Leinölfarbe trocknet unterschiedlich ab

Daniellus

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Hallo an alle!

Ich bräuchte ein wenig Rat/Aufklärung bzgl. Grundierung und folgende Farbaufträge.
Habe mit Leinölfarbe sehr wenig Erfahrung.

Ich habe Bretter für außen folgendermaßen behandelt:

1. Grundierung mit Halböl(50/50 Leinölfirniss/Balsam-Terpentinöl), Aufgetragen, nach ca. 10-15 min. mit Tuch ordentlich abgewischt (Damit keine Haut entsteht). Bei ca. 16 °C gelagert.

2. Ca. 2-3 Tage später ersten Farbanstrich (ca. 100g Eisenoxid Rot + 400 ml Leinölfirniss) aufgebracht, ordentlich ausgestrichen. Im nassen Zustand war es volldeckend.

3. Ca. 2-3 Tage später konnte ich die Bretter anfassen ohne Farbe an den Händen zu Haben. Maserung des Holzes war noch zu erkennen, keine verdeckende Haut über der Maserung. Nun den dritten Anstrich wie Punkt 2 aber mit ca. 2 cl Standöl ebenfalls gut ausgestrichen und im nassen Zustand deckend aufgebracht.

Ergebnis:
Nach Trocknung habe ich nun Teilfächen mit deckender Haut und welche die wieder lasierend wurden.



Frage 1: Sollte man für aussen so eine deckende Haut entstehen lassen?

Frage 2: Ist meine Grundierung schlecht, das das Holz nach dem dritten Anstrich so unterschiedlich gesättigt ist?

Frage 3: Muss ich die Haut abmachen oder kann ich einfach nochmal drüber Pinseln um überall die gleiche Deckung zu erhalten.


Grüsse!
 

WinfriedM

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Leinölfarbe wird schichtbildend gestrichen, wie jeder andere Lack auch. Aber immer schön dünn arbeiten, damit die Leinölfarbe auch trocknen kann. Und dem Anstrich ordentlich Zeit geben. Wenn es geht, würde ich durchaus 14 Tage pro Anstrich Zeit lassen. 2 Anstriche sind zu wenig, mindestens 3 Anstriche.

2cl Standöl sagt nichts, weil du die Bezugsgröße vergessen hast. So lässt sich kein Verhältnis ableiten.
 

Daniellus

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Hallo Winfried,

danke für die Antwort.
Wenn du mit Bezugsgröße die Menge Leinölfarbe meinst, dann war es wohl zu versteckt geschrieben.
Ich habe in ca. 400 ml Leinölfarbe, welche ca. 100 g Eisenoxidpigment enthält 2 cl Standöl gekippt.

Wenn ich deine Antwort mal auf die drei Fragen beziehe, wäre es dann so:

Antwort 1: Keine dicke Haut - 3 dünne Farbschichten, Volldeckend oder Lasierend ist dann eine Frage der Pigmentdichte

Antwort 2: ???

Antwort 3: ???

Ich könnte jetzt monatelang experimentieren, aber man muss ja das Rad nicht neu erfinden.
Ich vermute das die Grundierung nicht ordentlich ist, ob das nun an den techn. getrockneten Hölzern liegt, welche vielleicht unterschiedlich feucht sind im innern oder an zu kurzer
Einwirkzeit der Grundierung oder, oder, oder...
Bitte um weitere Antworten.

Grüße!
 

Standöl

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Hallo Daniellus,

ich bin da etwas anderer Meinung als Winfried.

Leinölfarbe ist nicht eindeutig definiert, aber reines Leinölfirnis kann nicht wie Lack schichtbildend verarbeitet werden ohne die genannten Probleme. Außerdem ist die Pigmentierung zu hoch. 10 %, maximal 15 %. Und da mit reinem Leinölfirnis kein deckender Anstrich zu realisieren ist, würde ich auch nicht mit Halböl grundieren, sondern direkt mit dem pigmentierten Leinölfirnis streichen. Holzart nehme ich an ist Fichte?

Gruß
Wolfgang
 

WinfriedM

ww-robinie
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@Wolfgang: Wie meinst du das, dass reines Leinölfirnis nicht wie Lack schichtbildend verarbeitet werden kann? Das hat doch Daniellus gar nicht gemacht. Das war doch mit Pigmenten gemischt.

Frage 2: Nein, da sehe ich keine Probleme. Wenn diese Grundierung aber nicht das Holz vollständig gesättigt hat, wird halt später die Leinölfarbe an manchen Stellen etwas wegziehen. Das egalisiert sich mit der nächsten Schicht.

Frage 3: Was du mit "Haut" beschreibst, nenne ich einfach Schicht. Du willst definitiv eine Schicht aufbauen. Ist sie aber jetzt zu dick, wird sie nie trocknen. Ist sie passend, würde ich erstmal etwas warten, damit die trocknet. Und dann nochmal dünn streichen.

20ml Standöl auf 400ml Leinölfirnis hört sich nicht nach Problem an.
 

Daniellus

ww-fichte
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Hallo Wolfgang und Winfried!

Holzart ist Kiefer. Mit der ca. 20-25% Pigmentierung habe ich keine Probleme. Kreidet nichts ab und und ist schön kräftig. Wie viel Pigment rein geht muss man glaube probieren.

Ja das mit der Schicht ist genau mein Problem. Da wo das Holz satt ist bildet sich eine Schicht/Haut. Und sie ist fleckig verteilt. Würde sagen man grundiert um einen gleichmäßig satten Untergrund zu bekommen, damit man am Ende keine Schichtflecken bekommt, sondern eine komplette Schicht. Ähnlich wie beim Wände putzen, wenn der Untergrund unterschiedlich saugt, zieht der der Putz verschieden an und das Reiben wird komplizierter.
Ich habe jetzt nochmals dünn drüber gestrichen und stündlich nach matten Flecken kontrolliert und da wieder drüber gepinselt. Ging 4 h so, dann war es spät, am nächsten morgen gab es wieder matten Flecken, aber sehr wenig. Nun habe ich eine komplette glänzende Schicht drauf, die langsam im Keller hart wird.

Habe die weiteren Bretter 2 Mal mit heißer Leinölfirnis grundiert. Also kein Halböl. Alle matten Flecken stündlich weggestrichen. Theoretisch dürfte beim ersten Farbauftrag nichts oder sehr wenig weggesaugt werden. Mal sehen...
Bereits mit Pigmenten zu grundieren werde ich mit der nächsten Charge probieren.

Grüsse!
 

WinfriedM

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Deine Beschreibung bestätigt nochmal, was da passiert: Das Holz ist partiell trotz Grundierung noch saugfähig. Und dort wird dann die Leinölfarbe weggezogen und wird dort matt, bildet als dort noch keine Schicht.

Dass man mit einem Ölauftrag noch nicht erreicht, dass das Holz gesättigt ist, ist bekannt. Man könnte jetzt theoretisch das Problem so lösen, dass man erstmal so oft grundiert, bis wirklich nichts mehr saugt. Man kann es aber auch bei einmaliger Grundierung belassen und dann einfach noch mehrere Anstriche mit der Ölfarbe folgen lassen. Egal wie du es machst, du brauchst eine gewisse Anzahle Anstriche, damit das Holz gesättigt wird, weil erst nachfolgend eine Schicht entsteht.

Nach meiner Erfahrung braucht es bei Halböl wesentlich länger, bis das Holz gesättigt ist. Insofern würde ich lieber Leinölfirnis pur verwenden. Ich sehe auch keine Vorteile bei Halböl, eher eine sinnlose Umweltbelastung. Zumindest dann, wenn man um die 20 Grad Verarbeitungstemperatur hat.

Viele Holzöle für den Innenbereich sind übrigens so mit Harzen oder Standölen versehen, dass die in der Regel schon beim ersten mal vollständig sättigen bzw. das Holz sperren. Es kann sein, dass es für den Außenbereich auch optimierte Grundierungen gibt, die bereits im ersten Durchgang sättigen.
 
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