Bugholzstuhl Riss Reparatur

fabwu

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Hallo zusammen

Ich möchte zwei Bugholzstühle restaurieren und mich stören die Risse im Rahmen der Sitzfläche.

IMG_8789.jpeg IMG_8788.jpeg

Hat jemand von euch eine Idee wie ich diese Risse am besten wieder schliessen kann?

Vielen Dank für eure Hilfe und liebe Grüsse

Fabian
 

fahe

ww-robinie
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Der Riss auf Bild 1 ist die verleimte Verbindung.
Der Fall auf dem zweiten Bild ist genauso gelagert....
2.jpg

Und der erste Fall zeigt schon Ansätze der gleichen Absplitterung wie beim zweiten...
1.jpg

Um das Abbauen der Sitzflächen wirst Du nicht umhin kommen. Die dürften ja aber wahrscheinlich mit den Beinen nur verschraubt sein.

Schnelle Pfuschvariante nach dem Abbau der Sitzfläche: Passende Leiste zum Abstützen der Absplitterung, Leiste mit zweiter Leiste, zwei Abstandsklötzchen und zwei Zwingen nach unten hin sichern. Mit dünner fester Kunststofffolie PU-Leim in die (eventuell mit einer Klinge vorsichtig auseinander gedrückten Teile) verteilen. Spanngurt drum.

1785570475865.png
Imho richtige Variante: Vorsichtig auseinander bauen/drücken. Vorhandenen Leim so gut wie möglich entfernen. Neu verleimen. Das ist aufwändiger und birgt natürlich das Risiko, mehr kaputt zu machen. Spannen beim Verleimen dann wie in der schnellen Pfuschvariante...

Viel Erfolg.
 

brubu

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Von PU Leim bei Stuhlreparaturen sind wir schon lange weg. Die Fugen passen nie genau, sobald der PU aufschäumt verliert er stark an Festigkeit.
Dickflüssiges leicht elastisches Epoxy wie Araldit füllt gut.
 

fahe

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...vom Vertrauen aufs Aufschäumen lese ich hier auch immer wieder eher staunend. Da bin ich also völlig Deiner Meinung.

Wenn ich auf die Verleimstelle ordentlich Druck bringen kann, dass genügend Leimfläche spaltfrei ist, habe ich solche Stellen schon so "repariert". Von einigen habe ich nun schon seit Jahren keine "Reklamationen" gekriegt. Ich würde aber auch kein Epoxy in Spalten füllen und mich darauf verlassen. Sprich: Wenn ich die Stellen nicht weitgehend spaltfrei zusammen kriege, würde ich es wie in Variante zwei machen. :emoji_sunglasses:
 

derdad

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Diese Risse findet man sehr häufig and Bugholzstühlen. In den dampfgebogenen Sitzen ist natürlich sehr viel Spannung und im Laufe der Jahrzehnte (manchmal 1½ Jhdt) gibt der Leim an den Schiftungen/Schäftungen nach und die Fuge öffnet sich. Damit sich die Schiftung nicht verschiebt ist sie meist noch mit kleinen, verdeckten Schrauben gesichert.
Eine Neuverleimung mit geschlossener Fuge ist schwierig. Man müsste die Fuge wirklich gründlich reinigen, die Schiftung wieder mit Dampf geschmeidig machen und dann verleimen. Original mit Warmleim.
Ein einfacherer Weg, aber nicht historische original, ist folgender. Die Fuge so weit es möglich ist reinigen. Epoxy Kleber anmischen und mit Schleifstaub vermischen (das Holz der Stühle ist Buche). Die Fuge noch ein bisschen öffnen, das Klebergemisch einbringen, und mit kleinen Schraubzwingen so gut es geht pressen. Die Fuge muss nicht dicht auf dicht sein, weil Epoxy spaltfüllend ist und perfekt klebt. Gut wäre es, wenn es etwas Kleber aus der Fuge drückt. Anschließend einen Tag trocknen lassen und die Leimstelle verschleifen. Falls erwünscht oder nötig kann man die Reparaturstelle farblich anpassen und die Oberfläche nachbessern. Durch die Zugabe des Holzstaubes nimmt es auch Beize an, ein "normaler" Retouschierstift reicht aber meist.
Als Epoxykleber kann man z.B. UHU plus verwenden. Er ist auch in kleinen Tuben und in jedem Baumarkt erhältlich. Meine Empfehlung ist UHUplus "ENDFEST". Er hat gegenüber dem "Sofortfest" den Vorteil einer längeren offenen Zeit.
LG Gerhard
 

welaloba

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Ich bevorzuge an der Stelle Fischleim, welcher sich perfekt mit altem Knochenleim verbindet. Trockenversuch mit kräftiger Zwinge ist hilfreich - und, wie Gerhard schon sagte, die Leimstelle ordentlich saubermachen / ausblasen. Da der Fisch-Leim lange "offen" ist, kann man nach einigen Minuten den Druck noch mal erhöhen.
 
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Ikeabana

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Bisher hatte ich keine Probleme (5min fest).
Wobei hattest du die Probleme?
Man muss ja keine Probleme haben, aber es gibt Unterschiede


|Produkt |Topfzeit|Handfest|Endfestigkeit|
|-----------|--------|--------|-------------|
|Sofortfest |1–2 Min |5 Min |~1.000 N/cm² |
|Schnellfest|5 Min |20 Min |~1.300 N/cm² |
|Endfest 300|90 Min |~7 Std |~1.500+ N/cm²|

insbesondere bei kleinen Klebeflächen nutze ich Endfest und erwärme die Klebestelle wenns geht.
 
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WinfriedM

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Bisher hatte ich keine Probleme (5min fest).
Wobei hattest du die Probleme?
Hatte früher öfters das Problem und hatte dann mal bei r-g.de den technischen Support gefragt. Die meinten dann ganz klar, dass alle schnellhärtenden Sorten nur für temporäre Reparaturen sinnvoll sind, weil nicht langzeitstabil.

Hab mal die KI befragt, die bestätigt das auch.

Da hast du völlig recht gehört. Die Faustregel bei Epoxidharzen lautet: Je schneller die Aushärtung, desto kompromissbehafteter ist das Endprodukt.

5-Minuten-Epoxidharze (oft aus dem Baumarkt in der Doppelspritze) sind hervorragende Problemlöser für schnelle, temporäre Fixierungen oder mechanisch gering belastete Bastelarbeiten. Für dauerhafte, strukturelle Verklebungen im Außenbereich oder unter hoher Last sind sie jedoch nicht langzeitstabil.

Das liegt an den chemischen Eigenschaften des Materials:

Warum 5-Minuten-Epoxy schneller altert​

  • Geringere Vernetzungsdichte: Um die extrem kurze Topfzeit zu erreichen, werden hochreaktive Härter (oft auf Polymercaptan-Basis statt Aminen) eingesetzt. Diese reagieren zwar rasant, bilden aber ein weicheres, weniger dicht vernetztes Molekülgitter als langsam härtende Systeme (z. B. 24-Stunden-Harze).
  • Ausgeprägte Sprödigkeit: Schnellhärtende Harze neigen dazu, mit den Jahren stark zu verspröden. Während sie anfangs eine gewisse Flexibilität besitzen, führt die Alterung dazu, dass die Klebstofffuge bei Vibrationen oder thermischer Ausdehnung mikroskopisch reißt und schließlich versagt.
  • Minderwertige Hydrolyse- und Medienbeständigkeit: 5-Minuten-Epoxidsysteme ziehen im Laufe der Zeit unter Feuchtigkeitseinfluss Wasser (Hydrolyse). Wenn deine Verklebung permanentem Wetter, Wasser oder gar Lösungsmitteln ausgesetzt ist, quillt die Fuge auf und verliert massiv an Festigkeit.
  • Sehr geringe Hitzebeständigkeit: Die thermische Stabilität (die sogenannte Glasübergangstemperatur $T_g$) ist extrem niedrig. Oft reicht schon die Hitze im Auto im Sommer oder unter einer Abdeckplane (ca. 40–50 °C), damit das Harz wieder weich wird und nachgibt.
  • Mischungsfehler fallen schwerer ins Gewicht: Weil die Menge in den kleinen Spritzen winzig ist und der Kleber sofort anzieht, mischt man oft nicht gründlich genug durch. Unvernetzte Harz- oder Härternester im Klebstoff degradieren die Haltbarkeit zusätzlich.
Fazit: Wenn es ewig halten und statische Lasten tragen soll, greif zu klassischen 24-Stunden-Epoxiden (wie Uhu Plus Endfest oder professionellen Systemen von West System oder R&G). Diese bilden extrem dichte Polymerketten aus, die über Jahrzehnte hinweg stabil bleiben.
 

derdad

Moderator
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Ich bevorzuge an der Stelle Fischleim, welcher sich perfekt mit altem Knochenleim verbindet. Trockenversuch mit kräftiger Zwinge ist hilfreich - und, wie Gerhard schon sagte, die Leimstelle ordentlich saubermachen / ausblasen. Da der Fisch-Leim lange "offen" ist, kann man nach einigen Minuten den Druck noch mal erhöhen.
Werner, ich benutze auch gerne Fischleim weil er, wie du beschreibst, sich mit dem alten Leim gut verbindet. Bei Bugholzstühlen ist aber meist so viel Spannung drauf, dass man die Fuge trocken kaum mehr geschlossen bekommt. Meist bricht etwas. Bei der Schiftung, wie bei diesen Sitzrahmen, ist es meist der dünn auslaufende Teil. Deshalb bevorzuge ich die "Epoxy Füllmethode". Wenn der Riss noch größer ist muss man sich sowieso etwas einfallen lassen um das Holz wieder weicher zu bekommen.
LG Gerhard
 
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