Winkel nachschleifen bzw. neu vermessen

Deadeye

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Hallo Folgende Problematik:

Ich besitze versch. Tischler / Schreinerwinkel von der Firma Ulmia Ott
Dies Winkel haben über die Jahre an Genauigkeit verloren und die Abweichung von 90° ist mittlerweile recht groß. (bei dem 600mm Winkel ca. 2-3° auf die Winkellänge)

Bin momentan am verzweifeln jemanden zu finden der mir diese Winkel wieder auf exakte 90° schleifen kann - sollte ja ansich nicht sooo schwer sein.

Von Ulmia selbst habe ich noch keine Antwort und sonst nur absagen bekommen (von versch. justier und messbetrieben)

Evt. weis ja hier einer ne Adresse, wo ich das machen lassen kann ohne gleich den
neupreis der Winkel zu bezahlen.
Wäre super wenn mir da einer weiter helfen könnte.

Vielen Dank schonmal!

MFG Stefan
 

Sägenbremser

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Guten Abend Stefan
dat gibt es doch wirklich bei de`Holzwinkel, die tun es nicht so immer bei de`rumliege.
Aber im Ernst, gehört noch immer zur Grundausbildung im Tischlerhandwerk seine Messwerkzeuge
zu justieren. Nimmst du eine wirklich gerade Anlegefläche und schlägst den Winkel einmal um, so
siehst du die Abweichung recht deutlich. Jetzt mit Schlichtfeile korrigieren und gut ist, wir leben im
Tischlerhandwerk nicht im Minutenbereich und brauchen keinen Nonius mit Lupe, obwohl ich gerade
so ein Gerät ersteigert habe, scheint mir aber eher Selbstzweck,Harald.
 

veter

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Ulmia
...Dies Winkel haben über die Jahre an Genauigkeit verloren und die Abweichung von 90° ist mittlerweile recht groß. (bei dem 600mm Winkel ca. 2-3° auf die Winkellänge...
Na ja, 2 Grad Abweichung sind bei 600 mm Länge etwa 600 x (3.14 *2 / 180), also etwa 21mm. Das kann ja wohl nicht sein, oder?

Hinweis:emoji_frowning2:3.14 * Gradwinkel / 180) ist der Winkel im Bogenmaß, und der entspricht bei kleinen Winkel (unter 5 Grad) in etwa dem Tangens des Winkels in Grad (alles klar).


Ich habe diverse Winkel und gehe bei einer Nacharbeitung folgendermaßen vor:

Ausgehend von einem Stahlwinkel der Toleranzklasse 0 (DIN 875-0) werden die Winkel von der kleinsten Schenkellänge zur nächst grösseren nachgearbeitet.

Die Nachbearbeitung erfolgt über Abziehen der Schenkelschmalseiten mittels Naßschleifpapier, Korn 400 bis 2000, welches auf einer Anreiß- oder Tuschierplatte (Stahl oder Granit) aufgelegt ist. Anstelle einer Tuschierplatte kann man auch ein Stück möglichst ebener Marmor-/Granit-Fensterbank nehmen.

Wenn die Tuschierplatte groß genug ist, kann man die Ebenheit der nachgeschliffenen Schenkelschmalseite sehr gut im Gegenlicht (Winkel auflegen, dahinter eine Lampe stellen und Gleichmässigkeit des Lichtspalts prüfen) kontrollieren.

Bei der Winkelkontrolle (ebenfalls mit Gegenlicht) muss man aber aufpassen, dass der "Meisterwinkel" und der zu kontrollierende Winkel möglichst exakt parallel liegen. Bereits geringfügige Abweichungen von der Parallelität verfälschen den Winkel erheblich und man schleift unter Umständen an Stellen des nachzuarbeitenden Winkel Material ab, wo eigentlich nichts mehr abzuschleifen ist. (Bei hellem Gegenlicht sieht man sehr gut, dass mit einigen Schleifbewegungen auf z.B. 800er Korn sichtbar Material abgetragen wird.)

Wenn es weniger genau sein soll, genügt natürlich auch die Umschlagmethode (wie gerade von Sägenbremser erläutert, Abziehen mit Schlichtfeile, Hieb 3 bis 5 geht dann natürlich auch). Davon bin ich aber selbst bei einfachen Holz-Schreinerwinkel (habe auch einige von Ulmia) abgekommen. Holzwinkel ziehe ich auch über Naßschleifpapier auf ebener Unterlage ab.

lg veter
 

Sägenbremser

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Guten Abend veter
toll erläutert, jetzt weiss ich auch wo mein Defizit beim Metallverformen auf meiner neu erstandenen
Emcodrehbank ist, das Ah-ha Erlebnis beim Erkennen der Skaleneinheit war schon erheblich.

Deine Genauigkeit beim Ermitteln einer Winkelabeichung zeigt mir wieder mal wie haptisch wir bei der
Holzverarbeitung vorgehen. Der Abweichunggrad bei einer ca. 60 cm breieten Seitenwand von 2-3Grd
liegt beim" Freihändigem Bohren" noch unter dem dem Ausdrehwinkel der Zentrierspitze des Dübel
bohres. Aber gerade daher habe ich meinen Kommentar dazu geschrieben, um welche Regulative
geht es den beim Holzverarbeiten denn?

Deine Aussage auch Holzwinkel mit Wasserschleifpapier abzurichten halte ich doch für etwas übertrieben,da Holz sich nicht wirklich gut nass schleifen lässt, Harald.
 

pedder

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Hallo Folgende Problematik:

Ich besitze versch. Tischler / Schreinerwinkel von der Firma Ulmia Ott
Dies Winkel haben über die Jahre an Genauigkeit verloren und die Abweichung von 90° ist mittlerweile recht groß. (bei dem 600mm Winkel ca. 2-3° auf die Winkellänge)

Bin momentan am verzweifeln jemanden zu finden der mir diese Winkel wieder auf exakte 90° schleifen kann - sollte ja ansich nicht sooo schwer sein.

Von Ulmia selbst habe ich noch keine Antwort und sonst nur absagen bekommen (von versch. justier und messbetrieben)

Evt. weis ja hier einer ne Adresse, wo ich das machen lassen kann ohne gleich den
neupreis der Winkel zu bezahlen.
Wäre super wenn mir da einer weiter helfen könnte.

Vielen Dank schonmal!

MFG Stefan
Bei diesen Winkel verschiebt sich die Position der Zunge gegenüber dem Körper manchmal. Das kann man durch entsprechendes klopfen wieder zurück schieben.
Feilen würde nur Sinn machen, wenn die Zunge aus der Form geraten ist. (Könnte mir nicht vorstellen wie.) Ansonsten macht Feilen die ursprünglich parallel verlaufenden Seiten der Zung unparallel. Also Finger weg von der Feile.

Liebe Grüße
Pedder
 

Sägenbremser

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Guten Abend Pedder
Erst mal Hochanerkennung für deinen schönen Beitrag über Sägen und Schärfen. So weiss ich doch
wie unsensibel ich in den Jahren der Holzbearbeitung geworden bin.

Zum Thema Winkelgenauigkeit zurück, weiss ich nicht wo es ein Problem gibt einen schlichten
Tischlerwinkel in eine halbwegs genaue Form zu bringen, ob nun durch Feilen, Abrichten auf Schleif-
Papier oder andere geeigneten Mittel, das Teil muss nur einen halbwegs rechten Winkel in der Lage
sein anzuzeichnen, das mit einiger Verlässlichkeit. Parallelität beider Schenkel sollte auch kein Hand-
erkliches Problem sein, meine Einlassung ging eigentlich eher dahin, da? es doch in unserem Mess-
bereichen möglich seien sollte ohne zertifiziertes Prozedere einen Schreinerwinkel zu benützen, ist
das jetzt genau genug ausgeführt?Harald
 

pedder

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Hallo Harald,

Wir reden von einem Tischlerwinkel mit Stahlzunge und Holzkörper, ja? Warum soll man die Stahlzunge feilen? Man müsste sie doch auf beiden Seiten gleich feilen. Möglich vielleicht, aber völlig unnötig, da sich diese Zunge nicht verzieht.

Die Verbindung zwischen Holz und Zunge ist in der Regel nur kraftschlüssig und lässt sich richten.

Wenn sich der Holzkörper verzogen hat, muss man den natürlich bearbeiten. Aber die Zunge? Ich kann keinen guten Grund erkennen.

Liebe Grüße
Pedder
 

magmog

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guude,

ja, ja, die ulmiawinkel! beim vergleich sind waren sie häufig schon im laden krumm.
die haben die letzten 10-20 jahre einfach zu viel schrott produziert, die öffentliche hand hat ja auch blind gekauft, und das handwerk war mit seiner fachkunde nur störend.
so sind die verdient pleite gegangen.
ob die firma, die die namensrechte übenommen hat, besser fertigt, kann ich nicht beurteilen.
 

Harzkiller

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Ich hab mal auf folgende Weise einen Winkel justiert.

1. mit dem Winkel einen Riss an einer möglichst geraden Kante machen.
2. Den Winkel umschlagen und an gleicher Stelle einen zweiten Riss machen.
3. Den Winkel in die Mitte der 2 Risse justieren.
4. Durch die Verbindung von Holz und Metallschiene 2 Löcher möglichst weit auseinander bohren und je 1 Spannhülse einschlagen, welche man anschließend mit dem Holz bündig schleift (feilt).

Gruß
Jürgen
 

Harzkiller

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Ein neuer Ulmia 600 mm kostet heute bestimmt über 100 EUR. Das wäre es mir auf jeden Fall wert. Und so groß ist der Aufwand nicht. Ich hab damals keine halbe Stunde dafür gebraucht.

Gruß
Jürgen
 

Deadeye

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Hallo an alle.

Danke schonmal für die zahlreichen Antworten.

Es handelt sich um Stahl/Holz/Messing Winkel, welche WinfriedM verlinkt hat.

Und 2-3° sind natürlich quatsch - ich meinte an der Spitze der Zunge eine Abweichung von 2mm zu 90° (bei dem 600mm Winkel)

Ich war der Meinung das Winkel von Ulmia recht hochwertig sind und von daher eine Reperatur durchaus Sinn macht - anstatt diese neu zu kaufen.
Und wenn mir die Kosten dafür zu hoch sind, dann kann ich ja immer noch neue besorgen.

Sicherlich könnte ich auch selbst versuchen den Winkel mittels schleifen wieder auf
Mass zu bekommen - allerdings stellen Winkel für mich Prezisonswerkzeuge dar.
Wenn ich eine gerade Kante auf 90° anreisen will, dann soll diese auch gerade sein und 90° vorweisen.
Dies wird nicht der Fall sein, wenn ich da selber mit Feile o.ä. Hand anlege. Zumindest bei den größeren Winkeln.

@Harzkiller - kann mir unter deiner Anleitung ab Punkt 3 das nicht bildlich vorstellen. Kannst du da etwas genauer werden?

Von daher die Frage nach Adressen, welche mit entsprechender Ausrüstung solche Arbeiten ausführen können.

MFG Stefan
 

Deadeye

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@pedder

Die Verbindung zwischen Zunge und Holzkörper ist doch eigentlich bombenfest.
Zumindest kann ich da bei meinen Winkeln keine verschobene Position erkennen.

Lässt sich das irgendwie überprüfen?

Wie soll das mit den zurecht klopfen funktionieren?
Kann mir irgendwie schlecht vorstellen dass dies (wenn es funktioniert) eine dauerhafte Lösung ist.
Zumal die Verbindung bei den Ulmia Winkeln wirklich sehr massiv aus schaut.

Gruß Stefan
 

Harzkiller

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@pedder

Die Verbindung zwischen Zunge und Holzkörper ist doch eigentlich bombenfest.
Zumindest kann ich da bei meinen Winkeln keine verschobene Position erkennen.
Wenn der Winkel einmal auf de Boden gefallen ist, kann er lose sein.

Lässt sich das irgendwie überprüfen?
in dem man den Winkel auseinander zu ziehen versucht.

Wie soll das mit den zurecht klopfen funktionieren?
Wenn er lose ist, geht das ganz leicht (am besten mit einem Gummi oder Plastik-Hammer. Wenn er richtig fest ist hat das ganze einen anderen Ursprung. Dann bleibt dir wahrscheinlich nur die Feile eines bekannten Schlossers.

Im Anhang habe ich dir eine Skizze zum besseren Verständnis beigefügt.

Gruß
Jürgen
 

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pedder

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@pedder

Die Verbindung zwischen Zunge und Holzkörper ist doch eigentlich bombenfest.
Zumindest kann ich da bei meinen Winkeln keine verschobene Position erkennen.

Lässt sich das irgendwie überprüfen?

Wie soll das mit den zurecht klopfen funktionieren?
Kann mir irgendwie schlecht vorstellen dass dies (wenn es funktioniert) eine dauerhafte Lösung ist.
Zumal die Verbindung bei den Ulmia Winkeln wirklich sehr massiv aus schaut.

Gruß Stefan
Hallo Stefan,

Ich vermute, dass die Verbindung eben nicht Bombenfest ist. Wo soll denn das Problem herkommen? Du kannst aber nach dieser Checkliste vorgehen:

Ist Holzkörper in sich gerade und die Kanten parallel? Wenn nicht, musst Du ihn bearbeiten.

Ist die Stahlzunge in sich gerade und die Kanten parallel? wenn nicht... s.o.

Wenn beide Bauteile in sich gerade sind, muss es wohl die Verbindung sein. Daran muss man dann arbeiten. Mit der Umschlagmethode (sicherer als jeder andere Winkel) prüfen, in welche Richtung die Stahlzunge schief aus dem Holzkörper steht. Dann würde ich Das Holzteil auf die Bank spannen und mit einer zulage und einem leichten Hammer die Zunge in die richtige Richtung klopfen. Wenn Du das so nicht verstehst, lässt Du besser die Finger davon. :emoji_slight_smile:


Dauerhaft? Was ist das schon?

Das ist in jedem Fall die Maßnahme mit dem geringsten Eingriff in die Substanz. Feilen, Schleifen, Bohren und so kann man dann immer immer noch. Aber wenn die Verbindung locker ist, was ich als Ursache des Problems dringend vermute, ist so eine radikale Lösung auch nicht dauerhaft, weil sich das schiefstellen wiederholen oder zurückstellen kann.

Liebe Grüße
Pedder

Natürlich übernehme ich keine Haftung für diesen Ratschlag.
 

Deadeye

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Hallo Stefan,

Wenn Du das so nicht verstehst, lässt Du besser die Finger davon. :emoji_slight_smile:
Hi

nene is schon klar die Vorgehensweise. :emoji_grin:
Hatte nur Bedenken, da die Verbindung von Zunge und Holzschenkel bei Ulmia sehr
massiv ausschaut.
Aber Ok - werde ich am WE testen und dann berichten.

Vielen Dank schonmal an alle!

MFG Stefan
 

Deadeye

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Hi

Möchte noch abschließend bemerken, dass ich die Winkel nach der Anleitung von pedder gerichtet habe, was auch ganz gut (besser als gedacht) funktioniert hat.

Denke das dies auf lange Zeit hin die sicherste und wirtschaftlichste Vorgehensweise ist.

Werde die Winkel jetzt einfach regelmäßig prüfen und gegebenenfalls nachjustieren.

MFG Stefan

(Ulmia hatte mir auch recht freundlich geantwortet, jedoch hätte ich zum nächsten Händler fahren müssen (60km einfach) und die Winkel über diesen einschicken müssen)
 

Sägenbremser

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Guten Abend
habe am Wochenende mal meine Winkel angeschaut, Ergebnis war das Drei noch immer einen
absoluten rechten Winkel anzeigen/anreissen, das nach zum Teil über 30 Jahren nicht immer so
schonenden Umgang. Nur der grösste Winkel , ca. 80cm Schenkellänge hatte eine schon nicht mehr
tolerierbare Winkelabweichung von 1mm am Schenkelende, also nicht brauchbar. Habe es mit der
mir noch nicht bekannten Methode sanftes Klopfen probiert, war aber leider keine Verbesserung zu
erziehlen. Also Heissluftfön und behutsam angewärmt, bis auf einen halben Millimeter gebracht. Blieb
auch nach Abkühlung so stehen. Ist wohl nicht das Palisanderholz, sondern eher die Messingschiene
der Übeltäter. Kaffee getrunken und die ganz grosse Schlichtfeile rausgeholt, haben nicht nur Schlosser im Schrank. So, an der Aussenseite war das Teil jetzt schon mal exakt.Mit dem Streichmass
einen Parallelanriss gezogen und mit der Schlichtfeile angearbeitet, fertig nach ca.30 Minuten. Es passt
jetzt genau und einen neuen Winkel in der Grösse würde ich mir heute nicht mehr leisten wollen.
Harald
 
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