Die Begrifflichkeiten sind oft nicht richtig verwendet. Also ich kenn kein Stemmeisen aus Damaszenerstahl. Das wäre für mich ein Eisen so wie ich es oben beschrieben habe.
Ein Damaszenerstahl ist eigentlich ursprünglich eine ähnliche Variante wie der japanische Zweilagenstahl. Nur dass hier direkt beide Stähle viellagig feuerverschweisst werden. Oft noch tordiert und ähnliches um bestimmte Muster zu erzeugen. Man hat dann eine Kombination der Eigenschaften beider Stähle, aber nicht den Vorteil dass die gesamte Schneide ausschließlich aus dem harten Stahl besteht.
Damaszenerstahl wurde von den Kelten schon geschmiedet, generell war er in Europa immer wieder für einige Dinge üblich. In Indien gabs den sogenannten Wootz Stahl, In Malaysia wurden Kris aus Damaszenerstahl geschmiedet. Eigentlich hat sich der Verbundstahl überall entwickelt wo das Schmieden über einfachste Gegenstände hinaus ging. Das Ausgangsmaterial war oft einfach grottenschlecht und schlicht zu unterschiedlich in seinen Eigenschaften.
Die die ich kenne sind entweder aus einem Monostahl gemacht, so wie die europäischen Eisen, oder auch die von Lie Nielsen und Veritas. (
@ChrisOL du hast die PM-V11 Variante von Veritas oder?)
Oder als zweite Variante eben aus zwei verschiedenen Stählen feuerverschweisst. Da hat man eine harte Lage Stahl für die Schneide. Und eine Weiche die das Eisen vor Bruch schützt. Der Weiche Stahl kann dann wiederum aus unterschiedlichen Stählen gemacht sein um ein schönes Muster zu zeichnen. Es kann auch ein Stahl sein der durchs falten und darauf folgende feine Schleifen und Polieren auch eine Zeichnung trägt.
Der weisse Papierstahl ist sehr reiner Kohlenstoffstahl, sehr gut härt- und schärfbar. Nicht rostfrei (was wirlklich völlig egal ist, wem die teueren Stemmeisen verrosten hats nicht anders verdient

)
Der blaue hat noch ein zwei andere Legierungsbestandteile, ist etwas zäher, demzufolge aber nicht so gut zu schärfen und auch nicht die selbe Standzeit wie der weisse.
Ob das in der Praxis sehr viel ausmacht... Wohl nur wenn es in den Grenzbereich geht, und man auch gut genug schärfen kann und dies tut um den Grenzbereich auszuloten.
Die japanischen Stemmeisen sollten immer sauber mit dem Hammer getrieben werden, oder schälend verwendet werden, man sollte wirklich nicht hebeln. Wenn man das verinnerlicht gibts keine Probleme, ich hatte noch nie einen Ausbruch an der Klinge. Wenn man sich angewöhnt hat in ein Zapfloch erstmal reinzuhämmern, um dann ein bisschen in den Spänen zu rühren sind die japanischen nicht zu empfehlen. Disziplin wird belohnt
Ich hab ja gerade erst einen Satz europäischer Stemmeisen hier verkauft.
-Hab nen Satz japanischer HSS Eisen
(den hab ich aus der Angst heraus gekauft mit den klassischen japanischen nicht klar zu kommen wegen der Bruchanfälligkeit. Zu unrecht wie ich nun merke. Wie Chris schon schreibt, die sind ein bisschen schwieriger zu schärfen, mit nem Diamanten gehts gut. So scharf wie die klassischen japanischen bekommt man sie definitiv nicht! Die Grundform war mir aber schnell klar, ist mir am liebsten. Kurzes Eisen, kurzer einfacher Griff, ich führ die Eisen eigentlich immer sehr nah an der Schneide, und wenn dann 30cm Stemmeisen noch oben kucken ist es einfach viel anstrengender für die Finger das Eisen sauber zu führen.)
-und einen handgeschmiedeten mit Weissem Papierstahl. Das sind meine Alltagseisen. 6 Stück haben ungefähr 200€ gekostet. Da sind die europäischen die mir gefallen, sowohl optisch, als auch ergonomisch, nicht billiger. Lie Nielsen, Veritas auch die Tülleneisen von MHG (die auch noch Zimmereeisen sind) sind teurer. Die alten Stanleys nicht zu kriegen.
Qualitativ gibts eigentlich keine besseren als die die ich genommen hab. Der Stahl is bei den teuersten auch kein anderer, man bezahlt "nur" noch die aufwändigere Arbeit des Schmiedes, und dafür reicht einfach mein Budget nicht, und ich fänds auch bisschen affig. Schön sind sie, und es steckt echte Handwerkskunst drin. Wenn ich im Lotto gewinn flieg ich nach Japan und lass mir welche machen
Ich persönlich musste alle Varianten ausprobieren um zu dem Schluss zu kommen. Ich hab nicht direkt mit den japanischen angefangen. Mir machen die insgesamt, von der Ergonomie, vom Schärfen und der erreichbaren Schärfe, und nicht zuletzt auch von der Ästethik einfach am meisten Spaß. Dass sie Handarbeit sind, mit der ich Handarbeit mache, ist auch einfach schön!