Fernsehschränkchen und Plattenspielerzarge

Dieses Thema im Forum "Projektvorstellung" wurde erstellt von Fatso Katz, 12. Februar 2019.

  1. Fatso Katz

    Fatso Katz ww-nussbaum

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    'n Abend zusammen,

    nun möchte ich auch mal zwei meiner Projekte vorstellen, lese ich doch so viel mit.

    1) Fernsehschränkchen aus Nussbaum
    Soll etwas an die (denke) 60/70er angelehnt sein. Die Seitenwände sind eingefälzt, die Trennwände mit einer Gratnut eingeschoben, um auch als Gratleiste zu dienen. War sicher nicht möglich, hat aber mit der Oberfräse auch nicht so viel Zeit gekostet, deshalb hab ich es einfach gemacht. Und mehr Ruhe beim Leimen hatte ich auch.
    Die Füße sind schräg gestellt und verjüngen sich. Dabei hatte ich angst, dass sie das Gewicht des großen und doch schon 12 Jahre alten Fernsehers nicht tragen können. Deshalb habe ich die Füße mit einer Nut versehen und die lange Zarge (sagt man hier so?) mit Zapfen. Außerdem mit je zwei Eichendübeln gesichert. Allerdings haben nur eine lange Zarge und zwei Füße, trocken zusammengesteckt, schon mein ganzes Gewicht (80 kg) getragen. Ein hoch auf klassische Verbindungen :emoji_slight_smile: Kurze Zargen und Füße sind auch mit Nut und Zapfen verbunden, allerdings nicht durchgehend.
    Die Einlegeböden liegen auf normalen Bodenträgern, sind aber in der Mitte der Seitenkante eingenutet und dann unsichtbar auf die Bodenträger geschoben.

    Links habe ich zwei Schubladen aus Eiche massiv, maschinell gezinkt (ich habe schon festgestellt, dass die äußersten Schwalben eigentlich abgesetzt, also nicht halbiert, sind und die Zinken halbiert gehören - ärgert mich ein wenig). Schubladenböden aus Sperrholz mit schwarzem Kunstleder bespannt (hatte ich noch übrig). Rechts ist eine Tür die etwas Elektronik versteckt.
    Die Fronten habe ich aus Nussresten gespalten (Staubfänger, ich weiß, aber da wird einfach gelegentlich mit der Bürste abgesaugt :emoji_sunglasses:) und mit Knochenleim verleimt, weil ich unsicher war, ob das alles funktioniert und ich die Reversibilität nutzen wollte. Ein bisschen problematisch waren die Topflöcher, da die Dicke der Leisten doch etwas variiert und nicht überall viel mehr als die geforderten 12,8 mm hergeben. Deshalb habe ich auch noch 6 mm dicke Plättchen aufgeleimt. Die Leisten habe ich so angeordnet, dass unter einer dicken Leiste eine dünne ist, sodass ich in die dicke unten eine Griffmulde einfräsen konnte.

    Mittlerweile ist der Korpus an sich schon seit bestimmt 3 Jahren fertig, die Türen erst seit jetzt. Vor 3 Jahren habe ich mich noch geärgert es massiv gebaut zu haben, weil ich noch Student war und das Holz insgesamt ca. 500 € gekostet hat. Mittlerweile bin ich froh darüber und würde es wieder so machen :emoji_grin:

    2) Plattenspielerzarge aus Esche
    Hier nennt man das Gehäuse des Plattenspielers auch Zarge. Die Originalzarge war potthässlich und aus Kunststoff, deshalb hab ich eine aus Esche gebaut. Ecken sind auf Gehrung verleimt, mit durchlaufender Maserung (auch wenn das nicht so auffällig ist). Der Plattenspieler steht auf vier gefederten Füßen in Topflöchern in der Zarge. Hier war es ein bisschen knifflig das Original zu kopieren. Auf Scharniere für den Deckel habe ich verzichtet. Der liegt also einfach nur auf.


    Tut mir leid, so viel wollte ich eigentlich gar nicht schreiben. Aber daran erkennt man mal, worauf man alles geachtet hat (und eigentlich noch viel mehr).
    Das sind mal zwei meiner Projekte.

    viele Grüße
    Fatso
     

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  2. Spyderco

    Spyderco ww-esche

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    Sehr schön...gefällt mir Nostalgienase ausgesprochen gut. :emoji_thumbsup:
    Auch dass du noch Muse hast, einen Plattenspieler zu benutzen....
    Ich denke auch ständig darüber nach ob ich meinen reaktiviere :emoji_thinking:,
    ein 40 Jahre alter Technics mit Direktantrieb und Antiskatinggewicht...ops.... OT

    NG Zoltan
     
  3. Georg L.

    Georg L. ww-robinie

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    Gefällt mir auch sehr gut. Aber die Plattenspielerzarge im selben Design wie die Schubladenfronten, das wäre der Top-Hingucker geworden. Aber trotzdem, saubere Arbeit.
     
  4. Spyderco

    Spyderco ww-esche

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    ...sowas fällt einem doch immer erst ein, wenn alles fertig ist....aber der Trend geht ja, insbesondere bei Plattenspielern, zur Wechsel-Zarge :emoji_wink:

    NG Zoltan
     
  5. dascello

    dascello ww-robinie

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    Der gute alte TD 160.
    Läuft auch bei mir noch.
    Allerdings mit dem SME III.

    Wunderbares Retrodesign und sauber gemacht!

    Chapeau!

    Michael
     
  6. Fatso Katz

    Fatso Katz ww-nussbaum

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    Vielen Dank!

    Michael, es ist ein 621 von Dual :emoji_sunglasses: Ja das mit den Plattenspielern ist so eine Sache. Irgendwie klingt es doch anders, irgendwie hört man doch anders der Musik zu. Ich vermute es ist die "Arbeit" die man reinstecken muss: Platte auflegen, entstauben, Nadel sauber halten, Platte drehen, ... Man sieht wie sich etwas bewegt, wie der Tonabnehmer leicht schwingt und dann hat man noch ein riesiges Cover.
    Zoltan, reaktiviere ihn, es macht Spaß :emoji_slight_smile:

    Ich muss ehrlich sagen, den Plattenspieler im Design der Fronten würde mir (denke ich) gar nicht so gefallen. Das wäre mir zu kontrastarm. Wenn der Plattenspieler woanders stehen würde, fände ich es aber auch einen Knaller.

    Ich habe noch ein paar Bilder vom Bau gefunden. 2015 war es tatsächlich schon.
    Bild 1: Mein Schreiner des Vertrauens hat mir die Bretter zugehobelt und verleimt. Damals hatte ich keinen ADH und zum Verleimen freue ich mich über seine Erfahrung (welches Brett neben welches usw.). Man sieht auf dem Bild auch, dass die Bretter nicht parallel geschnitten sind. Das Holz hätte sonst nicht gereicht und mein Konto war schon fast leer für einen weiteren Einkauf. So habe ich jetzt 2 - 3 schiefe Leimfugen und weniger Verschnitt. Es stört mich überhaupt nicht mehr.
    Die Falze habe ich mit dem Parallelanschlag und der kleinen Elu gefräst.

    Bild 2: Kurz vor dem Einschieben/-schlagen der Zwischenwände. Hinten an der Werkbank habe ich eine Leiste festgezwingt. Leim habe ich glaube ich nur in die letzten paar cm gegeben (damit ich keine Zeitprobleme bekomme). Vielleicht ist aber auch die ganze Nut verleimt, ich weiß es nicht mehr. Es hält auf jeden Fall problemlos.

    Bild 3: Hier leime ich gerade eine Seitenwand ein. Ich habe aus Zeitgründen und mangels langer Zwingen nur eine Wand auf einmal geleimt. Wie man sieht, habe ich den seitlichen Druck mit Spanngurten aufgebaut. Ich habe später schon bemerkt, dass ich die Zwingen auch an den Zwischenwänden hätte ansetzen können :emoji_angry: Manche Einfälle kommen eben zu spät. Diese Verleimung hat nicht perfekt geklappt. Eine Seitenwand liegt in der Mitte nicht dicht an (wölbt sich etwas nach außen). Aber man sieht das nur von innen.

    Bild 4: Bild von den Füßen, nachdem ich sie auf der TKS genutet habe. Dummerweise habe ich erst die äußere Form der Füße gesägt, dann die Nut. Das war deutlich unsicherer, als eine durchgehende Nut in das Brett und dann die Füße rausgesägt... Kam mir auch sofort danach...

    Bild 5: Das war dann vor ein paar Wochen. Schubladenfront mit kürzeren Leisten. So wollte ich es ursprünglich machen. Mir sah es dann aber zu sehr nach "gemauert" aus. Vorschlag verworfen...

    Bild 6: Hier habe ich die Fronten mit dem Knochenleim verleimt. Im Hintergrund sieht man es. Ich habe immer die zuletzt angeleimte Leiste und die neu anzuleimende plan auf eine beschichtete Spanplatte gedrückt und dann die Zwingen an die Leimfuge gesetzt und dann nochmal alles fest gezogen. Verleimt habe ich das in der Waschküche, weil da ein alter Backofen steht. Dort habe ich die Leisten bei 50 - 60 ° C in den Ofen gelegt und die andere Seite mit dem Heißluftföhn vorgewärmt, damit der Knochenleim nicht sofort geliert.

    Bild 7: Zwei leisten musste ich zusammensetzen, weil mir das Holz zum Spalten ausgegangen ist. Bei manchen Stücken ist auch der Riss komplett verlaufen und das Teil war nicht zu verwenden. Bei dieser Leiste habe ich die beiden Teile überlappt und anschließend den Übergang auf der Vorderseite geebnet und mit Drahtbürste in der Bohrmaschine gebürstet, damit es sich der rissigen Oberfläche anpasst. Die Überlappung ist eigentlich kompletter Mist, weil man eine senkrechte Leimfuge hat, die gut sichtbar ist. Jetzt in der fertigen Front sieht man es nur noch wenn man es weiß und genau hinsieht. Bei der zweiten Leiste habe ich beide Teile in sehr spitzem Winkel zugesägt. So ist der Übergang auf der Vorderseite fließend. Davon habe ich leider kein Bild.

    Man sieht auf den Bildern wechselnde Hintergründe. Das liegt daran, dass meine Werkstatt nicht geheizt ist und ein offenes Garagentor beherrbergt. Im Winter lasse ich meine Werkstücke in der beheizten Waschküche und hole sie nur für einen Arbeitsschritt in die Kälte. Leimarbeiten mache ich dann ganz drinnen.

    viele Grüße
    Fatso
     

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    Fidgety Feet gefällt das.
  7. Fidgety Feet

    Fidgety Feet ww-buche

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    Südniedersachsen
    Ja, es macht einfach Spaß, dem kann ich beipflichten, auch wenn andere es dir und mir nicht abnehmen wollen.

    Schöne Arbeit.
     
  8. Spyderco

    Spyderco ww-esche

    Beiträge:
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    Augsburg
    @Fatso Katz ...erst muss ich noch eine Küche umbauen :emoji_sunglasses:

    NG Zoltan
     
  9. Holzkobb

    Holzkobb ww-nussbaum

    Beiträge:
    79
    Ort:
    Hessen
    Klasse,
    jetzt erst gelesen und gesehen:emoji_clap::emoji_clap: Gutes Design, sehr schön gearbeitet!
    Die traditionellen Holzverbindungen sind immer noch das Beste wie man Massivholz verbinden kann, nicht immer einfach aber Genial!
    Und Musik von LP zu hören ist immer noch das geilste, außer Live...:emoji_stuck_out_tongue_winking_eye:
     
  10. wirklich_rainer_zufall

    wirklich_rainer_zufall ww-ulme

    Beiträge:
    162
    Ort:
    Leipzig
    Ich habe das Thema auch erst gerade eben gelesen. Die Fronten mit den gespaltenen Scheiten gefällt mir äußerst gut, das merk ich mir als Anregung. Hast du das schonmal irgendwo gesehen oder war das dein Einfall?
     
  11. Fatso Katz

    Fatso Katz ww-nussbaum

    Beiträge:
    87
    Dankeschön!

    Gesehen habe ich nur eine Wand aus gespaltetem Holz im allgemeinen. Auf Pinterest: Dieser Link ist nur für registrierte Mitglieder sichtbar.
    Das Schränkchen stand ja einige Zeit ohne Fronten im Wohnzimmer, bzw. habe ich auf die Schubladen irgendwann einfach weiß lackiertes MDF geschraubt. Durch die lange Zeit konnte ich auch viel überlegen. Man sieht es sich ja jeden Abend an:emoji_slight_smile:
     
  12. Thomas09

    Thomas09 ww-eiche

    Beiträge:
    300
    Ort:
    Nähe Kassel
    Sind das etwa KEF iQ90 da im Hintergrund? :emoji_thumbsup:
    Die stehen hier auch :emoji_fist:

    Ganz hervorragend sieht dein Schrank aus. Aber ich hätte doch etwas Angst vor Wärmestau um die Geräte.
     
  13. Fatso Katz

    Fatso Katz ww-nussbaum

    Beiträge:
    87
    Gut gesehen :emoji_slight_smile: aber es sind die iQ9, also das Vorgängermodell. Es sind gute Lautsprecher, ich bin schon lange zufrieden. Würde mir aber bald gerne neue bauen, mit Bausatz. Wäre das Probehören solcher Lautsprecher nicht so schwer...

    Ich habe keine Rückwand in dem Schrank. So ist es eigentlich genau so als hätte ich eine Rückwand aber keine Fronten.

    Trotzdem ist die Fachhöhe z. B. beim silbernen Verstärker eigentlich zu niedrig. Aber auch bei längerem Betrieb wird er nicht wirklich heiß.
     
  14. stwe

    stwe ww-birke

    Beiträge:
    70
    Ort:
    München
    Hallo,

    geht es dir darum, dass die Orte so weit entfernt sind? Soweit ich weiß gibt es in den einschlägigen DIY-Audio Foren genug Hörertreffen bzw. du kannst nachfragen, ob jemand bestimmte Lautsprecher anbietet. Auf der Seite von Udo Wohlgemuth gibt es wohl auch eine Landkarte, auf der die User ihre Lautsprecher zum Probehören "anbieten": Dieser Link ist nur für registrierte Mitglieder sichtbar.
     
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