Weichholzdielen - wie schützen

leosok

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Hallo,
in meiner neuen Wohnung wurden in einem kleinen Zimmer (wo vorher keine Dielen waren), Dielen verlegt, ich weiß nicht genau was, aber es wird Kiefer/Tanne/etc sein, es ist auf jeden Fall weich. Aussage des Handwerkers war damals: "Ich mache dir da Dielen rein, das wird schön". Schön war es auch, bis etwas draufstand. Wo eine Leiter hingestellt wurde, ist jetzt eine Delle, und dass nachdem bereits mit mattem Lack lackiert wurde. Ich möchte so oder so das die Wohnung nochmal mit glänzendem Lack lackiert wird, und jetzt die Frage:
* Gibt es einen Lack der den Boden weniger anfällig für Dellen macht?
* Ist so etwas wie Bootslack eine Lösung?
* Kann man mit solchen Dielen "normal wohnen", oder wird man, wenn man sich nicht zu sehr um seinen Boden kümmern möchte eher unglücklich und sollte vielleicht nochmal Klickparkett drüber legen? (Das habe ich in meiner aktuellen Wohnung, ich bin kein großer Fan, habe aber auch keine Probleme damit).
Danke für eure Antworten,
Leo
 

Holzfummler

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Moin,
Stahlplatten raufnageln oder VSG, 20mm. Sry, Joke.
Ich hatte jahrzehntelang Kieferdielen verlegt. Als sogenanntes Weichholz gibt die Oberfläche bei entsprechenden Druck nach, besonders bei Punktbelastungen wie die Leiter. Dielen ist Fußboden, Fußboden ist Gebrauchsfläche, die verschmutzt, Löcher bekommt, Kerben, Kratzer und vieles mehr.
Lack schützt anfangs gegen Feuchtigkeit, bis er abgeschabt ist oder Risse hat.
Kann man mit solchen Dielen "normal wohnen
Ja, ich habe ca. 25 Jahre damit gewohnt.
Ist so etwas wie Bootslack eine Lösung?
Nein
LG
Thomas
 

IngoS

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Hallo,

mein Haus von 1956 ist komplett mit Fichtendielen ausgelegt. Als ich es vor 13 Jahren gekauft habe, war zum Teil Laminat verlegt. Den musste ich, weil verschlissen, rausreißen. Nun sind die alten Dielen übergeschliffen und geölt.
Sehr schöner fußwarmer Boden.
Ja, der bekommt Dellen, wenn man punktuell belastet. Solche Gebrauchsspuren sind unerheblich.
Welcher andere moderne Bodenbelag hält schon über 70 Jahre.
IMG_20260415_074759.jpg
Gruß Ingo
 
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Hoosier

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Bei uns im Kloster liegen noch original Kieferdielen von 1785. Mit den entsprechenden Gebrauchsspuren aber von allen bewundert.

Das ist sicherlich schön, aber ich habe bei so alten Böden immer das Gefühl, dass das "aus einem anderen Holz geschnitzt" ist, will sagen dass alte Weichholzböden wesentlich fester sind als das Zeug, das heute hochgezüchtet wird...
 

happyc

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Schau mal auf die Jahrringe - das früher verwendete Holz ist oft wesentlich langsamer gewachsen, hat damit einen höheren Anteil an festerem, härterem Spätholz als das heute verwendete. Bei heutigen Hölzern sind durchaus Jahrringe von bis zu einem Zentimeter Breite zu sehen.
 

brubu

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Hab in einem Haus mit solchen Böden gearbeitet, Leitern gehören auf Schutzplatten gestellt und Schuhe, bzw. die Damen mit den spitzen Absätzen verbannt.
 

weissbuche

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Das Holz dieser alten Dielen ist garnicht so fein. Natürlich ist bei manchen Brettern, hauptsächlich bei Baumarktware, ein grober Jahrringaufbau üblich. Wer aus solchem Krams Dielen macht ist selber Schuld. Hier bei uns gibt es durchaus Bestände, wo die Kiefern 3-4 Jahre brauchen um 1 cm zuzulegen. Aus diesem Holz haben wir schon sehr erfolgreich Dielen gemacht. Vielleicht war man sich früher eher darüber bewusst, was man von so einem Boden erwarten durfte und was nicht. Ich bin heute nachmittag im Kloster, da mach ich mal ein paar Bilder.
 

wilhelm62

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Holzböden muss man wollen, und mögen, gerade weil diese lebendig bleiben und (wie wir auch) altern.
Ich habe letztes Jahr neues Dreischicht Parkett Eiche bei mir verlegt und war am Anfang fast enttäuscht über das 'cleane' Aussehen.
Jetzt, nach einem Jahr Nutzung, beginnt der Boden langsam zu leben.
Das macht ihn für meinen Geschmack spannender.
Natürlich bekommt der regelmäßig Pflege.
Aber egal ob Eiche oder Weichholz, Macken und Kratzer bekommen beide im Laufe der Jahre.
Ich mag das!
Und das am Rande - Holzböden mal nach 10-15 Jahren aufzuarbeiten ist keine Raketenwissenschaft.
Laminat und Vinyl verschleißen auch mit der Zeit.
Da heißt das dann aber nicht renovieren, sondern Sondermüll entsorgen.
 

leosok

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Danke für die vielen Antworten. Es ist eine Altbauwohnung, und Dielen sind überall; aber die anderen sind eben 100 Jahre alt, und die neuen sind, wie jemand hier sagte"Baumarktware [...] wer aus solchem Krams Dielen macht ist selber Schuld". Aber ihr habt mich etwas beruhigt und @Holzfummler hat mich wirklich zum Lachen gebracht mit "Stahlplatten raufnageln oder VSG, 20mm.".
Nur mal so zum Vergleich "alt" und "neu".
IMG_2671.jpeg IMG_2672.jpeg
 

happyc

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Neu ist Fichte (sehr wahrscheinlich), alt ist Kiefer. Kiefer ist schonmal etwas härter als Fichte. Dazu ist die Kiefer vermutlich aus lokalem Wald, also sehr wahrscheinlich aus Brandenburgs Wäldern mit den eher sandigen Böden. Da sind nicht allzu viel Nährstoffe drin, entsprechend langsam ist das Wachstum. Die Fichte wird aus optimiertem Anbau sein, also absichtlich in Monokulturen gepflanzt für schnelles Wachstum und reicher Ernte.
 

yoghurt

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Hallo,
der Hinweis kommt natürlich etwas zu spät, aber zum Erkenntnisgewinn vielleicht doch interessant: Ich habe vor Jahren (und gehe fest davon aus, dass diese Erfahrung Gültigkeit besitzt) mal für einen Vermieter Ofenecken ausgeflickt. Dem Mieter war unsere Standard-Diele von Possling (lokaler Baumarkt Berlin) nicht schick genug und er hat sich für sein Wohnzimmer eine breite märkische Hobeldiele aus der selben Quelle beschafft. Wir haben die Dielen am Rand genagelt (unter der Sockelleiste) und danach durch die Feder verschraubt. Die interessante Erfahrung war, dass wir die Nägel in der märkischen Diele fast mit dem Nageldurchmesser vorbohren mussten, sonst gab es keine Möglichkeit dieses Holz zu nageln. Beides war Kiefer aber der Unterschied in der Härte des Holzes war extrem.

BTW Fichte würde ich nicht als Boden verwenden - wobei es auch da ganz andere Qualitäten gibt....
 

weissbuche

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Hier mal ein paar Fotos von alten Dielen. Die Dielen auf dem Flur liegen im Ostflügel der zwischen 1785-1787 gebaut wurde. Sind wahrscheinlich ein Teil der böhmischen Dielen, die als Beifracht mit den Fundamentsteinen aus Elbsandstein angeliefert wurden. Die dunkel gebeizten Dielen liegen in einem Zimmer im Westflügel (1783-84) und sind wahrscheinlich aus hiesigen Kiefer aus der Göhrde.
Die Stufen habe ich nur mal fotografiert, um zu zeigen, daß die Eiche knapp 250 Nutzung eigentlich gut übersteht.
 

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Holzfummler

ww-robinie
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Moin Leo,
in 3 - 4 Jahren wird der Boden deutlich dunkler und gelber. Wenns Kiefer ist, hast du dann einen warmen Holzton.
LG
Thomas
 
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