablone jeweils 2 8er Dübel sowie einen Möbelverbinder benutzt. Am Anfang waren das Exzenter-Verbinder aus dem Baumarkt, nachdem die alle waren, habe ich welche bei Amazon nachbestellt. Witzigerweise waren die bei Amazon deutlich günstiger und trotzdem besser zu bearbeiten.
Die Bohrschablone war eine absolut positive Überraschung. Zum einen war da inklusive dem 15mm Forstner-Bohrer alles in brauchbarer Qualität dabei, zum Anderen ist das Ding unglaublich präzise. Ich hab das jetzt in mehreren Projekten eingesetzt und bislang hat es immer bis auf zehntel mm gepasst - obwohl es von einer China-Firma kommt.
Für die Schublade habe ich Reste der Zarge von 92mm auf ca. 60mm Höhe mit einer Kreissäge (mit Schiene) gekürzt, diese mit "Möbelschrauben" (das sind einfach Schrauben mit einem dicken Kern, man muss offensichtlich vorbohren) zu einem "U" gemacht und dann wieder mit den Exzenter-Verbindern ein Stück Zarge draufgesetzt. Die Bodenplatte ist 5mm Multiplex-Birke mit Möbelschrauben verschraubt.
Für die Schublade habe ich mit ein Paar 700mm Vollauszug-Schienen bei Amazon geholt und dann mit Fichtenholz-Rahmen an der Tischplatte befestigt.
Die Platte habe ich mit Metallwinkeln an der Zarge verschraubt.
Alle Teile wurden vor dem Zusammenbau mit Leinölfirnis geölt.

Was habe ich gelernt?
Es läuft ja nie so, wie es soll, das wichtigste ist also die Frage, was mache ich beim nächsten mal besser...
Ich hab tatsächlich fast jeden Arbeitsschritt einmal an "Restholz" geübt. Gerade bei der Bohrschablone (die ich zum ersten Mal eingesetzt habe) hat sich das wirklich gelohnt, denn Buchenholz ist (im Verhältnis) schweineteuer. Was mir auch sehr klar geworden ist, wie unterschiedlich die Holzarten sind. Wáhrend z.B. die Möbelschrauben in Fichte mit 6mm vorgebohrt werden mussten, sind sie in der Buche dann abgebrochen und brauchten ein 7mm Loch. Auch habe ich die Schublade zuerst aus Fichte gebaut, das war dann aber so wabbelig, dass ich es gleich wieder aufgegeben habe.
Wichtigste Erkentniss ist, dass der professionelle Eindruck an den Kanten und der Oberfläche hängt. Zufällig im Keller vorbeikommende Beobachter haben angefangen zu staunen, als die Kanten abgerundet waren und sich die Platte und die Beine "so unglaublich weich und glatt" angefühlt haben.
Als Anfänger hätte ich die Schublade besser sein lassen, denn das war wirklich schwierig und richtig gut ist es nicht geworden. Nicht nur, dass man die Maße alle auf 1/10 mm exakt hinbekommen muss, das Ding muss auch ein perfektes Rechteck sein, sonst quietscht oder klemmt es beim rausziehen. Nach wiederholten Nacharbeiten ist es jetzt passable, aber bis es soweit kam, saß ich fluchend wie ein Rohrspatz im Keller.
Mit am schwierigsten erscheint mir inzwischen eine unsichtbare Befestigung. Immer dann, wenn die Befestigung im Holz sitzt und nicht drauf braucht man die doppelte Präzision. Das bekommt man zwar auch als Anfänger hin, aber es kostet echt Zeit + das Risiko, sich das Werkstück einfach und schnell zu versauen. (Da sind wir wieder beim ersten Punkt: üben)
Man tut sich einen Gefallen, wenn man die einzelnen Werkstücke symmetrisch aufbaut. Auf die Weise ist es nicht so schlimm, wenn man beispielsweise das 15mm Exzenter-Loch in die Außenseite der Zarge gesetzt hat (dann kann man die nämlich einfach umdrehen).
Insgesamt habe ich einen ganz anderen Respekt vor IKEA gewonnen - nicht nur in der Präzision der Ausführung, sondern auch, wie die es schaffen, dass so viele Werkstücke am Möbel austauschbar sind (links/rechts)
Insgesamt ist es aber alles kein Hexenwerk und auch mit geringer Erfahrung kann man sich an sowas rantrauen. Rein auf das Material ist es auch erheblich günstiger. Selbst ohne spezielle Spezialquellen für Holz (einach nur der Lieblingsbaumarkt) kam ich auf ~150 Euro für Holz, Verbinder und Verschleißteile wie Schleifscheiben. Bei Möbelum kostet ein vergleichbar großer Fredo (mit Schublade) ~400 Euro.
Der Stolz es geschafft zu haben, ist da im Preis noch nicht drin.

Wie sieht das ganze aus?
DSC_1606.JPG
DSC_1607.JPG
 

detla

ww-kastanie
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Moin zusammen,

Die Bohrschablone heißt bei Amazon "HUKOER 6/8/10/15mm Super-Bohrschablone Neueste Version Auf Holz zentriert"
Bitte beachten, dass die 6/8/10mm Bohrer zwar beiliegen, bei mir waren es aber keine Holzbohrer - nur der 15mm Bohrer war ein Holzbohrer.

Und einmal das Bild von unten:
DSC_1614.JPG
 

detla

ww-kastanie
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Noch ein Nachtrag: Nachdem der Tisch tatsächlich ziemlich so geworden ist, wie ich mir das vorgestellt habe, habe ich noch einen drauf gesetzt, und einen passenden Esstisch dazu gemacht.
Entsprechend der Erfahrungen vom kleinen Tisch habe ich auf die zunächst angedachte Besteckschublade verzichtet. Dafür wollte ich aber die Tischbeine freistellen.
Zuerst dachte ich, dass das am besten mit einer Stichsäge und scleifen geht, aber ich habe falsch eingeschätzt, dass man mit der Stichsäge die runde Aussparung nicht zufriedenstellend hinbekommt.
Die Lösung war dann, die Aussparung des Tischbeins in ein Pappelholz zu sägen und mittels Kopierhülse und Oberfräse auf den Tisch zu übertragen.
Abgesehen davon, dass die Spaltmaße aufgrund des fehlerhaften ersten Versuchs minimal zu groß geraten sind (was weg ist, ist weg) bin ich mit dem Ergebnis wieder sehr zufrieden.
Übrigens war der Fräser nicht lang genug, um durch die 27mm Buche durchzukommen, das heißt, ich hab das einmal von oben vor-gefräst und dann die Platte gedreht und mit einem Bündigfräser von unten nachgearbeitet.
Ich hab hier auch das erste mal so mit einer Oberfräse gearbeitet und verdanke all mein Wissen und die Ideen dem Forum hier. Danke an allen, die meine Fragen beantwortet haben bzw. die Fragen von Leuten, die genau meine Fragen schon gestellt hatten.
In dem Fall habe ich übrigens einen Abrundfräser mit deutlich kleinerem Radius (in der Schneide) gewählt.Ich weiß nicht, ob das auf den Bildern so rüberkommt, aber der unterbewusste Eindruck ist schon ein anderer, sagen wir mal, strammer, "korrekter"? Der Couchtisch mit größerem Abrundradius wirkt "fließender". Witzigerweise (das war quasi ungeplant und einfach nur ein gedankenloser Versuch) ist das genau richtig rum geworden.
Eine Verbesserung zum Couchtisch: Beim Couchtisch hatte ich die Platte auch mit Winkeln gegen die Zarge verschraubt. Allerdings war es da so, dass ich den Winkel in die Ecke zwischen Platte und Zarge gelegt habe - wodurch an manchen Stellen minimale Spalte entstanden sind. Beim Esstisch habe ich den Winkel erst nur an der Zarge festgeschraubt und zwar mit ~1mm Abstand zur Platte. Damit konnte ich die Platte "festziehen".
Noch ein Tipp: Die kurzen Zargen sind nicht verschraubt, wodurch sich jeweils 2 Beine und ein kurzes Zargenstück nach lösen des Möbelverbinders entfernen lassen (leichterer Transport - ist beim Couchtisch nicht ganz so essentiell).

IMG-20200908-WA0002.jpeg
DSC_1611.JPG
 

flow

ww-robinie
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Ich bin ja nicht so Fan von Tischbeinen, die bis nach oben durchgehen - aber auch der Tisch sieht echt gut aus! Hast Du die Beine so gekauft, oder selber zusammengeleimt?

PS: Möbelum/RS-Möbel: Bremen, oder gibt es die auch woanders?

Viele Grüße
Wolf
 

detla

ww-kastanie
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Die Beine sind so fertig gekauft, nennt sich bei Bauhaus Regalstollen in 80x80. Aus 2*2,5m davon wurden jeweils 2 Couchtisch-Beine und zwei Esstisch-Beine. Verschnitt bei den Stollen macht dich arm...
Leimholz kann ich nicht :emoji_slight_smile:

Meine Inspiration habe ich bei Moebelum Augsburg geholt, ich glaube aber, das ist bundesweit das gleiche Programm.

Viele Grüße,
Jonathan
 

ManuelS

ww-esche
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Der Tisch gefällt mir gut

Die Funktion der Dübelvorrichtung ist mir noch nicht ganz klar.
Auf der einen Seite sind drei Buchsen auf der Gegenseite lediglich eine 15mm Buchse
Ich gehe davon aus diese ist für Exzenter-Verbinder gedacht. Was mir jetzt noch nicht ganz klar ist
Wie werden die zugehörigen Dübellöcher in die Fläche gemacht? Neben den Exzenter sitzt ja normalerweise immer ein Dübel. Muss ich dazu die Vorrichtung umbauen?

Zu den beigelegten Bohrern habe ich irgendwas im Kopf bei Bohrbuchsen keine Holzbohrer verwenden...
Kann aber nicht mehr sagen woher und wie belastbar das ist. Vielleicht werden deshalb normale Spiralbohrer beigelegt?

edit:
wie vermutet muss umgebaut werden
 
Zuletzt bearbeitet:

detla

ww-kastanie
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Moin zusammen,

das Video zeigt es ja ganz anschaulich, vielleicht für alle Interessierten noch der Hinweis:
Über die Bohrschablone muss man wirklich ein bisschen nachdenken, bevor das flutscht. Dinge, auf die man achten muss:
  • Speziell beim Exzenterloch dran denken, dass der Forstnerbohrer eine Zentrierspitze hat. Mein Couchtisch hat ein kleines Loch auf der sichtbaren Seite, weil ich zu tief gegangen bin
  • Mit dem Exzenter muss man üben (wenn man ihn nicht kennt). Ich hab zuerst versucht, möglichst flach zu bohren aber dann rutscht der Exzenter halb raus -> hält nicht so gut und sieht mistig aus
  • Die Bretter sind nie exakt die angegebenen Maße. Bei meiner Schablone waren 1/2mm Ausgleichsscheiben dabei, aber selbst damit trifft man nicht die Mitte des Bretts (einfacher Test: Festklemmen, bohren, Schablone um 180 Grad drehen und nochmal bohren, die Löcher sind garantiert leicht versetzt). Das ist nicht schlimm, aber man muss Hölle aufpassen, dass alle Bohrungen immer von der gleichen Seite ausgehen - das ist ein spezielles Problem, wenn man die Schablone nur für Dübel, nicht für Exzenter verwendet
  • Ein früherer Chef sagte mal "Symmetrie ist die Ästhetik des kleinen Mannes". Gerade beim Tischbein muss die Zarge nicht in der Mitte sitzen. Auch hier gilt aber wieder: Aufpassen, dass an beiden gegenüberliegenden Stellen die Zarge "außen" oder "innen" ist aber nicht gemischt
  • Daraus abgeleitet: Da muss man wirklich konzentriert sein. Ich hab nebenher am Anfang hörspiel gehört und auf einmal waren die Exzenter-Löcher auf der sichtbaren Seite.
  • Bitterer Fehler: Die Schraubenlänge bei den Exzentern ist nicht genormt. Wenn man das 15mm Loch falsch setzt, zieht er entweder nicht an (Schraube zu lang) oder es kommt gar keine Verbindung zu Stande (Schraube zu kurz). Auch hier: üben!
  • Achja und speziell die Exzenter Geschichte verhält sich in Nadelholz ganz anders als in Buche. Es ist sinnvoll in den sauren Apfel zu beißen und ein paar Probeverbindungen im Zielholz zu machen - auch wenn das deutlich teurer ist.
Wenn man aber erstmal warm mit der Schablone geworden ist, ist das richtig gut. Ich bin normalerweise wirklich eher nicht so präzise veranlagt, das sieht man den Tischen auch im Detail nicht an. Auch so Späße wie "ich richte die Schablone mit Hilfe eines Abstandsstücks und meines Fingers aus" führen zu reproduzierbaren Ergebnissen.

Ich hab noch das hier gebaut:
DSC_1605.JPG
Das sind 8 Bretter, oben und unten mit Exzenter, alle anderen nur mit Dübeln, Bohrung nach der Schablone. Abgesehen von Planungsfehlern (man braucht noch Exzenter in der Mitte, sonst macht das Regal einen auf Ernie; ohne Rückwand braucht man mehr Versteifung) hat das perfekt gepasst. Jedes Brett hat 6 Dübel und bei knapp 50 Dübeln waren alle Löcher auf Maß, nichts hat geklemmt, kein Brett ist schief. Dabei bin ich Messtechnisch echt schlecht ausgestattet, ich behaupte, das liegt daran, dass die Schablone in jeder Dimension wirklich präzise gearbeitet ist. Das heißt. anlegen und mit dem Finger so glatt streichen, dass sie plan liegt, führt zu einem präzisen und reproduzierbarem Ergebnis, egal ob man "oben", "unten" oder seitlich anlegt.
Alles in allem war das das erste China-Werkzeug, bei dem ich so richtig Angst um die heimischen Feinmechaniker bekommen habe.
 
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