Durch die Wanderschaft bekam man ja schon das eine oder andere mit. Nur wenn man dann wieder zurück kam in die Heimat, wurde dann doch wieder so gebaut, wie der heimische Meister und der Kunde das wünschte/wollte. Von Ausnahmen wie Röntgen mal abgesehen.
Interessant im Zusammenhang mit dem gezeigten Möbel wäre vielleicht noch, dass ab etwa 1800 das zu bauende Meisterstück nicht mehr der Schrank war, sondern der Schreibschrank/Sekretär. Hintergrund war, dass sich der angehende Meister das Material, was damals sehr viel teurer war, selber kaufen musste und mit dem Verkauf des Schrankes, seinen Meistertitel und das Material finanzieren musste. Da dies aber wohl immer schwieriger wurde, zu einem angemessenen Preis, und der zukünftige Meister dann auf den Kosten sitzen blieb, wurde das geforderte Werkstück dann der Sekretär, der sich besser verkaufen ließ. Für das aufstrebende Bürgertum war dieses Möbel gerade en vogue. Teilweise dauerte es aber sehr lange, bis sich dieses Möbel in ganz Deutschland als Meisterstück durchsetzte. Ich meine zum Schluß in Lübeck, etwa 40 Jahre später.
Interessant finde ich an dem oben gezeigten Schreibschrank garnicht so sehr das Furnier (wobei das schon toll ist) und die Geheimschubladen, beides sind für die Zeit typisch. Vielmehr die elegante nach oben gestreckte Bauweise. Das wirkt viel eleganter und leichter als die meisten anderen Möbel dieser Zeit. So, in der Art, hatte ich das bisher auch noch nicht gesehen. Tolles Teil. Und von der Fertigung, auch für diese Zeit, auf einem ganz hohen Niveau.