Gratnut fräsen - wie macht Ihr das?

bast_ig

ww-eiche
Registriert
26. Januar 2025
Beiträge
386
Ort
München
Hallo zusammen,

ich habe mir zum Ulmia Grathobel den Gratfräser gegönnt. Bisher habe ich die wenigen Gratnuten mit der Hand gesägt, was allerdings nervig und nicht so schön anzusehen war.

Den Fräser habe ich an einem kleinen Biertragerl ausprobiert. Da habe ich die Griffe eingegratet. Ich habe dazu die Außenkante angerissen, daran den Fräser mittels Leiste angelegt und dann die gewünschte Frästiefe eingestellt - das könnte bei einer Gratleisten die Höhe der Gratfeder sein. Das hat gut funktioniert, weil die gegraten Griffe satt in der Nut aufliegen sollten.

Ich frage mich jetzt, wie man eine tiefere Gratnut herstellen kann. Sobald ich tiefer als die Höhe der Gratleiste mit meiner Methode gehe, nimmt ja die Breite der Öffnung oben ab. Die Gratnut wird also kleiner. Gerechnet beim "Ulmia-Grat" um 0,3 mm je 1 mm Frästiefe zusätzlich. Bei der Empfehlung mit 2 mm Luft im Nutgrund ist das dann schon etwas Holz, das stehen bleibt. Die Innenkante anzuzeichnen, wie beim händischen Sägen, kam mir nicht sinnvoll vor, weil man die mit dem runden Fräser gefühlt nicht anpeilen kann.

Gibt es da eine Methode ohne Schablone und Messen, wie man zur passenden Gratnut kommt? Oder ist das Übermaß der Gratfeder toleriert, damit genug Fleisch zum Anpassen bleibt?

PXL_20260220_192313374.jpg

Danke und viele Grüße
 

IngoS

ww-robinie
Registriert
5. Februar 2017
Beiträge
11.275
Ort
Ebstorf
Hallo,

ich habe immer erst die Nut gemacht und danach die Feder angepasst.
Das geht doch mit nem Grathobel am einfachsten.
Den Nutgrund 2mm tiefer, als die Gratfeder, finde ich zu viel. Ein halber Millimeter reicht vollkommen.
Ich habe Nuttiefe und Gratfeder immer gleich gemacht.

Gruß Ingo
 

isso

ww-robinie
Registriert
21. Januar 2025
Beiträge
2.814
Ort
sonstwo
Ich mache die auch immer gleich. Und auch erst Nur und dann Feder. Wenn ich irgendwas schräg haben will, grobes Papier auf die Kantenschleife.
 

bast_ig

ww-eiche
Registriert
26. Januar 2025
Beiträge
386
Ort
München
Danke Euch für die super Antworten! Dann mache ich das ab jetzt auch immer gleich tief oder nur minimal tiefer. Vereinfacht das ganze Ganze deutlich.

2 mm war Quatsch. Ich habe immer 1 mm zugegeben, das habe ich von hier:
https://www.google.com/url?sa=t&sou...CCAQAQ&sqi=2&usg=AOvVaw1H_VQOauE_yWcdHfqiX2Zt

Tatsächlich habe ich schon einige Tische auseinandergebaut, bei der die Feder auch satt auflag. Ich war mir bloß nie sicher, ob das vom Schwinden der Platte kam.

Grüße
 

agnoeo

ww-robinie
Registriert
14. Juni 2016
Beiträge
1.166
Ort
Rhein-Sieg
Auf dem Foto sieht die Feder gar nicht gefalzt aus, als ob die ganze Seite nur einen Winkel abgehobelt bekommen hat.
Feder anpassen wurde ja schon erwähnt. Konisch aufführen ist auch eine Option und dann Überlänge und einpassen.

Gruß, David
 

derdad

Moderator
Registriert
3. Juli 2005
Beiträge
6.134
Ort
Wien/österreich
Selbst für mich als Amateur macht das keinen Sinn, weil doch auch der Gratnutgrund zum Geradehalten einer Fläche wirkt?
Der Gratnutgrund ist nicht gedacht die Fläche gerade zu halten. Der schräge Grat und die Gratschulter sollen die Fläche gerade halten. Ausser bei einem flächenbündigen Grat natürlich. Dieser ist aber bei weitem nicht so wirksam.
LG Gerhard
 

bast_ig

ww-eiche
Registriert
26. Januar 2025
Beiträge
386
Ort
München
Guten Morgen,

@agnoeo, das ist bewusst nicht gefalzt. Das Design habe ich angelehnt an eine Vorstellung von Hauke Schmidt: https://youtu.be/-Oln4-7kD58?si=rH-SP3OEisM2o9hM

Die Konstruktion finde ich super. Ich hatte nur Nadelholz-Reste so um 12 mm für die Kiste, die Nut ist 5 mm tief. Das trägt trotzdem leicht mindestens 10 kg. In der Herstellung tatsächlich sehr einfach. Man bräuchte auch nicht mal einen Grathobel bei komplett händischer Herstellung, weil man die in irgendeinem Winkel angehobelte konische Leiste als Anlage für die Säge nehmen kann. Weiterer Nebeneffekt: Es ist zerlegbar.

Meine Frau meinte, das wäre auf jeden Fall ein originelleres Mitbringsel als Restschneidebretter. Mit der Gehrung als Eckverbindung lässt sich das auch schnell herstellen. Im Video ist das gezinkt. War mir aber hier zu aufwendig. Ich habe das Holz mit der Hand gehobelt, da ist bedeutet es für mich einen exponentiell steigenden Zeitaufwand, wenn ich auch mehrere Teile exakt auf Dicke hobeln muss. Bei der Gehrung ist der Vorteil, dass nur eine Seite (außen) als Referenz gut passen muss. Die Innenseite kann dann dicker, dünner, schief sein. Das wirkt sich dann nur als Versatz an der Gehrung aus, siehe auch das Foto bei mir.

Grüße
 

flüsterholz

ww-robinie
Registriert
18. Juli 2022
Beiträge
3.607
Ort
südlicher Odenwald
Ich habe mir inzwischen angewöhnt, Gratfeder und -nut mit gleichem Maß anzureissen. Zum Schluß dann nochmal mit dem Hobel an der Unterseite der Feder mit ein paar Hobelzügen minimal Material abtragen. Finde ich einfacher als die traditionelle Vorgehensweise.
 

agnoeo

ww-robinie
Registriert
14. Juni 2016
Beiträge
1.166
Ort
Rhein-Sieg
Der schräge Grat und die Gratschulter sollen die Fläche gerade halten. Ausser bei einem flächenbündigen Grat natürlich. Dieser ist aber bei weitem nicht so wirksam.
Hast du da praktische Erfahrung mit? Ich habe ich auch immer gedacht mit Schulter ist besser, aber bei einem Test mit Fichte konnte ich keinen Nachteil feststellen bei der flächenbündigen Variante. Würde ich mir gerne nochmal in Hartholz ansehen.

1771746828856.jpeg
1771746864759.jpeg
Musste ich beifüttern, weil das zu schmal wurde; hat 1,5mm nachgegeben.

Gruß, David
 

derdad

Moderator
Registriert
3. Juli 2005
Beiträge
6.134
Ort
Wien/österreich
Der einfache Grund ist, dass die Flächenbündige Variante ja nur die Dicke der Gratnuttiefe hat. Also viel weniger Material.
Ich sehe auf den Fotos aber auch keinen flächenbündigen Grat.
LG Gerhard
 

bast_ig

ww-eiche
Registriert
26. Januar 2025
Beiträge
386
Ort
München
Ich habe mir inzwischen angewöhnt, Gratfeder und -nut mit gleichem Maß anzureissen. Zum Schluß dann nochmal mit dem Hobel an der Unterseite der Feder mit ein paar Hobelzügen minimal Material abtragen. Finde ich einfacher als die traditionelle Vorgehensweise.

Das ist die perfekte Lösung!! :emoji_slight_smile:

Eine Frage noch, wie Du das bei "richtigen" Gratleisten machst: Stellst Du die Konizität her, indem Du einfach gleich die Leiste konisch machst oder hobelst Du nur die Feder konisch her?

Danke und LG
 

agnoeo

ww-robinie
Registriert
14. Juni 2016
Beiträge
1.166
Ort
Rhein-Sieg
Der einfache Grund ist, dass die Flächenbündige Variante ja nur die Dicke der Gratnuttiefe hat. Also viel weniger Material.
Ich sehe auf den Fotos aber auch keinen flächenbündigen Grat.
LG Gerhard
ah, okay, dann habe ich den Begriff missverstanden; vielleicht ist ohne Falz treffend.

Gruß, David
 

flüsterholz

ww-robinie
Registriert
18. Juli 2022
Beiträge
3.607
Ort
südlicher Odenwald
Das ist die perfekte Lösung!! :emoji_slight_smile:

Eine Frage noch, wie Du das bei "richtigen" Gratleisten machst: Stellst Du die Konizität her, indem Du einfach gleich die Leiste konisch machst oder hobelst Du nur die Feder konisch her?

Danke und LG
Die Idee finde ich auch spannend, gleich die Leiste konisch zu hobeln. Habe ich noch nicht probiert. Wird aber zumindest mal gedanklich abgespeichert.
Bisher habe ich das immer etwas vom verwendeten Holz und den Längen der Gratleiste abhängig gemacht. Bis ca 20/30cm und weicheren Hölzern hobel oder säge ich gar nicht konisch, sondern parallel. Etwas die Kanten der Gratfeder gebrochen und Wachs in die Nut geschmiert, funktioniert gut. Bei längeren Gratleisten säge und hobel ich konisch, aber nur einseitig. Bei der Restaurierung von Kommoden muss man ja häufiger die Laufleisten erneuern, weil sie eingelaufen sind. Die sind häufig als Gratleiste ausgeführt. Meistens an der Unterseite konisch ausgeführt. Daran orientiere ich mich dann auch bei Neuanfertigungen.
Außer in der Restaurierung wende ich Gratleisten nicht so häufig an, geht auch schnell mal schief. Wenn die Gratnut nicht durchgehend ist, reicht oftmals schon ein Hobelzug zuviel und man darf nochmal von vorne beginnen.
 
Oben Unten