Thema schärfen: Viele Wege führen nach Rom?

NewbieS

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Hallo,

da ich in Zukunft mehr mit Stemmeisen und Hobel arbeiten möchte, komme ich um das Thema schärfen nicht drum herum. Geschärft werden sollen mittelfristig: Küchenmesser, Schnitzmesser, Hobeleisen und Stemmeisen. Je mehr ich zu dem Thema im Internet lese, desto verwirrter bin ich. Es gibt einfach zu viele verschiedene Herangehensweisen und (technische Möglichkten).

-Nassschleifmaschine
-Handschliff mit Wassersteinen, Diamantsteinen in unterschiedlichsten Körnungen und Versionen

Wozu würdet ihr raten? Ich liebäugel ein wenig mit einer Nassschleifmaschine im Moment. Es muss nicht das billigste Chinamodell sein, ich bin aber auch nicht bereit >300€ für einen Tormek auszugeben. Das finde ich, auch wenn es andere Meinungen geben mag, für eine Freizeit-Hobby-Werkstatt überdimensioniert. Mein Vater schärft Küchenmesser problemlos auf einem 30 Jahren Baumarkt alten Doppelschleifer (trocken). Erscheint mir jetzt, gerade für Hobeleisen, auch nicht gerade ideal. Hinzu kommt der Funkenflug.

Ich würde mich freuen, wenn ihr eure Erfahrungen zum Thema Schärfen im Allgemeinen und Nassschliff mit Maschine vs. Handschliff (mit welchem Stein) im Besonderen mit mir teilen wollt.
 

Frank73

ww-robinie
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Na gut dann meine 2 Cent.
Gelernt habe ich auf Nassschleifsteinen.
Klappt gut werden scharf.
Was mich nervt, ist das Wassergepansche, und mal schnell nachschleifen geht auch nicht, weil , erst Steine wässern.
Nutze jetzt Diamantsteine, immer einsatzbereit, und geht schneller.
Wenn es viel zu Schleifen ist habe ich noch eine günstige Nassschleifmaschine.
Nutze ich aber nur wenn ich gröbere Scharten rausschleifen muss, oder mal eine Fase umschleife.
Das Problem an dem Thema ist, manche machen da eine Philosophie draus.
Für mich muss es schnell und einfach gehen.
Wichtig ist ja nur das das Werkzeug scharf ist.
 

ManuelS

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Verwende aktuell ein Eigenbau system ähnlich dem Lansky Set oder TS Prof
Geht soweit gut dauert aber recht lange was gerade bei breiten und dicken Klingen wie beim Hobel eigentlich nicht wirklich brauchbar ist. Ist der Grundschliff vorhanden reichen wenige Züge und die Schneide ist wieder scharf wie ein Rasiermesser.
Die Steine habe ich fein gestuft im Set von Procof? testset Boride T2 grob und fein gibt aber auch andere Steine im Set je nach Material ....
Die Scheppach Tiger steht bei mir aktuell auf der Wunschliste wenn auch nicht ganz oben...

Tormek ist sicher eine Klasse Maschine aber mir einfach zu teuer.
 

ChrisOL

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Ich habe Schleifsteine und eine Tormek. Gerade Schneiden vom Hobeleisen und Stemmeisen schärfe ich auf den Wassersteinen mit einer Schärfhilfe. Einmal auf Körnung 1000 dann gleich auf K8000, zwischendurch die Spiegelseite abziehen. Klappt gut und geht schnell, wenn man etwas Übung hat.

Die Tormek nutze ich für die Drechseleisen, oder wenn es mal grobe Scharten in anderen Eisen sind.

Zum Start geht es gut mit einem Kombistein. Oder man nutzt Nassschleifpapier auf einer planen Unterlage. Bei den Steinen muss man darauf achten, dass die plan bleiben. Viel sinnvolles Wissen gibt es in der Schärfanleitung von F. Kollenroth.

Mit scharfen Eisen arbeitet es sich deutlich einfacher.



PS: zu den Steinen, ich habe Steine mit harter Bindung. Da reicht ein Spritzer Wasser und die Steine sind startklar. Kein wässern, kein großes Gepansche.
 

PurplePony

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Das Problem an dem Thema ist, manche machen da eine Philosophie draus.
Für mich muss es schnell und einfach gehen.
Wichtig ist ja nur das das Werkzeug scharf ist.
Das sehe ich genauso.
Ich arbeite in einem Betrieb in dem ausschließlich Stückzahl 1 produziert wird. Bei keinem der über 100 Gesellen die Teilweise 40 jahre und länger an der selben Bank stehen, sieht man irgendwelche überteuerten, japanischen Wundersteine oder neue Schleifmaschine für mehrer 100 Euro an der Bank. Geschärft wird herkömmlich mit einem groben und einem feinen Schleifstein. So mancher Schleifstein ist in der Mitte nur noch halb so dick wie an den Außenseiten. Wird trotzdem noch genutzt.
Gelegentlich wird die Schneide mit der elektrischen Zweischeibenmaschine, teilweiae älter ala der Geselle der daran steht, begradigt.

Die Hobbyhandwerker haben der Industrie einen gefallen getan und aus dem Schärfen von Hobelmessern und Stemmeisen eine Wissenschaft gemacht. Nur Steine in allen möglichen Körnung und feinsten Abstufungen zusammen mit Tormek Maschinen mit allen möglichen Anbauteilen führen zur absoluten Perfektion und dem gesetzten Ziel: der demonstrativen Rasur des Unterarms :emoji_slight_smile:

Mein Tipp: kauf dir für 40,- bis 50,- Euro einen gebrauchten Doppelschleifer von Elu oder ähnlich und ein paar neue runde Schleifstein dafür. Dazu einen guten, ggf doppelseitigen Schleifstein aus dem Fachhandel. Damit kannst du auch das Ziel erreichen.
Vergiss bei der ganzen Schleiferei nicht die Nutzung des Werkzeugs.

Natürlich: Hat man Spaß daran, dann kann man sich auch 10 Schleifsteinabstufungen besorgen und 700,- für die Tormek ausgeben. Ich gönne die Freude daran jedem.
Zum Schärfen braucht man das aber nicht unbedingt.
 

PurplePony

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PS:
Meine Oma hat Ihre Mühlenmesser zum Kartoffeln Schälen an den Buchestufen zum Dachboden abgezogen. Hat mehr als ein halbes Jahrhundert funktioniert.
 

Dietrich

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Hallo,

die Teilnehmer hier machen tatsächlich eine Wissenschaft draus:


Erstaunlich was jenseits von Doppelschleifer und Dachbodenstufe so geht:emoji_slight_smile:

Gruß Dietrich
 

Lorenzo

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Ich hab ne Nassschleifmaschine von Jet mit nem Standardstein und nem Diamanten, Schruppsteine und Kombisteine für nen Nassschliff. Außerdem ne Diamantabrichtplatte für die Banksteine

Grobes mach ich mit den Schruppsteinen (Spiegelseite) oder dem Standardstein auf der Jet (Fase). Da führe ich das Werkzeug dann auch mit ner Lehre. Auf den Banksteinen alles Freihand. Ich hatte die Schleifführung von Veritas, war mir viel zu viel Einstellerei um nur mal schnell wieder auf Endschärfe zu kommen. Wenn man ab und an den Steinen mit ner Lehre nen sauberen Winkel verpasst kann man lange auf den Banksteinen nachschärfen. Mit bisschen Übung geht das dann richtig schnell. Den Diamanten auf der Jet verwend ich für HSS Eisen, da geht mit den Banksteinen zu wenig runter, abziehen dann aber auf dem Kombistein.

Die Nassschleifmaschine hat meiner Meinung nach nicht den Vorteil den sich viele (ich dachte das ursrpünglich auch) erhoffen dass das Schärfen auf einmal zum spassigen Kinderspiel wird. Man kommt um das Erlernen des Schärfens nicht herum, auch an der Maschine muss man einstellen um die Schneide rechtwinklig und im richtigen Schnittwinkel zu schleifen.

Ich mag den Hohlschliff den die Maschine hinterlässt, die Schneide liegt dann auf zwei sehr schmalen Referenzlinien auf und es ist relativ einfach die Fase auf den Banksteinen gerade zu führen. Außerdem muss man weniger Material abtragen. Die großen Steine auf der Maschine hinterlassen nen minimalen Hohlschliff, da muss man sich auch keine Sorgen machen wegen ner Schwächung der Schneide.

Nicht entmutigen lassen wenn das nicht gleich so funktioniert wie man das in Videos sieht. Der Fasenwinkel muss nicht aufs 100stel Grad stimmen, und wenn die Mikrofase nicht 100% parallel zum Hohlschliff verläuft ist das auch nicht dramatisch. Und im Lauf der Zeit wird das immer besser. Bei manchen Eisen muss man halt doch darauf achten, z.B. wenn die Schneide eines Hobelseisens nicht rechtwinklig zum Eisen verläuft z.B: Falzhobel mit ziehendem Schnitt. Das sind aber meistens dann Eisen die man auch nicht dauernd in Benutzung hat, und Kilometerweise hobelt.

Ich denke es lohnt sich wirklich die Zeit und vielleicht den Frust zu investieren um von Hand schärfen zu lernen. Dann geht man 30sek. an den Kombistein und kann weitermachen.

Frank73 und PurplePony haben das eigentlich schon super zusammengefasst. Die Jet hab ich mir aus einem Wunsch heraus gekauft der im Endeffekt nicht wirklich in Erfüllung gegangen ist. Jetz nutz ich sie aber trotzdem, eben für HSS Eisen, und für Küchenmesser. Vor allem die mit langer Klinge find ich auf der Maschine einfacher zu schärfen. Die Hauptarbeit machen aber die Banksteine und die Hände.
 

seschmi

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Ich habe einen CBN Stein auf einem Doppelschleifer mit 1400/min. Den nehme ich für alles außer Hobeleisen. Kein Abrichten, kein Wasser, einschalten, schärfen, ausschalten. An dem Doppelschleifer verwende ist die Tormek SVD 168.

Beim Drechseln schärft man ja alle 2-3 Minuten, da muss es eine einfache Lösung sein.

Hobeleisen sind schon kritischer, weil die halt sehr scharf und richtig winklig sein müssen.
 

NewbieS

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Na da habe ich den Threadtitel ja gut gewählt, viele verschiedene Meinungen bisher.

Die Tendenz geht aber eher zum Schleifen per Hand. Im Moment im Auge habe ich "Kleiner Kombistein KING" bei feinewerkzeuge.de Körnung: 1000/6000 für 33€. Die Nassschleifer sind aber auch noch nicht aus dem Spiel. Da habe ich aber noch kein genaues Modell im Blick. Tormek ist mir deutlich zu teuer, den günstigen ala Scheppach/Einhell traue ich nicht. Gibt es eine gute Mittelklasse?

Dann bin ich noch auf das Thema Natursteine gestoßen. Stichwort "Belgischer Brocken" und "Thüringer Steine". -Eine Überlegung wert?
 

benben

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100 Leute, die regelmäßig von Hand hobeln, also nicht nur ab und an den Putzhobel nutzen? Da hätte ich gerne mal einen Li nk zu HP. Gerne auch per PN

Ich belächelt das mit dem schärfen nicht, handhaben das aber auch anders, betreibe aber auch ordentliche Hobel Maschinen und nutze nur ab und an Stechbeitel und Putzhobel.

Gruss
Ben
 

PurplePony

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Meine Aussage: Da wird AUCH von Hand gehobelt.
Es geht hier nicht um die Menge des hobelns, sondern wie Schneiden geschärft werden und wie sich das in meinem Umfeld darstellt.
Link per PN gern.
 

PurplePony

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Na da habe ich den Threadtitel ja gut gewählt, viele verschiedene Meinungen bisher.

Die Tendenz geht aber eher zum Schleifen per Hand. Im Moment im Auge habe ich "Kleiner Kombistein KING" bei feinewerkzeuge.de Körnung: 1000/6000 für 33€. Die Nassschleifer sind aber auch noch nicht aus dem Spiel. Da habe ich aber noch kein genaues Modell im Blick. Tormek ist mir deutlich zu teuer, den günstigen ala Scheppach/Einhell traue ich nicht. Gibt es eine gute Mittelklasse?

Dann bin ich noch auf das Thema Natursteine gestoßen. Stichwort "Belgischer Brocken" und "Thüringer Steine". -Eine Überlegung wert?
Vielleicht wählst du tatsächlich zunächst einen Kombistein und guckst wie du damit klar kommst.
Ich habe mir seinerzeit eine Abziehhilfe für das Schleifen mit dem Stein in Form eines einfachen Keils hergestellt.
Schneide dir im Winkel der Schneide deiner Klinge einen Keil aus Holz und lege es zwischen Abziehstein und Eisen. So hälst du den Winkel einfacher.
Gerade kleine Eisen sind mir immer weg gekippt, mit dem Keil gings.
Habe jetzt leider kein Bild, ist halt ein Keil aus Holz, mehe nicht.
 

Friederich

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So mancher Schleifstein ist in der Mitte nur noch halb so dick wie an den Außenseiten. Wird trotzdem noch genutzt.
Spiegelseite kann man aber nicht auf einem hohlgeschliffenen Stein abziehen. Irgendeine Möglichkeit zum Abrichten des Steins muss schon sein. Das wärs dann aber tatsächlich schon. Mehr brauchts wirklich nicht.
 

hukiman

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Ich schärfe auch alles per Hand mit verschiedenen Steinen und Kamelienöl. Mit Wassersteinen hatte ich nie zutun, der Vorteil beim Öl ist meiner Meinung nach, dass das Stemmeisen oder was auch immer gleich wieder einen Korrosionsschutz hat. In der Firma nutzen wir verschiedene Schleifmaschinen, weil es einfach schnell gehen muss. Jedoch bekomme ich damit das Werkzeug bei weitem nicht so scharf wie von Hand. Was mich bei Maschinen noch stört ist zum Beispiel beim Stemmeisen die Rundung an der Schneide. Das stört, wenn man zum Beispiel in einem Zapfenloch das Stemmeisen auf dem Ballen aufsetzen möchte...

Für meine Schnitzeisen habe ich dann noch diverse Formsteine, jedoch wurden die bestimmt 10 Jahre nicht mehr verwendet, mangeln Zeit fürs Schnitzen... :emoji_pensive:

Falls du dich für das schäfen von Hand entscheidest würde ich dir empfehlen eine Schärfhilfe zu verwenden. Damit bekommst du auch als Anfänger super scharfe Eisen. :emoji_ok_hand:

Wie schon oben geschrieben wurde, muss so ein Stein auch immer wieder mal abgerichtet werden....
 

flow

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da Dein Ort Deutschland ist, kannst Du Dir das am Besten von jemandem von da zeigen lassen.
Jo :emoji_slight_smile:

Meiner Meinung nach kommt es nicht wirklich darauf an, das 'beste' System zu nutzen (welches auch immer das ist), sondern das, mit dem man am besten klarkommt. Ich hatte mit Schleifführung und Wassersteinen auch nach viel Übung (und viel Theorie-Aneignung) trotzdem nur befriedigende Ergebnisse. Mein jetziges System habe ich mal bei einem Schreiner ausprobiert und das lief von Anfang an deutlich besser. Von daher: Am besten verschiedene Sachen ausprobieren. Es gibt sicher Leute hier im Forum, die das gerne mal ermöglichen (wenn sie wüssten, wo Du wohnst).

Viele Grüße

Wolf
 

pedder

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Meine Aussage: Da wird AUCH von Hand gehobelt.
Es geht hier nicht um die Menge des hobelns, sondern wie Schneiden geschärft werden und wie sich das in meinem Umfeld darstellt.
Es geht bei der Menge des Hobelns auch immer um die Menge des Schärfens, das hängt nunmal voneinander ab. Und es geht beim Hobel wie beim Schärfen um die erforderliche Qualität. Eine sehr gute Oberfläche bekomme ich nur mit einem sehr scharfen Eisen (und gut eingestellten Putzhobel) hin, Schruppen kann ich auch mit dem Eisen direkt von Trockenschleifer.



Man muss Prioritäten setzen und Wahrscheinlichkeiten erwägen: Wer billig kauft, kauft vielleicht zweimal., wer teuer kauft, ist vielleicht über Jahre versorgt, nutzt es dann aber viel zu wenig. Und dann hängt viel von der Werkstatt ab: Wenn ich keinen direkten Zugang zu Wasser habe, finde ich Wassersteine und Nassschleifmaschinen ungünstig, weil die Benutzung immer ein Angang ist. Dabei ist früh schleifen besser. Trockenschleifmaschinen mag ich nur draußen verwenden, deren Staub in einer Holzwerkstatt, aber auch in einer Metallwerkstatt finde ich ätzend.
 
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