Pilz im Holz - trotzdem aufbereiten und verarbeiten?

Knotenstock

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Moin zusammen,
wieder einmal beschäftigt mich eine Frage zur Holztrocknung. Und wieder einmal hilft mir die Netz-Recherche nicht wirklich weiter. Mir scheint, als kursiere auf dem Gebiet viel Halbwissen und gleichzeitig viel theoretisches Wissen, das sich nur bedingt anwenden lässt.

Es geht um Pilzbefall. Manchmal wird Grünholz bei der Trocknung / Lagerung von Pilzen befallen. Und manchmal will man Hölzer gerade deshalb verarbeiten, WEIL es von Pilz befallen wurde.

In beiden Fällen bin ich mir unsicher, wie der korrekte Umgang aussieht.

Stirbt der Pilz ab, sobald eine bestimmte Restfeuchte unterschritten wird? Oder wird er nur Standby gesetzt, bis diese Feuchte wieder unterschritten wird?
Kann ich den Pilz durch Hitze frühzeitig abtöten, sodass der Pilz nicht noch monatelang weiter frisst, bis Feuchtigkeit X unterschritten ist?

Konkret geht es mir gerade um ein etwas größeres Stück Buche, das leider seit Anfang des Jahres im Wald lag und entsprechend zu großen Teilen verfault oder zumindest gestockt ist.

Freue mich über jeden Input, Anregung, Ratschläge.

Viele Grüße
Niclas
 

teluke

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Gestockte Buche sieht gut aus und lässt sich weiter gut verarbeiten.
Gehört dann aber in den Trockner bevor das zu arg wird.
Wenn es trocken ist dann passiert da nichts mehr.
 

Lorenzo

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Ich hab nicht viel Erfahrung, aber meine Vermutungen haben sich bisher bestätigt. Der Pilz hat 2 Gründe nicht weiter zu machen: entweder zu warm (Denaturierung der Eiweiße) oder zu trocken (schlicht verdurstet)
Nach dem Aufsägen geht es relativ schnell dass es dem Pilz zu trocken wird, vorausgesetzt das Holz wird trocken und luftig gelagert. Vielleicht gibt auch anwesender Sauerstoff nen Reiz, auf jeden Fall hat das gestockte Holz das ich aufsägen hab lassen, meist noch kurz Fruchtkörper gebildet (also nen feinen Flaum), dann wars schnell vorbei mit der Pilzaktivität. Das Holz is nach dem Aufsägen also nicht mehr weicher geworden.
Eiskalt mags der Pilz auch nicht, also ohne technische Hilfsmittel ist Aufsägen im Winter, und sofortiges Aufschichten glaub ich der beste Weg.
Im Sommer bei 7 Tage Regenwetter und die Bohlen aufeinander liegen lassen würde den Pilz eher freuen..
Wenn du das Holz technisch trocknen (lassen) kannst geht das ganze denk ich so schnell mit dem Abtöten des Pilzes, dass du quasi den Ist-Zustand erhältst.
Sprich: wenn du technisch trocknest isses im Prinzip relativ egal wann du aufsägst, wenn nicht würd ich auf den Winter warten und schnellstmöglich trocken und luftig lagern.
In beiden Fällen kannst du dann davon ausgehen dass der Pilz nicht mehr sehr viel weiter macht.
Bisschen mehr kann ich dir dazu sagen wenn ich, sobald es Winter ist, die zweite Hälfte vom gestockten Ahorn aufsägen lass. Die erste Hälfte hab ich im Januar aufgesägt, und das sehr bunte vor sich hin stocken ist fast komplett verschwunden. Da der zweite Stamm genau so aussah, und alles Holz noch perfekt fest ist, dacht ich mir ich lass es drauf ankommen...
Zu der Frage ob der Pilz wieder weiter macht wenn er wieder nass genug wird: Ich denke Ja! Die Sporen sind noch vorhanden und recht hartnäckig. Ich glaube aber nicht dass dein Holz jemals wieder so nass wird dass das passiert.
 

Knotenstock

ww-kiefer
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Danke für euren Input, das deckt sich ja großenteils mit meiner Einschätzung.
Ich werde das Holz in den nächsten Tagen aufsägen, denke ich, allein schon um kurzfristig die Feuchtigkeit zu verringern. Das Holz hat fast 1m Durchmesser, da würde von sich aus wohl nicht viel Flüssigkeitsverlust stattfinden. Der Pilz würde also uU noch ein paar Monate wüten, ehe es richtig kalt wird und ich die Säge anschmeissen würde.
Und dann werde ich mich mal ans Telefon hängen und schauen, ob sich jemand bereiterklärt, meine Gammelbuche mit in seine Trockenkammer zu schieben...

Ein kleiner Wermutstropfen bleibt die Inaktivität der Sporen... auch wenn ich das genauso sehe, dass das Holz (es sollen Möbel daraus gemacht werden) nie wieder zu einer pilzrelevanten Feuchte kommt, wäre es mir schon lieber, den Pilzabgestorben zu wissen. Durch die Denaturierung gehen vermutlich nur die Eiweiße der Fruchtkörper kaputt - die Sporen vermutlich erst bei deutlich höheren Temperaturen. Weiß das einer?

Gruss
Niclas
 

Lorenzo

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Zwischen 80 und 100° bekommt man wohl die allermeisten Pilzsporen kaputt. Die sind deutlich hartnäckiger als das Myzel selbst. Aber Pilzsporen sind sowieso überall unterwegs, ich würd mir wegen denen aus verstocktem Holz jetz keinen Kopf machen ob du die als Möbel ins Haus stellen kannst. Diese Pilze sind auf Holz spezialisiert. Die sollten eher weniger Interesse an dir haben! Garantie geb ich dir da keine, aber ich hab auch noch nie davon gehört dass gestocktes Holz gesundheitsschädlich wäre.
 

benben

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Bei der Verarbeitung würde ich trotzdem mehr Sorgfalt auf Staubschutz legen. Wenn was ist, dann ganz sicher in der Phase.

Gruss
Ben
 
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