"Tragkraft" berechnen?

Cybo

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Hallo zusammen,

ich bin neu, sowohl im Forum als auch im Holzwerken-Bereich und sammel gerade durch erste Projekte eigene Erfahrungen. Meine ersten Kisten, und ein Korpus ist am Ende des Tages auch nur eine große Kiste, sind für mein Können schon ganz gut und ich möchte mich jetzt gerne an (gebrauchten) Auszügen versuchen und Schubladen bauen. Anleitungen gibt es wie Sand am Meer, quasi jeder baut irgendwie irgendwas und es scheint (in den Videos) auch immer zu halten.

Nun fehlt mir die Erfahrung zu sagen, dass zum Beispiel eine 3mm Platte als Rückwand reicht, um einem Regal Stabilität zu verleihen oder 6mm als Boden in einer Schublade reichen. Gibt es einen Weg grob zu berechnen, wie stark etwas gebaut sein muss, damit es ein gewisses Gewicht hält?

Wie dick sollte ein Boden für eine Schublade sein, wenn die Seiten z.B. 15mm stark sind?
 

ChrisOL

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Die beste Antwort: it depends

Ohne zu Wissen wie groß deine Kästchen sind kann man das nicht sagen. Was soll da rein?

Für Teebeutel braucht man andere Materialstärken wie für eine Küchenschublade mit Töpfen.
 

Little John

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Hallo Cybo,
es ist für die Tragfähigkeit eines Schubkastenboden ziemlich egal wie dick die Seiten sind. Viel wichtiger ist die Größe der Schublade und ob der Boden in einer Nut läuft oder untergeschraubt wird. Auch ist zu berücksichtigen was in die Schublade soll und wie hoch sie beladen wird.

Es grüßt Johannes
 

Cybo

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Daran scheitere ich ja derzeit in meiner Planung.

Konkret habe ich einen Nachttisch in Planung. Sehr einfach gehalten. Korpus 600mm hoch, 600 breit, 400mm tief

Bei 18mm starken Wandteilen bleiben mir für die Schubladen insgesamt:

564 Breite
382 Tiefe
570 Höhe (12 mm möchte ich als Leiste unten anbringen, sieht bei anderen Projekten immer recht nett aus)

Entweder reicht das für zwei oder drei Schubladen übereinander. Backsteine habe ich keine im Nachttisch, aber durchaus mal ein Notebook oder ein Hardcoverbuch.
 

Little John

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Hallo,
da reicht auch 5-6mm Sperrholz.
Und ich würde 3 oder 4 Schubladen einplanen.
Was für Auszüge hast du?

Es grüßt Johannes
 

Mister G

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Nun fehlt mir die Erfahrung zu sagen, dass zum Beispiel eine 3mm Platte als Rückwand reicht, um einem Regal Stabilität zu verleihen…
Für die Winkelstabilität reicht auch eine so dünne Rückwand allemal – sofern sie ordentlich verschraubt wird. IKEA verwendet mittlerweile sogar bei großen Kleiderschränken nur 2 mm dicke Hartfaserplatten, die aufgenagelt werden sollen. Blöd ist dann halt, dass die Rückwand bei größeren Schränken anfängt zu wabbeln und sich nach hinten ausbeult.

Wenn Du auf gute Qualität Wert legst, würde ich je nach Schrankgröße eine 4 bis 6 mm dicke Sperrholzplatte einnuten oder aufschrauben.
 

IngoS

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Hallo,

Für Schubladenböden und Rückwand nimm 4mm Sperrholz. Die Böden 5 bis 6mm tief einnuten.

Gruß

Ingo
 

Cybo

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Danke für die ganzen Ideen. Wie kommt ihr denn auf diese Stärken?

Für mich als Neuling bedeutet es, dass ich erst zeichne, rechne, konstruiere (bei anderen Projekten schaue, was die so genommen haben) und dann mein Holz kaufen gehe und natürlich auch gucke, dass ich dann passende Schrauben und Co besorge. Meine Ausstattung ist halt ganz am Anfang.

Nun hab ich 4, 5, 6 aber auch 8 und 10 mm gelesen. Das sind sicherlich eure Erfahrungswerte, die mir fehlen. Wahrscheinlich wäre man mit 10 mm am "stabilsten".

Wir kriege ich denn jetzt die Transferleistung hin? Sagen wir ich nehme 8 mm für den Nachttisch und eine etwas dünnere 6?mm für die Rückwand, dann sollte das für einen Nachttisch ausreichend stabil sein. Wenn ich jetzt mit denselben Schubladen-Maßen eine Schublade an die Werkbank bringen möchte, wo dann auch mal 10 Pakete schrauben drin landen oder eben schweres Werkzeug, um welchen Faktor sollte man dann verstärken?

@Little John ich hab mir ein paar gebrauchte Vollauszüge aus alten Schränken ausbauen dürfen (Anbringung unten), hab aber auch die einfachen Kugelauszüge (seitlich) hier zum Ausprobieren. Für einen Nachttisch finde ich einen Selbstauszug sicherlich ne schöne Idee, aber ich probiere erst einmal ein wenig an günstigem Holz, damit ich ein Gefühl dafür bekomme, wie man die richtig einsetzt.
 

Little John

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Hallo Cybo,
Es kommt nicht nur auf die Dicke des Sperrholz an, sondern auch auf das Material. So ist Kiefer-Sperrholz im Normalfall deutlich stabiler als Pappel.
Bei Buche muß man unterscheiden, ob es Pappel mit einseitig Buche-Furnier, oder komplett Buche ist.
Auch ist zu berücksichtigen, das die Tragfähigkeit in Längsrichtung der Deckschicht stabiler ist, als quer.
Wenn Schubladen die Führung seitlich haben, muß der Boden stabiler sein, als wenn der Boden direkt auf dem Auszug aufliegt.
Und dann muß auch noch berücksichtigt werden, ob der Boden ein wenig bauchig werden darf oder nicht.

Es grüßt Johannes
 

buckdanny

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Das sind einfach Erfahrungswerte. Die bekommt man ja schon in der Ausbildung mit, oder man die mit der Zeit selbst.

Für Dich da keine Ausbildung gibts da die Methode, try and error, oder man schaut das einfach ab, wird ja schon das Eine oder andere Möbel Zuhause oder im Umfeld greifbar sein
 

Cybo

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Danke, ich werde einfach mal ein wenig probieren müssen. Die ersten Schubladen werden ja wohl eh nur Teststücke, um ein paar Ansätze zu testen.
 

IngoS

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ich werde einfach mal ein wenig probieren müssen. Die ersten Schubladen werden ja wohl eh nur Teststücke,
Hallo,

nein, die Schubladen werden gleich was.
Ich habe hier Schubladen für einen Schreibtisch, die mit Papier vollgeladen sind und bei einer Größe von 35 x 52cm mit 4mm Sperrholzböden locker auskommen. Warum dir da Böden mit 8 und 10mm Dicke für ein Nachttischchen empfohlen werden, weiß ich nicht.
Übrigens richtet sich die Dicke eines Bodens neben der Beladung vor allem nach der Größe der Schublade.
Auch der Werkstoff spielt eine Rolle. Hartfaser und MDF neigen eher zum Durchbiegen als Sperrholz.
Sonderfall sind Böden aus Massivholz. Weil man die schlecht so dünn hobeln und verleimen kann, nimmt man sie etwas dicker und plattet die Ränder ab, damit sie in die schmale Schubladennut passen. Da sind dann Dicken von 8 bis 12mm üblich.

Gruß

Ingo
 

Cybo

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Danke, Ingo, aber letztendlich bleibt mir ja dann doch nur auszuprobieren.

Habt ihr denn noch einen Tipp, welche Holzart sich für Böden bewährt hat? Was sind eure Favoriten für einen glatten Boden, etwas vorgefertigtes oder doch lieber selbst schleifen und ölen? Machen Böden aus demselben Material wie die Seiten Sinn oder ist das im Prinzip Geldverschwendung, weil es günstigeres Material gibt, dass den Job genauso gut erledigt?

Vom P/L Verhältnis ist OSB ganz weit vorne, aber das möchte ich wirklich nicht im Schlafzimmer haben (nutze es aber gerne, um meine Ideen vorher mal an günstigem Werkstoff auszuprobieren.
 

ChrisOL

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Wenn du nur ein Projekt hast würde ich für Rückwand und Boden das gleiche Material nehmen. Dann brauchst du nur eine Platte und schneidest da alles raus.
 

Cybo

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Würde ich intuitiv auch machen, wären dann aber zum Beispiel 18mm MPX für alle 4 Seiten + Boden + aufgedoppelte Front (nennt man das so, wenn man eine Blende über die eigentliche Schublade setzt?). Sinnvoller wäre es dann wohl direkt zwei Stärken zu kaufen. Die Schubladenwände müssen ja nicht so stark wie der Korpus sein, sieht optisch wahrscheinlich auch zu mächtig aus. Vielleicht 18mm außen + 15 für die Schubladen, ich probiere einfach mal.
 

bello

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Vielleicht 18mm außen + 15 für die Schubladen, ich probiere einfach mal.
Wenn Du für die Schubladenzargen 15 mm MPX nimmst (sieh Dir dazu dann auch mal die Einbauanleitung für z.B. Hettich Quadro an), dann kannst Du für das kleine Korpus auch 15 mm nehmen. Dann musst Du wie von @ChrisOL empfohlen nur eine Platte nehmen. Dazu 6 mm Sperrholz für die Böden.
 
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