Welche Funktion haben diese Beschlag in einer alten Vitrine aus den 1920er Jahren?

Tzurby

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Habe kürzlich eine alte Vitrine erstanden und wieder aufgemöbelt (Renuwell, neue Füße). Vermutlich ist sie aus den 1920er Jahren.

Sie hat vier Einlegeböden, die mit Löffelbodenträgern gehalten werden. Diese sind, jedenfalls oben und unten, schwer hereinzubekommen, weil weitere Beschläge stören. Siehe hier:
IMG_5626.JPG

Weiß jemand, welche Funktion diese haben?

Weitere Fotos angehängt. Weiß jemand, was das für ein Holz ist?

IMG_5627.JPG

IMG_5628.JPG
 

IngoS

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Hallo,

da gab es Bodenträger, die in diese abgeflachten Großkopfnägel eingehängt werden konnten.
Die Träger, auf denen die Böden jetzt liegen, sind wahrscheinlich später mal ergänzt worden.

Gruß

Ingo
 

Tzurby

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O.K., könnte sein. Die Bretter sind ziemlich spack da drinnen, so dass sie auch auf diesen schmalen Trägern halten dürften. Allerdings gibt es da vier Bretter, die alle gleich und alle original aussehen, aber nur 2 dieser schmalen Halterungen. Und man hätte dann nur zwei Tablare mit einem Riesenabstand dazwischen.
Aber es könnte sein, dass man an eine Etage von Löffelbodenträgern genau dort eingesetzt hat, wo vorher die schmaleren Träger waren. Dann gäbe es allerdings nur Platz für drei Tablare - und eines müsste doch neu sein.

Ich lasse es einfach so, wie es ist. Sonst würde ein Abstand zu groß.

Hat jemand eine Idee für das Holz? Ich denke, das ist eine Schreinerarbeit.
 

Tzurby

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Das könnte Gabun sein, auch als Okumé geläufig.
Der Schrank ist ein typisches Möbel der 20-er Jahre, jedenfalls ein Industriemöbel.
Ja, Gabun könnte passen. Das Furnier außen scheint aber ein anderes - vielleicht doch heimisches? - Holz zu sein.

20er Jahre war auch meine Vermutung, da die Vitrine ähnlich ist wie die (sehr hochwertigen) Wohnzimmermöbel meiner Großeltern, die noch in Familienbesitz sind. Es war die Mitgift für meine Großmutter, die in den 1920er geheiratet hat.

Ich dachte eigentlich, solche doch eher hochwertigen Möbel aus dieser Zeit seien allesamt handwerklich gefertigt worden. Die Google-KI bestätigt allerdings, dass damals die industrielle Möbelproduktion deutlich zunahm, nicht nur in Sachen Bauhaus.
 

derdad

Moderator
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Ich dachte eigentlich, solche doch eher hochwertigen Möbel aus dieser Zeit seien allesamt handwerklich gefertigt worden.
Was verstehst du unter "handwerklich"?
Natürlich gab es noch viele Tischler die alles ohne Maschinen machten. Wo die Möglichkeit bestand haben sich Tischler einiges bei anderen Betrieben vorfertigen lassen. Z.B. aushobeln etc. Zu dieser Zeit war auch Sperrholz und Tischlerplatten schon gängig. Vor allem Sperrholz. Bereits Mitte/Ende das 19jhdts wurden Möbel (nicht nur Sitzmöbel) in kleineren Serien gefertigt. Die Meister Eder Tischlerromantik war früher zu Ende als viele glauben. Und die Werkstätten die diese wunderbaren Möbel erzeugten, die uns heute als Paradebeispiele der Möbelkunst gelten (Wiener Werkstätten z.B.) standen sehr oft vorm Konkurs und konnten nur durch Finanzspritzen begüterter Gönner gerettet werden.
Auch damals konnte man nur überleben, wenn man möglichst günstig und viel produzierte. Und das geht eben nicht mit rein handwerklicher Arbeit.
LG Gerhard
 
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Tzurby

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Was verstehst du unter "handwerklich"?
Eine Tischlerei, im Auftrag gefertigt, Einzelfertigung ... haha. Irre teuer.

Ich hab mir da auch keine großen Gedanken gemacht. Die Möbel meiner Großmutter könnte so etwas gewesen sein, da die Familie damals "bölkreich" war und sich für was besseres hielt (in der Hyperinflation ging das meiste verloren). Davon abgesehen, dürfte es fließende Übergänge gegeben haben zwischen Einzelfertigung Tischlerei, Manufaktur in Serienfertigung, Zuarbeitung durch seriell oder industriell hergestellte Standardteile und schließlich Industriebetrieb mit auch hier verschiedenen Graden der Automation.

Leider ist die "Tischlerromantik" teuer und (darum) viel seltener als der Laie (wie ich) annehmen könnte.
 
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