Hobelbank-Bau – Benchcrafted Leg Vise (Roubo) vs. Veritas Doppelspindelzange

HolzPhil

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Hallo liebe Community,

ich möchte mir dieses Jahr einen länger gehegten Traum erfüllen und eine Hobelbank aufbauen. Es wird meine erste (und im Idealfall auch einzige) Hobelbank sein, deshalb möchte ich mir dafür ausreichend Zeit zum Planen und Durchführen nehmen.

Beim Recherchieren ist mir die Roubo-Hobelbank mit Benchcrafted Leg Vise-System (z. B. bei dem von mir sehr geschätzten Guido Henn als Anleitung verfügbar) sofort aufgefallen, die macht nicht nur optisch einen hochwertigen Eindruck. Als Alternative habe ich die oftmals gelobte Veritas Doppelspindelzange entdeckt.

Jetzt stelle ich mir als Anfänger natürlich die Frage: Welches System ist für eine breite Palette an Anwendungsfällen und klassischen Arbeiten an einer Hobelbank am besten geeignet? Wie ich mich kenne, werde ich die Hobelbank zwischendurch auch mal für andere Projekte (Fahrradtüfteleien, kleine Metallprojekte) missbrauchen.

Über Feedback freue ich mich sehr!
 

IngoS

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Hallo,

mit beiden Arten von Vorderzangen kann man gut arbeiten.
Ich ziehe aber die Doppelspindelzange vor. Warum, bei der Beinzangen braucht man immer eine sehr feste Verbindung von Bein und Platte, was mitunter zu Problemen führt (unterschiedliches Quellen und Schwinden.
Die Doppelspindelzange ist nur an der Platte befestigt.
Ebenso bevorzuge ich die deutsche Hinterzange.

Gruß Ingo
 

flüsterholz

ww-robinie
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Ein spannendes Thema, mit dem sich sicher viele, mich eingeschlosen, schon beschäftigt haben. Aber einen wirklichen persönlichen Vergleich haben wohl die wenigsten und ist sicher auch von der persönlichen Arbeitsweise und den räumlichen Voraussetzungen abhängig. Ich habe bisher mit keinem der beiden arbeiten dürfen, aber zumindest mal bei einer Leg Vise das Rad drehen dürfen. Das alleine war schon sehr beeindruckend. Ob das langfristig im Alltag mit Holzstaub so bleibt, weiß ich aber nicht.
Mal ein paar Gedanken dazu, die ich mir selber schon gemacht habe und die hauptsächlich aus der Benutzung meiner ca 70Jahre alten Ulmia entstanden sind.
Du schreibst ja, du möchtest sie für "klassische Anwendungsfälle" nutzen. Also Hobeln, Anreißen, Sägen, Stimmen?

Fürs Hobeln brauchst du neben den passenden Einspannmöglichkeiten um die Flächen und Kanten zu hobeln, in erster Linie Gewicht und Stabilität. Nichts ist da nerviger als eine Hobelbank, die unter dir rumwackelt.
Oft wird argumentiert, dass die deutsche Hinterzange die meiste Kraft aufbringt, um dein Werkstück festzuspannen. Das mag sein, ist aber meiner Erfahrung nach zweitrangig. Das bekommt man zur Not auch ohne Hinterzange hin. Ich habe gerade eine kleine Restbohle Ahorn auf der Werkbank, die ich auch ohne Hinterzange gespannt habe.
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Mich stört bei der deutschen Hinterzange mehr ihre Behäbigkeit und dass sie soweit in den Raum hineinragt. In einer kleinen Werkstatt, wie meiner, eher ein Ausschlusskriterium. Aber sie macht ihren Job und sie macht ihn gut. Gewünscht hätte ich mir bei einigen Hobelarbeiten auch etwas mehr Arbeitstiefe, so ca 80cm.

Beim Anreißen find ich die Arbeitshöhe, die für das Hobeln optimal wäre, oft zu niedrig, insbesondere bei komplexeren Anrissen. Da weiche ich gerne an einen anderen Arbeitsplatz aus.

Fürs Sägen und Stemmen finde ich es ziemlich egal, welche Hobelbank man letztendlich wählt. Das geht an jeder. Praktisch finde ich es jedoch, wenn man eine einfache Möglichkeit hat, Werkstücke von oben auf der Arbeitsplatte zu spannen.

Bau dir die Hobelbank, die dir gefällt und zu deiner Arbeitsweise passt. Die darf auch gerne schön aussehen (Bilder einstellen nicht vergessen!!!). Es macht einfach mehr Spaß, an einem schönen Arbeitsplatz zu arbeiten, als in einer Rumpelkammer. Nicht umsonst sind Küchen heute so durchgestylt. :emoji_wink:
 

flüsterholz

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Das, was Ingo da angesprochen hat, nicht unwichtig, könnte man lösen, in dem man den/die Zapfen verdeckt ausführt, also die Vorderkante der Arbeitsplatte durchgehend ist. Auch nicht verkehrt für die Oberfläche der Arbeitsplatte. Dann hat man auch da keinen Versatz.
 

ChrisOL

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Moin,

Ich habe die Veritas Doppelspindel mit Kettenantrieb als Hinterzange.

Technisch ist das schon ein feines Teil. Noch mal einbauen würde ich mir die nicht.

Man bewegt einfach sehr viel Masse und muss viel kurbeln. Da würde ich mir definitiv was leicht gängigeres suchen. Für die Vorderzange würde ich nicht die Doppelspindel nehmen.

Die Bencraft Sachen sind wirklich erstaunlich leichtgängig. Vielleicht kann man jemand berichten wie das im Langzeitverhalten ist. Nur sind die auch sehr gut bezahlt.

Ob du das als Rubo mit geteilter Paltte ausführst oder als klassische Hobelbankplatte da sehe ich keine so großen Unterschiede.

Wenn du darauf auch z.B. am Fahrrad basteln willst, dann mach nicht so viele Löcher in die Platte oder verwende eckige Bankhaken die in jedem Loch geparkt werden damit nicht so viel durchfällt.

Es ist ein tolles Projekt sich seine eigene Hobelbank zu bauen!
 

Fastdarkness

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Ein spannendes Thema, mit dem sich sicher viele, mich eingeschlosen, schon beschäftigt haben. Aber einen wirklichen persönlichen Vergleich haben wohl die wenigsten und ist sicher auch von der persönlichen Arbeitsweise und den räumlichen Voraussetzungen abhängig. Ich habe bisher mit keinem der beiden arbeiten dürfen, aber zumindest mal bei einer Leg Vise das Rad drehen dürfen. Das alleine war schon sehr beeindruckend. Ob das langfristig im Alltag mit Holzstaub so bleibt, weiß ich aber nicht.
Mal ein paar Gedanken dazu, die ich mir selber schon gemacht habe und die hauptsächlich aus der Benutzung meiner ca 70Jahre alten Ulmia entstanden sind.
Du schreibst ja, du möchtest sie für "klassische Anwendungsfälle" nutzen. Also Hobeln, Anreißen, Sägen, Stimmen?

Fürs Hobeln brauchst du neben den passenden Einspannmöglichkeiten um die Flächen und Kanten zu hobeln, in erster Linie Gewicht und Stabilität. Nichts ist da nerviger als eine Hobelbank, die unter dir rumwackelt.
Oft wird argumentiert, dass die deutsche Hinterzange die meiste Kraft aufbringt, um dein Werkstück festzuspannen. Das mag sein, ist aber meiner Erfahrung nach zweitrangig. Das bekommt man zur Not auch ohne Hinterzange hin. Ich habe gerade eine kleine Restbohle Ahorn auf der Werkbank, die ich auch ohne Hinterzange gespannt habe.

Mich stört bei der deutschen Hinterzange mehr ihre Behäbigkeit und dass sie soweit in den Raum hineinragt. In einer kleinen Werkstatt, wie meiner, eher ein Ausschlusskriterium. Aber sie macht ihren Job und sie macht ihn gut. Gewünscht hätte ich mir bei einigen Hobelarbeiten auch etwas mehr Arbeitstiefe, so ca 80cm.

Beim Anreißen find ich die Arbeitshöhe, die für das Hobeln optimal wäre, oft zu niedrig, insbesondere bei komplexeren Anrissen. Da weiche ich gerne an einen anderen Arbeitsplatz aus.

Fürs Sägen und Stemmen finde ich es ziemlich egal, welche Hobelbank man letztendlich wählt. Das geht an jeder. Praktisch finde ich es jedoch, wenn man eine einfache Möglichkeit hat, Werkstücke von oben auf der Arbeitsplatte zu spannen.

Bau dir die Hobelbank, die dir gefällt und zu deiner Arbeitsweise passt. Die darf auch gerne schön aussehen (Bilder einstellen nicht vergessen!!!). Es macht einfach mehr Spaß, an einem schönen Arbeitsplatz zu arbeiten, als in einer Rumpelkammer. Nicht umsonst sind Küchen heute so durchgestylt. :emoji_wink:
Ich bin bei dir im Platzverbrauch der Hinterzange. Wenn der Platz aber da ist möchte ich die nicht missen.
Zur Arbeitshöhe, ich habe bei meiner Alten / Neuen Hobelbank im Rahmen der Restaurierung/ Aufarbeitung ja ein neues Gestell angefertigt. Jetzt war ein Nachbar in meiner Werkstatt. Aussage: Die ist aber recht hoch. Antwort für mich nicht.
Wenn man die Möglichkeit hat sich eine Hobelbank selber zu bauen oder aufzuarbeiten sollte man diese an seine körperlichen Gegebenheiten anpassen.

Ich habe an meiner eine Deutsche Hinterzange und eine Deutsche Vorderzange.
Die Deutsche Vorderzange würde ich an keiner Bank anbauen. Obwohl sie auch Vorteile bietet. Eine Verschiebung in Hobelrichtung ist nicht möglich da die Konstruktion das nicht zuläßt. Und sie ist recht einfach zu Konstruiren.
In meiner Welt ist sie vom Kraftlinienverlauf eine Fehlkontruktion.
Wenn ich von Grund auf neu bauen müsste: entweder eine Französische Vorderzange oder die Leg Vise. Für lange Teile braucht man so oder so eine art Bankknecht.
 

inselino

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Je nachdem was du machen willst (wie viel möchtest du auf der Hobelbank wirklich hoben) finde ich nach wie vor den MFT von Guido Henn am besten (Holzwerken 71/72 müsste das gewesen sein).
Gibt mittlerweile auch ein "Makeover" wo die Beine nicht wie ursprünglich aus Massivholz sondern auch aus Sperrholz sind, damit das alles aus Plattenmaterial gebaut ist.
Ich finde den für eine erste Hobelbank relativ unschlagbar:
a) Du brauchst nichts zur Massivholzberarbeitung, damals war der Zuschnitt der Platten beim Holzhändler günstig da habe ich mir nach Stückliste alles zusägen lassen, dann recht eine Lamello und ein paar Zwingen zum Zusammenbau, selbst mit selber sägen brauchst du tendentiell "nur" eine Säge mit Führungsschiene
b) Das Ding steht wie eine 1, da wackelt auch beim Hobeln nichts
c) Gerade in kleinen Werkstätten ist der zusätzliche Stauraum unten drunter sehr praktisch.
d) Es gibt ne vernünftige Bauanleitung in der Holzwerken 37/38 ebenfalls von Guido Henn (wenn du die nicht frisch kaufen willst kannst du auch meine gebraucht haben, einfach mal per PN melden)
e) Der Youtube-Kanal Klavierattelier hat seinen Bau als Video dokumentiert, das fand ich ganz hilfreich um das ein bisschen nachzuvollziehen
https://www.youtube.com/watch?v=kapb_0U_DG0&list=PLiX-qWGBUgQsWbYTMuIGDYm1nqYxzZWKY&index=1

Ich würde wie oben erwähnt heute nicht mehr so viele Löcher machen und ich bin mir noch unschlüssig, ob Siebdruck die beste Oberfläche ist. Bisher bin ich eher bei ja, da einfach Dinge nicht kleben bleiben, aber gerade beim Schleifen o.ä. rutscht es schon weg.
 
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Fastdarkness

ww-buche
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Ach ja, eine Sache habe ich vergessen.
Eine Ablagemöglichkeit mitten auf der Bankplatte würde mich immens stören.
Ich bevorzuge da die klassische Banklade hinten an der Bank. Da kann ich alles ablegen und trotzdem noch die gesamte Bankplatte nutzen.
 
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