Lass den Kritikern ihr Spielzeug. Wasserstoff wird nie wirtschaftlich funktionieren.
Das ist leider eine völlig unzureichende Verkürzung. Was heißt denn wirtschaftlich? Und wovon reden wir? Von Autoantrieben, von Stahlherstellung oder thermischer Nutzung?
Wirtschaftlich unter den aktuellen Bedingungen oder unter fairen Bedingungen, in denen Folgekosten entsprechend eingepreist sind?
Fest steht, dass wir langfristig von CO2 wegmüssen, da die Folgekosten komplett außer Kontrolle geraten. Wir werden aber nicht 100% aus der CO2 Emission aussteigen können zum Glück kompensiert der Planet ja auch etwas, wir haben also ein CO2 Budget. Ein Beispiel ist z.B. Krankenhausmüll der aufgrund der Infektionsgefahr verbrannt wird und nicht deponiert wird. Ebenso wie vieler anderer Müll. Dabei wird zwangsweise CO2 entstehen und wir werden auch nicht jeden Ausgangsstoff biobasiert aufbauen können um den Kreislauf des Kohlenstoffs zu schließen. Auch beim Abbinden von Baustoffen etc. entsteht eine Menge CO2 was nur bedingt verhindert werden kann.
Wir müssen also dort, wo es einfach ist auch wirklich auf 0 CO2 kommen um das Budget für die Bereiche frei zu haben, wo wir es nicht vermeiden können.
Sonnen- und Windernergie sind quasi unbegrenzt verfügbar, und wir sind auf viel weniger Unterstützung von außen angewiesen (kein Öl/Uran/Kohle aus autoraktischen Staaten).
Das größte Problem stellt die Speicherung dar. Der aktuelle Strombedarf in D liegt ungefähr bei 1300GWh am Tag. Ich war mal in einem Vortrag des Aachener Professors für Speichertechnik. Um die größten Flauten zu überbrücken (inklusive Sicherheitspuffer etc.) liegt ungefähr bei 30 Tagen.
Wir haben da zwei Möglichkeiten:
A.) Batterispeicher massiv ausbauen (ggf. Probleme mit seltenen Erden, etc.)
B.) Wasserstoff massiv ausbauen und diesen in Gasspeichern speichern (entweder als Wasserstoff oder über Umwandlung zu Methan)
Da jede Energieumwandlung einen Verlust bedeutet will man eigentlich so wenig wie möglich davon. Also dort wo Strom funktioniert (Wärmepumpe, Auto etc.) wird das das Mittel der Wahl sein.
Es gibt aber auch Anwendungen, wo wir nicht um Wasserstoff herumkommen. Eisen/Stahlherstellung (anstelle von Kohlenstoff) oder bei Hochtemperaturprozessen. So ein Glasofen z.B. wird derzeit mit Erdgas "befeuert" und lässt sich zwar auf Wasserstoff umbauen aber nicht wirklich gut auf Strom.
Wenn wir also ohnehin die Wasserstoffherstellung und Infrastruktur massiv ausbauen müssen wäre ich mir nicht sicher, wo welche Technologie "wirtschaftlich ist".
Nur für die aktuell medial diskutierten Punkte wie das Auto ist es derzeit komplett eindeutig. Und da wir in den nächsten 15 Jahren umsteigen müssen wird sich das zumindest in dieser Zeit auch nicht durch "Technologieoffenheit" plötzlich auf Wasserstoff umstellen. Ob wir dann in 30-40 Jahren mit einer großen Wasserstoffstruktur die Vorzüge von "schnellem Tanken" denen der höheren Kosten vorziehen (Energieumwandlung ist immer verlustbehaftet es wird also ohne Subvention Strom immer günstiger als der daraus gewonnene Wasserstoff) wird sich dann zeigen.