Ich glaube, die ersten Fotos haben uns in die Irre geführt!
Dem „Beweismaterial“ nach zu urteilen, ist der Schreibtisch wahrscheinlich neueren Datums als 1960

– aber immerhin schon ein halbes Jahrhundert alt. Vermutlich wurde er seinerzeit einfach schnell mit ein paar dünnen Schichten getöntem Lack überzogen.
Daher wird die folgende Methode vielleicht nicht funktionieren, aber sie ist immer mein erster Ansatz: Etwas Ethylalkohol auf die Oberfläche geben und mit einem Scotch-Brite-Vlies kräftig schrubben. Wenn sich die Lackschicht dabei auflöst, hast du Glück! Schrubbe die Oberfläche ab und wische sie sauber; nimm den gelösten Schmutz dabei am besten mit Küchenpapier auf und entsorge ihn in einem sicheren Behälter.
Es ist nicht nötig, die gesamte Farbe zu entfernen. Ziel ist es vielmehr, den vorhandenen Zustand zu harmonisieren: Man nutzt einen Teil des alten Lacks und poliert gleichzeitig das Holz darunter auf. Achte darauf, keine größeren Rückstände auf der Oberfläche zu hinterlassen.
Lass die Oberfläche trocknen und geh noch einmal mit einem trockenen Scotch-Brite-Vlies darüber, um eventuell abstehende Holzfasern zu entfernen. Sauge den Staub ab. Nun kannst du entscheiden, ob du die Oberfläche nachfärben möchtest oder nicht. Wähle zudem die passende Farbe für deine Schellackflocken aus. Trage mit einem Ballen eine nasse Schicht sehr dünnflüssigen Schellacks auf die gesamte Fläche auf. Lieber etwas mehr Alkohol verwenden. Lass die Schicht trocknen und schleife sie von Hand mit 400er Schleifpapier leicht an. Prüfe die Farbe der Oberfläche und überlege, ob du an dieser Stelle noch etwas Tönung oder eine sehr leichte Beize hinzufügen musst. Trage dann erneut Schellack (aus Flocken) auf, diesmal mit etwas weniger Alkohol. Wieder leicht anschleifen.
Entscheide nun, ob du die Oberfläche für eine bessere Wasserbeständigkeit mit Lack oder Polyurethan versiegeln oder ob du eine „Französische Politur“ (Schellackpolitur) in Museumsqualität – die allerdings leider nicht sehr strapazierfähig ist – aufbauen möchtest.
Falls es sich ursprünglich nicht um Schellack handelt, lässt sich das gleiche Verfahren auch mit Nitroverdünnung oder sogar MEK durchführen. Allerdings sollten diese Mittel nicht in Wohnräumen verwendet werden; zudem ist ein guter persönlicher Schutz unerlässlich, da es sich um langfristig nervenschädigende Stoffe mit zahlreichen weiteren gesundheitlichen Risiken handelt. MEK ist bei euch vielleicht sogar verboten? Im Ernst: Hantiere damit nicht dort, wo deine Familie lebt.
Ergänzend dazu: Ein Unterschied zwischen Profi- und Laienarbeit liegt oft darin, dass man zwar über das nötige handwerkliche Geschick für das Projekt verfügt, die Kosten für Sicherheitsausrüstung und Arbeitsplatz bei einem einmaligen Auftrag jedoch in keinem wirtschaftlichen Verhältnis stehen. Angesichts Ihrer zusätzlichen Informationen: Wenn nichts beschädigt ist, handelt es sich um ein nützliches Möbelstück, das sich attraktiv aufarbeiten lässt; es ist jedoch nicht von besonders hoher Qualität.
smt