Damaszener-Stahl

Lico

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Ich bin ein großer Freund von schönen Katalogen und ich hab auch ein Faible für gut gestaltetes Werkzeug. Grade zu dieser Jahreszeit schleiche ich um japanische Stecheisen rum. Ich kann mich an diesen high end Eisen überhaupt nicht satt sehen, die natürlich völlig außer meiner Reichweite sind. Allerdings frag ich mich auch, ob Damaszner -Stahl für Stecheisen überhaupt sinnig ist.
Laminate aus spröderem Stahl mit höherem Kohlenstoffanteil für die Schneide und zähem Stahl mit niedrigerem Kohlenstoffanteil leuchtet mir ja ein. Der harte Stahl sorgt für die Schärfe und die Standzeit, der zähe Stahl sorgt dafür, dass die Dinger nicht gleich abbrechen.
Bei den Eisen aus D-Stahl, die ich in den einschlägigen Katalogen gesehen hab, liegen die typischen, vielen Schichten mehr oder weniger orthogonal zur Schneide, das mag für ein Schwert sinnvoll sein, aber für ein Stecheisen scheint mir die Lösung dysfunktional. Ich hab dann ja in der Schneide immer abwechselnd Schichten mit niedriger und höherer Standzeit. Angesichts des exorbitanten Preises für diese Eisen, wo liegt da der tiefere Sinn?

Lico
 

mannimmond

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Das frage ich mich schon lange. Früher - als das entwickelt wurde - gab es nichts besseres. Doch heute gibt es mehr als genügend geeignete Legierungen, die den Damast (da muss es auch gigantische Unterschiede geben - abhängig davon welche Stähle als Basis verwendet werden) vermutlich in den Schatten stellen.

Aber er sieht toll aus. Ich persönlich sehe keinen Grund, den Aufpreis dafür zu bezahlen. Ich benutze ordentliche Eisen von Kirschen und MHG, ich wüsste nicht, was ein 5x so teurer HighEnd Beitel besser können sollte. Gerade bei den MHG bin ich immer wieder erstaunt, wie lang die Stand Zeiten sind. Ich liebe gutes Werkzeug, aber das Geld kann ich besser für anderes Werkzeug verwenden.
 

IngoS

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Hallo,

Für die Qualität einer Stemmarbeit ist zu über 95 Prozent der Handwerker und nicht das Stecheisen verantwortlich.
So gesehen wird die Arbeit auch nicht besser, wenn man mit einem, ohne Frage schönen und wertvollem Stechbeitel, arbeitet.

Gruß Ingo
 

Lico

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Ich hab die Geschichte schon mal erzählt. In meinem Lehrbetrieb haben die Lehrlinge immer die runter gearbeiteten Eisen der Gesellen übernommen, wenn die neue bekommen haben. Die waren dann noch so vier fünf Zentimeter lang. Wir haben die Gesellen um ihre schönen neuen langen Eisen beneidet.
Als ich dann fertig war, bekam ich auch schönes neues Werkzeug. Da hab ich dann erstmal gemerkt, wie unpraktisch die langen Eisen sind. Ich hab noch lange meinem wunderbaren Lehrlingswerkzeug nachgetrauert.
Als ich das erste Mal diese japanischen Eisen gesehen hab, hat mich das an mein Lehrlingswerkzeug erinnert, wie funktional die sind.
Aber eben Damaszener Stahl halte ich für nur mittelschlau und bei den laminierten Eisen bin ich mir nicht sicher.
Ein echter Bedarf besteht bei mir eigentlich nicht. Meine alten Matador Eisen mit den guten Vulkanfiber-Griffen sind immer noch tiptop.

Lico
 

Lorenzo

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Ich hab mich ein weinig mit japanischen Werkzeugen beschäftigt, und hab auch einige zuhause. Ich hab keinen besonders teuren Stemmeisensatz, ich hab quasi den ersten der handgeschmiedet ist. Einfach weil ich auch die Arbeit eines Individuums schätzen will. Das ist für mich schon was anderes als ein (auch sehr gutes) Stemmeisen aus der maschinellen Massenproduktion.

Ich war auch schon bei Dictum im Ladengeschäft und hab die 1500€ Stemmeisen gesehen. Schon schön! Aber viel zu teuer.
https://www.dictum.com/de/japanisch...omi-stemmeisen-blattbreite-9-mm-718950?c=2812
Also dass japanische Schwerter das Muster haben dass sich durch die einzelnen Lagen ergibt aus denen das zähe Eisen besteht, liegt daran, das über das mehrfache Falten mehrere Dinge erzielt werden: Unreinheiten aus dem Stahl ausschmieden, das Gefüge homogener machen, und den Kohlenstoffanteil steuern. Es ist also nicht zwangsläufig gut besonders viele Lagen zu erzeugen. Ein guter Schmied weiss wann er den richtigen Stahl erzeugt hat für die Verwendung.
Dieser weiche Stahl wird auf den harten Stahl aufgebracht. Die Lagen des Weichen dürfen nicht in den Klingenbereich hineinreichen, dort wäre die Schärfe nur von sehr kurzer Dauer. Und gleiches gilt natürlich auch für die Stemmeisen.
Bei diesen sündhaft teueren reicht der gefaltene Stahl definitiv nicht in den Schneidenbereich rein, das würde ein lausiges Stemmeisen ergeben.

Ein Stemmeisen durchgehend aus Damaszenerstahl macht nur dann Sinn, wenn beide verwendeten Stähle, einzeln für sich, gut für Stemmeisen zu gebrauchen sind. Also nicht nur für die Schneidlage, oder nur den zähen Stahl. Wenn man zwei gleich gute, aber unterschiedlich farbige Stähle verwendet kann man auch ein Damaszener Stemmeisen machen dass keinen Nachteil hat durch die Optik.
Hat da jemand mal nen Link?

Und klar is viel erfolgreiches Marketing und haben wollen dabei bei so teuren Werkzeugen. Ich kann auch durchaus verstehen dass das manche belächeln. Ich finds zum Beispiel völlig daneben n Haufen Geld für n Auto auszugeben :emoji_wink:
Aber ein zwei Dinge sind einfach anders bei japanischen Stemmeisen. Ich mag die deutlich kürzere Form des Griffes und der Klinge. Is für mich einfach ergonomischer. Und der zweite Unterschied ist die erziehlbare Schärfe und die Schärfbarkeit durch den Aufbau aus zwei verschiedenen Stählen. Die Schneide lässt sich mit einem Wasserstein einfach und schnell extrem gut schärfen. Manche schwören ja auf sehr alte europäische Stemmeisen. Die sind dann übrigens häufig ebenfalls zweilagig, und mit kohlenstoffreichem, niedrig legierten und nicht rostfreien Stahl gemacht. Hier wurde dem Materialangebot genauso begegnet wie in Japan. Dass die japanischen Schmiede es weiter getrieben haben liegt einfach an dem Geld dass die Samurai für ihre Schwerter ausgeben konnten.

Dass es heute Monostähle gibt die gute Eigenschaften haben ist klar, ich bin aber der Meinung dass die japanische Bauform immer noch einen sehr ausgewogenen Kompromiss darstellt. Und der muss immer gefunden werden.

Richtig ist natürlich auch was Ingo sagt. Der Handwerker hat den Hauptanteil. Aber wenn er lieber und anders mit seinem Werkzeug arbeitet weil er es einfach wirklich gerne benutzt, dann werden die Ergebnisse auch besser. Gratulation wenn man das nicht braucht, ich kann mich davon nicht befreien und sehe auch keinen Grund dazu.

Es wird so viel Schrott produziert den es nicht geben sollte, da braucht man sich nicht rechtfertigen wenn man ne kleine Werkzeugmacke hat :emoji_wink:
 

Lico

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@Lorenzo Du hast für mich das Mysterium geklärt, warum das mit dem D-Stahl bei Stecheisen funktioniert, danke dafür. Ich kenn die ja nur aus dem Katalog und da kann man das nicht so sehen.
Ich hab ja nun Hobeleisen aus laminiertem Stahl. Da ist die größere Härte der Schneidlage aufgrund der kontrollierten Führung nicht so ein Problem. Ich hab keine Erfahrung mit derartigen Stecheisen. Macht sich die sprödere Schneide irgendwie in Form von Ausbrüchen negativ bemerkbar?
Ansonsten bestätigst Du meine Vermutung, dass die handlicher sind als europäische Eisen. Ich hatte auch die handgeschmiedeten Eisen aus laminiertem Stahl ins Auge gefasst. Es gibt da unterschiedliche Stähle in der Schneidlage. Solche mit blauem und weißem Papierstahl. Wo ist der Unterschied? Ich weiß nur, dass Papierstahl typischerweise für Rasiermesser verwendet wird.

Lico
 
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magmog

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Guuden,

Vorsicht, nicht alle was nach Damaszener aussieht ist auch Damaszener!
Mittels eines einfachen Ätzverfahrens kann man leicht eine D-Optik imitieren.
..und bereits zu Zeiten, als D-Stahl als sensationell betrachte wurde,
gab es in anderen Teilen der Welt vergleichbares.
 

IngoS

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Hallo,

die japanischen laminieren Eisen werden üblicher Weise mit größerem Keilwinkel (30 Grad) angeschliffen, um die Bruchgefahr der spröderen Schneide zu verringern.

Gruß Ingo
 

yoghurt

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Hallo,
ohne dass ich es jetzt extra heraussuche. Einer meiner Azubis brilliert mit kurzen Stemmeisen von MHG. Dank der größeren Seitenfase lassen sich insbesondere Schwalbenschwanzverbindungen sehr gut mit diesen handlichen Eisen herausarbeiten.

Aber ich gönne jedem sein Werkzeugvergnügen! Wenn es dann D-Stahl sein muss....
 

ChrisOL

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Moin,

Ich wage mich mal aus der Deckung. In meinem Fundus gibt es mehr Eisen wie ich gebrauchen kann. Kirschen, Stubai, div japanische Eisen, HSS Eisen, MHG und Veritas mit pulverlegiertem Stahl.

Ein Damaszener Eisen ist jedoch nicht dabei.

Die japanischen Eisen aus Weißpapier Stahl werden wirklich sehr einfach scharf. Die haben eine große Härte, sind aber leider auch sehr spröde. Da bricht schnell etwas an der Schneide aus.

Die MHG Eisen sind gut. Müsste ich mir heute neue kaufen, dann würden es MHG Eisen mit Seitenfase.

Kirschen gefällt mir nicht.

HSS ist mies zu schärfen, das ist für derbe Arbeiten.

Am liebsten sind mir die Veritas Stemmeisen. Die Standzeit ist top, man ist mit dem schärfen schnell fertig und die Seitenfasen sind hilfreich bei Zinkenverbindungen.
Wenn man die Spiegelseite ein paar Mal abgezogen hat, werden die Seitenfasen sehr scharf. Da muss man aufpassen.
Nachteil, am Arsch zu teuer.
 

Lorenzo

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Die Begrifflichkeiten sind oft nicht richtig verwendet. Also ich kenn kein Stemmeisen aus Damaszenerstahl. Das wäre für mich ein Eisen so wie ich es oben beschrieben habe.
Ein Damaszenerstahl ist eigentlich ursprünglich eine ähnliche Variante wie der japanische Zweilagenstahl. Nur dass hier direkt beide Stähle viellagig feuerverschweisst werden. Oft noch tordiert und ähnliches um bestimmte Muster zu erzeugen. Man hat dann eine Kombination der Eigenschaften beider Stähle, aber nicht den Vorteil dass die gesamte Schneide ausschließlich aus dem harten Stahl besteht.
Damaszenerstahl wurde von den Kelten schon geschmiedet, generell war er in Europa immer wieder für einige Dinge üblich. In Indien gabs den sogenannten Wootz Stahl, In Malaysia wurden Kris aus Damaszenerstahl geschmiedet. Eigentlich hat sich der Verbundstahl überall entwickelt wo das Schmieden über einfachste Gegenstände hinaus ging. Das Ausgangsmaterial war oft einfach grottenschlecht und schlicht zu unterschiedlich in seinen Eigenschaften.

Die die ich kenne sind entweder aus einem Monostahl gemacht, so wie die europäischen Eisen, oder auch die von Lie Nielsen und Veritas. (@ChrisOL du hast die PM-V11 Variante von Veritas oder?)

Oder als zweite Variante eben aus zwei verschiedenen Stählen feuerverschweisst. Da hat man eine harte Lage Stahl für die Schneide. Und eine Weiche die das Eisen vor Bruch schützt. Der Weiche Stahl kann dann wiederum aus unterschiedlichen Stählen gemacht sein um ein schönes Muster zu zeichnen. Es kann auch ein Stahl sein der durchs falten und darauf folgende feine Schleifen und Polieren auch eine Zeichnung trägt.

Der weisse Papierstahl ist sehr reiner Kohlenstoffstahl, sehr gut härt- und schärfbar. Nicht rostfrei (was wirlklich völlig egal ist, wem die teueren Stemmeisen verrosten hats nicht anders verdient :emoji_wink: )

Der blaue hat noch ein zwei andere Legierungsbestandteile, ist etwas zäher, demzufolge aber nicht so gut zu schärfen und auch nicht die selbe Standzeit wie der weisse.
Ob das in der Praxis sehr viel ausmacht... Wohl nur wenn es in den Grenzbereich geht, und man auch gut genug schärfen kann und dies tut um den Grenzbereich auszuloten.

Die japanischen Stemmeisen sollten immer sauber mit dem Hammer getrieben werden, oder schälend verwendet werden, man sollte wirklich nicht hebeln. Wenn man das verinnerlicht gibts keine Probleme, ich hatte noch nie einen Ausbruch an der Klinge. Wenn man sich angewöhnt hat in ein Zapfloch erstmal reinzuhämmern, um dann ein bisschen in den Spänen zu rühren sind die japanischen nicht zu empfehlen. Disziplin wird belohnt :emoji_slight_smile:

Ich hab ja gerade erst einen Satz europäischer Stemmeisen hier verkauft.
-Hab nen Satz japanischer HSS Eisen
(den hab ich aus der Angst heraus gekauft mit den klassischen japanischen nicht klar zu kommen wegen der Bruchanfälligkeit. Zu unrecht wie ich nun merke. Wie Chris schon schreibt, die sind ein bisschen schwieriger zu schärfen, mit nem Diamanten gehts gut. So scharf wie die klassischen japanischen bekommt man sie definitiv nicht! Die Grundform war mir aber schnell klar, ist mir am liebsten. Kurzes Eisen, kurzer einfacher Griff, ich führ die Eisen eigentlich immer sehr nah an der Schneide, und wenn dann 30cm Stemmeisen noch oben kucken ist es einfach viel anstrengender für die Finger das Eisen sauber zu führen.)
-und einen handgeschmiedeten mit Weissem Papierstahl. Das sind meine Alltagseisen. 6 Stück haben ungefähr 200€ gekostet. Da sind die europäischen die mir gefallen, sowohl optisch, als auch ergonomisch, nicht billiger. Lie Nielsen, Veritas auch die Tülleneisen von MHG (die auch noch Zimmereeisen sind) sind teurer. Die alten Stanleys nicht zu kriegen.

Qualitativ gibts eigentlich keine besseren als die die ich genommen hab. Der Stahl is bei den teuersten auch kein anderer, man bezahlt "nur" noch die aufwändigere Arbeit des Schmiedes, und dafür reicht einfach mein Budget nicht, und ich fänds auch bisschen affig. Schön sind sie, und es steckt echte Handwerkskunst drin. Wenn ich im Lotto gewinn flieg ich nach Japan und lass mir welche machen :emoji_wink:

Ich persönlich musste alle Varianten ausprobieren um zu dem Schluss zu kommen. Ich hab nicht direkt mit den japanischen angefangen. Mir machen die insgesamt, von der Ergonomie, vom Schärfen und der erreichbaren Schärfe, und nicht zuletzt auch von der Ästethik einfach am meisten Spaß. Dass sie Handarbeit sind, mit der ich Handarbeit mache, ist auch einfach schön!
 
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ChrisOL

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Veritas. (@ChrisOL du hast die PM-V11 Variante von Veritas oder?)

Ja, genau, das sind die PM-V11 Eisen. Die werden benutzt für Verbindungen im Möbelbau, von oben bekommen die einen selbstgebauten Messingklüpfel drauf geschlagen.

IMG_3038.jpg IMG_3039.jpg


Die japanischen Stemmeisen sollten immer sauber mit dem Hammer getrieben werden, oder schälend verwendet werden, man sollte wirklich nicht hebeln. Wenn man das verinnerlicht gibts keine Probleme, ich hatte noch nie einen Ausbruch an der Klinge. Wenn man sich angewöhnt hat in ein Zapfloch erstmal reinzuhämmern, um dann ein bisschen in den Spänen zu rühren sind die japanischen nicht zu empfehlen. Disziplin wird belohnt :emoji_slight_smile:

Das klingt bei dir nach Erfahrung, die habe ich auch gemacht, ich bin dann wohl eher der Rührer :emoji_wink: Daher mag die japanischen nicht so gerne. Die Schärfe ist aber wirklich hervorragend, rasieren oder Papier schneiden geht mit keinem anderen Eisen besser.
 

Hortus

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Hallo Lico. Ich war bisher nur Trittbrettleser in diesem Forum . Aber zu den Damaststecheisen kann ich was sagen und habe mich deshalb angemeldet. Vor ca. 10 Jahren habe ich auf einem Mittelaltermarkt einen Händler gesprochen der Damastmesser aus Fernost importierte. Der hatte zwei Stecheisensätze aus einem wilden Damast machen lassen. Einer war bestellt worden, der andere als Muster. Sah toll aus. Etliche Zeit später traf ich den darstellenden Handwerker der den bestellt hatte. Auf meine Frage wie sich die beiden Stähle im Schnitt verhalten würden bekam ich sinngemäß die Antwort ganz i.O.. Aber für fein und hart nähme er seine Eisen von Kirschen.

Falls du sowas haben möchtest frag mal Klaus Hülsmann aus DO https://seelenstahl.de/ . Der verarbeitet Werkzeugstähle zu Damast. Wenn dann grüß bitte vom Löffelschnitzer. Habe bei ihm eine Damastklinge für das Wikingermesser meine Frau machen lassen.

Schöne Restwoche noch

Hans-Jürgen
 

Lico

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Nicht, dass das falsch verstanden wird, ich will keine Eisen aus D-Stahl. Aber die japanische Form hat es mir angetan. Mir hat der Sinn hinter der Verwendung von D-Stahl nicht eingeleuchtet. Das ist aber ja inzwischen geklärt.

Lico
 

Keilzink

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... wenn Dictum oder wer auch immer, Damaszener Stahl anbietet, dann treiben sie dasselbe Spiel, wie der Möbelhöker, der "Wildeiche" anbietet. Den im Altertum bekannten Damaszener Stahl kann man heute nicht mehr herstellen, das Verfahren ist unbekannt, es gibt viele Spekulationen dazu, aber kein umsetzbares Verfahren.

Was da angeboten wird, heißt technisch gesehen eigentlich Lagenstahl oder Schweißverbundstahl.
Ob die Verwendung solcher Stähle bei Stecheisen einen Vorteil für den Handwerker bringt, kann ich nicht beurteilen. Dem Händler, der ihn unter der irreführenden Werbebezeichnung vertickt, bringt er garantiert einen Vorteil.

LG, Andreas
 

Dietrich

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Hallo,

hier die Fertigung eines Damaststahl Messers, bei etwa Min.: 4:00 sagt der Schmied worauf es ankommt, 112 Lagen treffen in 1mm Schneidenstärke zusammen:
Bei Mora Kniv früher bekannt unter dem Namen Frosts gibt es einige Messer die eine Zwischenlage aus Kohlenstoffstahl umgeben von elastischerem Stahl, hier wird gezielt der kleine Bereich der Schneide aus dem schnitthaltigem Stahl vorgesehen:

Mora Kniv ist ein Massenproduzent im mittelschwedischen Mora der zu erstaunlich günstigen Preisen gute Gebrauchsmesser liefert.

Ob diese beiden verschiedenen Fertigungsarten übertragbar auf Stechbeitel sind, bleibt mir ein Rätsel.

Gruß Dietrich
 

pedder

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Ich habe zwei japanische Stecheisen, bei denen die weiche Lage aus Stahl besteht, der wie Damaszenerstahl aussieht:
https://www.feinewerkzeuge.de/ioroy-chisels.html eins davon hatte ich bei einem Treffen gewonnen, das andere habe ich mir nachgekauft. Tolle Eisen.

Dann habe ich gesehen, dass es bei Dictum Eisen des herstellers mit weicher Lage aus ganz normalem Stahl gibt.
https://www.dictum.com/de/japanische-form-baba/chu-gata-nomi-stemmeisen-blattbreite-3-mm-710160
Davon habe ich jetzt auch eins. Ich bin nicht feinfühlig genug, um den Unterschied zu erkennen.
 
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Lico

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Das ist Quatsch. Die Schneide besteht aus einem einlagigen Stahl, in meinem Fall "weißer Papierstahl"
Ja, das ist bereits geklärt. Was aber auch klar ist, ist dass die Verwendung des D-Stahls keinen Einfluss auf die Funktionalität des Eisens sondern rein dekorativen Charakter hat.

Lico
 

Lico

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Ich hab übrigens inzwischen herausgefunden, dass das nicht weißer/blauer/silberner Papierstahl ist sondern Weiß-/Blau-/Silberpapier Stahl. Die Begriffe leiten sich ab von dem Papier in dem die Rohstahl-Stücke verpackt waren bzw. evtl. sind. Was ich wiederum noch nicht herausgefunden hab.

Lico
 

marcus_n

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@Keilzink : Ich habe das noch etwas anders in Erinnerung, das ist aber leider schon knapp dreissig Jahre lang her.
In Wikipedia steht, man wüsste nichts mehr über das Verfahren zur Herstellung von Damaststahl.
Damaststahl ist relativ gut erforscht, es gibt tatsächlich noch einige alte Referenzobjekte. Allein der Weg zum Endergebnis ist nicht mehr bekannt oder dokumentiert.
Es gibt in Deutschland zwei Messergroßhändler, die im Großen und Ganzen den deutschen Markt bestimmen. Das sind Herbertz und Haller. Die vertreiben sowohl Eigenmarken, als auch Fremdmarken aus aller Welt. Wer nicht über die beiden verkauft ist entweder eine kleine Manufaktur oder hat nur regionale Bedeutung.
Beide Großhändler bieten zwei Arten von Damast an: Mehrlagenstahl (abgestuft, 16, 32, 64, 128, 256, 512 Lagen und geätzt.) Die Ätzung tut nur so als ob, es ist einfacher Einlagenstahl.
Tatsächlich ist der Mehrlagenstahl vielfach gefaltet, hat aber mit Damast nicht viel zu tun, weil man die original Rezepturen und Härteverfahren nicht mehr kennt. Soweit so gut. Entscheidend ist da wohl die Zugabe verschiedener Stoffe während des Schmiedevorgangs.
Es gibt aber mindestens einen englischen Waffenschmied, der sowohl für Filmproduktionen, als auch für die Experimentalarchäologie tätig ist. Und der hat in jungen Jahren bei einem japanischen Schmied eine Technik erlernt, die, angeblich, nahezu identisch zu den traditionellen Damastschmiedetechniken ist. Mir sind noch zwei tschechische Schmiede bekannt, die ähnliche Stähle hergestellt haben, mittlerweile aber in Rente sind.
Das besondere an alten Damaststählen, waren ihr geringes Gewicht, die hohe Schnitthaltigkeit, die gute Schärfbarkeit bei gleichzeitig hoher Flexibilität des Stahles. Und das alles in einem war mit konventionellen Schmiedetechniken nicht vereinbar.
Soweit meine Erinnerungen.
 

Lorenzo

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Man darf auch nicht ganz außer Acht lassen dass die Schmiede (die früher eh einen besonderen Stand hatten, mystisch überhöht, oder gar mit dem Teufel im Bunde..) auch damals schon was von Marketing verstanden haben. Ich glaube nicht dass sie bessere Stähle produzieren konnten als man das heute kann! Ich glaube dass sie sehr gute Stähle produziert haben, und das vorhandene Material gut gekannt und genutzt haben. So wie das alle Handwerksberufe mit Jahrhunderte langer Tradition taten. Und durch Zunftwesen etc. wurden die Geheimnisse auch gut gehütet. Bestimmt gab es Schmiede die besonders gut waren, und welche die besonders gutes Material bekommen haben. Und welche bei denen beides zusammentraf. Und manchmal kann man dann halt nach sehr langer Zeit nochmal ein Erzeugnis finden das außergewöhnlich gut war. Liegt aber bestimmt auch daran dass es beim damaligen Besitzer einen besonderen Stellenwert hatte und deshalb auch ein anderes Schicksal hatte als der Großteil der Standarderzeugnisse. Der Inhalt von irgendwelchen Gräbern zeigt also nur die Spitze der möglichen Handwerkskunst,repräsentiert also nicht den Standard.
 

pedder

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Ich hab übrigens inzwischen herausgefunden, dass das nicht weißer/blauer/silberner Papierstahl ist sondern Weiß-/Blau-/Silberpapier Stahl. Die Begriffe leiten sich ab von dem Papier in dem die Rohstahl-Stücke verpackt waren bzw. evtl. sind. Was ich wiederum noch nicht herausgefunden hab.
Ich halte mich da an die Übersetzung und Schreibweise von Dictum, eine moderne Stahlbezeichnung ist das sicher nicht. Die Geschichte hinter den Namen war mir bekannt.
 
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