Meine privaten Projekte werden nicht so einen großen Umfang haben das es ins Gewicht fällt ob die SW nun parametrisch ist oder nicht.
Das hat nichts mit der Größe des Projekts zu tun. Selbst bei den einfachsten Objekten ist es toll, wenn man die ersten Schritte oder kleine Features in der Mitte nachträglich ändern kann. Und dabei geht es nicht nur um Wandstärken. Man kann auch nachträglich Formen ändern, die Reihenfolge von Features korrigieren und vieles mehr.
Der intuitive Gedanke bei dem Wort "parametrisch" ist, dass man Zahlen nachträglich in einer Parameter-Tabelle ändern kann. Das finde ich sehr irreführend, weil das meiner Meinung nur ein sehr kleiner Neben-Aspekt ist. Parametertabellen habe ich erst nach mehreren Jahren angefangen zu nutzen. Tatsächlich kannst du sogar nachträglich sehr einfach einen Wert in einen Parameter umwandeln wenn du feststellst, dass du mehrere ähnliche Varianten vom Objekt willst.
Das wirklich spannende ist, dass du nachträglich ältere Schritte ändern kannst.
Du kannst zB auch die Zeichnung komplett ändern aus der der erste Grundkörper erzeugt wurde. Ein etwas konstruiertes Beispiel: Angenommen, die willst für deine Frau einen Stern mit 6 Zacken designen, den du ausdrucken, auf eine Holzplatte kleben und per Hand nachfräsen willst. Im ersten Schritt erstellst du eine Skizze von einem Zacken incl Grundkörper, also eine Raute mit 60° Basiswinkel, weil du 6 Zacken willst und extrudierst ihn zu einem Körper. Dann fügst du diverse Details hinzu, zB viele kleine Ausschnitte, durch die später Licht durchscheinen kann. Am Ende machst du eine rotationssymmetrische Kopie des Zacken mit 6x 60° die zu einem Körper verschmelzen. Fertig ist der Stern. Jetzt kommt in den ersten Zacken noch ein Loch zum Aufhängen. Du druckst den Stern aus und zeigst ihn deinem "Kunde". Rückmeldung: "Puh, 6 Zacken sieht komisch aus, ich hätte doch lieber ne ungerade Anzahl, zB 7. Und die Zacken sind auch zu lang, ich hätte lieber ne größere innere Fläche."
Mit einem parametrischen CAD gehst du jetzt zurück in die erste Zeichnung, änderst den Basiswinkel von 60° auf "=360/7" (es kann auch Formeln auswerten) und verkürzt die Zackenlänge. Danach bearbeitest du noch das Rotationsfeature und änderst die Anzahl der Kopien von 6 auf 7.
3 Minuten später hälst du den aktualisierten Ausdruck in Händen. Weitere Änderungswünsche kein Problem.
Ich hab den Fall bestimmt bei jeder zweiten Konstruktion, dass sich irgendeine Designentscheidung von vor einer Stunde als doch nicht so geschickt heraus stellt.
Mit einem parametrischen CAD gehe ich nochmal zurück zu dem Feature, ersetze es vielleicht durch ein anderes und spule wieder vor. Vermutlich haben ein paar Folge-Features dann eine fehlerhafte Verknüpfung. Die muss ich dann noch korrigieren und habe innerhalb von wenigen Minuten den Design-Fehler verbessert.
Ohne diese Möglichkeit müsste ich vielleicht zu einer älteren gespeicherten Version zurück gehen, bevor ich den Design-Fehler eingebaut habe. Wenn es den nicht gibt, starte ich nochmal ganz von Vorne.
Diese Möglichkeit ändert komplett, wie man an Designs heran geht.
Ich denke FreeCAD und wenn ich es von
@chips richtig verstanden habe auch Rhino bieten diese Möglichkeiten genau so wie SolidWorks. Von daher sind ja dann alle deine aktuellen Optionen in Ordnung.
Ich wollte einfach nochmal die Bedeutung und den großen Mehrwert von "parametrisch" erläutern, weil ich glaube, das ist erstmal nicht so offensichtlich. Je mehr Details eine Konstruktion dann hat, umso wichtiger wird das dann.