Mahagoni bleichen und beizen?

Lutzeputz

ww-ahorn
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Hallo.
Ich bin gerade dabei mir eine e-Gitarre selber zu bauen.
Habe aber jetzt ein kleineres Problem.
Ich hätte die Gitarre gerne Rot gebeizt.
Mein Holz, irgendeine Mahagoniart (war mal eine Treppenstufe..), ist aber recht dunkel.
Die Gitarre sollte ungefähr so werden:
Klick mich

Mein Holz hat aber eine recht dunkle natürlich Farbe:
Klick mich auch

Kann man Mahagoni bleichen und dann beizen?
Gibt das was vernünftiges hinterher oder lieber finger weg?

Lutz

P.s.
Wenn es einen Interessieren sollte
Mein Gitarrenbau blog:
http://lutzgitarrenbau.blogspot.com/
 

edelres

ww-robinie
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Gitarre Beizen Lackieren.

Hallo Lutz,

dies ist moeglich, setzt jedoch viel Geduuuuuuuuuuuuuuuuld voraus und noch mehr Zeit.
In deinem Fall muss die Gitarre vor dem Bleichen so vorbereitet sein, dass an dieser nichts mehr geschliffen werden muss. Evtl beim Bleichen/Beizen entstehende Rauheit wird beim Schleifen der Grundierung beseitigt.

Willst du einen genauen Farbton erreichen geht dies nur in Lasurtechnik. Falls du jedoch mit einem quasi roetlichen Zufallston zufrieden bist ist dies wesentlich einfacher. Ein Porenfueller verbietet sich in deinem Fall, da dieser den Grund verschleiert, der kristallklare Eindruck geht verloren.

Die Grundierung wird mit einem Hochglanzlack mit mehreren Schichten aufgespritzt. Diese Schicht muss so stark sein, dass beim Glattschleifen, ein Durchschliff vermieden wird.

Bei Nitrolack muss man 4 Wochen warten bis dieser seine Endhaerte erreicht hat. Bei den 2k Lacken der Autoindustrie(*) genuegen 1 bis 2 Tage Wartezeit. Der Hochglanzlack muss die Poren fuellen, falls das nicht im ersten Anlauf gelingt, nochmals Lack auftragen und die Wartezeiten einhalten. Nun wird die Oberflaeche nass geschliffen (laufendes Aufspruehen von Wasser oder besser Waschbenzin=Oelfarbverduenner) Trockenschliff unbedingt vermeiden. Mit 320er auf einem harten Filzklotz beginnend Vorschleifen bis die Oberflaechegleichmaessig matt/ glatt aussieht und keine glaenzenden Dellen sichtbar sind. Nun mit 400er 600er 1000er
fortfahren mit dem Nasschliff, nach dem 1000er verwende ich die Auspoliermittel der Autolackierer und der Endschliff erfolgt mit einer Poliermaschine.

Die Endpolitur uebertrage ich meinem Nachbarn, einem "high End" Autolackierer dieser hat die Fertigkeiten welche mir fehlen.

Durch den Aufwand, welcher bei der Herstellung dieser Gitarren alleine fuer die Lackierung notwendig wird, faellt der Preis der selben dementsprechend aus.

Mit dem Willen so etwas zu Schaffen und nicht zu erschueternder Geduld laesst sich so etwas erreichen.

(*) Ich verwende Klarlacke fuer Autos der Firma Spies & Hecker (oder so aehnlich) aus D. Diese kann ich in Literdosen Lack und entsprechend kleinere Dosen Haerter kaufen. Nicht billig 40 bis 80 US$ der Liter, aber Konkurrenzlos gut und haltbar. Die 2k Lacke fuer Holz zaehlen zu den Industrielacken und duerfen nicht in Gebinden kleiner 5 Gallonen/19 liter verkauft werden.

Bei einigen Bootsbauern/Restauratoren, habe ich Hochlanzlackierungen in 2k Epoxidharz gesehen, diese Lackierungen sollen strapazierfaehiger sein, keine eigenen Erfahrungen damit.

Als Gedankenanstoss fuer dein Vorhaben.

mfg

Ottmar
 

Lutzeputz

ww-ahorn
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Hallo Ottmar!
Danke für deine ausführliche Anleitung.
Mir geht es aber eigentlich nur um das Bleichen und Beizen selber.
Ich bin selber Tischler und kenne mich mit der eigentlichen (hochglanz) Lackierung aus.
Nur mit bleichen kenne ich mich nicht aus...

Kann man prinzipiell jedes Holz (speziell Mahagoni natürlich) bleichen?
Bleicht man mit Wasserstoffperoxid oder gibt es da noch etwas anderes?
Muss man das Bleichmittel hinterher neutralisieren?
Kann es „spätfolgen“ geben: Bleichmittelreste im Holz und der Beize?
(Nicht das die Gitarre hinterher Flecken bekommt weil die Bleichmittelreste die Beize ausbleicht....)

Ich will nicht genau diesen Farbton treffen sondern nur ein helles Rot im allgemeinen.

Will natürlich erstmal einige Probestücke machen.
Wenn alles schief geht wird die Gitarre Schwarz und ich habe max. was dazu gelernt :emoji_wink:

Gruß
Lutz
 

Hacki

ww-esche
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Hallo Lutz,
Versuche es mit Wasserstoffperoxyd.
Frisch gekauft, alte Reste haben oft keine Wirkung mehr. Als Katalysator ca 10% Salmiakgeist dazu, auftragen. Die Soße erwärmt sich und brennt Löcher in die Pelle, also Vorsicht. Sonnenlicht beschleunigt den Vorgang, ist im Moment aber schwer zu beschaffen.
Da Du eh wieder aufbeizen willst,ist die Dosierung nicht das Problem.
Das Bleichen kann länger dauern, also Geduld . Neutralisieren ist unnötig,es bleibt nur Wasser (verdunstet) übrig. Einen weißlichen Belag auf dem Holz kannst Du , wenn alles gut trocken ist, mit feinem Papier oder Vlies entfernen.
Viel Erfolg Gerd
 
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