Biergarnitur aus Eiche, einige Fragen

Dieses Thema im Forum "Neuling fragt Profi" wurde erstellt von VolkerDK, 23. Oktober 2018.

  1. VolkerDK

    VolkerDK ww-eiche

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    Liebe Holzarbeiter,
    über den Winter möchte ich mein erstes "richtiges" Gartenmöbelprojekt angehen. Eine "Biergartengarnitur"

    [​IMG]
    Dies ist meine Ausgangsbasis, eine selbst "gemillte" Eichenplatte. Die Platte wurde April 2018 aufgesaegt, und ist den Sommer uber getrocknet im luftigen Schatten. Etwa 5cm dick.
    Nach entfernen des Splintes mittels schienengeführter Kreissäge werden 1,95 m Lange und 65cm Breite ueberbleiben.
    Die Platte soll mittels Oberfräse und Planfräsgestell geplant werden.

    Jetzt zu meinem angedachten Arbeitsablauf, und ob ich dort schwere Denk- bzw. Handwerksfehler untergerbracht habe:

    1. Auf Maß sägen der Platte mittels Kreissaege und Fuehrungsschiene

    2. Planen der Platte. Vielleicht nicht 100%...sondern nur Oberseite, und Unterseite einmal parallel ueberziehen
    Angestrebte Dicke: 4cm.

    3. Laengs der Platte Nuten mittels Kreissaege einbringen etwa 50% der Dicke tief, um die SPannung zu nehmen

    4. Beine Mittels Gratleiste einbringen. Idee: Die Beine werden aus einer identischen Platte gemacht und mittels einer Gratnut an der Platte befestigt. Dimension der Gratnut: 13mm tief, 14 oder 15 Grad Winkel. Dicke der Beinplatte auch 4cm. Breite der Gratleiste entsprechend etwa 30mm.

    5. Eine Zentrale Strebe zwischen den Beinen Einbringen, Querschnitt 40x160mm. Wie? Weiß ich noch nicht. Dachte an "Mortise und Tenon" (kenne die deutsche Bezeichnung leider nicht). Also zwei rechtwinklige Ausschnitte jeweils pro Seite in den Beinen, und dort die Strebe buendig mit Keilen wie einen Axtkopf befestigen.

    6. Fertig.

    Könntet ihr euch das vorstellen? Die Beine wären quasi ein Stueck einer Platte wie sie auf dem Bild ist.
    Position 30cm vom Ende der Platte jeweils. Dazwischen 20cm ueberm Boden die Strebe.

    Ich moechte OHNE Leim und Schrauben auskommen, daher die Idee der Verbindung mittels Gradleiste und Keilen. Ist das moeglich?
    Das Holz ist ja noch nicht richtig trocken, es wird aber den Winter ueber in einer geheizten Waschkueche nachgetrocknet. Ist ja auch nur fuer draussen. Kann man bei so nassem Holz schon Sachen wie Gratleisten einbringen, oder schwindet das Holz zu stark? Das Holz hat ja alles einheitlichen Feuchtigkeit.

    Freue mich ueber Eure Antworten.
    MFG
    Volker
     
  2. Friederich

    Friederich ww-robinie

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    Hallo Volker,
    das nuzt nichts. Es treffen ja unterschiedliche Faserrichtungen aufeinender.
    Die Breite deiner Gratnut z.B. wird bei Trocknen annähernd konstant bleiben da Langholzrichtung. Die Stärke der Gratfeder dagegen wird deutlich schwinden.
    Selbst bei einigermaßen trockenem Holz im Wohnraum macht das Probleme und die Verbindung lockert sich.
    Gute Gratverbindung ist außerordentlich anspruchsvoll. Sie soll auch ganz leicht schräg zulaufen damit man das Teil mit der Feder in die Nut hineinkeilen kann.

    Alterntive siehst du hier am Beispiel eines Tisches mit Brettfuß. Die Verschaubung des Kantholzes erfolgt durch Langlöcher damit nichts sperrt. Anders als im Beispiel dürfte auch nur je ein Kantholz genügen. Und Fuß und Kantholz könntest du mit Holznägeln verbinden. Dann wärs leicht auseinanderzubauen wenn du sie Im Winter irgendwo verstauen willst..

    Für die Strebe, eigentlich eher "Steg" kannst du dir mal die Keilverbindung im Bild "Sägebocktisch" anschauen, oder auch hier: Dieser Link ist nur für registrierte Mitglieder sichtbar.
    Je höher der Steg, desto besser stabilisiert er gegen Zusammenklappen.

    Holz musst du auf jeden Fall erst auf die Endfeuchte trocknen, bevor du weitermachst.
    Ideale Feuchte hängst davon ab wo die Bank dann steht und ob sie regengeschützt ist oder nicht.

    Tisch_Brettfüße.jpg
     

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    Zuletzt bearbeitet: 23. Oktober 2018
  3. VolkerDK

    VolkerDK ww-eiche

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    Danke fuer die schnelle und fundierte Antwort. Das mit den Faserrichtungen hatte ich so befuerchtet.
    Das Projekt wird sich ueber den ganzen Winter hinziehen, da ich einige Vorrichtungen noch erst bauen werde.
    Die Bank soll 365 Tage draussen stehen, unbehandelt, auf der Terasse die nicht ueberdacht ist.
    Ich wuerde also fast davon ausgehen, das die Feuchtigkeit sich garnicht mehr gross aendert, wohl aber natuerlich dann im Sommer sich die Gratleiste mehr schwindet als die Platte, wenn das Ding in der Sonne steht.

    Nun koennte ich die Beine natuerlich noch einen Monat im Wohnraum trocknen, oder bei Vatern im Heizungskeller, damit sie relative trockener sind als die Platte....

    Die Gratleiste wird auf jeden Fall konisch ausgefuehrt werden, dachte etwa 1mm konisch auf 60 cm. (Grosse Toene, wird meine erste Gratleiste, aber es werden natuerlich Probestuecke angefertigt). Koennte man durch eine staerkere Keilform dann beim Schwinden die Verbindung "nachklopfen"?

    Die Verbindung des Steges mit dem Holzkeil hatte ich zu erst im Auge, auch wegen der Demontierbarkeit. Wuerde von Design her definitv auch passen. Und man kann das immer mal wieder nachklopfen.

    Vielen Dank erstmal, die Bedenken teile ich. Aber es ist auch "nur" ein Terassentisch...er soll also ordentlich und handwerklich gut werden, darf aber ruhig ein bisschen arbeiten.
     
  4. Friederich

    Friederich ww-robinie

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    Mit dem Demontieren wirds aber nichts wenn du tatsächlich Gratverbindung machst. Die ist dafür nicht gedacht und geeignet.

    Ich denke doch, dass die spätere durchschnittliche Feuchte noch deutlich darunter liegen wird.

    Durchgehende Plattenfläche ist übrigens auch ganz schlecht, weil da Wasser drauf stehen bleibt.
     
    Zuletzt bearbeitet: 23. Oktober 2018
  5. sonicbiker

    sonicbiker ww-nussbaum

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    Finde die schöne Eichenbohle ehrlich gesagt viel zu schade, um sie draußen zu lassen...
     
  6. VolkerDK

    VolkerDK ww-eiche

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    @Friedrich
    Wenn der Tisch demontierbar sein soll, dann wuerde ich die Beine so gestalten wie in dem von dir verlinktem Bild, als ein Kreuz und mit Steg und Keilverbindung. Dann wuerde ich nur die Gratleisten in die Tischplatte machen, um daran die Beine zu befestigen.
    Dasmit der durchgehenden Fläche und dem Wasser ist ein Problem, das stimmt. Da wuerde ich zum einen die rechte Seite nach oben drehen wollen, dann wird sie sicherlich 1 oder 2 mm noch sich nach oben woelben.
    Ich habe in anderen Threads und Beiträgen gelesen dass du es sehr genau nimmst mit dem Trocknen, und sogar noch empfiehlst 1-2 Jahre in den WOhnraum, und dann im Septemer etc. erst mit der Arbeit zu beginnen.
    Das ist für qualitative hochwertigste Möbel bestimmt sinnvoll, aber in der Praxis ist das für mich nicht darstellbar. Wie stellen den Schreiner Möbel her? Ich dachte man kauft kammertrockenes Holz, misst die Feuchtigkeit, und losgehts. Dann könnte ich ja Möbel nur im Herbst produzieren.

    @sonicbiker
    Es ist schon eine schöne Platte....aber das ist es, was ich zur Verfügung habe...habe einen ganzen Stamm aufgeschnitten. 5x 5cm, 3x 6,5cm.
    Ich hab versucht welche zu verkaufen, wollte aber keiner haben. Dann nehm ich sie selber :emoji_slight_smile:
     
  7. sonicbiker

    sonicbiker ww-nussbaum

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    @VolkerDK
    Würdest du nicht so weit weg wohnen - ich würde was von dem schönen Holz nehmen... schöne Gegend, in der du wohnst!
     
    VolkerDK gefällt das.
  8. Friederich

    Friederich ww-robinie

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    Macht jeder ernsthafte Schreiner
    Und bei Laien ist das Nichtbeachten wohl die häufigste Fehlerursache.
    Aber wie gesat,bei einem ungeschüzuten Gartenmöbel dauernd im Freien, liegt die Durchschnittsfeuchte viel höher als bei einem Wohnzimmermöbel. Ich schätze ca 16% dürfte ein guter Wert sein.

    Ja , heute verwenden Schreiner in der Regel wohl kammergetrocknetes Holz.
    Früher hatten sie das Holz vor der Verarbeitung mind. 1-3 Jahre in der Werkstatt liegen (nachdem es ebenfalls mehrer Jahre im Freien unter Regenschutz vortrocknete). Geht auch; obwohl zum Sommerende hin die Feuchte schon in den kritischen Bereich hoch gehen kann.

    Wenn kurz nach längerem Regen die Sonne draufknallt, will sie so oder so nach oben schüsseln, also oben hohl werden. Da wirken dann schon sehr starke Kräfte.
    Außerdem wird eine Mittelbohle, also wenn sie die Markröhre beinhaltet, über und unter der Markröhre stark aufreißen. Dagegen kann man überhaupt nichts machen.
    Wirklich fachgerecht wäre, die mittleren ca 2 cm nahe der Markröhre rauszuschneiden und die zwei Hälften dann mind. noch einmal aufzutrennen. Die mind 4 Bohlen dann mit Fugen zur Platte zusammensetzen. Dann kann Jede für sich arbeiten, Regenwasser kann besser ablaufen, und die Bohlen können wegen der Fugen auch etwas schneller trocknen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 24. Oktober 2018
  9. VolkerDK

    VolkerDK ww-eiche

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    @Friedrich
    Beachten will ich es ja, muss halt sehen, was ich umsetzen kann.
    Da ich die Bohlen immer selbst mach lege ich die Schnitte so, dass ich ein dickes Mittelbrett habe, das den kompletten Kern aufnimmt. Dann trenne ich den links und rechts ab, und habe zwei schöne Quartiergesägte Bretter. (naja, immer, ich machs seit einem Jahr Bohlen).
    Faserverlauf etc. ist mir durchaus gelaeufig, habe quartier gesaegte Bretter, Balken 130x130 mit 45 Grad Maserung fuer Beine, und Bretter im Scharfschnitt mit tollem Flammenmuster etc.
    Die Bohle auf dem Bild ist glaube ich das erste oder zweite Brett oberhalt des Kernes. Hat ja auch was fuer sich, wenn man an der Quelle sitzt.

    Das mit dem Verleimen werde ich bestimmt bei anderen Projekten umsetzten, es sind nicht alle Bohlen ganz gerade getrocknet. Ein Stueck weit geht der Charakter einer Bohle dabei verloren dabei finde ich. Die beiden fast ohne Verwindung getrockneten Bohlen ober und unterhalb des Kernes sollen eigentlich ganz bleiben. Die anderen werden dann die passenden Baenke.
     
  10. Friederich

    Friederich ww-robinie

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    Da hast du micht vielleicht falsch verstanden bzw ich hab mich schlecht ausgedrückt?
    Ich meinte nicht zusammenleimen.
    Nur nebeneinandergelegt ein Querholz schrauben. Dazwischen Fugen lassen.
     
  11. VolkerDK

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    Jaaaa, dass habe ich bei meinem ersten Gartentisch so gemacht, aus grüner Esche. Ist auch passend fuer einen Gartentisch. Wollte halt gerne mal eine Bohle am Stueck verarbeiten...ich stapele am Wochenende das Holz um, mal sehen was so alles in meinen Stapeln liegt.
    Vielleicht trenne ich mal das Kernbrett auf, und lege es dann wieder hin mit kleinem Spalt und angefasten Kanten, mal sehen wie das wirkt.
     
  12. Túrin

    Túrin ww-robinie

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    Weisst Du, um welche Eichenart es sich handelt? Ggf. Roteiche?
     
  13. VolkerDK

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    Hallo Turin,
    leider nein (also ich weiß es nicht, welche Art es ist). Das Holz hat einen deutlichen rötlichen Ton, das gibt das Foto recht gut wieder. Der Baum war sehr alt, etwa 130 Jahre, BHD 1m.
    Ich habe nur ein Stück von etwas unterhalb der Krone bekommen.
    [​IMG]
    Ist das Roteiche? Die Blätter habe ich nicht gesehen. Die Rinde war sehr "grob". Ist Roteiche mit amerikanischer Eiche gleichzusetzen?
    Wie man auch sieht habe ich den Windriss nicht quer in ein Brett legen können, sondern er ist hochkant und zieht sich durch mehrere Bretter leider. Ließ sich hier nicht anders machen.

    Was mir aufgefallen ist, ist das alle Bretter mit 52mm Dicke sich etwas verwinden, während die mit 65mm fast komplett gerade getrocknet sind. Gibt es dahingehend eine Faustformel? Ich schneide meist 50mm, 65mm und 75mm Platten.
     
  14. Túrin

    Túrin ww-robinie

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    Ja, die Roteiche heißt auch Amerikanische Spitzeiche. Die rötliche Färbung spricht dafür, die grobe Borke allerdings dagegen, da die bei der Roteiche relativ (relativ) glatt bleibt, auch im hohen Alter. Blätter wären zur Identifikation sehr gut, oder auch ein paar Knospen in Nahaufnahme.
     
  15. VolkerDK

    VolkerDK ww-eiche

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    Der Stamm lag ja schon 1,5 Jahre, bevor ich ihn gekauft habe. Habe auch nicht nachgefragt.
    Gäbe es da Wertunterschiede im Möbelbau? Im Bootsbau meine ich nimmt man gerne die Weißeiche für die härtesten Aufgaben, meine die hat auch eine noch höhere Beständigkeit gegen Fäulnis.
     
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