Restauration eines alten Schreibtisches

2malabgesägt

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Hallo zusammen,

für mich ist das restaurieren von alten Möbeln komplettes Neuland. Daher frage ich euch. Bei dem Schreibtisch ist das Hauptziel eine gleichmäßige Oberfläche und kleinere Macken auszubessern. Anbei stelle ich mal mehrere Bilder ein. Ursprünglich hatte der Schreibtisch wohl so eine glänzende helle Oberfläche. Idealerweise könnte er wieder überall so aussehen.

Vielen Dank für eure Tipps und Hinweise
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carsten

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Hallo

Außen Eiche, innen Sapeli, solide 50er, 60er Jahre Industrieware. Erinnert mich an das Schlafzimmer meiner Großeltern. Viel heller war das auch nicht. Vermute einen leicht eingefärbten NC Lack+ Patina. Sehr hohe Gefahr beim Schleifen die Trägeplatte freizulegen. Ein durchaus solides Möbel. sauber machen und nutzen.
 

welaloba

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Deine Scheibtischplatte ist wahrscheinlich Eiche furniert. Sie wird niemals dieses Erscheinungsbild von hochglanzlackiertem Meranti / irgendwas / pseudo Tropenholz bekommen. Denkbar wäre, die Platte mit passendem Lösemittel und Schleiffließ zu "reinigen" bis aufs rohe Holz, anschließend mit Körnerbeize an den Rest der Kiste angleichen und mit Schellack eine neue Oberfläche aufzubauen. Wohlgemerkt: das ist die professionelle Vorgehensweise. Wenn Restaurieren für Dich Neuland ist, solltest du den Job an einen Profi abgeben . Sorry für klare Worte.
 
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2malabgesägt

ww-kastanie
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woran konntest du so schnell die Entstehungszeit einschätzen ?
Mir ist heute beim genauen inspizieren aufgefallen, das die eigentliche Platte circa 12mm stark ist und lediglich der Rand 47mm stark ist, auch ist der Rahmen innen nicht behandelt und ist vom Holz her eher rötlich und unbehandelt. Die direkte Kontruktion unter Platte sieht auch so aus, teilweise sogar mit Rinde und vielen markanten Ästen. Auch sind die Verbindungen maschinell gefertigt. Die Oberflächenbehandlung hört im inneren auch Teilweise einfach in den Ecken auf und die scheint mir auf den ganzen Schreibtisch aufgetragen, nur außerhalb nochmal zusätzlich versiegelt. Anbei dafür auch nochmal ein paar Bilder.

Mit meiner Rotex wollte ich eh nicht an das Teil, allein schon aufgrund der ganzen Profile, Konturen und Radien.

Ich merke aber mit einfach mal eben wird das nichts. Vielleicht muss ich mir da professionelle Hilfe suchen, aber eigentlich wäre es auch ein guter Einstieg in das Thema.
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justplanesteve

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Ich glaube, die ersten Fotos haben uns in die Irre geführt! :emoji_slight_smile:

Dem „Beweismaterial“ nach zu urteilen, ist der Schreibtisch wahrscheinlich neueren Datums als 1960 :emoji_slight_smile: – aber immerhin schon ein halbes Jahrhundert alt. Vermutlich wurde er seinerzeit einfach schnell mit ein paar dünnen Schichten getöntem Lack überzogen.

Daher wird die folgende Methode vielleicht nicht funktionieren, aber sie ist immer mein erster Ansatz: Etwas Ethylalkohol auf die Oberfläche geben und mit einem Scotch-Brite-Vlies kräftig schrubben. Wenn sich die Lackschicht dabei auflöst, hast du Glück! Schrubbe die Oberfläche ab und wische sie sauber; nimm den gelösten Schmutz dabei am besten mit Küchenpapier auf und entsorge ihn in einem sicheren Behälter.

Es ist nicht nötig, die gesamte Farbe zu entfernen. Ziel ist es vielmehr, den vorhandenen Zustand zu harmonisieren: Man nutzt einen Teil des alten Lacks und poliert gleichzeitig das Holz darunter auf. Achte darauf, keine größeren Rückstände auf der Oberfläche zu hinterlassen.

Lass die Oberfläche trocknen und geh noch einmal mit einem trockenen Scotch-Brite-Vlies darüber, um eventuell abstehende Holzfasern zu entfernen. Sauge den Staub ab. Nun kannst du entscheiden, ob du die Oberfläche nachfärben möchtest oder nicht. Wähle zudem die passende Farbe für deine Schellackflocken aus. Trage mit einem Ballen eine nasse Schicht sehr dünnflüssigen Schellacks auf die gesamte Fläche auf. Lieber etwas mehr Alkohol verwenden. Lass die Schicht trocknen und schleife sie von Hand mit 400er Schleifpapier leicht an. Prüfe die Farbe der Oberfläche und überlege, ob du an dieser Stelle noch etwas Tönung oder eine sehr leichte Beize hinzufügen musst. Trage dann erneut Schellack (aus Flocken) auf, diesmal mit etwas weniger Alkohol. Wieder leicht anschleifen.

Entscheide nun, ob du die Oberfläche für eine bessere Wasserbeständigkeit mit Lack oder Polyurethan versiegeln oder ob du eine „Französische Politur“ (Schellackpolitur) in Museumsqualität – die allerdings leider nicht sehr strapazierfähig ist – aufbauen möchtest.

Falls es sich ursprünglich nicht um Schellack handelt, lässt sich das gleiche Verfahren auch mit Nitroverdünnung oder sogar MEK durchführen. Allerdings sollten diese Mittel nicht in Wohnräumen verwendet werden; zudem ist ein guter persönlicher Schutz unerlässlich, da es sich um langfristig nervenschädigende Stoffe mit zahlreichen weiteren gesundheitlichen Risiken handelt. MEK ist bei euch vielleicht sogar verboten? Im Ernst: Hantiere damit nicht dort, wo deine Familie lebt.

Ergänzend dazu: Ein Unterschied zwischen Profi- und Laienarbeit liegt oft darin, dass man zwar über das nötige handwerkliche Geschick für das Projekt verfügt, die Kosten für Sicherheitsausrüstung und Arbeitsplatz bei einem einmaligen Auftrag jedoch in keinem wirtschaftlichen Verhältnis stehen. Angesichts Ihrer zusätzlichen Informationen: Wenn nichts beschädigt ist, handelt es sich um ein nützliches Möbelstück, das sich attraktiv aufarbeiten lässt; es ist jedoch nicht von besonders hoher Qualität.

smt
 

flüsterholz

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woran konntest du so schnell die Entstehungszeit einschätzen ?
Die Formensprache und die verwendeten Materialien verraten es. Die abgerundeten Profile, die Füße, dunkle Eiche mit geschnitzen Elementen gibt es in etwa seit den späten 30er bis Anfang der 60er Jahre. Das Sipo als billiges Blindfurnier weist dann auf die 50er und 60er Jahre hin.
 

justplanesteve

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Das sind gute Punkte, und es sieht tatsächlich so aus, als wäre als Klebstoff heißer Hautleim verwendet worden.

Wäre ein solches Stück in jener Zeit vor Ort gefertigt worden? Oder handelt es sich um einen reinen Import?
 

flüsterholz

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Das sind gute Punkte, und es sieht tatsächlich so aus, als wäre als Klebstoff heißer Hautleim verwendet worden.
Meinst du wegen der Verfärbungen auf der Fichte? Oder siehst du noch andere Hinweise? Möglich wäre es noch für die 50er.
Wäre ein solches Stück in jener Zeit vor Ort gefertigt worden? Oder handelt es sich um einen reinen Import?
Das weiß ich nicht, ich kenn mich besser mit Möbeln vor 1910 aus.

@2malabgesägt wäre Schwarz/anthrazit noch eine Option für Dich. Würde vielleicht auch zu dem Schreibtisch passen.
 

justplanesteve

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Meinst du wegen der Verfärbungen auf der Fichte?

Ja.

Möglich wäre es noch für die 50er.

Ich stimme zu – stellenweise sogar noch bis in die 1960er Jahre in alten Fabriken. Allerdings war das zu diesem Zeitpunkt im Allgemeinen weniger verbreitet als bei älteren Arbeiten.

Die sichtbaren Sägekanten deuten auf eine Säge mit geschränkten Zähnen hin – also Stahl statt Hartmetall.
Andererseits waren solche Sägen noch bis in die 1970er Jahre gebräuchlich.

Die sehr dünne Deckplatte und die insgesamt minimalistische Materialverwendung wirken auf mich jedoch neuer als aus der Zeit um 1960.

Wieder einmal irritiert mich die Tatsache, dass sich die Verfahrensweisen in Deutschland und den USA unterschiedlich entwickelt haben, wobei Deutschland nach den 1940er Jahren in vielen Bereichen womöglich raschere Fortschritte machte.
 

flüsterholz

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Ich denke, dass wird in vielen Bereichen so gewesen sein. Das beste Beispiel ist da der Kfz Bereich. Da beträgt der Unterschied auch ein paar Meter oder Tonnen.
Nordamerikanische Möbel kenne ich kaum, außer ein paar Designern und die bei uns sehr geschätzten Shaker Möbel oder Stühle im Windsor Stil. Von daher habe ich auch keine Vergleichsmöglichkeiten.
 

justplanesteve

ww-ahorn
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OP (falls wir dich noch nicht verloren haben? :emoji_slight_smile: ),
bei der Reinigung eines älteren Stücks gehe ich folgendermaßen vor: Zuerst verwende ich Ethylalkohol (Ethanol); dieser ist nicht besonders gefährlich – er ist ja auch in alkoholischen Getränken enthalten. Wenn Ethanol nicht ausreicht, ist Aceton der nächste Schritt, da es Lacke und bestimmte Firnisse anlöst.

Aceton ist zwar nicht gerade gesundheitsfördernd, aber bei vernünftigen Vorsichtsmaßnahmen – wie dem Tragen von Gummihandschuhen, Augenschutz usw. – ist die Verwendung bei kurzen Arbeitseinheiten ungefährlich.

Darüber hinaus solltest du dich selbst informieren und deine eigenen Entscheidungen treffen.

Manche beginnen mit einem feuchten Tuch und etwas Spülmittel, um den groben Schmutz zu entfernen. Achte darauf, das Möbelstück nicht zu durchnässen, da sich sonst das Furnier lösen könnte; lass es zudem vor dem nächsten Schritt gut trocknen. Ganz gleich, an welchem Punkt des Reinigungsprozesses Sie sich befinden: Denken Sie daran, dass es darum geht, Schmutz und alte, oxidierte Oberflächenschichten zu entfernen – und nicht nur zu verschmieren. Wringen Sie das Tuch daher weiterhin aus und verwenden Sie bei Bedarf neue Tücher.

Wenn du das Holz bis auf die rohe Oberfläche gereinigt hast, wirkt es meist stumpf und wenig vielversprechend. Du kannst jedoch einen kleinen Bereich mit Schellack polieren, um zu sehen, wie das Holz mit einer hochwertigen Oberfläche aussehen könnte.

Triff dann deine Entscheidung für die endgültige Oberflächenbehandlung.
 
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2malabgesägt

ww-kastanie
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ich verliere langsam etwas den Überblick in diesem Thread. Was ich aber herauslese ist, dass ich mit Ethanol also Alkohol eine gute Chance bei dem Stück habe. Daher wollte ich jetzt erstmal Alkohol und Schleifvlies besorgen und am Wochenende mal eine Probestelle behandeln. Wenn es nichts wird, kann man sich selber auch mit Alkohol behandeln bis es gut aussieht. Nein Spaß beiseite.

Feuchtes Tuch und Spülmittel hilft nicht, der Tisch ist blitzeblank.

Für Interessierte, der Schreibtisch ist seit 1988 in der Familie, wurde aber auch gebraucht übernommen. Ab und zu ist angeblich auch mal wer mit einfacher Möbelpolitur drüber gegangen, aber so richtig geholfen hat es ja anscheinend nicht.

Edit: Die Leimreste sind unter der Platte überall auch großflächig teilweise. Sparsam war man damals offensichtlich nicht. Was für ein genauer Leim es ist, kann ich leider nicht sagen. IMG_6070.jpeg
 
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