Einschätzung Furnierfehler

Adrian89

ww-pappel
Registriert
4. Mai 2019
Beiträge
12
Ort
Berlin
Liebe Woodworker-Community,

ich habe eine Frage zur Einschätzung eines Furnierfehlers bei einem von mir gebauten und größtenteils fertig montierten Einbauschrank. Am Ende zählt natürlich das Gespräch mit dem Kunden, allerdings wäre es eine Unterstützung vorher die Einschätzung einiger erfahrener TischlerInnen zu hören.

Beim Zuschnitt einer der Türen für die Aufsatzschränke ist mir die Platte verrutscht und das Teil zu kurz geworden. Ärgerlich natürlich. Wieder angeleimt und aufs richtige Maß geschnitten, setzt sich zwar die Maserung im wesentlich fort, doch gibts am Stoß eine feine Linie, die ungefähr einem Bleistiftstrich ähnelt. Fotos siehe unten.

Ich habe erstmal weitergebaut und geölt aber sehe eine "Das muss alles perfekt sein" gegen "Fehler passieren eben"-Diskussion aufkommen. Wie ist der Fehler objektiv zu bewerten? Was sagt ihr? Ein Detail das hingenommen werden muss, oder ein Mangel, der in Neubau oder Preisreduktion resultieren sollte?

Noch kurz ein paar Infos zum Schrank: Kirschfurnier auf Spannplatte 20mm, geölt; 80cm Türen mit Spezialbändern, Korpus aus Sperrholz. Die Platten wurde von einem spezialisierten Tischler furniert.

Meine Arbeit führe ich als freiberuflicher Quereinsteiger aus Maschinenbau und Kunst kommend aus. Bitte von der bekannten Meisterzwang-Diskussion abzusehen, die wichtig ist, mir hier aber nicht unmittelbar weiterhilft.

Herzlichen Dank für jeden hilfreichen Beitrag,
Adrian


Stoß1.jpg

Schrank1.jpg
 

Mitglied 59145

Gäste
Ist extrem ärgerlich bei so einer Abwicklung.
Es geht um die untere Kante an der oberen Tür?

Ich habe schonmal so eine Abwicklung ersetzt, wegen eines ähnlichen Fehlers. Der Kunde ist dem Betrieb heute noch treu und sorgt für ordentlich Umsatz. Da hat es sich gelohnt.

Ich kann es nicht beurteilen, als Kunde würde es mich ziemlich stören. In der Regel sehen die das ihr Leben lang, bei so einem Schrank.

Gruss
Ben
 

carsten

Moderator
Teammitglied
Registriert
25. August 2003
Beiträge
20.752
Alter
52
Ort
zwischen Koblenz und Wiesbaden
Hallo

wenn noch was da ist von dem Furnier hätte ich erst gar nicht weitergebaut sondern ein Teil Oben / unten neu furniert und evtl eines nachgerückt damit eine evtl Abwicklung wieder stimmt.
Ärgerlich aber nur wer nix schafft kann auch nix falsch machen. Ähnliche Mißgeschicke haben wir alle hinter uns.
Wenn nix mehr oder nix mehr passendes übrig ist vom Furnier hätte ich gleich alle Türen gekürzt und notfalls auch den Schrank. Ist zwar ne ...
Arbeit erspart aber Erklärungsversuche beim Kunden, oder Preisnachlässe. Denn eines ist klar sehen wird man das immer.
Auch wenn der Kunde evtl mit preisnachlaß usw einverstanden ist, ein Beigeschmack bleibt immer.
Hab das mal verschoben in die Profi Rubrik.
 

predatorklein

ww-robinie
Registriert
24. März 2007
Beiträge
8.347
Ort
heidelberg
Hallo

Hätte mir da auch was überlegt , als der Schrank noch in der Werkstatt stand .
Vor allem deshalb , weil bei Preisnachlässen die werte Kundschaft teilweise Vorstellungen hat , die Lichtjahre von der Realität entfernt sind :emoji_thumbsdown:

Wie schon gesagt wurde sieht man sowas immer .
Und kuckt auch drauf , weil man weiß , worauf man kucken muß :emoji_frowning2:

Gruß
 

magmog

ww-robinie
Registriert
10. November 2006
Beiträge
15.618
Ort
am hessischen Main & Köln
Guuden,

so etwas darf NIE NIE NIEMALS ausgeliefert werden!
Niemand hätte es bemerkt, wenn der Sockel unten oder die Passleiste oben
5 mm breiter geworden wären, bzw. Halbe/Halbe, oder der Aufschlag der Türen etwas größer.

Ich würde dem Kunden erklären, dass die oberen Türen zur Nacharbeit in die Werkstatt müssen,
die dann unten entsprechend nachschneiden, vorsichtig bekanten und mit dem Ballen ölen.
Die Montageplatten entsprechend tiefer setzen.

Blos den Kunden das Tiefersetzen nicht mitbekommen lassen, und das Nachschneiden
gekonnt umschreiben, (geniale Restaurationsarbeit eines Könners oder so)
 

Holz-Christian

ww-robinie
Registriert
30. September 2009
Beiträge
5.816
Alter
49
Ort
Bayerischer Wald
Servus, die Kollegen haben’s ja schon geschrieben, das ist so eigentlich nicht tolerierbar.
Hol die oberen Türen noch mal ab , kürze sie entsprechend und Leime Furnierkanten an.
Montageplatten der Topfbänder dürften sich nach Ausleimen der alten Löcher unsichtbar entsprechend tiefer setzen lassen.
Viel Glück, Christian
 

Adrian89

ww-pappel
Registriert
4. Mai 2019
Beiträge
12
Ort
Berlin
Herzliche Dank für Eure Beiträge!

so etwas darf NIE NIE NIEMALS ausgeliefert werden!

Ja, vorhin beim Schreiben habe ich mich auch gefragt wieso ich das nicht früher angegangen bin.

Ich stimme Eurem Feedback zu, der Makel bleibt und begrenzt die Freude am Schrank.

Kürzen ist leider nicht drin - die Aufsatzschränke sollen genau die halbe Höhe der unteren Schränke haben, damit nach einem eventuellen Umzug in eine Wohnung mit nierdrigerer Decke modular umdisponiert werden kann.

Vom Furnier gibts beim Händler noch ein paar Blatt. Wenns passt würde ich die entsprechende Tür (im Gesamtfoto obere Reihe, Zweite von rechts) beidseitig neu furnieren lassen und ölen. Die Teile des Schranks haben jetzt einen Monat Licht bekommen und sind nachgedunkelt, wie lange denkt Ihr braucht das um sich anzugleichen? Irgendwelche Stolpersteine bei dieser Methode, die ich beachten sollte?

Besten Gruß, Adrian
 

magmog

ww-robinie
Registriert
10. November 2006
Beiträge
15.618
Ort
am hessischen Main & Köln
Guuden,

bei der Lichtempfindlichkeit von KB schwierig, aber Versuch macht klug.
Notfalls das neue Teil in die Sonne stellen, aber ständig kontrollieren,
KB wird ratz-fatz dunkler.
Nur den Maserverlauf musst Du vorher noch hinbekommen.
 

Kunstbohrer

ww-robinie
Registriert
14. März 2013
Beiträge
1.591
Ort
Niederbayern
Servus,
da ist das Kind wohl schon in den Brunnen gefallen :emoji_frowning2:
Ich würde sagen da hilft wohl nur abholen und neu furnieren.
Wenn kein passendes Furnier mehr da ist, alles neu furnieren.
Anschließend sich bei der Kundschaft für die Unannehmlichkeiten entschuldigen.
 

brubu

ww-robinie
Registriert
5. April 2014
Beiträge
7.091
Ort
CH
Servus,
da ist das Kind wohl schon in den Brunnen gefallen :emoji_frowning2:
Ich würde sagen da hilft wohl nur abholen und neu furnieren.
Wenn kein passendes Furnier mehr da ist, alles neu furnieren.
Anschließend sich bei der Kundschaft für die Unannehmlichkeiten entschuldigen.

Das wäre jetzt der GAU. Grösster anzunehmender Unfall. Ich sehe es ähnlich, lieber Zeit in eine gute Arbeit investieren als in unnötige
Diskussionen mit den Kunden. Ich habe sehr selten Probleme mit Kunden, löse Missgeschicke jeweils möglichst in der Werkstatt und frühzeitig.

Es ist wie mit Massivholz nach dem Hobeln, wenn es da schon nicht mehr stimmt, besser das Teil neu machen. Solange noch nicht viel Zeit
und Geld verloren ist.

Die Kunden sind bei uns sehr tolerant wenn man zu den eigenen Fehlern steht und die in Ordnung bringt. Sie schätzen das und empfehlen
uns weiter.

Gruss
 
Oben Unten