Fragen zum Nachölen

lesepirat

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Moin. So langsam muss ich mal meine Dielen nachölen. Frage: Nehme ich das "Basisöl"? (davon habe ich noch reichlich) Oder lieber eines der teuren Refreshing-Produkte? Ich habe einmal Eiche-Öl, und Fichte-Öl mit Weißpigmenten.
 

WinfriedM

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Sag mal ganz genau, mit welchem Öl du zuerst behandelt hast. Falls mehrere Öle, dann die genau nennen. Und aus welchem Holz sind die Dielen?
 

MarcBerlin

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Und überleg Dir, ob Du nicht eine Grundreinigung machen möchtest. Wie lange ist die letzte Ölung (sic!) her?
 

lesepirat

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4Jahre. Natürlich gibt es vorher eine Grundreinigung.
Die Eichedielen sind mit Kreidezeit Fußbodenhartöl
und
die Fichtedielen mit AURO Hartöl mit Weißpigmenten geölt worden.
 

WinfriedM

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Die Eichedielen sind mit Kreidezeit Fußbodenhartöl
und
die Fichtedielen mit AURO Hartöl mit Weißpigmenten geölt worden.
Kannst du wieder mit den gleichen Ölen machen. Beide Öle dürften lösemittelhaltig sein und relativ dünnflüssig. Da funktioniert das gut für die Nachbearbeitung. Evtl. kann man noch etwas verdünnen, aber nur, wenn es sich sonst nicht so gut arbeitet.

Pflegeöle sind in der Regel etwas mehr verdünnt, damit man sich leichter verarbeiten kann.
 

MarcBerlin

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War jetzt länger nicht hier - hoffe das kommt jetzt nicht zu spät. Zum Thema Grundreinigung oder nur Nachölung: Einmal den Boden vorher wischen, gern mit Neutralseife oder auch nur mit Wasser - das nimmt sich nicht einmal viel - ist okay, um den gröbsten, leicht löslichen Dreck schon einmal weg zu haben. Eine Grundreinigung ist jedoch etwas anderes. Hier versucht man mit einem mehr oder weniger stark alkalischen Reiniger, je nach Produkt auch gern noch zusätzlich etwas Alkohol, altes Öl und Wachs sowie den darin fest sitzenden Schmutz zu lösen. Hier merkt man dann auch erstmals den Unterschied zwischen reinen Ölen und Hartwachsölen. Je mehr Wachs und insbesondere Harzanteile das Öl enthält, desto weniger lässt es sich anlösen und desto weniger bringt eine Grundreinigung.

Die Reinigung muss zwingend mit einer recht kräftigen, mechanischen Behandlung einher gehen, Das händisch zu machen bringt wirklich nahezu gar nichts. Einscheibenmaschine (aka Bohnermaschine) mit schwarzem Pad ist Pflicht. Das klappt dann und
  • entfernt Dreck, Laufspuren und ein Teil der vorigen Ölung
  • hellt den Boden auf
  • öffnet die Poren sodass neues Öl gut aufgenommen wird
Aber es gibt Nachteile und Hürden:
  • Das muss mit recht viel Wasser erfolgen!
  • Holz quillt etwas
  • schnelles und gründliches Aufnehmen der Reinigungsflotte daher unbedingt erforderlich. Das geht nicht mit irgend einem Wischmop oder Lappen.
  • Es ist mindestens ein Doppelfahreimer mit Ausdrückkorb erforderlich
  • Besser ist ein guter Nasssauger
  • Bleibt problematisch bei Böden mit großen Fugen. (Dielen, Altbau)
  • Mindestens 2 Tage Trocknung einhalten bis zur Nachölung
Was wäre die Alternative? Ein Mitanbieter hier in Berlin nennt es treffend "Ölwäsche". Geht man ohne Grundreinigung direkt mit dem Öl auf den nur grob gereinigten Boden, lösen die enthaltenen Lösemittel auch das alte Öl und den Dreck an. Das Problem ist nur, dass es auf dem Boden verbleibt, wenn man anschließend einfach nur ausbohnert Man verteilt es also nur anstatt es zu entfernen. Aber man kann einfach mit zu viel Öl arbeiten, alles gut "aufmischen" und dann mit frischen Pads das überschüssige und dreckige Öl abnehmen. Das sind zwar auch ein paar Durchgänge, ist aber unterm Strich definitiv schneller als die wässrigee Grundreinigung. Vorteile:
  • kein Wasser im Spiel
  • kein Aufquellen
  • Nur eine Bohnermaschine nötig
  • Alles in einem Durchgang ohne Wartezeit
Allerdings benötigt man dazu ein relativ dünnes, lösemittelhaltiges Öl. Wenn man den Herstellern einen Gefallen tun möchte und Geld keine Rolle spielt, nimmt man dafür einfach die zum System gehörenden Pflegeöle. Das ist in der Regel nichts anderes als das normale Produkt mit einem erhöhten Anteil Lösemittel.
Oder man holt sich das Öl mit dem höchsten Festkörper Anteil und verdünnt es für die Ölwäsche mit einem passenden Lösemittel. Das zu besorgen ist aber das nächste kleine Hindernis. Mit etwas Glück bietet der Hersteller ein zum Öl passendes an. Ansonsten liest man meinen Vortrag dazu an anderer Stelle hier im Forum. Bin tatsächlich gerade zu faul zum Link suchen ist aber nicht lange her - findet man. Die letzte Variante hat auch den Charme, dass man nach dem Aufnehmen per Pads beim letzten Durchgang noch mal pures Öl hinterher kippen kann um an der Oberfläche eben wieder so viel Festkörper zu haben, wie möglich für eine möglichst geschlossene Oberfläche.

Übrigens eignen sich die weißen Behandlungen für diese Methode besonders gut. Bei Naturölen hat sie nämlich den leichten Nachteil, dass stark beanspruchte Bereiche wie Laufstraßen, wo - speziell bei Weichholz - auch schon allerlei kleine Macken vorhanden sind, das (dreckige) Öl besonders stark aufnehmen. Dadurch bleiben die Laufstraßen weiterhin dunkler und ehrlich gesagt ist der Effekt auch bei erfolgter (wässriger) Grundreinigung sichtbar, wenn auch etwas weniger. Weiße Öl haben dagegen den Vorteil, dass sie sich zwar auch an den aufgescheuerten Bereichen stärker anlagern, dabei aber natürlich eher eine aufhellende Wirkung haben. Laufstraßen, die vorher dunkler waren, werden tendenziell heller. Das ist zwar auch nicht super homogen aber definitiv besser und schöner, als die dunkle Variante. Daher sind weißlich geölte Böden erstaunlich gut Patinafähig. Bei Weißöl würde ich auch für die Reinigung mit einem nicht pigmentierten, dünnen Öl anfangen und erst im letzten Durchgang Weißöl auftragen. (Ja, Weißöl! :emoji_stuck_out_tongue_winking_eye: - nur für Teilnehmer einer Diskussion kürzlich hier)

Für den ersten Durchgang nimmt man schwarze, zum Aufnehmen grüne und für den letzten Polish weiße Pads. Am besten die dicken "Superpads" sonst saut man die Bohnermaschine völlig ein.
Vorsicht Rutschgefahr!
Man macht das mit Schuhen, die man bitte anschließend nicht versucht zu reinigen. Einfach nur grob abwischen - eignen sich dann halt nicht mehr für den Abiball der Tochter.
 
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MarcBerlin

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Grad fiel mir noch ein, dass überhaupt der Hersteller Leinos den Begriff "Ölwäsche" geprägt hat (besagter Kollege hatte es von da). Hier ein PDF von denen, wo das Vorgehen nochmals erläutert wird und hier ein Video in grauenhafter Qualität. Das verschmutzte Öl mit eine Gummiwischer aufzunehmen ist tatsächlich besser, als meine oben beschriebene Methode die doch viele Pads kostet.
 
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