Konstruktion Lasieren/Ölen - von allen Seiten wirklich nötig?

RussellFrege

ww-pappel
Registriert
17. April 2026
Beiträge
5
Ort
Berlin
Hallo!
Wir haben einen großen Schrank auf einer Hochebene gebaut (ca. 1.2m^2 Bodenfläche). Er ist fertig und montiert, nun wollen wir ihn ölen/lasieren. Ich weiß, dass man Holz eigentlich von allen Seiten gleich bearbeiten soll, das ist hier aber nicht möglich, ohne das ganze wieder auseinander zu nehmen. Also bei den Bodenbrettern ginge z.B. von unten und oben (größtenteils), bei den Trägerbalken eigentlich nur von den Seiten usw. Ist das trotzdem okay? Wir werden das Ganze ziemlich sicher nicht auseinander bauen wollen - es war schon zu viel Arbeit, das Ding aufzubauen.

Alles ist fest und kann sich nicht wirklich verziehen. weil da eine Meinge Krimskrams dring gelagert werden wird, ist meine Sorge, dass wenn wir das hier falsch machen, in ein paar Jahren was plötzlich brechen kann oder so und das Ganze wem auf den Kopf fällt. Das würde ich gern vermeine :emoji_wink:. Daher würde ich da gerne mal eine qualifizierte Meinung zu.

Und vielleicht habt ihr ja auch einen Tipp für Produkte, wo diese Art des Ölens weniger kritisch ist (also sehr diffusionsoffene Öle?)?

Liebe Grüße!
 

mj5

ww-robinie
Registriert
5. Dezember 2004
Beiträge
1.554
Ort
Calgary
Moin!

Bei einem Schrank steifen sich die Bauteile ja gegenseitig aus. Da ist es nicht so zwingend beide Seiten gleich zu behandeln in Sachen Oberflaeche. Verziehen oder gar brechen wird da so schnell nix, wenn es ordentlich gebaut ist. Mit Ausnahme der Tuer natuerlich.
Die sollte m.E. schon "vorne wie hinten" sein.
Uebrigens wuerde ich einen Schrank innen nicht oelen. Besonders dann nicht wenn er schon zusammen gebaut ist.
Es kann lange dauern bis der ausgelueftet ist!
 

Holzsinn

ww-robinie
Registriert
7. Mai 2012
Beiträge
1.179
Ort
Vaterstetten
Und wenn innen ölen, dann nur mit einem Öl mit vermindertem Festkörpergehalt, i.d. R. als Pflegeöl bezeichnet.
Besser für die Innenbereiche von Möbeln finde ich allerdings Streichschellack, der riecht getrocknet überhaupt nicht und feuert auch kaum an. Ich empfehle Schellack Sperrfinish von Natural!
Melanie
NEU:www.holz-sinn.de
 

RussellFrege

ww-pappel
Registriert
17. April 2026
Beiträge
5
Ort
Berlin
Okay, danke euch. Also am Besten nur außen, außer die Türen, ja?

Bei der Ausgangsfrage ging es mir, wie gesagt, v.A. um die Stabilität, weil die Konstruktion ja auch einiges an Gewicht aushalten muss und über der Eingangstür hängt.

Habt ihr auch eine Anregung bzgl. des Produkts? Ist alles aus Fichte Leimholz/Dreischicht/Kantholz. Am Besten etwas, wo man die Maserung noch sehen kann und dass es gut mit dem weißen Eingangsbereich aussieht.
 
Zuletzt bearbeitet:

derdad

Moderator
Registriert
3. Juli 2005
Beiträge
6.134
Ort
Wien/österreich
Eine Oberflächenbehandlung, egal welche, hat keinen Einfluss auf konstruktive Stabilität. Es macht auch das Holz nicht bruchsicherer.
LG Gerhard
 

RussellFrege

ww-pappel
Registriert
17. April 2026
Beiträge
5
Ort
Berlin
Eine Oberflächenbehandlung, egal welche, hat keinen Einfluss auf konstruktive Stabilität. Es macht auch das Holz nicht bruchsicherer.
LG Gerhard
Achso - nee, das war ja auch gar nicht der Gedanke, eher, dass die Behandlung von nur einer Seite zu mehr Spannungen im Holz führt (da es ja festgescharaubt ist) und es dadurch weniger stabil macht.
 

MarcBerlin

ww-robinie
Registriert
12. April 2022
Beiträge
972
Ort
Berlin
Diese "Anweisung", Holzteile immer allseitig behandeln zu müssen wird oft maßlos überschätzt. Solche Fragen werden hier öfters gestellt und in den meisten Fällen ist die Sorge völlig unbegründet. Wie so oft, ist es bei der Abschätzung hilfreich, sich nicht nur an irgendwelche aufgeschnappten Regeln zu halten, sondern die jeweilige Situation mit Verstand zu beurteilen.

Woher kommt die Regel überhaupt? Nun, wenn ein Brett aufgrund von Feuchteschwankungen quillt und schwindet, dann soll es das möglichst gleichmäßig tun. Wird durch einseitiges Sperren durch eine Beschichtung die Feuchteaufnahme von einer Seite behindert oder verzögert, so kann es zum Werfen ("Krummwerden") des Brettes kommen. Für diesen ungünstigen Fall, vor dem sich alle so fürchten müssen also schon einmal folgende Bedingungen gegeben sein:
  1. relevante Schwankungen der Luftfeuchte der Umgebung
  2. damit verbunden relevante Schawnkungen der Holzausgleichsfeuchte
  3. ein Holz mit relevantem Quell- und Schwindverhalten
  4. und schließlich eine (einseitige) Beschichtung, die einen relevanten Sperrschicht für Wassersdampf darstellt.
In Innenräumen ist schon mal fraglich, ob Punkt 1 und 2 überhaupt gegeben sind. Mit 3. fallen auch schon einige Hölzer raus, aber z.B. bei Ahorn und Buche bleibt es relevant. Aber bei Punkt 4. fallen sehr viele Fälle raus. Denn wir sprechen hier von der Sperrwirkung gegenüber Wasserdampf, also komplett in Luft gelöstes Wasser (deren Größe die relative Luftfeuchte ist). Die Sperrwirkung einer Schicht ggü. Dampf wird im sog. "Sd-Wert" ausgedrückt. Damit dieser ausreichend groß ist, damit unser obiger "Angstfall" eintritt, muss es sich um eine geschlossene, sperrende Lackschicht handeln. Beschichtungen für den Außenbereich, selbst wenn sie schichtbildend sind haben z.B. möglichst geringe Sd-Werte. Aber eine Behandlung die nun wirklich sehr Wasserdampf-durchlässig ist, ist eine Ölung (die ja auch gar nicht schichtbildend ist und damit eigentlich gar "Beschichtung" darstellt).
Also: Es ist es ÜBERHAUPT KEIN PROBLEM Bretter nur einseitig zu ölen!
 

MarcBerlin

ww-robinie
Registriert
12. April 2022
Beiträge
972
Ort
Berlin
Uebrigens wuerde ich einen Schrank innen nicht oelen. Besonders dann nicht wenn er schon zusammen gebaut ist. Es kann lange dauern bis der ausgelueftet ist!
Das dagegen ist hoch relevant! Öl benötigt zum Polymerisieren Sauerstoff in ausreichender Menge. Ist dieser nicht vorhanden, kommt es zum sog "Stinker". Binden Öle anerob ab, verzögert bzw. verschlechtert dies nicht nicht nur die Aushärtung sondern es entstehen auch "falsche" Reaktionsprodukte, die ausgesprochen stark und unangenehm riechen. Als noch viel mit Ölfarben und Öl-Kunstharzlacken gearbeitet wurde, war das den Malern als Schadensbild wohlbekannt und wurde flapsig als "Stinker" bezeichnet. Weiß heute kaum mehr jemand, aber auf den Dosen der Hartöle liest man immer noch zurecht "Nicht für Schrankinnenteile geeignet". Leider klärt der Satz nicht darüber auf, warum dem so ist und so werden diesbezüglich immer wieder Fehler gemacht. Einen Stinker handelt man sich z.B auch schnell mal eine, wenn viele Teile mit großer Oberfläche in einer kleinen Kellerwerkstatt mit geringer Durchlüftung und vielleicht auch noch bei niedrigen Temperaturen geölt werden.
 

RussellFrege

ww-pappel
Registriert
17. April 2026
Beiträge
5
Ort
Berlin
Diese "Anweisung", Holzteile immer allseitig behandeln zu müssen wird oft maßlos überschätzt. Solche Fragen werden hier öfters gestellt und in den meisten Fällen ist die Sorge völlig unbegründet. Wie so oft, ist es bei der Abschätzung hilfreich, sich nicht nur an irgendwelche aufgeschnappten Regeln zu halten, sondern die jeweilige Situation mit Verstand zu beurteilen.

Woher kommt die Regel überhaupt? Nun, wenn ein Brett aufgrund von Feuchteschwankungen quillt und schwindet, dann soll es das möglichst gleichmäßig tun. Wird durch einseitiges Sperren durch eine Beschichtung die Feuchteaufnahme von einer Seite behindert oder verzögert, so kann es zum Werfen ("Krummwerden") des Brettes kommen. Für diesen ungünstigen Fall, vor dem sich alle so fürchten müssen also schon einmal folgende Bedingungen gegeben sein:
  1. relevante Schwankungen der Luftfeuchte der Umgebung
  2. damit verbunden relevante Schawnkungen der Holzausgleichsfeuchte
  3. ein Holz mit relevantem Quell- und Schwindverhalten
  4. und schließlich eine (einseitige) Beschichtung, die einen relevanten Sperrschicht für Wassersdampf darstellt.
In Innenräumen ist schon mal fraglich, ob Punkt 1 und 2 überhaupt gegeben sind. Mit 3. fallen auch schon einige Hölzer raus, aber z.B. bei Ahorn und Buche bleibt es relevant. Aber bei Punkt 4. fallen sehr viele Fälle raus. Denn wir sprechen hier von der Sperrwirkung gegenüber Wasserdampf, also komplett in Luft gelöstes Wasser (deren Größe die relative Luftfeuchte ist). Die Sperrwirkung einer Schicht ggü. Dampf wird im sog. "Sd-Wert" ausgedrückt. Damit dieser ausreichend groß ist, damit unser obiger "Angstfall" eintritt, muss es sich um eine geschlossene, sperrende Lackschicht handeln. Beschichtungen für den Außenbereich, selbst wenn sie schichtbildend sind haben z.B. möglichst geringe Sd-Werte. Aber eine Behandlung die nun wirklich sehr Wasserdampf-durchlässig ist, ist eine Ölung (die ja auch gar nicht schichtbildend ist und damit eigentlich gar "Beschichtung" darstellt).
Also: Es ist es ÜBERHAUPT KEIN PROBLEM Bretter nur einseitig zu ölen!
Okay, alles klar, das ist schon mal beruhigend! Das Holz ist übrigens Fichte.
Ich nehme dann auch an, dass das auch gilt, wenn wir sie lasieren und nicht bloß ölen? Das wäre ja schon eher schichtbildend, aber dem Grundtenor hier entnehme ich, dass auch das kein Problem wäre.
Bin noch nicht sicher, was wir da nehmen werden, ist auch schwer für mich einzuschätzen, was da gut aussehen wird.
 

Martin Graf

ww-robinie
Registriert
9. Juni 2011
Beiträge
642
Ort
30km östlich von München
Ich würde für Innen auch Streichschellack nehmen. Mit Öl im "Innenraum" habe ich auch schlechte Erfahrungen gemacht bzgl. Geruch. Außerdem führt das Streichen mit einer Lasur oder Lack in den Innenecken höchstwahrscheinlich zu unschönen Ergebnissen. Schellack, dünn gestrichen, sieht man kaum, so dass es gerade in den schwierigen Bereichen schöner aussieht.
Außen kannst Du dann nehmen, was Du willst. Aber explizit Lasuren, Lacke etc. nehmen, die für den Innenbereich gedacht sind. Die für den Außenbereich könnten Stoffe enthalten, die Du nicht im Innenraum haben willst.

Gruß
Martin
 

RussellFrege

ww-pappel
Registriert
17. April 2026
Beiträge
5
Ort
Berlin
Den Innenbereich würde ich dann, außer bei den Türen, gar nicht bearbeiten, wenn es nicht notwendig ist, sieht man dann ja eh nicht :emoji_wink:.
Und die Türen könnte ich ja ein paar Tage lang offen stehen lassen zum Trocknen bei Öl, so dass ein Geruchsproblem gar nicht entstehen würde, oder? Also meinen Tisch hab ich z.B. mit einem Osmo Hartwachsöl gemacht und war damit recht zufrieden.
 
Oben Unten