Metabo ADH 1626 - großes Wälzlager an Messerwelle rumpelt

Dieses Thema im Forum "Neuling fragt Profi" wurde erstellt von PeterL, 1. Januar 2019.

  1. PeterL

    PeterL ww-pappel

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    Hallo woodworker - Kollegen,
    Zunächst einmal wünsche ich allen ein gesundes und erfolgreiches neues Jahr.

    Ich bin Peter und arbeite im Schwarzwald. Als Ausgleich zum Beruf beginne ich gerade mir eine Werkstatt für kleinere Holzarbeiten aufzubauen. Glücklicherweise habe ich von meinem Vater eine Metabo ADH 1626 Hobelmaschine übernommen. Das gute Stück ist in gutem Zustand nur seit einiger Zeit pfeift die Maschine beim Hobeln.

    Ich habe zunächst den Motor ausgebaut, der läuft aber glatt und rund ohne zu rumpeln. Im Gegensatz dazu die ausgebaute Hobelmesserwelle. Wenn ich den großen Lagerbock fasse und lasse die Welle nach unten hängen, rumpelt es im Wälzlager wenn ich die Welle drehe. Die Welle wackelt auch ein wenig in dem Kugellager. Das sieht nach einem Wälzlagerschaden aus. Eigentlich ist so ein Lagerwechsel keine große Sache, wenn da nicht die kleine Riemenscheibe für den Antrieb wäre. Die sitzt so bombenfest auf der Welle, dass ich die bisher mit einem Abzieher noch nicht runter gekriegt habe. Hat jemand von Euch schon mal so eine Reparatur gemacht? Oder wisst Ihr, wie Metabo die Rolle auf die Welle drauf gebracht hat? Ich vermute, dass die Rolle nicht nur aufgepresst wurde, vielleicht geklebt oder kalt gefügt, oder ...

    Ich freue mich auf Eure Anregungen

    Grüße aus dem Schwarzwald
    Peter
     
  2. Clemens J.

    Clemens J. ww-esche

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    Hallo Peter,

    habe mal auf meiner Explusionszeichnung für die Teile nachgesehen. So wie es da aussieht ist das Riemenrad als seperates Teil mit einer Nummer versehen und somit müsste es irgendwie abgehen.
    Vielleicht frägst du mal bei Metabo an, Teile bekommst du zwar wohl keine mehr, aber vielleicht den entscheidenden Hinweis wie du die Riemenscheibe runter bekommst.
    Hast du es schon mit erwärmen der Riemenscheibe versucht?

    Gruß Clemens
     
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  3. PeterL

    PeterL ww-pappel

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    Hallo Clemens,

    Das Erwärmen der Riemenscheibe habe ich schon probiert. Mit einem Heißluftgebläse das 200°C bringt mal ordentlich erwärmt. Aber da bewegt sich mit angelegtem Abzieher rein gar nichts.
    Zu deiner Anregung bei Metabo nachfragen: Kennst du da jemanden, der sich noch mit diesen Magnum-Maschinen auskennt? So viele Personen wird es dort nicht mehr geben...

    Gruß Peter
     
  4. JoergW

    JoergW ww-kirsche

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    Hallo Peter,

    wie ist denn die Keilriemenscheibe gesichert?
    Sichert evtl eine Madenschraube die Scheibe?
    Mach doch mal ein paar Bilder.
    Hast Du evtl in der Nähe ne Schlosserei, die das richtig erwärmen können?

    Gruß Jörg
     
  5. Dietrich

    Dietrich ww-robinie

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    Hallo,

    Herren Schwarzbeck und Kölle von der Technikhotline oder Herrn Kotz von der Instandsetzung bzw. Rep-Abteilung.
    Letzterer wird das selbst Dutzende Male gemacht haben...

    Gruß Dietrich

    PS: Zum Abziehen der Riemenscheibe kann ich auch nichts sagen, hatte ich selbst nicht in der Zeit der 1626 Nutzung.
     
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  6. PeterL

    PeterL ww-pappel

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    Hallo zusammen,

    Danke für alle Anregungen und Infos.
    @ Jörg: Die Keilriemenscheibe ist nicht durch eine Madenschraube gesichert. Ich finde auch keine Nut für eine kleine Passfeder. Die Rolle kann nur über Reibung mit der Welle verbunden sein.
    Siehe Bilder..
    Ansicht mit Lagerbock.jpg Ansicht von vorne.jpg

    @ Dietrich: Ich denke jetzt weiß ich wen ich in Nürtingen am Telefon brauche. Ohne Ansprechperson ist das immer so eine zähe Sache.

    Vielen Dank für Eure Hinweise. Mal schauen wann ich im Neuen Jahr einen der Herren ans Telefon kriege.

    Gruß Peter
     
  7. Hondo6566

    Hondo6566 ww-robinie

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    Hallo,
    hast du kein Abzieher? Sollte doch abgehen.
    Aber du hast ein größeres Problem, das Kugellager im innern ist so aufgebaut dass die Riemenscheibe den äußeren Kugelkäfig darstellt. D.H. ist das Lager defekt brauchst du eine neue Riemenscheibe, und die sollte nicht mehr lieferbar sein.

    Gruß Andreas
     
  8. uli2003

    uli2003 ww-robinie

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    Das Lager sitzt doch im Lagerbock und nicht in der Scheibe. Abzieher, Spannung drauf, und einen nicht zu zaghaften Schlag auf die Schraube. Vorher natürlich etwas warm machen.
     
  9. PeterL

    PeterL ww-pappel

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    Hallo Hondo6566 und uli2003

    Danke für Eure Rückmeldungen. Hier ein Detailauszug aus der Explosionszeichnung:
    Explosionszeichnung.png
    Mein Ziel ist die Keilriemenscheibe 7 von der Messerwelle runter zu kriegen. Dann komme ich an das Lager 11 im Lagerbock 56 dran.
    Das Kniffelige daran ist: die Keilriemenscheibe muss die rund 1600 W Leistungsabgabe des Wechselstrom-Motors auf die Hobelmesserwelle übertragen. Da gibt es aber keine Passfeder oder sonst eine formschlüssige Verbindung zwischen Keilriemenscheibe und der Welle. Das kann nur über eine recht hohe Reibung erfolgen.
    Ich telefonier mal mit den Spezialisten von Metabo um zu sehen wie die Scheibe runter geht. Mein Abzieher hat nämlich schon heftig gelitten...
    Gruß Peter
     
  10. PeterL

    PeterL ww-pappel

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    Hallo,
    Gestern konnte ich noch mit Hr. Kotz von Metabo sprechen. Aussage: Abzieher dran, ordentlich spannen, gut und intensiv erwärmen und ab und zu einen kräftigen Hammerschlag auf die Spindel. Die Kollegen in Nürtingen machen das nicht anders.
    So hab ich es dann auch gemacht wobei ich intensiver als bei meinem ersten Versuch erwärmt habe. Und dann ging die Riemenscheibe langsam runter. Nachträglich habe ich die Farbe der gedrehten Riemenscheibe mit den typischen Anlassfarben verglichen: so knapp 300°C werden das vermutlich gewesen sein.
    Im Nachhinein wird nun klar, warum: die Welle hat an der Stelle einen Durchmesser von 12,01 mm, gemessen mit einer Bügelmessschraube, der Innendurchmesser der Riemenscheibe hat knapp 12,00 mm.

    Nochmals herzlichen Dank für Eure Anregungen und Kommentare. Der Rest ist jetzt nur noch 'Arbeit'

    Grüße Peter
     
    Zuletzt bearbeitet: 4. Januar 2019
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  11. uli2003

    uli2003 ww-robinie

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    So hab ich bisher noch alle Scheiben runter bekommen. Je nach Passung kann sich das schonmal rustikal darstellen :emoji_wink:
     
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  12. Clemens J.

    Clemens J. ww-esche

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    Hallo Peter,

    Super dass es geklappt hat, jetzt weiß ich auch, dass es geht.
    Danke für die Rückmeldung.

    Grüße Clemens
     
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  13. Kakerlak

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    Ist das ein handelsübliches Lager?

    Gruß Tom
     
  14. PeterL

    PeterL ww-pappel

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    Hallo Tom,
    Laut Explosionszeichnung ist das ein Standard-Lager des Typs 6202 2RS DIN 625.
    Es gibt weder in der Stückliste noch am demontierten Lager Hinweise auf eine spezielle Eigenschaft wie reduzierte Lagerluft oder ... Spezialkäfig. Deshalb habe ich wieder so ein Standard-Lager eingebaut.
    Erfahrungen im Betrieb habe ich noch nicht, weil die Maschine derzeit wieder neu aufgebaut wird und das kann noch etwas Zeit brauchen.

    Grüße Peter
     
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  15. Kakerlak

    Kakerlak ww-fichte

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    Danke für die Info.
    Das steht mir auch alles noch bevor.
    Maschine läuft zwar, könnte aber besser...

    Gruß Tom
     
  16. PeterL

    PeterL ww-pappel

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    Hallo Tom,
    Ja ich kenne das Gefühl wenn man weiß, dass die Maschine einen Defekt (rumpelndes Wälzlager) hat und unbekannte Aufgaben vor einem stehen. Jetzt im Nachhinein war es aber kein Hexenwerk das Wälzlager zu tauschen. Wenn man noch davor steht, kommt es einem aber wie ein Berg vor. Für mich war das entscheidende mit ordentlich Wärme dran zu gehen. Dieser Rat wurde von den Fachleuten in Nürtingen bestätigt.
    Wenn Du diesen Wälzlager Tausch ins Auge faßt liegt es nahe das Nadellager (Typ HK 1016) IN der Rolle 55 ebenfalls zu tauschen. Bei dem davor liegenden Sonderlager würde ich keinen Lagertausch vornehmen, weil das was ganz spezielles ist. Ggf hat Clemens (vgl. Betrag Nr.#2) noch so eines übrig. Er hat die Spezifikation von Metabo beschafft und hat bei dem Hersteller eine Kleinmenge dieser Lager anfertigen lassen.
    Viel Erfolg bei Deiner Reparatur!

    Grüße Peter
     
  17. Kakerlak

    Kakerlak ww-fichte

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    Peter, vielen Dank.
    Mit Clemens habe ich schon Kontakt aufgenommen und glücklicherweise hat er noch ein Lager für mich.
    Es kommt also fast einer Revision der Maschine gleich.
    Mal schauen, bin kommenden Monat im Ländle, vielleicht erbarmt sich Metabo und verpasst ihr eine letzte Grundeinstellung. Ich fahre da einfach mal hin...
     
  18. Kakerlak

    Kakerlak ww-fichte

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    HK1016 gibt es leider in verschiedenen Größen, hast du da genauere Infos?
    Und wenn ich die Riemenscheibe abziehe, übersteht die das? Wegen der Hitze und dem Abzieher...
     
  19. PeterL

    PeterL ww-pappel

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    Hallo Tom,
    Ich habe gerade erst Deine Fragen gelesen.
    * Das Nadellager ist ein HK 1015. Sorry für meinen Tippfehler (es ist kein HK 1016!)
    Hier noch die Abmessungen zur Sicherheit: Außendurchmesser: 14 mm / Innendurchmesser: 10 mm / Länge der Hülse: 15 mm. So ein Teil kostet gerade mal 1 - 2 Euro. Aber dran denken, dass die Nadellager ohne Fettfüllung verkauft werden. Vor Inbetriebnahme unbedingt großzügig ein gutes Wälzlagerfett einarbeiten. Das soll ja die nächsten 20 Jahre wieder halten.
    * Riemenscheibe abziehen: Bevor ich die Keilriemenscheibe Nr. 7 abgezogen habe, habe ich zuerst die Riemenscheibe Nr. 55 angezogen. Die ging bei mir recht gut runter: Mit zwei Schlitz Schraubendrehern in den Spalt zwischen Riemenscheibe 55 und der Keilriemenscheibe 7. Mit ein bisschen Hebeln kam die gesamte Einheit 55 von der Welle runter. Zur Sicherheit, dass nicht alles auseinander fällt, habe ich das vordere Wälzlager mit der eigentlichen Rolle mit Klebeband verbunden.
    * Zum eigentlichen Abziehen der Keilriemenscheibe Nr. 7: Ich denke das Entscheidende ist, dass der Abzieher auf guter Spannung ist, dann die Keilriemenscheibe gut anwärmen und mit 2 - 3 gezielten Schlägen auf die Spindel des vorgespannten Abziehers einen ersten Ruck/ ein erstes Lösen zu erzielen. Spindel weiter eindrehen und nach erneutem Anwärmen ein weiterer Schlag auf die Spindel. So löst sich die Keilriemenscheibe langsam Stück für Stück. Was ich auch noch gemacht habe: Durch eine kleine Schraubzwinge habe ich die Backen des Abziehens sicher mit der Riemenscheibe verspannt... (das Foto zeigt zwar das Hauptlager aber mit der Riemenscheibe habe ich das schon so gemacht). Dadurch sind die beiden Arme nie von der Rolle bzw. dem Lager abgerutscht.
    Gesicherte Arme II.jpg
    Ich glaube dass es mit entscheidend war, dass durch die Hammerschläge axiale Impulse erzeugt wurden, die die Riemenscheibe von der Welle lösten. Wenn zu viel Gewalt am Abzieher aufgebracht wird, dann kann es die Riemenscheibe bestimmt auch verbeulen. Die ist ja nicht gehärtet. Und zum Thema Temperatur: Ich habe die vorher blanken, silbrigen Flächen nach der 'Wärmebehandlung' anhand der Anlassfarben von Stahl verglichen. Danach waren es gut 280 - 300°C gewesen. Das ist offensichtlich 'gut anwärmen'

    Viel Erfolg!
    Gruß
    Peter
     
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  20. Kakerlak

    Kakerlak ww-fichte

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    So, Erfolg ist zu vermelden.
    Nachdem Clemens so freundlich war und mir ein Lager beschaffen konnte, weitere freundliche Herren hier Hilfestellung leisteten (Dank auch an Peter) habe ich mich heute mal an die Überholung der ADH gemacht.
    Da ich etwas Angst vor dem Erhitzen hatte, habe ich mir einen billigen Abzieher speziell für Kugellager gekauft (s.g. Trennmesser). Unter 20€ und für weitere Projekte nutzbar.
    Also Maschine zerlegt, Messerwelle ausgebaut und den Abzieher angesetzt:
    Lager und Riemenscheibe ließen sich mühelos abziehen.
    Alles sauber gemacht, gutes Wälzlagerfett eingebracht und wieder montiert. Was soll ich sagen: sie läuft prima...
    Einziges Problem: der angeblich passende Flachriemen aus Gelsenkirchen ist zu kurz. Daher natürlich viel zu stramm so das er nach wenigen Minuten abspringt. Reklamation läuft...
    Alles in allem aber eine gelungene Wiederbelebung.
    Danke für eure Hilfe.
    Gruß Tom
     

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    Zuletzt bearbeitet: 21. März 2019
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