Bongossi, nachhaltig

MarcBerlin

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Auch wenn die Forumsbeschreibung "Jemand mit weniger Erfahrung sucht Rat oder Unterstützung" überhaupt nicht passt, wähle ich es mangels sinnvoller Alternativen für den folgenden Tipp:

Wer gern mal für ein paar nicht allzu große Werkstücke in den Genuss eines großartigen Exotenholzes kommen möchte, aber
  • zurecht ein schlechtes Gewissen beim Kauf von Exoten hat und
  • den Kauf einer ganzen Bohle auch aus finanziellen Gründen scheut,
dem rate ich zu einer interessante Suche auf den einschlägigen Portalen für private Verkäufe; in Deutschland also hauptsächlich Kleinanzeigen. Dort eine Suche nach "Spaltenboden Holz" (oder in der Mehrzahl "Spaltenböden") einrichten und die Ergebnisse sichten. Es tauchen dann immer mal wieder Angebote von Landwirten bzw. Viehhaltern auf, welche die Böden Ihrer Ställe austauschen. Das tangiert tatsächlich ein Problem in der Viehzucht, denn diese Spaltenböden sind an sich schon fragwürdig. Wenn die hölzernen raus fliegen, werden sie in der Regel durch solche aus Beton ersetzt, was für die Viecher noch beschissener ist.

Für uns interessant ist aber, dass diese alten Spaltenböden fast immer aus Bongossi gefertigt waren. Und in der Regel für ein lächerliches Geld abgegeben werden. Aufgrund der Dimensionen, natürlich nicht für riesige Werkstücke geeignet, aber solch eine edles Holz ist ja auch für kleine Stück sehr schön geeignet. Der Tipp ist nichts für Sissis, denn die Dinger haben natürlich ein wenig Patina und aus was die besteht, muss ich nicht schildern. Aber Bongossi ist so irre hart und robust, dass man nur wenig hobeln muss, um auf wunderbar abgelagertes, perfektes Tropenholz zu stoßen, welches sich zu edelsten Stücken verarbeiten lässt. Und mal ehrlich: Ein Schmuckkästchen, auf das zuvor hunderte von Schweinen gekackt haben, hat auch seinen Reiz, oder?

Nachhaltigkeit in Perfektion
 

uwe_

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ja, die habe ich auch schon öfters gesehen in Kleinanzeigen, und hatte die gleichen Gedanken.
Und beim Thema Nachhaltigkeit eine Ergänzung: Ich habe Teile meiner Holzbauten im Garten ersetzt mit (neuem) Bongossi, also zB Rankgerüste. Ich halte das für wesentlich nachhaltiger als die vorherige Lösung aus Weichholz und Farbe, was immer nur wenige Jahre hält und dann entweder neues Holz oder neue Farbe benötigt! Die unbehandelten Bongossistücke werden mich mit Sicherheit überleben.
 

Dietrich

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Hallo,

mit Bongossi wurden und evtl. werden Binnenfrachtschiffe für den Schüttgut-Transport belegt, also deren Frachtraumböden. Dieser 4cm starke Belag ist nach etwa 20 Jahren verschlissen, sprich so faserig an der Oberfläche das kein Weizen, Mais usw. eingeladen werden darf.
Hierfür müssen die Dielen glatt und sauber sein.
Durch einfallende Erzpelletts und das Befahren mit Kleinbaggern zur restlosen Entleerung werden die Böden schon beansprucht.
Bei Binnenschiffswerften an den bekannten Schifffahrtsstraßen findet man immer wieder mal Haufen von Bongossi Brettern, denn immerhin fallen bei der Erneuerung 700-900m2 Altdielen an.
Hier könnte man mal fragen wenn man größere Stücke braucht oder nicht unbedingt welches aus dem Schweinestall mag.

Gruß Dietrich
 

fahe

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Auch wenn die Forumsbeschreibung "Jemand mit weniger Erfahrung sucht Rat oder Unterstützung" überhaupt nicht passt, wähle ich es mangels sinnvoller Alternativen
Ich habe schon viel Wenge und wenig Bongossi in der Hand gehabt.
Ah ja... :emoji_grin:

Wer gern mal für ein paar nicht allzu große Werkstücke in den Genuss eines großartigen Exotenholzes kommen möchte, aber
Also Bongossi würde ich nicht in die Gruppe großartiger Exotenhölzer packen, aber das ist natürlich sehr subjektiv. Kleinere Stücke habe ich schon etliche Male verarbeitet. Gewöhnungsbedürftig.

Wenn ich davon größere Stücke würde haben wollen, würde ich eher nach gebrauchten Baggermatratzen schauen, die es ebenso oft billig gibt. Bongossi stinkt bei der Bearbeitung schon von Haus aus, da müssen nicht jahrelang Schweine sich drauf erleichtert haben. Da bin ich liebend gerne eher "Sissi". :emoji_joy:
 

Kerstenk

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das kommt immer darauf an was man daraus machen will, in einen Wohnraum würde ich mir das nicht antun, auch wenn Bongossi ein sehr dichtes Holz ist, aber trotzdem nimmt es den Gestank an.

Ich habe vor vielen Jahren aus dem Zeugs Bänke gebaut, insgesamt über 50 Stück. Man muss mit Atemschutz arbeiten, greift die Schleimhäute an und geht recht hart mit dem Werkzeug um. Ich habe heute noch recht viele Reststücke, aus denen ich immer wieder mal Schablonen fertige, aber für mehr möchte ich es nicht mehr nutzen.
 

jedernureinkreuz

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Für uns interessant ist aber, dass diese alten Spaltenböden fast immer aus Bongossi gefertigt waren.
Ich bin ja vom Land und auch wir hatten Bongossi im Schweinestall. Allerdings nicht auf dem Boden, sondern die Stallwände / Trenngitter ware aus selbigem. Boden habe ich noch nie gehört, das ist mir neu, mag aber so sein.

Vor 30 Jahre oder so gab es mal eine Überflutung mit dem Material zumindest bei den Münsterländer Landwirten. Als die dann darin bohren und verschrauben musste, wollten Sie das Zeug am liebsten zurückgeben. Und krumm wie ein Flitzebogen wurde die auch.
 

uli2003

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Vor 30 Jahre oder so gab es mal eine Überflutung mit dem Material zumindest bei den Münsterländer Landwirten.
Das ist richtig, ich weiß gar nicht wie viele cbm ich davon für Ställe gehobelt habe.
Zu was anderem ist das Zeugs auch nicht zu gebrauchen. Das stinkt, dreht und wirft sich wie ein Propeller, ist äußerst abrasiv zu Werkzeugen, und splittert ganz übel. Nee, lass mal liegen wo es ist.
 

MarcBerlin

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Ich seh schon - nicht nur Bongossi-Fans hier.
Ich reduziere mein "großartig" mal zu "brauchbar". Sieht geölt jedenfalls klasse aus und ist absurd hart
Richtig ist, dass das echt kritisch in der Bearbeitung ist. Atemschutz ist Pflicht. Und jeder Splitter sollte umgehend aus der Haut gezogen werden, denn das entzündet sich sofort. Stinken tut es aber nur bei der Bearbeitung. Nach Schliff und Ölung ist da m.E. nichts mehr wahrzunehmen. "Drehen und werfen wie ein Propeller" ist das was man erlebt hat, wenn man es dereinst so günstig wie möglich von einem windigen Exotenholzhändler gekauft hat als "AD", was alles zwischen 20 und 30% RF heißen konnte. Wenn wir uns an Holz bedienen, was schon ein paar Jahrzehnte im Einsatz ist, ist das kein Thema mehr.
Der Tipp mit den Baggermatratzen ist super!
 

Friederich

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Google sagt: Bongossi wird auch als Eisenholz bezeichnet, UND soll beim Einschneiden unangenehmen Geruch haben.
Besonders selten ist es wohl nicht; sonst wärs auch teurer und würde nicht so massenhaft verwendet.
 

isso

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Es ist wirklich nicht schön zu bearbeiten. Ein paar cbm habe ich aber auch immer liegen. So um die 30.

Als Gleitstpcken, bzw alles was Reibung ausgesetzt ist kann man das gut nutzen.

Baggermatratzen hätte ich keinen Bock, das bekommst du eigentlich nicht in Verarbeitungsfähigen Zustand. Da stecken Steine und Metall drinnen.

Sind in den 60er bis 70er oft Fußgängerbrücken draus gebaut worden.
Die muss man allerdings komplett abnehmen. Kann sein, dass bald wieder eine kommt.

Abwarten.
 

uli2003

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wenn man es dereinst so günstig wie möglich von einem windigen Exotenholzhändler gekauft hat als "AD", was alles zwischen 20 und 30% RF heißen konnte.
Den windigen Händler gibt es immer noch. Palettenweise kam das Zeug, parallel besäumt und grob abgelängt. Dass die zwischen 20 und 30% haben konnten mag sein. Ist bei sehr schweren Hölzern aber auch nicht ganz so wichtig.
Glaubst du in Spaltenböden wurden die darrtrocken? Nee, das passte schon.

Mit dem Verdrehen meine ich nicht als Grund die Feuchtigkeit, sondern die häufige Drehwüchsigkeit von Bongossi. Und die bekommst du nie weg, die ist und bleibt.
 

Kerstenk

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"Drehen und werfen wie ein Propeller" ist das was man erlebt hat, wenn man es dereinst so günstig wie möglich von einem windigen Exotenholzhändler gekauft hat als "AD", was alles zwischen 20 und 30% RF heißen konnte. Wenn wir uns an Holz bedienen, was schon ein paar Jahrzehnte im Einsatz ist, ist das kein Thema mehr.
wir haben seinerzeit Parkbänke ohne und mit Rückenlehne gebaut, nach Vorgabe. Keine sichtbaren Schrauben, alle in Edelstahl, der Protest das das schief gehen wird, sowohl mit den Edelstahlschrauben und den nicht durchgehenden Schloßschrauben, wurde überhört. Ergebnis nach zwei Saisons am Golfplatz musste aufgearbeitet werden, eigentlich ein Garantiefall, nur ich war nicht der Garantiegeber :emoji_slight_smile:
20% der Bretter waren verdreht in einer Form, so etwas habe ich noch nie gesehen, verdreht in zwei Richtungen und dabei noch wellig. Das Holz war Kammer getrocknet, wie es verarbeitet wurde. Reihenweise Schrauben abgerissen und der Rest hat sich rausgedreht.

Eine der Bänke ohne Rückenlehne steht bei mir in der Wohnung (ca.2m Lang) keine Geruchsprobleme und die hat sich auch nicht verzogen. Gefertigt habe ich die mit verdeckten Zapfen, 22 Stück pro Bank. Schlitze und Zapfen auf der CNC gefertigt, auf einer Langloch wollte ich sowas nicht machen.

Das Zeug ist einfach zu schwer für Möbel, eine Zweimeterbank mit Rückenlehne wog 50 kg, beim Verladen auf den LKW haben die bei zwei Bänken je ein Bein abgebrochen.
 

MarcBerlin

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Ist bei sehr schweren Hölzern aber auch nicht ganz so wichtig.
Einspruch! Das Verhalten beim "Erstschrumpf"also vom grünen runter auf die normale Ausgleichsfeuchte ist auch bei den harten Hölzern extrem unterschiedlich. Ipé ist zum Beispiel harmlos. Teak auch. Bangkirai dagegen die Hölle
Glaubst du in Spaltenböden wurden die darrtrocken?
Sicherlich nicht darrtrocken. Aber die trockneten irgendwann auf die, dem jeweligen Klima entsprechende Ausgleichsfeuchte runter. Ja nach Anwendung muss man das Holz natürlich noch aklimatisieren. Aber das geht dann deutlich schneller, als die Erstrocknung vom Frischholz. Und eben auch mit wesentlich weniger Bewegung
Bongossi wird auch als Eisenholz bezeichnet,
wie mit Sicherheit 10 weitere tropische Holzarten. "Eisenholz" ist vermutlich der ungenaueste Begriff in der an ungenauen Begriffen nicht armen Welt der Holznamen
Ups! Handelsware oder hast Du vor, das alles zu verarbeiten?
Da stecken Steine und Metall drinnen.
Stimmt auch wieder…
der Protest das das schief gehen wird, sowohl mit den Edelstahlschrauben und den nicht durchgehenden Schloßschrauben, wurde überhört. Ergebnis nach zwei Saisons am Golfplatz musste aufgearbeitet werden, eigentlich ein Garantiefall,
Klassiker. So sehr man in solch einen Fall die Stimmung verderben kann: Bedenkenanmeldung stets schriftlich und am besten gleich Garantieausschluss unterschreiben lassen. Mit solcher Beratungsresistenz hat immer mal zu kämpfen, wer Handwerksleistung anbietet.

Um noch eine weitere, recht verbreitete Anwendung hinzuzufügen: Pferdeboxen. Daran erkennt man immer einen entweder sehr alten oder inzwischen sehr wohlhabenden Stall: Die unteren Bereiche, den die Gäule gern mit Ihren Hufen malträtieren, waren klassisch gern in Bongossi gefertigt. Früher Standard, heute Luxus. Das wäre auch noch so eine Quelle für Bongossi-Upcycling
 

flüsterholz

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Das war bis jetzt das schlimmste Holz, was ich versucht habe von Hand zu hobeln. Erste Mal, dass ich aufgegeben habe und den Exzenter genommen habe. Angefangen mit 40er. Das einzige Projekt, bei dem ich bis jetzt wirklich froh war, dass ich es hatte, waren die Banden für ein Carrom. Für den Möbelbau finde ich es einfach zu hart und widerspenstig.
 

flüsterholz

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Linde ist super zu Beizen oder als Blindholz für Furniere. Hier soll es farbig gebeizt werden. Linde wird meiner Meinung nach etwas unterschätzt und nur auf Schnitzholz reduziert. Bongossi dagegen hier etwas überschätzt und als Thema äh, glaube ich, durch.
 
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