Rauspund statt OSB Platten als Aussteifung

blackarrow

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Hallo,

die Aussteifung unseres Gartenhauses (etwa 4 x 2.5 m) ist mit OSB Platten (12 mm) geplant. Nun möchten wir gerne die Optik innen etwas verbessern und gerne Rauspund nutzen.
Kann Rauspund die aussteifende Funktion bei so einer kleinen Hütte erfüllen (145 mm Breite, 21 mm Dicke, waagerecht verlegt)?

Vielen Dank.
 

blackarrow

ww-ulme
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Herzlichen Dank! Das Gartenhaus ist relativ klein, aber das Ferienhaus (wird danach gebaut) wird doppelt so groß sein (8 x 3,2 m). Spricht etwas dagegen, dass statt OSB 3 Platten die Wände mit Rauspund von innen beplankt werden? Klar, die Dampfbremse wird hinter Brettern verlegt, dann kommt die Dämmung mit Holzständerwerk und Fassadenbahn. Vielleicht zusätzlich um die Ecken mit Diagonalverstrebungen aus Holz versehen?

Man liest dass eine Aussteifung aus diagonalen Brettern ausgeführt werden muss, aber das wird für uns relativ schwierig in Eigenregie zu machen.
 

tomkaes

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Eine Holzrahmenbauwand kannst du nur mit plattenförmigen Werkstoffen (OSB/GFP) zu einer steifen Scheibe ausbilden.

Man liest dass eine Aussteifung aus diagonalen Brettern ausgeführt werden muss, aber das wird für uns relativ schwierig in Eigenregie zu machen.

Nimm OSB, dann kannst du das einfach im Eigenregie machen.
Verarbeitungsrichtlinien bitte lesen.

Dann hat du nicht ganz zuende gelesen; diagonale Verbretterung einer (Wand- oder Decken-) Scheibe zur Aussteifung stammt aus der Zeit, als es noch keine tragfähigen Plattenwerkstoffe (OSB etc.) für diesen Zweck gab. Die Verbretterungen musste 2- lagig diagonal auf die Rippen / Balken aufgebracht (2. Lage 90° zur ersten Lage gedreht) werden,
und durch beide Lagen mit den Rippen vernagelt werden.
Ist mir das letzte mal vor > 40 Jahren bei einer Sanierung begegnet.

Da du für dein Ferienhaus mit 8x3,20 m Wänden sowieso einen Statiker brauchst,
kannst du dir das gerne auch von dem mal erklären lassen. :emoji_wink:
 

Fichtenelch

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Eine Holzrahmenbauwand kannst du nur mit plattenförmigen Werkstoffen (OSB/GFP) zu einer steifen Scheibe ausbilden.



Nimm OSB, dann kannst du das einfach im Eigenregie machen.
Verarbeitungsrichtlinien bitte lesen.

Dann hat du nicht ganz zuende gelesen; diagonale Verbretterung einer (Wand- oder Decken-) Scheibe zur Aussteifung stammt aus der Zeit, als es noch keine tragfähigen Plattenwerkstoffe (OSB etc.) für diesen Zweck gab. Die Verbretterungen musste 2- lagig diagonal auf die Rippen / Balken aufgebracht (2. Lage 90° zur ersten Lage gedreht) werden,
und durch beide Lagen mit den Rippen vernagelt werden.
Ist mir das letzte mal vor > 40 Jahren bei einer Sanierung begegnet.

Da du für dein Ferienhaus mit 8x3,20 m Wänden sowieso einen Statiker brauchst,
kannst du dir das gerne auch von dem mal erklären lassen. :emoji_wink:

Oh da staune ich, also nicht das ich dir nicht glaube.
Ich erinnere mich aber an eine Scheune die wir mal errichtet haben wo die Stülpschalung statisch eingebunden wurde.
 

U.Tho

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Ich würde mal sagen, es kommt sehr auf die Breite der Elemente an, d.h. der Befestigungsabstand in der Breite sollte ein gewisses Mindestmaß haben, damit man die rechts und links am Rand nagelt oder schraubt (oder oben und unten). (das magische Dreieck in der Statik)
Oder einfach ein Windrispenband verwenden ...
 

tomkaes

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Oh da staune ich, also nicht das ich dir nicht glaube.
Ich erinnere mich aber an eine Scheune die wir mal errichtet haben wo die Stülpschalung statisch eingebunden wurde.
Wenn ich eine Wand mit Streben / Diaginalen aussteife, verbietet es uns keiner die freie Knicklänge der Konstruktionhölzer durch die Schalung zu verkürzen. Das geht aber schon ziemlich tief ins Eingemachte und wird nur selten rechnerisch angesetzt. :emoji_thinking:
 

blackarrow

ww-ulme
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Das Gartenhaus wird von innen mit Bretter und von außen mit Holzfassade verkleidet (Konterlattung und wieder Bretter). Mir ist klar, dass die Fassade keine aussteifende Rolle spielen kann, aber beim 4 x 2.5 m hilft es vielleicht schon was.
 

Fichtenelch

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Wenn ich eine Wand mit Streben / Diaginalen aussteife, verbietet es uns keiner die freie Knicklänge der Konstruktionhölzer durch die Schalung zu verkürzen. Das geht aber schon ziemlich tief ins Eingemachte und wird nur selten rechnerisch angesetzt. :emoji_thinking:

Na ja wie gesagt, ich glaube dir das schon.
Nichts für ungut.
Es ist natürlich richtig das beim Holzrahmenbau mit OSB ausgesteift wird, hätte jetzt aber wirklich gedacht Bretter tun es auch.
Man lernt halt nie aus.
 

Mitglied 24010 keks

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Man kann eine Schaltung schon ansetzen und auch nachweisen. Das tut sich ein Normaldenkender Statiker nur unter Androhung der Todesstrafe an. :emoji_wink:
Selbst als Diagonalschalung kein Spaß!

Wenn ein Kunde an mich mit so einem Wunsch herantritt, steife ich einfach den HRB mit ein paar Diagonalstreben aus und fertig ist der Lack. Es muss nicht immer die Wandscheibe sein. Die Fachwerkhäuser funktionieren ja auch.

Gruß Daniel
 

U.Tho

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Statiker sind Extremisten - die gehen prinzipiell vom Schlimmsten aus - müssen sie halt auch.

Edit - ich hatte vor Jahren eine Baustelle - Akustikdecke in einer Sporthalle - Deckenbelastung durch die Dämmschicht mit Steinwolle, der Statiker geht vom Schlimmsten aus, dass die Gesamtstärke der Dämmschicht mit Wasser vollgesogen ist - also als Gewicht zu berücksichtigen ist - ich hab dann nicht mehr weiter diskutiert ...
 
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Fichtenelch

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Man kann eine Schaltung schon ansetzen und auch nachweisen. Das tut sich ein Normaldenkender Statiker nur unter Androhung der Todesstrafe an. :emoji_wink:
Selbst als Diagonalschalung kein Spaß!

Wenn ein Kunde an mich mit so einem Wunsch herantritt, steife ich einfach den HRB mit ein paar Diagonalstreben aus und fertig ist der Lack. Es muss nicht immer die Wandscheibe sein. Die Fachwerkhäuser funktionieren ja auch.

Gruß Daniel

Na ja gut, so langsam schließt sich bei mir der Kreis.
Der Bau wo die Schalung mit eingerechnet wurde war meines Erachtens (ist schon paar Jahre her) statisch nicht komplett auf die Schalung angewiesen.
Da war von der eigentlichen Konstruktion ohne Schalung schon eine gewisse Stabilität.
 

tomkaes

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Statiker sind Extremisten - die gehen prinzipiell vom Schlimmsten aus - müssen sie halt auch.

Edit - ich hatte vor Jahren eine Baustelle - Akustikdecke in einer Sporthalle - Deckenbelastung durch die Dämmschicht mit Steinwolle, der Statiker geht vom Schlimmsten aus, dass die Gesamtstärke der Dämmschicht mit Wasser vollgesogen ist - also als Gewicht zu berücksichtigen ist - ich hab dann nicht mehr weiter diskutiert ...
Im Gegensatz zum Statiker hast du wahrscheinlich weder die Dacheindeckung
in ihrer verrotteten Schönheit besichtigt, noch die Messung der Luftfeuchtigkeit im Blick behalten.
Die Anforderungen bestimmt oberhalb der Normen der Auftraggeber, nicht der Statiker. :emoji_wink:
 

Koljose

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Man kann eine Schaltung schon ansetzen und auch nachweisen. Das tut sich ein Normaldenkender Statiker nur unter Androhung der Todesstrafe an. :emoji_wink:
Selbst als Diagonalschalung kein Spaß!

Wenn ein Kunde an mich mit so einem Wunsch herantritt, steife ich einfach den HRB mit ein paar Diagonalstreben aus und fertig ist der Lack. Es muss nicht immer die Wandscheibe sein. Die Fachwerkhäuser funktionieren ja auch.

Gruß Daniel

Wobei die Fachwerkhäuser im Bestand im letzten Detail rechnerisch meist auch nicht mehr funktionieren. Also zumindest lassen Sie sich nicht immer erfolgreich einem Nachweis zuführen :emoji_wink:. Aber grundsätzlich gebe ich dir recht. Lieber Diagonalstrebe als Schalung als Aussteifung.
 

Fichtenelch

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Im Gegensatz zum Statiker hast du wahrscheinlich weder die Dacheindeckung
in ihrer verrotteten Schönheit besichtigt, noch die Messung der Luftfeuchtigkeit im Blick behalten.
Die Anforderungen bestimmt oberhalb der Normen der Auftraggeber, nicht der Statiker. :emoji_wink:

Na ja bei gewissen Dachneigungen kann der Auftraggeber nicht viel bestimmen, aber ich möchte jetzt auch nicht weiter OT gehen.
Für mich ist wichtig, wieder was dazu gelernt!
 

Fichtenelch

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Wobei die Fachwerkhäuser im Bestand im letzten Detail rechnerisch meist auch nicht mehr funktionieren. Also zumindest lassen Sie sich nicht immer erfolgreich einem Nachweis zuführen :emoji_wink:. Aber grundsätzlich gebe ich dir recht. Lieber Diagonalstrebe als Schalung als Aussteifung.

Da sprichst du mit aus dem Herzen!
Muss ja nicht nur eine normale Strebe sein....
Kann ja auch eine schöne Strebenfigur sein.... Aber ist ja heute aus der Mode... Ist halt auch etwas teuer... Is wie es is.
 

U.Tho

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Die Anforderungen bestimmt oberhalb der Normen der Auftraggeber, nicht der Statiker.
Bestimmen tut er das nicht, aber rechnen muss er das - dafür wird er ja auch bezahlt.
Da ging es nebenbei auch um das Thema Anspruch an eine "ballwurfsichere Decke" - aber ok, das führt glaube ich jetzt zu weit.
 

Mitglied 24010 keks

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Also die meisten Fachwerkhäuser die ich kenne, sind statisch ohne Probleme nachweisbar. Die dünne Sparren und die verrotteten Schwellen mal außen vor... :emoji_grin:

So Diagonalstreben (am besten in zwei Richtungen pro Seite) können extrem viel. Bei einem Garten- bzw. Ferienhaus sollte das locker reichen. Dann noch die Schalung drauf... Ich hab da überhaupt gar keine Bauchschmerzen wenn das halbwegs ordentlich gemacht wird.

Gruß Daniel
 

blackarrow

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Bin jetzt ein bisschen verwirrt. Soll ich bei dem Gartenhaus die diagonalen Aussteifungen um die Ecken ausführen (8 Stück, 2 je Ecke) oder ist es überflüssig?
 

Koljose

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Also die meisten Fachwerkhäuser die ich kenne, sind statisch ohne Probleme nachweisbar. Die dünne Sparren und die verrotteten Schwellen mal außen vor... :emoji_grin:

So Diagonalstreben (am besten in zwei Richtungen pro Seite) können extrem viel. Bei einem Garten- bzw. Ferienhaus sollte das locker reichen. Dann noch die Schalung drauf... Ich hab da überhaupt gar keine Bauchschmerzen wenn das halbwegs ordentlich gemacht wird.

Gruß Daniel
Die Streben selber machen ja eigentlich nie Bauchweh. Spannend wird es ja wenn man die Lasten weiterverfolgt. Können die Knotenpunkte die Horizontal- und Vertikalkräfte aus den Streben? Gerade im Bestand ohne Versätze und nur mit abgestirnten Zapfen oft schwierig (wenn die Zapfenstirn überhaupt formschlüssig in Rähm und Schwelle liegt). Dann geht es ja weiter mit den Vertikalkräften aus der Krafumlenkung. Gerade der Eckstiel ohne Auflast hebt ja direkt den Fuß (sofern man die Last aus dem Rähm über die Eckverblattung überhaupt in den Stiel bekommt). Die einzige Möglichkeit wäre dann meist ein Stabwerk mit Federn und Zugausfall für die gesamte Wandscheibe zu modellieren in der Hoffnung der Realität möglichst nahe zu kommen...und dann knallt es meist doch wieder an irgendeinem Knoten.
Das steht und fällt aber natürlich mit der Ausbildung der Streben, Geschossanzahl, etc.. Aber gerade die Fachwerkbestände hier in Mittelhessen, häufig mit steilen Streben nur durch ein Gefach laufend (also keinen Stiel schneidend), scheitern rechnerisch spätestens ab dem 2. oder 3. Geschoss. Ein Hoch auf den Bestandsschutz... :emoji_wink:

Bin jetzt ein bisschen verwirrt. Soll ich bei dem Gartenhaus die diagonalen Aussteifungen um die Ecken ausführen (8 Stück, 2 je Ecke) oder ist es überflüssig?
Die Ausführung mit je 2 Streben für jede Außenwand wäre am einfachsten ohne weitere Überlegungen auszuführen. Alternativ bei nur einer Strebe je Wand die Anschlüsse der Streben druck- und zugfest ausbilden. Wenn dein Dach ausreichend zur Scheibe ausgebildet ist, könntest du auch in einer Wand auf die Streben verzichten. Zur Aussteifung brauchst du eine lastverteilende Decken(Dach)scheibe und drei Wandscheiben die sich nicht in einem Punkt schneiden. Statische Scheiben sind in diesem Fall deine aussteifenden Streben.
 
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blackarrow

ww-ulme
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Vielen Dank für die ausführliche Antwort.
Da das Dach der Hütte ein Pultdach ist (wird ebenfalls von unten nur mit Brettern verkleidet) gehe ich davon aus, dass ich unter die 4 Wände aussteifen muss. Das Pultdach selbst wird nicht mit Streben vorgesehen.
Du schreibst, man könnte auf eine Strebe je Wand verzichten, wenn die Strebe druck- und zugfest ausgebildet wird. Was bedeutet das genau? Kann man die Strebe diagonal um die Ecke ausführen und mit Schrauben befestigen oder bedeutet es etwas mehr?
Im Anhang eine kleine Skizze, wie ich die Aussteifung verstanden habe, hoffentlich richtig. Die punktuelle Linien stellen die Streben dar, auf die ich verzichten möchte.

1678804669703.png
 

Koljose

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Genau so ist das gemeint. Die Anschlüsse müssen druck- und zugfest sein, damit dein Dreieck aus Strebe, Eckpfosten und Schwelle in beide Kraftrichtungen funktioniert. Auf dem rechten Teil deiner Skizze hast du ja schon Verbindungsmittel angedeutet. Ich würde das mit ausreichend langen Vollgewindeschrauben >= Durchmesser 8 machen. Beispielsweise sowas: https://www.schraubenhimmel.de/schr...KICI0-R_EdaTHh9utg9hNmfaDiBG-5_IaAgMAEALw_wcB . Gerne mit Kerndurchmesser der Schraube vorbohren und Randabstände gem. Zulassung bzw. EC5 beachten.
Teilgewindeschrauben haben meist nicht ausreichend Gewindelänge um die Kraft bei einer Hirnholzverschraubung zu übertragen. Ach es gibt natürlich noch andere Hersteller! :emoji_wink:.
Wichtig ist, dass du den zugehörigen Pfosten ebenfalls zugfest mit dem Rähm (oberes abschließendes Holz) und der Schwelle verbindest. Die Schwelle dann noch irgendwie an deine Bodenplatte/Fundamente durchbinden. Ob das dann rechnerisch reicht...vielleicht. Müsste man jetzt genau anschauen. Mir wäre es aber für ein Gartenhaus genug. Es gibt außerdem wie immer einen Blumenstrauß an Lösungen (Versätze, Zapfen, Lochbleche,...), schrauben ist aber das Einfachste.
 
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