Welcher Plattenwerkstoff für Schubladen und Korpus (Werkstattmöbel)

LightsiderTT

ww-pappel
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Moin liebe Community!

Nach längerer Zeit möchte ich mal wieder etwas mehr Ordnung in meine Werkstatt bringen, und einen Unterschrank mit Schubladen bauen. In der Vergangenheit habe ich solche Schubladenschränke (sowohl den Korpus als auch die Schubladen) aus 12mm und 15mm Birke-Multiplex gebaut, und habe damit gute Erfahrungen gemacht.

Jedoch sind die Preise für Multiplex wegen des Ukraine-Krieges enorm in die Höhe geschossen (falls sie überhaupt zu bekommen sind - mein lokaler Holzhandel hat nur noch ein paar Reststücke). Daher wollte ich fragen: gibt es andere Plattenwerkstoffe, die ihr mir für so ein Projekt empfehlen könntet?

Ein paar mehr Infos:
  • Wie gesagt, es handelt sich um ein Werkstattmöbel. Ästhetik ist somit nebensächlich (aber wenn ich ehrlich bin muss es auch nicht unbedingt OSB sein, denn das ist wirklich hässlich :emoji_slight_smile: )
  • Da ich nicht die Maschinen oder die Erfahrung habe, um bei so einem Projekt mit Vollholz zu arbeiten, würde ich Plattenwerkstoffe vorziehen.
  • Ich plane eine relativ einfache Konstruktion (der Korpus ist stumpt zusammengeschraubt, und die Schubladen sind mit Nuten und Falzen verleimt - siehe Bild). Diese Konstruktion kann ggf ändern, falls der Werkstoff es fordert, aber ich habe keine Erfahrung mit z.B. Verbindungssysteme für Spanplatten.
  • Die Schubladen sollen relativ groß werden (ca 60x50 cm), und werden teilweise auch etwas schwerer beladen (ca 6-10kg pro Schublade).
Und noch eine Zusatzfrage: könnt ihr mir eine Ressource empfehlen, bei der ich mich zu den Eigenschaften der verschiedenen Plattenwerkstoffen (OSB, MDF, Sperrholz, Leimholz, Stäbchenplatte usw) einlesen kann? Ich verstehe (größtenteils :emoji_slight_smile: ) wie jeder Werkstoff aufgebaut ist, aber ich habe nur ein gefährliches Halbwissen darüber, wie sich die Zusammensetzung auf die Eigenschaften (z.B. Verzug, Belastbarkeit, sinnvolle Verarbeitungstechniken, Einsatzgebiet, usw) auswirkt. Gibt es da evtl Bücher/Webseiten/Blogs/usw, die ihr mir empfehlen könnt?
 

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Defcor

ww-birke
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Ich bin gerade auf der Arbeit. Daher nur ganz kurz was zu Schubladen und deren Belastbarkeit.
Der junge Mann in diesem Video hat die Schubladen aus 9 mm Multiplex gebaut. Ab Minute 28 kannst Du Dir ansehen, wie er die mit knappen 50 kg belädt. Die Schubladen sind knapp unter 50 cm was Breite und Tiefe angeht.

https://youtu.be/42gUDGpvS_o

Für die Schubladen würde ich als Laie versuchen, 9 mm Multiplex zu bekommen.

Der Korpus ginge auch aus Stäbchenplatte. Bei dieser sind die einzelnen Stäbchen nicht nur mit dem Deckfurnier verleimt, sondern auch untereinander. Bei der Tischlerplatte sind sie hingegen nur mit dem Deckfurnier verleimt.
 

odul

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Für die Schubladen 5 bis 10mm Sperrholz und verschrauben. Habe das auch schon mit 12mm Fichte-Paneele gebaut.
 

Wrchto

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Hast Du schon mal an Spanplatte gedacht? Jetzt mal ganz theoretisch, für Werkstattmöbel müsste sie nicht einmal beschichtet sein. Die Büglerei mit den Kanten (ich gehe davon aus, dass Du keine Maschine zum Bekanten hast) ist halt ein wenig zeitraubend, aber selbst die Kanten könntest Du sogar roh lassen, und einfach nur verschleifen.
Oder wenns schöner sein soll, dann beschichtete Spanplatte. Das Problem mit den Kanten bleibt Dir.
 

LightsiderTT

ww-pappel
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Hast Du schon mal an Spanplatte gedacht?
Hatte ich auch schon gedacht (da ja unser Lieblingsschwede alles aus Spanplatte macht, muss da ja was dran sein :emoji_slight_smile: ). Habe leider kaum Erfahrung damit - z.B. weiß ich nicht einmal, wie ich die Platten anständig miteinander verbinde. Nut-und-Falz-Verbindungen (wie ich oben skizziert habe) werden wahrscheinlich da nicht funktionieren, oder?
 

happyc

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Korpus aus Spanplatten, und die Schubkästen aus Nadelholz-Leimholzplatten. Dazu eine einfache Rollenführung, und gut iss.
Den Hinweis mit dem Straßenrand kann man schon ernst nehmen, ich habe schon recht viel aus dem Material gebaut, was im Bekanntenkreis aussortiert und fast weggeworfen wurde. Schau mal in den Kleinanzeigen nach Schränken in deiner Region, da findet man normalerweise viel & günstig. wenn das Korpusmaterial an den falschen Stellen nen Loch oder eine Bohrung hat, ist das für die Werkstatt eher egal. Wenn es dich doch stört, bapp ein Stück Folie drüber.
 

Dietrich

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Hallo,

absolut bewährt hat sich Seekiefersperrholz in 20mm für den Korpus und massives Buchenholz für die Schubladen, natürlich gezinkt, Korpusse auf Gehrung mit Lamellos.
Für einen Handwerkzeugschrank darfs auch Vollholz sein, regional natürlich.

Gruß Dietrich
 

Ekkä

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Eigene Erfahrungen: Fichte-Leimholz, Tischlerplatte.
Weitere Infos: Durchsuch mal Youtube nach Plattenwerkstoffen zusammen mit Heiko Rech oder MHM.
 

FredT

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Auch mal den nächsten städtischen Wertstoffhof abklappern. Was die Leute dort so alles hinfahren... Oder eben Augen auf in der Stadt, wenn irgendwo entrümpelt oder freigezogen wird. für Werkstättliches ist es allemal noch geeignet. Das kannst du gut und gern verspaxen, verdiübeln, confirmieren... Whatever...
 

odul

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Hatte ich auch schon gedacht (da ja unser Lieblingsschwede alles aus Spanplatte macht, muss da ja was dran sein :emoji_slight_smile: ). Habe leider kaum Erfahrung damit - z.B. weiß ich nicht einmal, wie ich die Platten anständig miteinander verbinde. Nut-und-Falz-Verbindungen (wie ich oben skizziert habe) werden wahrscheinlich da nicht funktionieren, oder?

Spanplatten ab 16mm lassen sich gut verschrauben. Schau mal auf die Bilder in den von mir verlinkten Beiträgen. 5mm vorbohren, ansenken und Spax 6x60 reindrehen.

Spanplatte nehme ich meistens als Dekorspan in weiß. Die Kanten von Spanplatten brechen leicht aus. Das wird aber viel besser, wenn man die Kanten ein oder zwei mm anfast. Für die Werkstatt mache ich auch keine Umleimer drauf. Ich nehme eine weiße Wandfarbe (Alpina Weiß) und streiche die Kanten damit. Sieht man auch auf den Bildern.
 

odul

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Hier

https://www.woodworker.de/forum/thr...h-fragen-kranhaken.120513/page-10#post-889657

und etwas weiter unten sieht man nochmal Bilder von dem Beistellschrank.

Ich habe viel Kleinkram. Deswegen mache ich viele flache Schubladen. Für den Schrank habe ich sie in drei verschiedenen Höhen gebaut. Der Witz ist, dass man die unterschiedlich hohen Schubladen hin- und her tauschen kann. Man kann sie auch rausnehmen und wo hinstellen.

Schubladenführungen mit Rollen oder Kugeln nehme ich nur, wenn die Schubladen samt Inhalt sehr schwer werden.
 

happyc

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Nen Beispiel:
Holzregaltreppe auf das Halbhochbett von meinem Kleinen, die Tritte waren eine Tischplatte aus ner Studi-WG in der Nachbarschaft, der Korpus ein Kiefernholz-Kleiderschrank meiner Tante. Man kann auch was höherwertiges aus Resten machen :emoji_wink:
 

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MTrp

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In der Vergangenheit habe ich solche Schubladenschränke (sowohl den Korpus als auch die Schubladen) aus 12mm und 15mm Birke-Multiplex gebaut, und habe damit gute Erfahrungen gemacht. Jedoch sind die Preise für Multiplex wegen des Ukraine-Krieges enorm in die Höhe geschossen (falls sie überhaupt zu bekommen sind - mein lokaler Holzhandel hat nur noch ein paar Reststücke).

Ich stand vor der gleichen Problematik (Preis & Verfügbarkeit von Birke-MPX) und bin auf Buche-MPX ausgewichen. Bedenke, dass eine Überdimensionierung des Auszug-Materials den Nachteil hat, dass das Eigengewicht steigt und damit weniger „Nutzlast“ für die Auszug-Schienen übrig bleibt.

Ich plane meine Werkbank-Auszüge folgendermaßen auszuführen: Rahmen aus 18mm Fichte-Leimholz, mit Pocket-Holes verschraubt, Boden aus 6mm Sperrholz oder Buche-MPX, Front aus 10-15mm Buche-MPX. Wie ich den Boden anbringe, habe ich noch nicht entschieden: Entweder mit Leim plus Schrauben stumpf von unten und damit auch als ideale Ausgangsbasis fürs Ausrichten. Oder ich fräse Nuten in die Rahmen. Ersteres wäre wesentlich schneller, einfacher und meiner Einschätzung nach auch stabiler.
 

odul

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Wie groß sollen deine Schubladen werden (L/T/H) und mit welchem Gewicht planst du?

Warum PocketHoles?
 

Dietrich

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Hallo,

der Rollschrank rechts unter der Hobelbank besteht aus Resten Tischlerplatte 19mm, vorne ein Buche-Anleimer auf den Kanten, die Schubladen sind bis auf die untere (ein Rest BM-Plattenware Buche) aus ged. Buche, Stärke 12,7mm, wegen der 12,7mm Zinken der Porter-Cable (prinzipgleich zur Metabo) Zinkeinheit.
Der Unterschrank unter der Hobelbank (zwischen den Schwingen) besteht aus Seekiefersperrholz 20mm, Anleimer aus Resten heimischer Birke, Schubladen sind aus Buchenholz und aus Buchensperrholz, wenn ich mich recht erinnere 15mm stark, noch mit der Festo VS 500 gezinkt, Griffe wie immer im Werkstattbereich im Langloch-Design:emoji_slight_smile:
Alle Schubladen laufen auf Holzleisten und Nut.

Gruß Dietrich
 

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LightsiderTT

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Wie groß sollen deine Schubladen werden (L/T/H) und mit welchem Gewicht planst du?
Warum PocketHoles?
60x50, mit ca 6-10kg pro Schublade.

Pocket holes wären auch eine Option, aber ich habe noch nicht die nötige Übung, um die Verbindungen so herzustellen dass sie immer die gleichen Maße habe (irgendwas verrutscht mir dabei immer, trotz Zwingen).
 

happyc

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Rahmen aus 18mm Fichte-Leimholz, (…) Boden (…) Leim plus Schrauben stumpf von unten und damit auch als ideale Ausgangsbasis fürs Ausrichten. Oder ich fräse Nuten in die Rahmen. Ersteres wäre wesentlich schneller, einfacher und meiner Einschätzung nach auch stabiler.
lass die Schubkastenseitenteile etwas nach unten überstehen, und fräse da die Nuten für den Boden ein. In die SK- Vorder- und Hinterstücke kannst du den Boden nach dem winkligen ausrichten dann festschrauben.
Schubkästen für Blum-Führungen werden so gemacht, und ich finde das Prinzip recht überzeugend, so dass ich das (fast) immer anwende. Bei einer Ausführung ohne mechanische Beschläge gleiten die überstehenden SK-Seitenteile dann auch Hartholzleisten im Korpus.
 

odul

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60x50, mit ca 6-10kg pro Schublade.

Pocket holes wären auch eine Option, aber ich habe noch nicht die nötige Übung, um die Verbindungen so herzustellen dass sie immer die gleichen Maße habe (irgendwas verrutscht mir dabei immer, trotz Zwingen).

Ja, kann mich dran erinnern. Als ich anfing, war auch alles 1-2mm schief, hat geklemmt und was auch immer. War frustig. Irgendwann konnte ich mal wem über die Schulter schauen und mit der Zeit wurde es besser.

Welches Werkzeug hast du? Was traust du dir zu?

Stumpf verschrauben ist in Ordnung und spart Materialstärke gegenüber Pocket-Holes.
 

MTrp

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Wie groß sollen deine Schubladen werden (L/T/H) und mit welchem Gewicht planst du?

Warum PocketHoles?

Länge 50-60cm, Tiefe 60-70cm, Höhen muss ich erst genauer planen - voraussichtlich von sehr flach (8-10cm) bis 30-40cm. Das Gewicht kann ich noch sehr schwer abschätzen, manche Auszüge werden voll mit Schrauben und entsprechend ziemlich schwer sein. Pocket-Holes habe ich vor zu verwenden, weil damit stumpfe Verbindungen wesentlich belastbarer sind.
 

odul

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Pocket-Holes habe ich vor zu verwenden, weil damit stumpfe Verbindungen wesentlich belastbarer sind.

Belastbarer als was?

Wenn die Schraubenköpfe versteckt werden können oder optisch nicht stören:

"Spanplatten ab 16mm lassen sich gut verschrauben. Schau mal auf die Bilder in den von mir verlinkten Beiträgen. 5mm vorbohren, ansenken und Spax 6x60 reindrehen."

Hat sich bei mir sehr bewehrt.
 
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