Lärche-Qualität beurteilen

Sandmann71

ww-pappel
Registriert
20. Februar 2007
Beiträge
12
Ort
Schwaben
Hallo,

ich bin neu in diesem Forum und freue mich, zu dem einen oder anderen Thema ein wenig Hilfestellung erhalten zu können.

Ich möchte eine freistehende Pergola (ohne Glasdach) bauen und habe dazu verschiedene Fragen. Es wird mein erstes Werk, soll jedoch schon halbwegs "anspruchsvoll" werden, mit verzapften Diagonalriegeln undaufgekämmten Sparren (und so).

Zunächst habe ich mir bei einer privaten Kleinsägerei Lärche gemäß meiner Stückliste zurechtsägen und ablängen lassen. Leider bin ich etwas unsicher, was ich von der Qualität des Holzes zu halten habe. Es macht auf mich einen guten Eindruck, ist aber nicht so "rötlich" wie ich es erwarten würde. Nicht dass da doch ein zu hoher Splintanteil ist und mich mir die viele Arbeit umsonst mache. Welche Kniffe gibt es, um die Qualität beurteilen zu können. Ehrlich gesagt, kann ich wahrscheinlich nicht mal Lärche von Fichte unterscheiden.

Ich füge mal ein Bild bei, vielleicht sieht der eine oder andere mehr.

Die anderen Fragen in kommenden Threads.

Danke und Grüße
Markus
 

Anhänge

  • lärche.JPG
    lärche.JPG
    327,1 KB · Aufrufe: 100

Norbert

ww-robinie
Registriert
19. September 2003
Beiträge
612
Ort
Markdorf
Hallo Markus,

so wie es aussieht (Astigkeit, breite Jahresringe) stammt das Holz zumindest teilweise von schwachen Stämmen und ist in diesem Fall eher am unteren Ende der Qualitätsskala einzuordnen, was aber für einfache Konstruktionen durchaus akzeptabel erscheint.

Einen guten Anhaltspunkt bietet auch das spezifische Gewicht: die Qualität steigt i.a. mit dem Gewicht. Das ist bei unbekannter Holzfeuchte allerdings nicht so einfach zu bestimmen. Anhaltswerte: Lärche streut etwa von 440 bis 850 kg/cbm, Mittelwert 590 kg/cbm (Rohdichte bei 15% Holzfeuchtigkeit).

Das Holz ist wegen der breiten Jahresringe vermutlich ziemlich weich und wird auch bei Alterung nicht viel an Härte zunehmen. Zum roten Farbton: der kommt noch, wenn das Holz dem Wetter und vor allem dem Licht ausgesetzt wird. Splintholz anfänglich fast weiß, bleibt immer noch deutlich heller als Kernholz.

Was sonst noch zu beachten ist:

- Lärche harzt ausgiebig und lange. An der Austrittsstelle wird der Oberflächenschutz verletzt.
- Bei schräg zur Längskante verlaufender Maserung ist bei Trocknung eine Verdrehung des Kantels zu befürchten.
- Lärche splittert/spaltet leicht, daher durchgehende Schraub-/Nagellöcher vorbohren (mit untergeklemmtem Ausrißschutz).
- Beim Ausarbeiten der Sättel (Kerven), Zapfen und Zapfenlöcher sorgfältig arbeiten (genau sägen, nicht zuviel auf einmal wegstemmen).
- Vorsicht, Lärchesplitter in der Haut sind lang und schmerzhaft, daher bei Kanthölzern immer feste zupacken.
- Wenn die Konstruktion bewittert wird, Pfosten unten nicht in Stützen"schuhen" befestigen, sondern auf eingeschlitzte Stützen (I-Form) mit Stabdübelbefestigung setzen.
- Kanten zur besseren Haftung des Oberflächenschutzes brechen oder leicht anfasen (z.B. mit OF und 45° Fräser mit Anlaufkugellager).

Und da Du so etwas anscheinend zum ersten Mal machst, beherzige vor allem die alte Schreiner-/Zimmererweisheit:

miß zweimal, schneid' einmal,

denn abgeschnitten ist abgeschnitten.

Viel Erfolg und Freude wünscht Dir

Norbert

P.S.: Zum Begriff grobe/feine Jahresringe siehe beigefügtes Bild (auch Lärche).
 

Sandmann71

ww-pappel
Registriert
20. Februar 2007
Beiträge
12
Ort
Schwaben
Hallo,

danke für die ausführliche Antwort.

Nur so zum Dazulernen: Wie ist der Zusammenhang zwischen Astigkeit und "schwachen Stämmen"?
Breite Jahresringe: Die beiden Bretter unten auf Deinem Photo weisen auch auch breite Jahresringe auf, oder? Nur so als Vergleich.

Was meinst Du mit Ausrissschutz beim Bohren?

Ich fase das Holz noch mit dem Handhobel. Ist das OK, auch wenn nicht 100% genau?

Pfostenanker sind bereits betoniert. Habe schwere H-ANker genommen. Lohnt es sich, die Ankerlaschen in das Holz links und rechts einzulassen, also links und rechts entsrpechend ca. 4mm tief auszustemmen?

Die Pergola wird voll bewittert werden. Was kann ich tun, um die Haltbarkeit zu verbessern?
1. Lohnt es sich, die Sparren oben abzuschrägen, damit das Wasser abläuft?
2. Holzschutz? Lasur? Öl? Eigentlich wollte ich das Holz ja in Würde erbrauen lassen.

Grüße
 

Norbert

ww-robinie
Registriert
19. September 2003
Beiträge
612
Ort
Markdorf
Hallo Markus,

zu Deinen Fragen:

1. Schwache Stämme (so etwa 15 - 25 cm Ø) gehören naturgemäß zu eher kleinen Bäumen, die bereits im unteren Bereich Äste aufweisen. Im Gegensatz dazu haben Bäume mit 40 cm Ø und mehr i.d.R. einen hohen, astfreien Stamm (sogenannten "Erdstamm"). Dazu kommt, daß der Baum in jungen Jahren schneller wächst als später (Kampf ums Licht); siehe Pkt. 2.

2. Richtig. Breite der Jahresringe hat etwas mit dem Standort zu tun: widriges Klima = langsames Wachstum = dichte Jahresringe = festes Holz und umgekehrt. Deswegen heute in: sibirische Lärche.

3. Als Ausrißschutz dient ein untergeklemmtes Brett, damit der austretende Bohrer keine Fasern seitlich des Loches mitreißt.

4. Handhobel ist natürlich auch o.k.

5. Balkenschuhe und H-Anker haben den Nachteil, daß zwischen Metall und Holz Wasser eindringt und nur langsam wieder verdunstet. Deshalb auch besser nicht ausstemmen. Möglichst Edelstahlschrauben verwenden, denn Verzinkung ist draußen nicht dauerhaft. Untergelegte Dichtscheiben verzögert den Wasserzutritt durch das Schraubenloch. Wenn möglich, auf der Wetterseite Schrauben vermeiden. Zwischen Pfosten und Schuh unten mindestens 2 cm Luft lassen.

Die I-Form dagegen sieht aus, wie ein umgedrehtes T, wobei der T-Fuß, der schmaler als die Balkenbreite ist, in ein "Zapfenloch" von unten eingesetzt wird und durch seitlich eingeschlagene Stabdübel (= Metallstifte) arretiert wird.

6. Ich würde die Sparren nicht abschrägen, lieber ab und zu mal einen austauschen. Als Langzeitschutz kann man die Pfetten (das sind die Längsträger) oben mit U-förmig abgekantetem Kupfer- oder Zinkblech beschlagen (nicht festnageln, sondern nur durch die aufgeschraubten Sparren befestigen), denn auch unter den Sparren sammelt sich das Wasser. Aber das lohnt den Aufwand wohl kaum.

Schwachstellen sind übrigens auch die Anschlußstellen der Diagonalverstrebungen (= Büge) am Pfosten. In den "Achseln" sammeln sich Wasser und Schmutz, wodurch Moosbildung und Fäulnis Vorschub geleistet wird. Hier ist ggf. ein V-förmiger Blechbeschlag mit Tropfkanten sinnvoll.

Weil jede Verletzung des Holzes "Wasser zieht", besser die Sparren entgegen üblicher Befestigungstechnik von unten nach oben durch die Pfette verschrauben. Dann aber entsprechende Einteilung wählen, damit Sparren nicht direkt über Pfosten oder Buganschluß zu liegen kommen.

7. Ergrauen ist o.k., bin ich inzwischen auch.

Gruß

Norbert
 

Sandmann71

ww-pappel
Registriert
20. Februar 2007
Beiträge
12
Ort
Schwaben
Super!

zu 5. Das von mir erwähnte Ausstemmen habe ich in Fachbüchern gelesen. Ansonsten hast Du völlig Recht mit Deinem Vorschlag der I-Träger. Die habe ich leider nirgends gefunden.

Ich wollte noch erwähnt haben, dass meine Konstruktion wie folgt ist:

Es werden Doppelpfetten (je 9x6) verwendet, die an den Pfosten 9x9 von beiden Seiten angeschraubt werden. Der Pfosten schaut nach oben 30cm raus. Die Bügen sind in der Ebene Pfosten-Pfette vorgesehen. In der Ebene Pfosten-Sparren sind keine Bügel vorgesehen. Hier hoffe ich, dass durch die Zangenkonstruktion der Pfetten und durch solide Fixierung der Sparren an den Pfetten die Kippsicherheit in diese Richtung gewährleistet ist.

Was meint Ihr?

Grüße
 

Norbert

ww-robinie
Registriert
19. September 2003
Beiträge
612
Ort
Markdorf
Hallo Markus,

die Zangen würde ich nicht zimmermännisch einzapfen sondern nur ingenieurbaumäßig mittels durchgehenden Schraubenbolzen (keine Gewindestange!) mit den Pfosten verschrauben.

Dazu brauchst Du pro Verbindungsstelle eine Schraube M12 x 240 (Teilgewinde), eine Mutter M12, je 2 Geka oder Bulldog-Holzverbinder für außen und für zwischen den Hölzern (gegen Scherung). Die Verzinkung dieser Schrauben und Teile ist für draußen geeignet.

Warum stehen die Pfosten oben über? Als Überstand für einen obenliegenden Bug sind 30 cm zu kurz. Der Bug sollte mindestens bei 3/4, besser bei 2/3 der Pfostenhöhe ansetzen. Die Büge kannst Du ebenfalls mit Maschinenschrauben und Geka-Dübeln in der Zange und an den Pfosten kraftschlüssig anschließen.

In der anderen Ebene kannst Du auf Diagonalversteifungen nur verzichten, wenn eine Hauswand o.ä. die Kräfte aufnimmt. Ansonsten auch hier Aussteifungen oder Abspannungen (z.B. durch 5 - 6 mm Drahtseil) vorsehen. Die Zangen reichen dazu auf keinen Fall!

Je nachdem wie die Pergola bewachsen wird (was im Übrigen auch die Holzkonstruktion in gewissem Maße gegen die Witterung schützt), ist sie einem erheblichen Winddruck ausgesetzt. Daher sollten auch die Diagonalen in der Dachebene versteift werden. Da das bei Dächern übliche Windrispenband optisch stört, würde ich eine diagonale Abspannung mittels Drahtseilen und Spannelementen vorsehen.

Gruß

Norbert
 

Sandmann71

ww-pappel
Registriert
20. Februar 2007
Beiträge
12
Ort
Schwaben
Hallo Norbert,

Du machst mir Sorgen... :emoji_wink:

Es ist so, dass die Pergola hinten auf einer Steinmauer sitzt, die Pfettenhöhe dort ist nur noch 1m, vorne 2,15m. Ich dachte, dass dadurch zusätzlich mehr Steifigkeit 'reinkommt.

OK, Du meinst, man bräucht dennoch in der Ebene Pfosten-Sparren auch Bügen? Oder eben diesen Draht? Wie bringt man den an?

Zusätzlich die Diagonalabspannung mit Draht oder reicht alleine diese Diagonalabspannung? Ist dieser ständige Zug nicht eine Belastug für's Holz?

Weil der Wind nur von einer Seite kommt, könnte ich auch hinter der Pergola, auf der Steinmauer (dort wo die Höhe nur noch 1m beträgt) einen Diagonalpfosten setzen, der die dortigen Pfetten gegen den Wind stützt. Sieht ungewöhnlich aus, vielleicht aber auch interessant.

Du fragst, warum die Pfosten überstehen. Wegen der Optik: Sparren, Pfosten und Pfetten stehen jeweils 30cm über. Ich habe das irgendwo so gesehen und fand es schön. Geschmackssache.

Grüßle
 
Oben Unten