Massiver Esche-Tisch mit Schweizer Kante.... und ein Bett

DZaech

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Hallo zusammen

Ich möchte hier mal ein kleines Projekt vorstellen. Und zwar geht es um einen klassischen Tisch mit Gestellfuss in Esche, sowie ein Doppelbett, ebenfalls in Esche.
Die beiden Möbel sind für einen guten Kollegen, ich produziere sie in meiner privaten Werkstatt, von da her bin ich etwas eingeschränkt. Ich habe also nur die normalen Maschinen und Handmaschinen zur Verfügung, weswegen ich auch kleine Kompromisse eingehe. Gewisse Arbeitsschritte würde ich im Normalfall vermeiden, bzw. viel einfacher machen.

Nichtsdestotrotz ist es für den einen oder anderen sicher Interessant. Ich zeige hier fortlaufend die Arbeitsschritte auf, welche ich mache / gemacht habe. Zuerst wird der Tisch gefertigt, danach dann das Bett, dazu aber später dann mehr Infos. Die ersten Arbeitsgänge sind noch gemeinsam, danach wird zuerst nur am Tisch gearbeitet. Ich habe bisher einen Tag daran gearbeitet. Die Dokumentation bezieht sich momentan nur auf den Tisch.


Tisch
Der Tisch wird ein Massivholztisch zu einem Eckbank, ausgeführt in Esche mit Braunkern, mit den Abmessungen 1600x900mm. Anbei ein Aussschnitt vom Plan, an welchen ich mich grob halte. Dieses Design wähle ich im Normalfall bei Tischen die in einem klassischen, aber doch modernen Stil erscheinen sollen. Soll heissen; nicht ganz schlicht, mit Zierfasen und Schrägschnitten, sowie Schweizer Kante, aber ohne Profile oder andere runden Elemente. Der Doppelfuss mit Mittelsteg ist sehr stabil und ermöglicht es dass man gut um die Bankecke rutschen kann. Ein ganz normaler Tisch eben. Die Oberfläche wird matt lackiert mit PU-Klarlack.

Tische_Screenshot_1.JPG


Holzauswahl

Für dieses Projekt habe ich 0,5 Kubikmeter ofentrockene Esche mit Kern in der Stärke 52mm besorgt. Es sind alles Rift- und Halbrift-Bretter gewesen, total 6 Stück. Wichtig ist gerade bei BK-Esche, dass die Brauntöne nicht zu fest variieren, wenn die Bretter aus mehreren Stämmen sind. Da gibt es teilweise grosse Farbdifferenzen.


Rohzuschnitt lange Teile

Der Rohzuschnitt erfolgte dann vor der Werkstatt direkt ab dem Anhänger. Auf Länge gebracht wurden die Bohlen mit der E-Kettensäge. Zum Besäumen nutze ich eine 85mm Handkreissäge mit Schiene. Meine Formatkreissäge hat nur 1500mm Schiebetischlänge, dementsprechend musste ich alle längeren Teile mit eben genannter Handkreissäge besäumen. Der Einfachheit halber habe ich auch die Parallelschnitte gleich so gemacht.

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Rohzuschnitt kurze Teile

Die kürzeren Teile für das Untergestell wurden dann auf der Formatkreissäge besäumt bzw. anschliessend auf Breite gesägt. Somit waren nun alle Teile, sowohl für den Tisch als auch für das Bett, bereit zum aushobeln. Ich schreibe bei diesen Arbeitsgängen die Teile immer stirnseitig mit Edding an, das sieht man auch nach dem aushobeln noch.

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Aushobeln


Auf der Felder habe ich nun alle Teile abgerichtet und anschliessend auf Dicke bzw. Breite gebracht. Zur Unterstützung benutze ich bei längeren Teilen einen Rollenbock und auf der anderen Seite die Tischverlängerung der Maschine. Da ich in der kleinen Werkstatt hier immer darauf angewiesen bin, dass ich möglichst wenig schleifen muss, handhabe ich es immer so, dass ich die Teile mit knapp 1mm Übermass hoble. Dann kann ich jede Seite nochmals mit 0,5mm Spanabnahme hobeln und erhalte so eine Flache, die ich nur noch wenig überschleifen muss.


Verleimen

Nach dem Aushobeln ging es auch schon an das verleimen der Tischplatte. Dazu habe ich ein möglichst harmonisches Holzbild zusammengestellt, und die Verleimregeln, soweit möglich, beachtet. Ich persönlich werte das Bild immer höher als die Verleimregeln, das muss aber jeder selber für sich entscheiden. Ich lege meine Konstruktionen darauf aus, dass das Teil ohnehin gerade gehalten wird. Die Platte habe ich dann mit PU verleimt, in meinem Fall Semparoc Rapid V. Ich möchte dazu keine Diskussionen eingehen oder lostreten. Wir verleimen im Betrieb alle Tischblätter seit einigen Jahren konsequent mit PU. Damit haben wir wesentlich weniger Probleme was Fehlverleimungen angeht, und der Leim bleibt trotz kurzer Presszeit (45min) fast eine Viertelstunde lang noch verschiebbar. Zudem kann man den Schaumleim auch im trockenen Zustand super entfernen, und er setzt die Schleifbänder nicht zu.

Zum Verleimen habe ich meine 4 Juuma Leim-Zwingen benutzt, sowie zwei grottenschlechte Baumarkt-Zwingen mit 120cm Länge. Furchtbare Einrichtung mit diesem Schrott von Zwingen, ich freue mich jetzt schon darauf, wenn ich endlich meine Schreinerei habe. Um das ganze plan und bündig zu kriegen, habe ich an drei Stellen Kanthölzer darübergespannt. Nach 20 Minuten wurden diese wieder entfernt, damit sie nicht zu fest ankleben. Deswegen sind sie auf den Bildern schon nicht mehr zu sehen.

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Vorschleifen...

Als nächstes folgt ein Arbeitsschritt, den ich eigentlich zutiefst verabscheue. Der erinnert mich immer an irgendwelche Youtube-Videos wo selbsternannte Bastler und Heimwerker Leimholz produzieren. Und zwar das "Vorschleifen" mit der Rotex. Nun gut, ich habe keine andere Wahl, da mir hier jegliches andere Mittel fehlt, um die Platte zu kalibrieren. Hauptsächlich geht es darum die Leimresten zu entfernen, denn Absätze zwischen den Lamellen habe ich weitgehendst vermieden. Also die Makita-Rotex ausgepackt, K80 drauf und dann vorsichtig die Platte beidseitig überschliffen. Immer bedacht darauf, keine Dellen und Vertiefungen einzuschleifen. Das rächt sich spätestens beim lackieren dann nämlich. Das Ergebnis sieht dann doch schon mal sehr vielversprechend aus. Wenn auch der Farbunterschied der Lamelle ganz aussen mich etwas stört. Ich hoffe sehr das gleicht sich beim lackieren noch etwas an.

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Formatieren

Mangels anderer Möglichkeiten, habe ich auch das Formatieren der Leimholzplatte händisch mit der Tauchsäge erledigt. Ist auch gar nicht so heikel bei einem Tisch, ob die Platte 100% rechtwinklig ist. Das Ergebnis bisher gefällt mir bis jetzt gut.

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Als nächstes folgt dann die Herstellung der Schweizer Kante und des Untergestells. Das wird sicher der spannendere Teil. Das wird aber frühestens am nächsten Samstag sein. Ich werde einfach fortlaufend dokumentieren, wenn es neue Arbeitsfortschritte gibt.

Ich hoffe, den ein oder anderen interessiert dieses Thema


Grüsse David
 

elmgi

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Wenn auch der Farbunterschied der Lamelle ganz aussen mich etwas stört. Ich hoffe sehr das gleicht sich beim lackieren noch etwas an.
Die hellen Teile der Esche gleichen sich relativ schnell an, d.h. dunklen nach, sofern durch das Lackieren/Ölen keine gegenteilige Maßnahmen ergriffen werden. Schon nach wenigen Monaten wird der starke Kontrast Braunkern/helle Teile verschwunden sein.
 

Micha83

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Sieht bis jetzt ganz gut aus, aber schmeiß die Dinger mit den Schwarz gelben Griffen weg, Zwingen will ich es gar nicht nennen.
Ein Kuhschwanz hat mehr Spannkraft.
Nicht nur in den Maschinenpark investieren, sondern auch in Hardware, ordentliche Zwingen hast du ein Leben lang.
Hast du für deine FKS keinen Anschlag oder warum Formatierst du mit der HKS?

Gruß Micha
 

DZaech

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@Micha83

Wie schon erwähnt im Forum, ich bin momentan in einer Zwischenlösung. Ich mache ab und zu Aufträge in meiner privaten kleinen Werkstatt. Momentan bin ich auch noch berufsbegleitend in einer Weiterbildung zum „Produktionsleiter Schreinerei FA“. Ich bin gelernter Möbelschreiner und arbeite in einem mittelgrossen Betrieb als Ausbildner, Maschinist und Werkstattschreiner.

Ich übernehme aber nächstes Jahr eine kleinere Schreinerei, von daher werde ich in meine jetzige Ausrüstung nicht mehr allzu viel investieren. Meine finanzielle Orientierung dient eher der zukünftigen Firma/Werkstatt.

Deshalb muss es jetzt das halbe Jahr noch mit den vorhandenen Mitteln klappen :emoji_wink:

Die gelb-schwarzen Schrottzwingen habe ich seit 10 Jahren und ich fluche jede Sekunde darüber, wenn ich sie benutze...

Bzgl. der Formatsäge, die Werkstatt ist nur 5x5m, und ich habe an der RGA nur einen 150cm Schlitten mit ca 135cm nutzbarer Länge. Also mache ich in dem Fall lieber gleich alle Schnitte mit der Tauchsäge.
 
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Holzrad09

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Bzgl. der Formatsäge, die Werkstatt ist nur 5x5m, und ich habe an der RGA nur einen 150cm Schlitten mit ca 135cm nutzbarer Länge. Also mache ich in dem Fall lieber gleich alle Schnitte mit der Tauchsäge.
Ein 2 - 2,50m Besäumbrett willst Du nicht in der Tischnut deines Schiebeschlittens laufen lassen und bei Nichtgebrauch wegstellen ?
LG
 

DZaech

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Ein 2 - 2,50m Besäumbrett willst Du nicht in der Tischnut deines Schiebeschlittens laufen lassen und bei Nichtgebrauch wegstellen ?
LG
Hinter dem Sägeblatt sind leider nur 170cm bis zur Wand... Ich habe ein Besäumbrett aber naja, ein 2m Stück kann ich damit nicht besäumen, und die schweren Bretter in den ersten Stock hochtragen ist auch nicht so mein Ding. Und die HK 85 schneidet die 50er Bretter so spielend, da mach ich das einfach schnell draussen, auf zwei Böcken.
 

Macchia

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Ich hoffe, den ein oder anderen interessiert dieses Thema
aber klar, ich schau anderen immer gerne beim arbeiten zu...
man lernt nie aus.
Die Argumente für PU Leim leuchten ein, doch die Sauerei hält mich davon ab.
Wie macht ihr das an der Verleimpresse, da läuft euch doch der ganze Kram runter und saut alles ein?

Danke für das zeigen!

PS:
die Bananenzwinge würde ich behalten so ein Dosenblech habe ich an einer Zwinge noch nicht gesehen
oder ist die mal so derartig malträtiert worden?
Soll ja Leute geben die mit sowas Kfz Teile wieder gerade biegen...

Dann drücke ich mal die Daumen das alles klappt mit der Übernahme der Schreinerei!
schon alleine der Zwingen wegen.
 

DZaech

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Wie macht ihr das an der Verleimpresse, da läuft euch doch der ganze Kram runter und saut alles ein?

Danke für das zeigen!

PS:
die Bananenzwinge würde ich behalten so ein Dosenblech habe ich an einer Zwinge noch nicht gesehen

Ja es läuft auch da überall runter, aber den Schaum kriegt man ganz leicht weg von den Presseinheiten, fast besser als Weissleim.


Ja die Flexibilität dieser Zwinge erstaunt mich auch immer wieder. Ich habe noch keine andere Zwinge gefunden, die auch nur ansatzweise so „die Biege“ macht... Kernschrott aus dem örtlichen Baumarkt. Die habe ich mal an einem Samstag angeschafft, als es unbedingt sein musste, und kein anderer Laden zur Verfügung stand... eine Tat die ich bis heute bereue.
 

ChrisOL

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Die Zwingen wollten wohl zum Bogenschießen antreten? :emoji_wink:

Deine Arbeitsschritte sehen bei mir in der Hobbywerkstatt sehr ähnlich aus.
Das was du vorschleifen nennst mache ich mit der Rauhbank. Das geht fast so schnell wie K80 + Rotex. Dafür bekommt man ein sehr ebene Fläche ohne Dellen.

Bin gespannt wie es weiter geht.

Freue dich auf die neue Werkstatt!
 

Lorenzo

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Hallo David,
schön mal bisschen von deinem Möbelbau mitzukriegen. Gerne öfter! Ich finde deine Beiträge hier im Forum immer sehr gut und auf den Punkt gebracht. Man merkt dir die Lehrtätigkeit an, und das passt auch gut finde ich. Hoffentlich wirst du in Zukunft auch in deiner eigenen Schreinerei ausbilden. Ich wünsch dir alles Gute dafür!
LG, Lorenz
 
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DZaech

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Hallo David,
schön mal bisschen von deinem Möbelbau mitzukriegen. Gerne öfter! Ich finde deine Beiträge hier im Forum immer sehr gut und auf den Punkt gebracht. Man merkt die die Lehrtätigkeit an, und das passt auch gut finde ich. Hoffentlich wirst du in Zukunft auch in deiner eigenen Schreinerei ausbilden. Ich wünsch dir alles Gute dafür!
LG, Lorenz
Hallo Lorenz, danke für die Blumen :emoji_wink:

Ja ich hoffe ebenfalls dass ich in zwei bis drei Jahren dann einen Auszubildenden aufnehmen kann in meiner Firma. Es macht mir momentan wirklich fast immer Spass, den Lehrlingen das Handwerk beizubringen. Wenn auch ich durch meine Weiterbildung oft nicht im Betrieb bin und immer auch noch einige Projekte betreue gleichzeitig.

Zusammengefasst hatte ich in meiner Lehrzeit immer Freude neues zu lernen und gut erklärt zu bekommen. Dies und die Freude am Handwerk mit Holz möchte ich auch so weitergeben...
 

bberlin

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Schön, dass Du hier die einzelnen Schritte der Entstehung Deines Projekts zeigst. Und dann noch in Esche, eines meiner Lieblingshölzer,

Ich bin gespannt auf die nächsten Beiträge.
 

Micha83

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Dann sind ja in der neuen Werkstatt sicherlich noch ordentliche Zwingen mit dabei. :emoji_wink:
Ich wünsche dir viel Glück, beim Start der neuen Firma.
Gruß Micha
 

DZaech

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Gestern ging es etwas weiter in Sachen Tisch. Da ich noch von diversen anderen Arbeiten aufgehalten wurde, bin ich nicht so vorwärts bekommen wie ich wollte, aber nun ja...

Der Plan war, die Schweizer Kante an das Tischblatt zu bekommen, sowie mit dem Gestellfuss anzufangen. Für diesen habe ich mir etwas spezielles einfallen lassen. Normalerweise schraube ich das Fussgestell immer nur mit einer Querleiste an der Tischplatte fest, also ohne „echte“ Gratleiste. Das ist für das Handling im Betrieb und auch bei Kunden einfach praktischer. Und zahlen möchte die unsichtbare Gratverbindung auch niemand....

Hier im Forum sind aber Gratleisten ja sehr in Mode, vor allem bei den Hobbyisten :emoji_wink: Also habe ich mich entschieden dieses Mal die Verbindung Blatt - Gestell einzugraten.

Zuerst kommt aber noch die Kante dran...


Schweizer Kante
Immer wieder Thema ist ja wie man am besten eine schöne, flache Schweizer Kante herstellt. Mir ist dabei wichtig dass es nicht „nur“ eine etwas grössere Fase ist, sondern wirklich ca. 20° Abflachung mit mindestens 80mm Breite. Diese herzustellen ist nicht ganz einfach. Eleganteste Lösung ist sicherlich mit einem Schwenkmesserkopf. Ich habe mittlerweile einen mit 80mm Schneidenlänge gefunden, genau das richtige Werkzeug für diese Arbeit. Allerdings fehlt mir momentan der Investitionswillen dazu, und zweitens könnte ich den momentan auch gar nicht verwenden, da ich hier nur eine Elektra Beckum TF 100 habe. Die grosse Tischfräse für meine Firma habe ich zwar schon seit über einem Jahr, aber die ist noch eingelagert in einer Halle, da ich hier keinen Platz dafür habe.

Also musste eine andere Möglichkeit her. Ich habe das bisher schon einige Male so gemacht. Und zwar mit der HKS auf der Schmalkante geführt. Geht recht gut mit Mafell oder Festool Geräten, da die einen durchgehenden Parallelanschlag haben, welchen man etwas aufdoppeln kann. Säge 20° schräg stellen und los gehts. Die vier Schnitte sind schnell gemacht und werden mit etwas Übung auch recht genau. Nur das Ende des Schnitts ist jeweils etwas wackelig.

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Danach noch etwas Nacharbeit mit dem Elektro- und Handhobel. Wichtig ist dass die stirnseitige Stärke im Auge behalten wird, die soll ja gleichmässig sein. Das kann man gut mit einem umlaufenden Streichmassriss kontrollieren. Die Effektive Fasenbreite variiert bei der händischen Bearbeitung halt etwas, das ist aber gar nicht sichtbar und fällt im umgedrehten Zustand dann auch gar nicht auf.

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Schlussendlich noch Schleifen mit dem Exzenter. Jetzt kann man auch die Ecke noch etwas nachkorrigieren, damit die Eckkante schön 45° auf die Spitze läuft. Die ganze Kante ist in ca. einer Stunde fertig und geschliffen.

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Gratnut

Als nächstes kommt die Gratnut dran. Ich möchte ja das Gestell eingraten. Die Nut wird dazu 480mm lang. Hier ist eine sehr stark konische Nut erforderlich. Meine hier verjüngt sich von 80mm auf 30mm. Dies, damit später die Gratleiste nicht zu fest abgesetzt werden muss zum einfahren. Mit dieser Steigung sind etwa 50mm auf der breiteren Seite später dann leer.

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Die Gratnut fräsen

Dazu habe ich eine Schablone benutzt. Zuerst wird mit einem 12mm Spiralnutfräser und Kopierring mit etwas Untermass ausgeräumt. Danach habe ich mit einem Gratfräser mit Anlauflager noch geschlichtet.

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Gratleiste

Für das Gegenstück habe ich ebenfalls eine Schablone. Denn ich möchte die Leiste selbst nicht konisch machen, also muss der konische Grat auf eine parallele Leiste. Wenn die Gratleiste nicht zum Gestell gehört, ist es ansonsten das einfachste die ganze Leiste konisch zu machen und dann den Grat mit dem Parallelanschlag anzufräsen. Aber wie gesagt, das geht in diesem Fall nicht.

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Dazu habe ich eine konische Leiste angefertigt, die zur Nutschablone passt. Durch längsseitiges verschieben kann die Breite des Grats ganz einfach verändert werden. So wurde also die Schablone aufgeschraubt und der Grat angefräst.

Dann wird das schmale Ende der Nur vermessen und auf der (noch längeren) Leiste genau bestimmt. 15mm werden noch dazugegeben um das Nutende zu überdecken. So wird die Leiste dann abgelängt. Anschliessend den Grat an der Bandsäge um die genannten 15mm abgesetzt.

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Danach wird bestimmt wie viel Länge zum einfahren nötig ist. In meinem Fall 50mm. Also wird die Leiste auf 510mm abgelängt. Dann werden auf der breiteren Seite 65mm des Grates abgesetzt (50mm zum einfahren + 15mm um das Nutende zu überdecken).

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Danach folgt die Passprobe. Da der Konus so stark ist, reichen ca. 10mm klemmende Länge aus (d.H. Die Leiste sollte bis zu den letzten 10mm noch mit händischer Kraft eingeschoben werden können). Weiter kriegt man die Leiste sowieso nicht eingeschlagen.

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Wichtig ist zu beachten dass solch stark konische Gratleisten nicht so stark selbsthemmend sind wie ein ganz flacher Konus. Aber da sich das einfahren und auch die genaue Position sonst nicht realisieren lässt habe ich das hier extra so gewählt. Und es ist in diesem Fall ja auch hauptsächlich als Holzverbindung, nicht als Stabilisierung gedacht.

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Nachdem die Leisten also passen, habe ich die Platte unten fertig geschliffen und verputzt. Sie wird nun zu Seite gestellt, als nächstes kommt das Gestell an die Reihe. Die Oberseite der Platte wird erst als Letztes fertig geschliffen und gefast, da die Platte noch einige Male auf der schönen Seite liegt bis alles fertig ist.

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Weiter gehts dann im nächsten Beitrag mit dem Untergestell....

Schönen Sonntag
David
 

yoghurt

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Hallo,
vielen Dank für die gute Doku! Insbesondere die Schweizer Kante mit der HKS werde ich mir merken!

Ein wenig OT: weiß jemand warum das „Schweizer Kante“ heißt?
 

DZaech

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Danke für die Komplimente :emoji_wink:
Wieso es Schweizer Kante heisst? keine Ahnung, aber interessante Frage... Zumal die Bezeichnung hier bei uns gar nicht üblich ist, kenne das erst aus dem Forum so. Vorher hatte ich gar keine konkrete Bezeichnung dafür ausser „Abschrägung“ :emoji_thinking:



Und nun, weiter im Text...

Gestern und heute Abend hatte ich wieder ein wenig Zeit um weiter zu arbeiten am Tischgestell.

Als erstes habe ich noch Mass genommen zwischen den Gratleisten, dann die Platte zur Seite gepackt. Dieses Mass brauche ich später um den Steg zu bearbeiten.

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Danach habe ich auf den Gratleisten (bereits abgelängt) und denn Fusshölzern die Positionen der Füsse, sowie die flachen Schrägschnitte angerissen.

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Verbindungen

Dann habe ich gleich die Domino-Löcher gefräst, anhand der Risse. Da sich der Schwenkanschlag nicht genügend weit schieben lässt, um bei 90mm Breite in die Mitte zu kommen, habe ich den umgekehrten Weg genommen und 35mm unterlegt. Zusammen mit den 10mm Versatz von Grundplatte bis Fräsermitte habe ich die Löcher nun sauber mittig positionert. Die Löcher sind passgenau gefräst, diejenigen in den Füssen fräse ich dann auf der kleinen Übermasseinstellung.

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Danach werden die Fusshölzer noch abgelängt.

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Flache Schrägen schneiden

Nach dem Fräsen kamen die flachen Anschnitte. Dazu habe ich eine rechtwinklige Platte an den 20° schrägen Winkelanschlag gespannt. So ist eine flache 20° Schräge einfach zu schneiden. Der zurückgezogene Parallelanschlag dient als Längenanschlag .

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Zierfasen fräsen

Nun kommen die Zierfasen an die Reihe. Ich möchte eine 15° Schräge mit ca. 3mm grosser Platte fräsen. Und zwar auf die selbe Höhe wie der flache Anschnitt.

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Als Werkzeug kommt ein auf 15° eingestellter Schwenkmesserkopf zum Einsatz. Die Messer sind auf die falsche Seite schräg gestellt, und der Fräser wird für Linkslauf eigebaut. Dies, da die Schneiden auf der normalerweise „oberen Ecke“ kleine Ausbrüche habe. Und da ich eine Art Falz fräse, bin ich auf eine scharfe, unbeschädigte Spitze angewiesen, deshalb die Linkslauf / umgedrehter Fräser Einrichtung.

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Die Höhe und die Tiefe wird also sauber eingestellt, und ruckzuck sind die 8 Kanten profiliert.

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Auskehlung an den Fusshölzern

Jetzt fehlt noch die mittige Auskehlung an den Fusshölzern. Das mache ich immer an der Abrichthobelmaschine. Es wäre natürlich auch möglich mit Fräse und Hobelkopf, dazu ist aber viel mehr Einstellerei nötig, Einfahrstütze, etc. Mit der Hobelmaschine wird die Auskehlung zwar mittig etwas weniger tief, das fällt aber bei einem Tisch ganz und gar nicht auf.

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Es wird dabei bei 80mm eingefahren und mit maximaler Spantiefe bis 80mm vor das Ende gehobelt, und dann wieder ausgefahren. Dann wird das Werkstück gedreht und in die andere Richtung nochmals das selbe. So entsteht die Auskehlung.

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So, für heute reicht das erstmal an Berichterstattung. Das Tischgestell wurde danach bereits geschliffen, der Steg wurde gefertigt und alles wurde verleimt. Der Bericht dazu kommt aber erst morgen oder übermorgen. Es bleibt aber spannend, u.A. kommt noch ein Nutwerkzeug auf der Formatkreissäge zum Einsatz....


Schönen Abend
David
 

benben

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Schön dokumentiert. Du hast da echt das Talent die Sachen gut rüber zu bringen.

Das mit der Abrichte kenne ich wohl auch so, aber eigentlich gehört da auch Einsetzvorrichtungen hin. Ich weiß du nimmst am Anfang kein Material ab.
Sicher bin ich mir aber auch nicht, wie man das wirklich sicher ausführt......

Gruss
Ben
 

DZaech

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Hallo Ben

Vorgeschrieben ist eine Rückschlagsicherung/Abstützung (zumindest von der Suva) nicht. Wird auch im Suva-Filmchen ohne solche gezeigt. Und auch an den Maschinenkursen bzw. praktischen Prüfung wird ohne gearbeitet. Hände gehören aber beim Einsetzen dann zwingend vor die Hobelwelle, und die Schutzbrücke über das Werkstück, was bei kleinen Teilen manchmal schwierig ist. Deshalb arbeite ich je nach Werkstück auch gerne mit Abstützung, vor allem wenn es kleine oder kurze Teile sind. Aber so einen 600mm langen, 90x45mm Prügel bearbeite ich ganz klar ohne Abstützung. Einfahren natürlich mit einer leichten Vorwärtbewegung.

Bei den Lernenden handhabe ich das so, wer sich unsicher fühlt oder nicht vertraut ist mit dem Arbeitsgang sollte immer eine Abstützung anbringen.


Grüsse David
 

VolkerDK

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Hallo! Tolle Doku, Materialwahl und Design gefallen mir auch!
Eine Frage habe ich: Warum hast du so einen grossen Keilwinkel gewaehlt?
Ich waehle etwa 2mm / 700mm Keil, finde damit kann man die Leiste dann gut dosiert mit zum Beispiel einer Korpuszwinge einpressen auf die gewuenschte Position.
Sicherst du die Gratleiste einseitig mit Leim oder so? Wuerde die sonst nicht rauswandern im Laufe der Jahre?

Tolle Idee die Schweizer Kante mit der HK zu machen, habe die selbe, aber darauf bin ich noch nicht gekommen :emoji_grin:
Auch das Besaeumen der Bohlen mache ich genauso, alles was man draussen wegschneiden kann ist schonmal gut, und auch geschuesselte Bohlen kann man gut schneiden. Schont auch den Ruecken, wenn die Riegel nur noch halb so breit sind.

Viel Erfolg beim Weitermachen!
 
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