Oberfläche Esstisch Mahagoni

Ratsuchend

ww-ahorn
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Hallo zusammen,

nachdem ich meine Hochkommode fertig gestellt habe, stürze ich mich gleich ins nächste Projekt. Diesmal dürfte es aber relativ einfach werden. Ein runder Biedermeier Esstisch Mahagoni um 1830/40 lt. Gutachten.

Zustand ist passabel, wurde schon mehrfach (ordentlich) restauriert, nur leider wie so oft mit einer fetten Schicht Nitrolack behandelt.

Das erste Bild von der Auktionsseite hat leider nichts mit der Realität zu tun. Ich weiß nicht wie sie diese viel zu dicken, trüben Lacke auf den Fotos so vergleichsweise ok aussehen lassen.

biedermeier-esstisch-um-1830-40-9898853.jpg
Ich bin bereits beim abbeizen, aktuell sieht es so aus:
PXL_20260504_210723334.jpg
Nun aber zu meiner Frage: wie würdet ihr die Oberfläche behandeln? Meine Idee: Untergestell mit Schellack. Tischplatte geht leider nicht mit Schellack, da Kinder und ich habe da schon ein paar Erfahrungen machen müssen...

Also die Platte z.b. ölen mit Leinöl, ein paar Wochen trocknen und dann wachsen?

Vielen Dank im Voraus und schöne Grüße
Gerhard
 

flüsterholz

ww-robinie
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Ui, geschnitzte Delphine, sieht man selten.
Was für Ansprüche, Erwartungen hast du denn an die Oberfläche der Tischplatte und wie wird der Tisch genutzt?
 

Ratsuchend

ww-ahorn
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Hallo Michael,

der Tisch wird als Esstisch genutzt - auch von kleinen Kindern. Was würde ich mir wünschen - eine glänzende, robuste Oberfläche, die pflegeleicht ist (ich weiß dass das nicht erreichbar ist). Robustheit ist wohl das wichtigste. Ist es aus deiner Sicht sinnvoll zu ölen und nach dem ölen noch zu wachsen.
 

flüsterholz

ww-robinie
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Bei Esstischen bevorzuge ich folgende Oberfläche. Grundierung mit Auro 117, danach 4-5 Schichten Hartöl Auro 126 und zum Abschluss Hartwachs Auro 171.
Folgendes Vorgehen, abweichend von der empfohlenen von Auro.
1. Satter Auftrag mit 117, Überstand nach ca 20-30min abnehmen. 24h trocknen lassen.
Danach 4-5 Aufträge 126, alle 24h. Meistens reichen 4Aufträge. Die ersten 2 Aufträge bilden in der Regel noch keine Schichten. Meistens erst nach der 3. Dann fein zwischenschleifen. Entweder mit Stahlwolle 0 oder feinem Schleifvlies ca 500. So, dass die Pinselspuren verschwinden und es sich glatt anfühlt/aussieht bei Streiflicht. Nach der vierten Schicht dasselbe. Jetzt müsste es schon stark glänzen vor dem Schleifen. Wenn nicht, noch eine 5. Schicht mit Zwischenschliff. Mehr habe ich noch nie gebraucht.
Zum Schluss Hartwachs 171 dünn deckend mit nichtfusselndem Baumwollballen kreisförmig auftragen (wirklich dünn). In Maserrichtung verziehen. Dazu den Baumwollstoff falten, dass du eine etwa 10cm Breite Kante hast. Mit der ohne/wenig Druck verziehen. Nach 4 Stunden erstes vorsichtiges Polieren mit Baumwollballen. Das Wachs klebt jetzt noch. Mit wenig Druck polieren, bis du merkst, dass es nicht mehr klebt und der Ballen anfängt zu gleiten. Dann mit etwas mehr Druck weiterpolieren. Wenn du mit zuviel Druck arbeitest, kann es passieren, dass du das Wachs wieder abnimmst. Das Wachs beim ersten Durchgang in Maserrichtung polieren, nicht kreisförmig oder in Achten. Erst wenn der Ballen überall gleitet, kannst du auch kreisförmig polieren, musst du aber nicht.Vielleicht probierst du das erstmal an einem Probestück. Ich weiß ja nicht, wie oft du schon Wachs poliert hast. Und Hartwachs verhält sich auch anders als Bienenwachsbalsam. Nach 24h dann nochmal mit höherem Druck kreisförmig und in Masrrichtung aufpolieren und 2 Wochen aushärten lassen.
Alternativ zum Hartwachs von Auro kannst du auch Carnaubawachs in Balsamterpentinöl gelöst nehmen. Das musst du aber schon beim Auftragen auspolieren, sonst hast du keine Chance mehr. Das solltest du dann aber erst üben. Nicht ganz so einfach, das Ansatzfrei hinzubekommen.

Warum mache ich das so? Zum einen bekommst du durch den mehrschichtigen Aufbau eine ähnliche Tiefe hin, wie bei einer Schellackpolitur. Wenn du beides kombinierst, fällt es kaum auf. Zweitens hast du eine gewisse Schutzschicht und das Aufarbeiten alle 2-3Jahre ist am einfachsten, nur mit dem Hartwachs. Kleine Kratzer verschwinden wieder. Spätestens wenn die Oberfläche streifig wird durch das Abwischen des Tisches, solltest du nachwachsen. Untersetzer bei heißen Schüsseln, Tassen und Tellern, Unterlagen beim Basteln, Tischsets, etc brauchst du aber trotzdem.

Gruß Michael

Du nimmst aber diesmal Lemon. Sonst wird es farblich ein Problem.
 
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flüsterholz

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Noch zur Ergänzung, meine Pause war vorhin vorbei. Aus England kenne ich noch das Wachsen nach der Schellackpolitur mit dem schon erwähnten Carnaubawachs. Alternativ mit Wachsen, die mikrokristalline Wachse beinhalten, z.B. von Chestnut oder Steinert für Drechselbedarf. Damit habe ich aber noch nicht gearbeitet. Der Auftrag soll aber einfacher sein als mit Carnaubawachs. Der Glanz wird dadurch natürlich gebrochen, ähnlich wie bei dem mehrschichtigen Auftrag von Hartöl. Also mehr so seidenmatt.
Dann gibt es, der Vollständigkeit halber, noch Beimischungen zur Schellackpolitur, in erster Linie Copal. Habe ich aber auch keine Erfahrungen mit und ich weiß auch nicht, welches Copal.
Damit du eine Vorstellung hast, wie eine Oberfläche aus Hartöl und Hartwachs aussieht, hier ein Beispiel. Von Mahagoni habe ich leider kein Foto 20211228_072924.jpg .
 

Ratsuchend

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Vielen Dank für die sehr hilfreiche und ausführliche Antwort! Ich werde es exakt wie von Michael beschrieben machen - das Ergebnis am Bild sieht fantastisch aus! Ich hatte ohnehin diesmal vor ausschließlich mit Lemon zu arbeiten (und werde den Rubin wahrscheinlich gar nicht mehr verwenden).

Nur eine Frage habe ich noch: wie lange soll das Möbelstück nach dem letzten Ölauftrag trocknen?
 

Ratsuchend

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Inklusive Gebühren waren es knapp unter 450,-. Ich war der einzige Bieter, wie so oft. Was hat man denn 2000 dafür bezahlt?
 

flüsterholz

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Wir hatten einen ähnlichen mit Delphinen im Geschäft, allerdings noch mit sternenförmigem Furnier, Fadenintarsien und kanneliertem Fuß. Restauriert knapp 9000,-DM
 
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magmog

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am hessischen Main & Köln
Guuden,

hochwertiges Hartwachsöl für Parkett,
nach Vorgabe des Herstellers angewandt.
Erfüllt 100%- zig das Anforderungsprofil und ist innerhalb kurzer Zeit belastbar.
 

Ratsuchend

ww-ahorn
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Die Preise für nicht restaurierte Antiquitäten sind wirklich im Keller. Oft übersteigt der reine Materialwert den Preis des Möbels - ein Nachbau wäre allein vom Material schon teurer.

Das ist auch einer der Gründe warum ich mich nicht von meinen restaurierten Möbeln trennen kann. Zum Einen steckt viel Herzblut in jedem Stück, zum Anderen würde ich auch nur Preise bekommen, die meiner Einschätzung nach weit unter dem tatsächlichen Wert liegen. Wobei ich mich gleichzeitig beim kaufen immer darüber freue, so niedrige Preise zu bezahlen.

Man kann heute um wenige tausend Euro barocke oder klassizistische Möbel aus Meisterwerkstätten kaufen, die um 1990/2000 den Gegenwert einer neuen S-Klasse hatten. Ich gebe es aber eine Nummer kleiner und kaufe um wenige hundert Euro Stücke, die viel Zuneigung benötigen. Bin auch kein Sammler, mir geht es um den Lernprozess beim restaurieren - nur langsam steigt die Zahl der antiken Möbel immer weiter an.
 

flüsterholz

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Ja, das ist leider so. Die Möbel werden nicht mehr gewürdigt, bzw entsprechen gerade nicht dem Zeitgeschmack. Wird sich wahrscheinlich auch wieder ändern. Ich hab letztes Jahr einen Biedermeiersekretär vor dem Sperrmüll retten können und gleich weiterverkauft. Mehr als 500€ hab ich auch nicht dafür bekommen.
Dann ist mir gerade in der Werkstatt aufgefallen, dass ich dir das falsche Hartwachs genannt hatte. Die Tischplatte hatte ich mit der Nr. 971 gemacht. Ich hoffe die Info kommt nicht zu spät.
Gruß Michael
 

Ratsuchend

ww-ahorn
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Hallo Michael,
ich habe tatsächlich gestern bereits bestellt - ist aber nicht schlimm. Kaufe ich eben nochmal dort ein. Werde bestimmt auch das 171 irgendwann verwenden.
Schöne Grüße,
Gerhard
 
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