schon Wahnsinn was manche gebaut haben.

carsten

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Hallo

die reinen Holzarbeiten wären nicht mal DIE Herausforderung. An erster Stelle so ein Furnier zu finden. und es dann so zu verarbeiten. Und zweitens die Mechaniken dahinter zu entwickeln. Heute würde man das in 3D mit CAD konstruieren, könnte sogar die Mechaniken simulieren. Das hatten die damals alles nicht, kein CAD, keine CNC, keine Festool OF, keine Rotex, keine Martin oder Altendorf, Nicht mal ne Hema Bandsäge und auch keine Veritas Hobel. Und doch haben die damals Möbel gebaut die noch heute unsere Bewunderung erhalten.
 

weissbuche

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Ja früher. Ausbildungsbeginn oft mit 10-12 Jahren. 12 Stunden Arbeitszeit, 6 Tage die Woche. Wenn ich jahrelang viele Stunden am Tag ausschließlich mit Handwerkzeugen arbeite und nicht ganz blöd bin, kann ich das dann auch. Außerdem sind solche Möbel Spitzenleistungen einiger weniger Werkstätten. Die Masse hat Möbel gebaut wie sie in vielen Heimatmuseen zu sehen sind. Heimische Holz, klassische Bauweise, nix Furnier. Der Maler hat dann den Rest gemacht. Wenn ich mir die Möbel aus dem 18. und 19. Jahrhundert bei uns im Archiv anschaue, sehe ich da nicht immer nur tischlerische Glanzleistungen. Etwas anders sieht es bei den Möbeln im Kloster aus, die kamen dann schon mal aus LG, CE oder HH. Da sind dann schon mal furniert Sachen dabei. Es gab auch keine Einschränkungen beim Handel mit Hölzern. Seit dem 16. Jhdt. gibt es intensiven Handel mit Hölzern aus Afrika und Südamerika nach HH, die dann natürlich auch dort verarbeitet wurden.
Bewunderung für diese Spitzenleistungen bleibt, aber in der Fläche war das Niveau deutlich niedriger.
 

Seanathair

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Mein Vater hat in den 50ern des letzten Jahrhunderts in einer schweizer Tischlerei gearbeitet, die sich auf den Nachbau solcher Möbel spezialisiert hatte. Damals gab es wohl einen Markt dafür, aber das nicht mehr so.
 

hlzbt

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irgendwo
Wenn ich jahrelang viele Stunden am Tag ausschließlich mit Handwerkzeugen arbeite und nicht ganz blöd bin, kann ich das dann auch. Außerdem sind solche Möbel Spitzenleistungen einiger weniger Werkstätten.
Wichtig sind beide Sätze im Zusammenhang. Wer nie solche Möbel gesehen hat und / oder keine Anregungen dafür bekommen hat, der kommt oft genug gar nicht auf den Gedanken, auch bei 30 Jahren à 12 Stunden täglich...
 

flüsterholz

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Durch die Wanderschaft bekam man ja schon das eine oder andere mit. Nur wenn man dann wieder zurück kam in die Heimat, wurde dann doch wieder so gebaut, wie der heimische Meister und der Kunde das wünschte/wollte. Von Ausnahmen wie Röntgen mal abgesehen.

Interessant im Zusammenhang mit dem gezeigten Möbel wäre vielleicht noch, dass ab etwa 1800 das zu bauende Meisterstück nicht mehr der Schrank war, sondern der Schreibschrank/Sekretär. Hintergrund war, dass sich der angehende Meister das Material, was damals sehr viel teurer war, selber kaufen musste und mit dem Verkauf des Schrankes, seinen Meistertitel und das Material finanzieren musste. Da dies aber wohl immer schwieriger wurde, zu einem angemessenen Preis, und der zukünftige Meister dann auf den Kosten sitzen blieb, wurde das geforderte Werkstück dann der Sekretär, der sich besser verkaufen ließ. Für das aufstrebende Bürgertum war dieses Möbel gerade en vogue. Teilweise dauerte es aber sehr lange, bis sich dieses Möbel in ganz Deutschland als Meisterstück durchsetzte. Ich meine zum Schluß in Lübeck, etwa 40 Jahre später.

Interessant finde ich an dem oben gezeigten Schreibschrank garnicht so sehr das Furnier (wobei das schon toll ist) und die Geheimschubladen, beides sind für die Zeit typisch. Vielmehr die elegante nach oben gestreckte Bauweise. Das wirkt viel eleganter und leichter als die meisten anderen Möbel dieser Zeit. So, in der Art, hatte ich das bisher auch noch nicht gesehen. Tolles Teil. Und von der Fertigung, auch für diese Zeit, auf einem ganz hohen Niveau.
 

Manohara

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eben habe ich mir den Film angesehen (ich dachte, mit dem Foto habe ich das Wichtigste schon gesehen)

Beeindruckend, und scheinbar "unendlich", was "noch alles" zum Vorschein kommt, wenn man erstmal angefangen hat :emoji_slight_smile:
 

bast_ig

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Danke für den Thread! Das Stück ist schon sehr interessant. Da würde man gerne mal zusehen in so einer Werkstatt, wie das vonstatten ging.

Noch viel spannender aber finde ich, als sehr Geschichtsinteressierter, Eure Einordnungen. Das ist schon eine wirkliche Bereicherung.
 

Bluenose

ww-pappel
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Und wenn man die damals in Werkstätten herrschenden Licht- und Platzverhältnisse sowie das zur Verfügung stehende Werkzeug berücksichtigt, (wie wurde damals Furnier gesägt?) ist das im Zusammenhang mit der konstruktiven Leistung schon ein großartiges Werk -
 

flüsterholz

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Ich kenne das Werk nur in Auszügen, aber Roubo hat in der "Kunst der Schreinerei" die Situation des Tischlerhandwerks in Frankreich im 18. Jhd sehr gut beschrieben. Ebenso die verwendeten Werkzeuge. Die Roubo Werkbank und die Roubo Gestellsäge zum Auftrennen von Furnieren werden heute noch in Anlehnung an sein Werk gebaut. Die Dekupier-/Laubsäge zur Herstellung der Marketerie gab es im 18.Jhd auch schon. ( in der Renaissance noch das Schultermesser) Ebenso gab es Profil- und andere Hobel, die zum Teil auch noch vom Schreiner selber hergestellt wurden. Es war an Handwerkzeugen eigentlich schon alles da, was man brauchte. Zum Teil gab es auch schon Werkstätten, die sich auf die Herstellung von Serien für Zubehör spezialisiert hatten. Von Röntgen ist z.B. bekannt, dass er seine Beschläge bereits aus England bezog. Im Laufe des 19. Jhd wurde dann die Serienherstellung immer stärker, auch für Proflleisten, etc.
Zur Zeit des Schreibschrankes war aber das meiste noch Handarbeit. 50 Jahre später sah das dann schon ganz anders aus. Große Manufakturen mit bis zu 200 Mitarbeitern gab es aber auch schon im 18. Jhd, zumindest in Frankreich.
 
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