Explodierende HM-Preise?

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Habe gestern bei einem Händler für Wendeschneidplatten angefragt, ob er er noch mal 70 Stück liefern könne.

Seine Antwort:
Die Hartmetallpreise steigen im wöchentlichen Rhythmus und nehmen schockierende Formen an.
Die aktuellen Entwicklungen auf dem Werkzeugsektor, hier vorrangig das Produkt Hartmetall, führen zu bisher nie da gewesenen Preisanstiegen in immer kürzeren Zeitabständen. Alle Marktteilnehmer sind gezwungen auf Tagespreise umzustellen.
Hintergrund:
Massiver Preisanstieg: APT (Ammoniumparawolframat) verzeichnete den mit Abstand stärksten Preisanstieg aller Zeiten, was den Markt von einem zyklischen Rohstoff zu einer strategischen Ressource macht.
Knappes Angebot: Die Verfügbarkeit von Wolframkonzentrat ist begrenzt und sehr stark von China abhängig, was die Preise in der gesamten Produktionskette in die Höhe treibt.
Treiber der Nachfrage: Die Nachfrage wird vermehrt durch die Rüstungsindustrie aber auch die Halbleiterbranche, den Ausbau von Photovoltaikanlagen und die Elektromobilität getrieben.
Geopolitische Faktoren: Staatliche Eingriffe und die strategische Bedeutung führen zu einer langfristigen Neubewertung des Preisniveaus.
Kann das jemand bestätigen?
 
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inselino

ww-robinie
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Also wenn ich wetten müsste, ich würde darauf tippen, dass eine KI das geschrieben hat.
"Was den Markt von einem zyklischen Rohstoff zu einer strategischen Ressource macht". Was bitte? Wo war denn Hartmetall ein zyklischer Rohstoff und wo wird das jetzt strategisch.
"Treiber der Nachfrage: Rüstungsindustrie, Halbleiterbranche, PV und E-Mobilität" also alles, was gerade irgendiwe an größeren neuen Industriesektoren da ist? Klingt für mich nach Bullshit-Bingo.

Was sicherlich richtig ist, der Preis ist massiv gestiegen und damit ist die Begründung ja auch nachrangig. Dieses Übersicht fand ich ganz gut:
https://www.deutsche-rohstoffagentu...cdm_12_Wolfram.pdf?__blob=publicationFile&v=7
Da wird auch dargestellt wie vorallem die chinesische Drosselung der Förderquoten Auswirkungen hat.
 

Helibob

ww-robinie
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Einer der Fräser, welche ich letzte oder vorletze Woche mir rausgesucht habe (und leider noch nicht bestellt) ist der Preis (aus dem Gedächtnis) um ca. 10% angestiegen.
Antwort vom Händler finde ich trotzdem komisch unpassend, wenn dein Zitat komplett.
Da würde ich erwarten:
Menge habe ich da/zum Teil da/nicht da, aktueller Tagespreis ist
für X€, wenn Bestellung bis Uhrzeit si und so bestellt und dann ggf. der Hinweis auf gerade steigende Preise.
Gruß Matze
 

inselino

ww-robinie
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Naja die Antwort macht in sofern Sinn, dass ja vermutlich ein Angebot angefragt wurde und das eben nicht im voraus abgegeben werden kann, da sich der Tagespreis derzeit so enorm ändert.
Dennoch muss man ja irgendwann einen Preis veranschlagen. Also entweder man gibt den heutigen Preis raus und sagt Angebot gilt 24h oder man macht eben ein Angebot in Abhängigkeit vom Preis. Kann ja auch einfach pauschal was draufschlagen, so viel ändert isch in 24h da auch nicht.
 
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Hier geht es um eine Anfertigung von Wendeschneidplatten aus besonderem HM-Material, weswegen der Händler weder was vorrätig hat noch jetzt Preise aus dem Ärmel schütteln kann. Ich soll Montag ein Angebot bekommen, mal sehen ob ich das verkraften kann.
Der letzte Preis für Sonderqualität war 2,45 pro Stück netto bei 140 Platten.
 

schorsch

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Das mit den Materialpreisen halte ich für vorgeschoben. Eine Wendeplatte wiegt ja nur wenige Gramm.
Wenn das mit den Rohstoffpreisen stimmen würde, wäre ich ja reich.
Da hat sich bei mir über die Jahre einiges angesammelt. Habe aber noch nie gehört das ich dafür gute Geld bekäme.
 

inselino

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Das mit den Materialpreisen halte ich für vorgeschoben.
Das glaube ich nicht unbedingt. Die Preise haben sich ja faktisch verfielfacht. Und ich würde sagen bei so einem Fräser ist der Materialkostenanteil auch relativ hoch.
Wenn das mit den Rohstoffpreisen stimmen würde, wäre ich ja reich.
Wir spielen hier doch kein Ratespiel, das mit dem Anstieg der Rohstoffpreise ist ein Fakt den jeder nachvollziehen kann, der mal den entsprechenden Börsenpreis googelt.
Habe aber noch nie gehört das ich dafür gute Geld bekäme.
Da der Preis erst jetzt so gestiegen ist, wundert das auch nicht. Ich bin mir auch gar nicht sicher, ob man das überhaupt gut recyceln kann und es einen spezigischen Markt für Hartmetall gibt.
 

heiko-rech

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Hallo,
Da der Preis erst jetzt so gestiegen ist, wundert das auch nicht. Ich bin mir auch gar nicht sicher, ob man das überhaupt gut recyceln kann und es einen spezigischen Markt für Hartmetall gibt.
gib mal "Hartmetall Recycling" in eine Suchmaschine deines geringsten Misstrauens ein und du wirst auf Anhieb einige Anbieter finden, die für Hartmetallschrott bezahlen.
Gruß
Heiko
 

schorsch

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Wie hoch ist der Materialanteil am Endprodukt HW-Platte, - vielleicht 20%?
Wenn ich für das Kilo Hartmetall 60€ bekomme und wie geschrieben die Hartmetallplatte 50x10x2mm 5g wiegt, kann man sich ja seinen Teil ausrechnen.
Das ist wie mit der Kugel Eis, die bei uns mittlerweile 2,2€ kostet, weil die Rohstoffe so teuer geworden sind.
 

inselino

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gib mal "Hartmetall Recycling" in eine Suchmaschine deines geringsten Misstrauens ein und du wirst auf Anhieb einige Anbieter finden, die für Hartmetallschrott bezahlen.
Spannend, danke für die Info. Wie ich schrieb, ich war mir nicht sicher und hatte es jetzt auch noch nicht dediziert nachgeschaut.

Wie hoch ist der Materialanteil am Endprodukt HW-Platte, - vielleicht 20%?
Ich hätte jetzt gedacht, dass die Wendeplatten nicht HM-bestückt sind, wie z.B. Sägeblätter sondern voll aus HM gefertigt werden? Der Rest des Fräsers ist dann kein HM die Wendeplatte aber schon.

Die Rechnung sieht aber ja etwas anders aus. 60€ ist der Recycling-Ankauf. Bei normalem Stahl liegt da schon ein Faktor 7-10 zwischen Schrottpreisankauf und Rohstahlverkauf. Jetzt würde ich erwarten, dass diese Wendemesser aber nicht aus börsengehandeltem kaltgewalztem Stahl gefertigt werden, sondern da ggf. nochmal Weiterverarbeitung etc. stattfindet. der Unterschied zwischen 1t Stahlträger und 1t Ankauf Stahlschrott dürfte schon Faktor 20 und mehr auseinanderliegen.
Ich habe gerade mal geschaut, so Wendeplatten werden gepresst, gesinntert und dann geschliffen. Ich habe da keinen Einblick würde aber mal sagen, dass da schon 20-30% Material drinhängen.
Aber ich gebe dir Recht, der Preissprung an der Eisdiele lässt sich nur bedingt über gestiegene Kosten der Sahne rechtfertigen.

Ein nicht unerhebliches Problem dürfte sein, dass viele Unternehmen überhaupt keine saubere Preisstruktur haben. Die nehmen alle Mischkalkulationen und Faktoren für Marge etc. und rechnen das dann.
z.B. in der Gastro ist die grobe Faustformel Wareneinsatz x3 ist Preis des Gerichts. Wenn du also 4€ Warenmwert hast, kostet das Gericht 12€.
Wenn jetzt deine Ware doppelt so teuer wird (also 8€) dann kostet das Gericht plötzlich 24€. Obwohl Personal, Strom, Miete etc. sich gar nicht erhöht haben und es eigentlich 16€ statt 12€ kosten sollte.
Und so ist es (traurigerweise) auch bei vielen größeren Unternehmen, die einfach X% auf den Warenwert draufschlagen um ihre Kosten zu kalkulieren.
 

brubu

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Hab aktuell vom Werkzeughersteller eine Preiserhöhung angekündigt erhalten. Der HW Preis hat sich vervierfacht was bei den reinen Wendeschneiden ab Mai zu einem Teuerungszuschlag von 17% führt.

Dies als Rechenbeispiel Anteil Material/ Gesamtkosten.
 

fahe

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Deckt sich auch weitgehend mit solchen Berichten:
Super spannend finde ich den dort verlinkten Handelsblatt-Artikel, der die Entwicklung näher beleuchtet und für mich an dem Beispiel ein viel größeres Schlaglicht auf die Welt wirft.

Unter anderem stellt der ja - auch rein ökonomische Entscheidungen im Reich der Mitte zusätzlich zu den handelpolitisch gewollten Exporteinschränkungen als eine der Ursachen mit dazu. Also, für diejenigen, die den Artikel nicht lesen wollen: In China sind Subventionen gekürzt worden, was einige der Minen unwirtschaftlich machte - die damit nicht mehr am Markt aktiv sind, und das die Angebotsmenge seither zusätzlich knapper machte.

Ich fürchte, das ist ein Beispiel, an dem die Welt etwas lernen kann. Nein: Schnellstens lernen sollte - dass wir uns an vielen Stellen etwas vorgemacht haben der Westen sich an manchen Stellen in eine gefährliche Bequemlichkeit hineingerechnet hat, indem wir Dinge so quasi als gegeben betrachteten, ohne sie weiter zu hinterfragen. Und dass da mittlerweile ein paar Marktakteure an manchen Stellen die Strippen ziemlich nach Belieben ziehen können, um eigene Interessen zu verfolgen.

Dabei ist ja bspw. Chinas politischer Ansatz, bei dem von der KP gewünschten großen Sprung Richtung Weltspitze kräftig mit Subventionen nachzuhelfen, beileibe keine Neuigkeit.

Solche Entwicklungen können und/oder werden die Welt wohl noch an etlichen Stellen treffen. By the way: Mich würde auch interessieren, wie subventionsgetrieben die Preisentwicklung beispielsweise bei Photovoltaik und Co. ist.

Und bei Wolfram klingeln angesichts der Weltlage ohnehin die Alarmglocken, weil Rüstungsproduzenten Preise ihrer Produkte quasi auswürfeln können... im Gegensatz beispielsweise zu ein paar popeligen Werkzeugherstellern.

Und die Vereinigten Staaten wollen ungeachtet dieser ganzen Entwicklungen eine größere strategische Rohstoffreserve aufbauen, was die Preise weiter treiben wird. Auf der anderen Seite des großen Teichs spielen Preise aber ja auch keine große Rolle, solange man die Leitwährung in den Händen - und die Welt das Vertrauen zu der - behält. Da scheint es auch nicht so wichtig, ob zu knapp 40 Billionen Dollar Staatsverschuldung noch die eine oder andere dazu kommt. Also, solange der Strom für die Druckmaschinen reicht. :emoji_wink:

Hier ist der KrimiHandelsblattartikel.

Ok, noch einmal mit etwas weniger Sarkasmus:
Das Beispiel Wolfram zeigt, dass wir uns an zu vielen Stellen daran gewöhnt haben, strategisch wichtige Rohstoffe als jederzeit verfügbare Weltmarktware zu betrachten. Tatsächlich hängen Preise, Mengen und Verfügbarkeit längst nicht nur von Geologie und Nachfrage, sondern an Industriepolitik, Subventionen, Exportkontrollen und geopolitischen Interessen. Das ist kein Betriebsunfall des Marktes, sondern eine Realität, auf die sich westliche Volkswirtschaften viel zu lange nicht ernsthaft eingestellt haben.

EDIT: Noch zwei, drei stilistische Schnitzer korrigiert. :emoji_wink:
 
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brubu

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Die Märchen unserer einzig und allein profitgierigen Konzerne und der ihnen folgsamen Regierungen kennen wir zur Genüge, man könne z.B. Medikamentenrohstoffe bei uns nicht mehr herstellen weil zu teuer..............und weil der Profit in die Taschen weniger fliesst die Versorgung der Bevölkerung nicht mehr gewährleisten.

Der Junior einer bekannten Familie in unserem Billigland kann es https://dottikon.com/ es gäbe noch mehr Beispiele.
 

heiko-rech

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Hallo,
habe gerade mal bei feine-Werkzeuge nach den 8mm Spiralnutfräsern geschaut, die ich regelmäßig kaufe. Die sind bisher nicht teurer geworden.
Gruß
Heiko
 

DZaech

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Feine-Werkzeuge ist jetzt auch nicht DER grosse Player im Bereich VHM Werkzeuge :emoji_wink: Solange was am Lager ist wird sich das sicherlich noch nicht so richtig abzeichnen bei den kleinen Händlern.

Ganz anders sieht die Situation aber bei den Herstellern und grossen Händlern aus.
Sprich Leitz, Leuco, AKE, JSO, Oertli, etc.
Es geht momentan soweit, dass z.B. AKE bei VHM Fräsern gar keine Preise mehr rausgibt sondern nur noch tagesaktuelle Preise anbietet. Die grossen Hersteller haben jetzt in den letzten Wochen durchs Band Preiserhöhungen von 15-30% auf HM Werkzeuge angekündigt. Gestern hat grad das Infoblatt von Leuco dazu im Briefkasten gelegen.
 

VENEREA

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Ich versteh sowas trotzdem nicht.
Im Artikel steht ( 1Tonne war mal 340$ jetzt bis zu 3000$)

Ich sag mal ein VHM Fräser der 200 Gramm wiegt hatte vorher einen Material Rohwert unbearbeitet von ~6,8 Cent
und jetzt dann ~60,0 Cent

Klar da kommt noch einiges drauf, aber nur der Material Rohpreis kann es ja nicht sein.

Gruß Sebastian
 

DZaech

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Ich versteh sowas trotzdem nicht.
Im Artikel steht ( 1Tonne war mal 340$ jetzt bis zu 3000$)

Achtung, das ist eine Tonne des Ausgangsmaterials im Rohstoffhandel, nicht 1 Tonne Hartmetall :emoji_wink:

Eine Tonne Hartmetallschrott in Form von WPL oder Fräser hat aktuell rund 60-70‘000 € Ankaufswert. Und das muss dann erst mal noch recycelt (pulverisiert) werden bevor daraus neues HM gepresst und gesintert werden kann
 

DZaech

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Ich sag mal ein VHM Fräser der 200 Gramm wiegt hatte vorher einen Material Rohwert unbearbeitet von ~6,8 Cent
und jetzt dann ~60,0 Cent

Da machst du eine Fehlüberlegung, ein Feinkornhartmetall-Rohling (geschliffen, rund) in guter Qualität, z.B. 16x100mm hat auch von 2 Jahren schon rund 30-50€ gekostet, den aktuellen Preis möchte ich mir nicht vorstellen…

Nachtrag:
Hier ein bekannter Händler, 16x300mm Stange, über 200€ + 138% Teuerungszuschlag…
 

brubu

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Hab aktuell vom Werkzeughersteller eine Preiserhöhung angekündigt erhalten. Der HW Preis hat sich vervierfacht was bei den reinen Wendeschneiden ab Mai zu einem Teuerungszuschlag von 17% führt.

Dies als Rechenbeispiel Anteil Material/ Gesamtkosten.
Daher zitiere ich mich selber, die Vervierfachung des Preises führt zu einer verhältnismässig moderaten Preiserhöhung.
 
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