Restauration Kinderstuhl

Dieses Thema im Forum "Neuling fragt Profi" wurde erstellt von NuTSkuL, 1. September 2018.

  1. NuTSkuL

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    Nabend Freunde des guten Geschmacks,

    Wir möchten jetzt gern ein alten Kinderstuhl bzw. Kindertisch restaurieren. Der allgemeine Zustand ist garnicht so schlecht doch ist gerade die Lackierung sehr angeschlagen und die Tischplatte hat einen kleinen Schaden.
    Zwar bin ich handwerklich halbwegs begabt, habe aber kaum Erfahrung mit Holz. Deshalb die Fragen:
    -einfach abschmörgeln und lackieren?
    -da es für Kinder ist, sollte die Lackierung entsprechend sein und natürlich auch die Farbe. Welche könnt ihr empfehlen?
    -die alten Scharniere und Räder funktionieren zwar, würde ich aber gern in Schuss bringen. Seht ihr da Optionen das extreme Spiel zu beseitigen? Würde diese ungern durch neue ersetzen.
    -den Schaden der Platte würde ich gern reparieren oder zumindest dafür sorgen, dass man sich nicht daran verletzen kann. Einfach glatt machen und Lack drüber?
    Und zu guter Letzt die Frage, ob ihr empfehlt, es komplett auseinander zu nehmen oder es sich besser im zusammen gebauten Zustand machen lässt.
    Ich hänge mal ein paar Bilder an. Schonmal danke für jeden Tipp.

    Felix
     

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  2. Túrin

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    Das alte Stück.:emoji_slight_smile:
    Wenn möglich, würde ich es zerlegen, mit Ziehklinge und Schleifpapier den Lack runter arbeiten, fein (240) schleifen und danach ölen.
    Der Schaden in der Platte: Sauber mit einem Cuttermesser ausschneiden und ein entsprechendes Stück Buchenfurnier mit Weissleim einleimen. Das nötige Stück kannst Du Dir ggf. aus einem kleinen Stück Multiplex-Platte gewinnen.
     
  3. Orgelbauer

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    Moin,
    ich komm aus dem Schmunzeln gar nimmer raus... ist gefühlte 100Jahre her, da saß ich in solchem auch mal drin :emoji_wink::emoji_slight_smile:
    ...äh...und wie Stefan schreibt, so weit wie möglich zerlegen, macht die Arbeiten viel einfacher/ leichter !
     
  4. kgb007

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    Zerlegen - leicht überschleifen - ölen. Naturöl nehmen (Leinöl oder Tungöl mit Balsamterpentin). Wenn die Beschläge funktionieren, würd ich die so lassen.
     
  5. Keilzink

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    ... ist ein sehr schönes Stück. Die Buche wird wunderschön, wenn man sie schleift und ölt - meiner Erfahrung nach am besten mit Leinölfirnis, dabei aber darauf achten, dass man was nimmt, das kobaltfrei ist. Die Beschläge waren wohl mal vernickelt - kann man abbauen und mit einer Topfbürste auf dem Winkelschleifer entrosten (Handschuhe, Brille!) Dann einfach wieder montieren und mit dem Leinölfirnis ölen, der schützt auch Metall ganz gut. An der Radaufhängung ist was locker, wenn da nach dem richten noch zuviel Spiel sein sollte, würde ich Beilagscheiben auf die Achse stecken - Suchwort wäre hier Karosseriescheiben. Zur Reparatur der Tischplatte hat ja Stefan schon einen sehr guten Vorschlag gemacht, in manchen Baumärkten gibt es Restekisten in der Holzabteilung, da kann man sich ein Stück Buchensperrholz fürs Furnier holen.

    Ich findes es sehr schön, dass euer Kind einen so "geschichtsträchtigen" Stuhl bekommt.

    Viel Erfolg:
    Andreas
     
  6. Georg L.

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    Mal ne ketzerische Frage. Alle bekommen hier sentimentale Gedanken beim Anblick dieses alten Kinderstuhls (ja ich saß auch mal in so einem). Aber ist er dann noch originalgetreu restauriert, wenn er abgeschliffen und geölt wird? Sicher sieht geölt schön aus, aber original ist das nicht. Ich kann mich zumindest an keine geölten Kinderstühle erinnern. Das Lackieren war wahrscheinlich der pflegeleichtigkeit geschuldet, da sich lackierte Flächen besser reinigen lassen, wenn der/die Kleine mal wieder auf das Speibrett (so wird bei uns das vordere Abschlussbrett des Stuhls bezeichnet) geko..t hat. Nicht umsonst werden ja dir Tripp-Trapp auch heute noch lackiert.
     
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  7. Túrin

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    Das hast Du in beiden Punkten sicher Recht.
     
  8. welaloba

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    Volle Zustimmung meinerseits.
    Lackierung per Pinsel geht notfalls mit Kremers Hartöl, das trocknet auf wie ein richtig altmodischer Öllack. Dauert aber seine Zeit.
    Gruß Werner
     
  9. Keilzink

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    ... meiner Meinung nach ist das keine Antiquität, sondern ein Gebrauchsmöbel mit Geschichte. Und in der Oberflächenbearbeitung von Holz sind wir heute weiter als 1960. Eine geölte Oberfläche lässt sich sehr leicht wieder herstellen, beim Entfernen eines Lackes verliert das Möbel jedesmal einiges an Substanz. Kobaltfreier Leinölfirnis gilt als unbedenklich, bei Balsamterpentin wätre ich aber eher vorsichtig, das hat ein gewisses allergenes Potenzial.

    Ich habe letzte Woche gerade ein kalbes Kilo Grüneck 2000 auf ein Rokoko-Tischen schmierem müssen, um 4 Schichten NItrolack da runter kratzen zu können. Kann mir was Schöneres vorstellen. Meinen nächsten Werkstatt-Tag werde ich damit zubringen, die Marketerie, die unter dem ganzen Dreck aufgetaucht ist, zu restaurieren.
     
  10. WinfriedM

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    Wenn du ölen willst, muss aber wirklich aller Lack 100% runter sein, auch der, der ins Holz eingezogen ist. Sonst wird es schnell fleckig, gerade bei Buche. Vorher immer erstmal die Oberfläche mit Terpentinersatz benetzen und schauen, ob sie nass einheitlich wirkt.

    Wenn Teile des Stuhles aus Multiplex sind, hast du auch die Gefahr, dass du die Deckschicht durchschleifst.

    Mit Ölen, die eher oberflächlich wirken und wenig einziehen, vermindert man die Gefahr von Fleckigkeit, z.B. Osmo Hartwachsöl.

    Wegen des hohen Aufwandes, so einen Stuhl für das Ölen vorzubereiten, würde ich auch über lackieren nachdenken, z.B. mit Clou Holz-Siegel in seidenmatt. Geht mit Pinsel hinreichend gut.
     
  11. Georg L.

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    Aber nicht bei so einem Kinderstuhl. Was die kleinen da so drauf schmieren bzw. draufk...zen ist teilweise ziemlich aggressiv und zieht ins (geölte)Holz ein. Um das fleckenfrei wieder weg zu kriegen musst du mehr wegschleifen, als wenn du eine Lackschicht abschleifen musst. Kommt natürlich auch darauf an welche Ansprüche der TE an die Oberfläche des Kinderstuhls stellt. Zumal wie ja Winfried schreibt der Aufwand eine tadellose Öloberfläche herzustellen ziemlich groß ist. Meine vorgehensweise wäre: Stuhl soweit wie möglich zu zerlegen, danach abschleifen gut entstauben und frisch lackieren mit einem guten Möbel- oder Parkettlack. Der von Winfried genannte Clou Holz-Siegel verdünnt mit etwa 10% Clou EV-Verdünnung wäre auch mein Favorit
     
  12. Keilzink

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    ... das ist natürlich auch wieder richtig. Dann wäre der Vorschlag von Werner wohl die beste Alternative.
     
  13. Keilzink

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    Doppelpost - Pardon.
     
  14. NuTSkuL

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    Wow, das sind ja mal n paar vernünftige Tips.

    Kaum zu glauben, dass das meine Oma aufn Sperrmüll schmeißen wollte :emoji_grin: werde mich erstmal n bissle einlesen müssen, aber denke das ichs versuche komplett auseinander zu nehmen. Hoffe, es ist nicht zu gut verklebt...

    Woher kommt eure Kritik am ölen? Sollte doch kein beizen sein und nach meinem Verständnis bleibt es recht original erhalten.
     
  15. welaloba

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    Hallo, wirf mal nicht alle Begriffe durcheinander. Von Beizen = Färben war nie die Rede.
    Und dass Ölen suboptimal ist, wurde mehrmals begründet. Aber jeder macht, was er für richtig hält oder wie seine Möglichkeiten sind.
    Wegduck!
    und Gruß von Werner
     
  16. uli2003

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    Öl ist halt vielen Belastungen nicht gewachsen, auch wenn es von manchen so verbreitet wird.
    Und ein Nacharbeiten funktioniert meistens maximal beim ersten Mal.

    Besorg dir einen passenden Klarlack, säuber das Teil (ich würde es mit Verdünnung abwaschen, dann geht das meiste runter), und streich es ordentlich nach. Die Nutzungsdauer ist begrenzt, bevor der Stuhl wieder auf den Dachboden, oder auch auf dem Sperrmüll landet.

    So ein Teil haben wir auch, unsere Kinder haben da auch ein paar Mal dringesessen (ich natürlich in dem Stuhl vor 50 Jahren auch) - wobei ich sagen muss, der Tripp-Trapp ist am Tisch schon angenehmer. Steht jetzt wieder eingelagert in der Ecke, mal sehen ob meine Kids den noch nutzen.

    Zum Anstrich - Kinder neigen in der Regel nicht dazu, ihre Sitzmöbel aufzuessen. Meine haben es zumindest nicht gemacht.
    Daher ist es ziemlich Latte, ob Sikkative im Öl sind, oder der Lack nicht teuer zertifiziert ist.
    Was aus der ausgehärteten Oberfläche bei Berührung an Schadstoffen abgegeben wird, dürfte einer Fahrt mit dem Kinderwagen durch die Innenstadt gleichkommen. Ein wenig kann der Mensch schon aushalten, sich immer weiter ausdehnende Allergien beispielsweise sind ein Grund für
    die heutige Übertreibung.
    Ich beispielsweise habe keine Allergien, habe 'damals' noch Asbestplatten mit der Flex geschnitten, Formaldehyd war kein Thema, und wenn beim basteln mal ein Quecksilberschalter runter fiel, wurde das aufgekehrt. Sicherlich alles nicht wünschenswert, aber nach heutiger Sichtweise dürfte ich nicht mehr leben :emoji_wink:

    Grüße
    Uli
     
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  17. NuTSkuL

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    @welaloba
    Hast mich verkehrt verstanden. War lediglich gemeint, dass es beim ölen nicht zu einer Veränderung ähnlich dem beizen kommen sollte. Von daher hat für mich erstmal nix dagegen gesprochen.

    Öl /Lack und ähnliches einfach aus dem baumarkt oder gibt es spezielle Anbieter für hochwertige Sachen?

    Habt schon recht, wer weiß, ob es sich überhaupt lohnt. Bin aber bei sowas auch ein wenig melancholisch und von daher - was solls. Sind ja keine Unsummen an Geld und Zeit...
     
  18. Georg L.

    Georg L. ww-robinie

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    Den hier mehrfach empfohlenen Clou Holz-Siegel bekommst du z. B. bei Bauhaus problemlos. Für andere Produkte z.B. von Auro, Leinos, Livos usw. gibt es auf deren Homepage meistens eine Händlersuche, über die du einen Fachhändler in der Nähe finden kannst.
     
  19. WinfriedM

    WinfriedM ww-robinie

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    Die großen Baumärkte haben sich leider von Clou verabschiedet, zuerst Hornbach und jetzt wohl auch Bauhaus. Zumindest findet man Online bei Bauhaus fast nichts mehr von Clou.

    Kommt auf den Baumarkt an. Bei Bauhaus gibts z.B. Osmo Hartwachsöl , bei Hornbach gibts brauchbares Öl als Eigenmarke.
     
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