Noch mal hierzu…
ca. 100m² Fichte Dielenboden sollen gebürstet werden
Ich bin auch eindeutig Fraktion "vorher bürsten"! Und ich bin nicht ganz frei von Erfahrungen mit der Aufgabe. Die Vorteile sind:
- deutlich angenehmeres Arbeiten im Stehen, einen gut eingerichteten Arbeitplatz mit soliden Böcken und genügend Raum zum Hantieren vorausgesetzt
- aufgrund des viel systematischeren Ablaufs auch deutliche Zeitersparnis, obwohl man etwas Verschnitt mitbürstet
- gleichmäßige Behandlung bis an die Ränder. Verlegt kommt man nicht bis ganz an die Ränder, und da das Bürsten zwangsläufig in Faserrichtung erfolgen muss, wird es am Boden immer Bereiche geben, die man nicht oder schlecht erreicht.
- man kann beim Bürsten der Dielen ein wenig auf die Kanten achten und diese dur Kippen der Maschine mitbürsten. Das ist ratsam, um dort zum einen Splitter zu vermeiden und auch um Höhenunterschiede zu "vermauscheln"
- auch die Kontrolle der Intensität und der Gleichmäßigkeit der Bürstung, die wirklich wichtig ist, geht viel besser, wenn man das Werkstück im Stehen und bei guter Beleuchtung vor sich hat.
Unterm Strich würde ich sogar sagen, dass die Idee, das am Boden zu machen, recht abwegig ist.
Bedenke auch, dass Du es bei Fichtedielen (Nenn uns doch mal den Preis pro qm) mit sog. "Hobeldielen" und zu tun hast, die in der Regel noch nach der DIN 4072 gefertigt werden und damit nicht unerhebliche geometrische Toleranzen aufweisen dürfen (Stärke, Breite, Lage der Nut), welche normalerweise durch einen abschließenden Schliff egalisiert werden. Da dieser bei Deinem Vorhaben wegfällt, müssen die Kanten recht rund sein (gefast sind sie in der Regel ab Werk), was was sich auch mit der Bürste bewerkstelligen lässt.
danach Weißöl oder Seife.
Das ist eine gute Idee! Und zwar die Seife eher als das Öl. Beim Öl ist der Einsatz einer Bohnermaschine unerlässlich (zumindest wen man es richtig machen möchte). Deren rotierende Arbeitsweise ist aber am gebürsteten Boden ungünstig. Mit der Seife machst Du es zu einem einfachen und stimmigen "Low-Tech" Projekt. Und die Ersparnis durch das Wegfallen des Schliffs und der auch etwas aufwändigeren Ölung kompensiert den Mehraufwand des Bürstens. Und wie Du richtig sagst: Du nimmst die ersten Macken vorweg und hast einen Boden, der deutlich unempfindlicher ist, als ein glatt geschliffener. (Wobei ich dennoch Kiefer statt Fichte gewählt hätte)
Also auch nur "leicht" bürsten, damit der Boden nicht so spiegelnd aussieht...
Genau. Daher will auch die
Wahl der Bürste gut überlegt sein. Auf der Fichte kannst Du jede Drahtbürste vergessen, selbst Messing, wie ich finde (zumal die auch schnell alles schwärzt, wenn man nicht aufpasst).
Nylon ist das Material der Wahl. "Walzenbürste Nylon K80" wäre der Suchbegriff für die passenden Produkte. Rechne mit >100€, aber die Standzeit ist enorm: Die 100qm Fichte macht die locker mehrmals.
Und schließlich zur
Maschine. Das Thema hatten wir
hier im Dezember '24 schon mal kurz am Wickel. Der Klassiker, der
Makita 9741 könnte für das Projekt mit seinen 850W tatsächlich etwas überfordert bzw. zu langsam sein. Ideal wäre der Festool Rustofix, den man ja leider nur noch
gebraucht findet. Ich habe mir daher den
Eibenstock ESM 1311 angeschafft. Das Ding ist nicht ganz so ein Monster wie der Rustofix aber mit 1.300W deutlich kräftiger, als der Makita, bei etwa gleichem Gewicht. Wichtig ist, eine Maschine mit
justierbarer Rollenführung vor und hinter der Walze zu nehmen. Auf Holz und erst recht auf der weichen Fichte erzielt man nur so ein gleichmäßiges Ergebnis. Als "Satinierer" (zum Satinieren von Stahloberflächen) gibt es noch allerlei billige Geräte, die solch eine Führung nicht aufweisen und fürs Satinieren auch nicht benötigen. Wenn der Sparfuchs also meint, mit so einem Parkside- oder Scheppach-Teil für gut 50€, könne er ganz pfiffig sein Holz strukturieren, dann hat ihm mal wieder sein Geiz ein Projekt versaut (woran er ja gewöhnt sein dürfte
Unten noch meine mittelgroße Aufgabe für den Eibenstock Schleifer: Deck Eiche, sägerau per Bürste "homogenisiert und entfranst"
Bürstung erfolgte wegen optimaler Zugänglichkeit tatsächlich nach der Verlegung. Die 25qm waren in ca. 2 Stunden sehr gründlich gebürstet
