KDT Erfahrung

Seanathair

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Darf man fragen, woher du dein Geld beziehst bzw verdienst?
-mittelständischer Maschinenbau
-hochpreisige Sondermaschinen
-90% Export
-Mitbewerber in Österreich, China, USA

In der Branche liegt die Fertigungtiefe unter 50%.
-viele Zulieferer aus China
Dadurch wird natürlich vieles kopiert. Zunächst für den eigenen Markt, aber mit steigender Erfahrung und sinkender Risikobereitschaft unsereseits steigt der Konkurenzdruck. Amerikanische Kunden z.B. kaufen ohne Bedenken chinesische Nachbauten.
 

Bitzi

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Interessante Diskussion, und ich kann einigen Punkten durchaus zustimmen.

Zunächst einmal: Ich bin ganz sicher kein Gegner der Globalisierung. Im Gegenteil. Im technischen Betriebswirt wurde sich intensiv mit internationalen Märkten, Globalisierung, Wertschöpfungsketten und Wettbewerbsstrukturen beschäftigt. Mir ist durchaus bewusst, dass China mittlerweile in vielen Bereichen technologisch und industriell auf einem ganz anderen Niveau spielt, als es hier manche vielleicht noch wahrhaben möchten. Dennoch sehe ich das nicht in jeder Branche als gut an.

Man sollte auch nicht den Fehler machen, alles aus China pauschal als minderwertig abzustempeln. Dort wird mittlerweile auf einem enormen industriellen Niveau produziert. Teilweise mit einer Fertigungstiefe und Skalierung, mit der europäische Unternehmen kaum konkurrieren können. Das ist Realität und kein Grund, die Augen davor zu verschließen. Klar wenn Papa Staat wie in China die Firmen subventioniert bis zum abwinken.

Auch die europäischen Hersteller müssen sich an die eigene Nase fassen. Überzogene Ersatzteilpreise, schlechter Service, lange Reaktionszeiten und eine teilweise abnehmende Kundenorientierung sind keine gute Werbung für den Standort Europa. Wer seinen Kunden nach zehn Jahren keine vernünftige Ersatzteilversorgung mehr bieten kann oder für ein einfaches Ersatzteil Mondpreise aufruft, darf sich nicht wundern, wenn sich der Kunde anderweitig umsieht. Dennoch explodieren unsere Kosten, Lagerhaltung ist extrem teuer und das im Zinseszins Effekt. Angebot/Nachfrage kommt noch dazu. In der Kapitalisierung wo jeder Familienbetrieb scnell zur AG gemacht wird geht sowieso bald alles vor die Hunde. Wisst ihr wie man unendliches Wachstum in der Medizin nennt? Krebs....

Allerdings sollte man zwischen dem reinen Anschaffungspreis und den tatsächlichen Lebenszykluskosten einer Maschine unterscheiden. Dazu gehören nicht nur Investitionskosten, sondern auch Produktivität, Wartung, Ersatzteilversorgung, Software, Stillstandszeiten und die langfristige Verfügbarkeit von technischem Support. Das alles würde ich in den Maschinenstundensatz mit einrechnen, nicht nur die nackten Zahlen.

Gerade bei CNC-Bearbeitungszentren, Kantenanleimmaschinen und Plattenaufteilsägen ist das ein ganz entscheidender Faktor. Eine Maschine muss nicht nur bei der Auslieferung funktionieren, sondern auch nach 10 oder 15 Jahren noch wirtschaftlich betrieben und instand gehalten werden können. Klar, Industrie und 3-Schicht hat die Maschinen in 4-5 Jahren durch....

Das ist keine pauschale Kritik an KDT oder China, sondern eine grundsätzliche Frage der Hersteller- und Vertriebspolitik. Wie langfristig ist die Partnerschaft tatsächlich und wer übernimmt Verantwortung, wenn es einmal schwierig wird?

Was die Globalisierung angeht, sehe ich es außerdem etwas differenzierter: Niemand erwartet, dass jedes Bauteil einer europäischen Maschine ausschließlich in Europa gefertigt wird. Internationale Lieferketten sind längst Realität und auch europäische Hersteller beziehen Komponenten weltweit. Entscheidend ist für mich aber, wo Entwicklung, Konstruktion, Know-how, wesentliche Wertschöpfung und die technische Verantwortung liegen. Sie Homag, wo das Eisen und der Maschinenkörper geschweißt wird ist doch total egal aus Sicht des Kunden, wenn alle Führungen nachbearbeitet sind auf einer CNC die auf den 0.001 genau fräst reicht doch.

Wir müssen uns auch fragen, was passiert, wenn wir immer mehr industrielle Kompetenz und Fertigung aus Europa abwandern lassen. Das betrifft nicht nur Arbeitsplätze, sondern auch Zulieferer, Ingenieurswissen, Ausbildung und die gesamte industrielle Infrastruktur. Einmal verlorene Produktionskapazitäten und Fachkompetenzen lassen sich nicht einfach innerhalb weniger Jahre wieder aufbauen.

Und ja, natürlich ist der Konsument nicht allein schuld. Hersteller, Politik und Handel tragen ebenfalls Verantwortung. Aber am Ende stimmen wir mit jeder Investition darüber ab, welche Unternehmen und Produktionsstandorte wir wirtschaftlich stärken, ich wiederhole mich.....

Ich möchte auch niemandem vorschreiben, welche Maschine er kaufen soll. Wenn ein Betrieb mit einer chinesischen Maschine wirtschaftlich erfolgreich arbeitet, der Service funktioniert und die Ersatzteilversorgung langfristig gesichert ist, dann ist das vollkommen legitim.
So, jetzt mal Hofmann Dickenhobel Drehgeber kalibrieren und Martin Abrichte Sicherheitsschutz anbauen. Good old German machines :emoji_wink:
 

brubu

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Kleiner Einwand wieso sind die Lagerhaltung und die Ersatzteile so teuer? Weil die Hersteller nicht wissen wie viel sie verlangen wollen, schreibst du ja auch. (Vergleich Autoersatzteile Graumarkt)
Wenn die Liegenschaft gemietet ist und der Vermieter Profit machen will fängt es dort an. Wenn der Händler auch grossen Profit machen will geht es weiter. Wenn dessen Einrichtungslieferant genauso arbeitet treibt auch der die Kosten. Wenn dann noch der grösste Teil fremdfinanziert ist kostet es noch mehr und so weiter.

Wir haben auch ein (zu) grosses Lager aber im eigenen Betrieb und ohne grosse Rendite. Es spricht sich herum wenn man dadurch flexibel ist
und schnell liefern kann. Finanzplanung wegen zu wenig Eigenkapital frisst auch Geld, davon sprechen aber die Berater nicht. Mir wollte einmal eine Person mit Wirtschaftsabschluss einer renommierten Hochschule erklären unser Lager wäre zu gross.
Auf meine Gegenargumente Flexibilität, extra Beschaffungskosten bei laufender Beschaffung wegen zu kleinem Lagerbestand etc. gab es grosse Augen. Ich wollte nicht fragen ob man das an der Hochschule nicht gelernt habe..............

Heute wird in vielen Bereichen geflucht über die Wirtschaftsabsolventen dieser bekannten Hochschule, daher nenne ich den Namen nicht.
 

Seanathair

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Wir sind regelmäßig nach Ersatzteilen für 40 Jahre alte Maschinen (>100.000 Betriebsstunden) gefragt worden. Diese hatten wir natürlich nicht auf Lager, andere gleichen alters schon. Ersatzteile wurden zu horenden Kosten angefertigt, weil wir es nicht geschaft haben, die Versorgung der alten Maschinen abzukündigen. Die Anfragen kamen so selten, das 1/3 der Firma mit der Bearbeitung beschäftigt war. Bestellt wurde dann trotzdem nicht immer.
 

Bitzi

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@brubu Lagerhaltung hätte ich dir vor Corona vermutlich auch noch kleingeredet. So wurde es mir zumindest sowohl im Techniker als auch später im Betriebswirt von unseren Dozenten vermittelt.

Lagerhaltung kostet Geld, und das nicht zu knapp! In einer perfekten Welt, ohne praktische Erfahrung und mit vollständig funktionierenden Lieferketten, ist eine „Just in Time / Just in Sequence“-Logistik natürlich der Königsweg.

Die Einwände, die du beschreibst, habe ich damals ebenfalls gebracht: Was passiert, wenn ich aufgrund fehlender Lagerbestände einen Auftrag nicht abschließen kann? Wenn eine Maschine stillsteht, dadurch vier Mitarbeiter nicht weiterarbeiten können und sich im schlimmsten Fall noch ein ganzer Bauablauf verschiebt?

Die Antwort war sinngemäß: Das darf gar nicht erst passieren. Der Königsweg sei, genau das organisatorisch und logistisch in den Griff zu bekommen. Dafür brauche man starke und zuverlässige Lieferanten und Partner. Dann dürfe der Einkaufspreis auch etwas höher sein, wenn man sich dadurch ein eigenes Lager sparen könne.

Einen Satz werde ich allerdings nie vergessen: „Haben Sie einen Balkon? Da könnten Schafe stehen.“

Das war natürlich überspitzt gemeint, aber die dahinterstehende Denkweise war klar: Wenn man alles konsequent auf Wirtschaftlichkeit und maximale Ressourcennutzung trimmt, müsste ein Großteil der Handwerksbetriebe eigentlich gar keine eigenen Kantenanleimer, CNC-Bearbeitungszentren oder Plattenaufteilsägen mehr besitzen. Man könnte schließlich alles extern fertigen lassen.

Was passiert aber, wenn auf der Baustelle 623 km entfernt plötzlich ein Sockel oder ein Fachboden fehlt? In der Theorie bestellt man ihn einfach nach. In der Praxis kostet das Zeit, Geld und im Zweifel einen ganzen Arbeitstag. Und solche Fälle kommen eben vor, auch wenn sie in der perfekten Prozessplanung natürlich nicht vorgesehen sind.

Was mich an dieser Betrachtung immer gestört hat: Solche Entscheidungen werden häufig isoliert auf die betriebswirtschaftliche Kennzahl heruntergebrochen. Gleichzeitig wird toleriert, dass eine Immobilie möglicherweise mit einer deutlich höheren Rendite als Lager- oder Produktionsfläche vermietet oder verkauft werden könnte. Dann wird die Lagerhaltung schnell zum vermeintlichen Kostentreiber, während die alternative Kapitalverwendung plötzlich ganz anders bewertet wird.

Also alles verkaufen, Kapital in einen breit gestreuten ETF stecken und nicht mehr arbeiten? Auch darüber hatten wir seinerzeit längere Diskussionen mit unseren Dozenten.

Ich kann beide Seiten verstehen. Lagerhaltung bindet Kapital, verursacht Kosten und birgt das Risiko von Ladenhütern und Wertverlusten. Auf der anderen Seite schafft sie Flexibilität, Lieferfähigkeit und Unabhängigkeit. Entscheidend ist für mich nicht, möglichst wenig Lagerbestand zu haben, sondern den wirtschaftlich sinnvollen Bestand für das jeweilige Geschäftsmodell.

Dennoch sitzt mir dieser Gedanke bis heute im Hinterkopf, wenn es um Lagerhaltung oder eine Betriebserweiterung geht. Und ich glaube, genau das war letztendlich auch die Absicht unseres Dozenten: Nicht blind Lager aufbauen, sondern jede Investition kritisch hinterfragen.

@Seanathair Welche Maschinen bzw. welcher Industriezweig fragt denn bei euch nach Ersatzteilen für 40 Jahre alte Maschinen? 40 Jahre und über 100.000 Betriebsstunden ist schon eine Hausnummer!

Bei uns sind es klassischerweise beispielsweise SAC, Hombak oder REX, bei denen man auch nach Jahrzehnten noch mit entsprechenden Anfragen konfrontiert wird.

Niemand kann vorhersehen, wie lange ein Ersatzteil tatsächlich nachgefragt wird. Dieses Risiko der Lagerhaltung und langfristigen Ersatzteilversorgung muss ein Hersteller natürlich in seine Kalkulation einpreisen. Das ist für mich auch absolut nachvollziehbar.

Ich versuche Kunden deshalb immer wieder zu erklären, dass hinter einem vermeintlich einfachen Ersatzteil unter Umständen jemand steht, der sich über Jahrzehnte einen Quadratmeter Lagerfläche freigehalten hat. Mit einer bebauten, gedämmten und unterhaltenen Halle, in der dieses Teil vielleicht seit 40 Jahren liegt. Ganz zu schweigen davon, dass das Ersatzteil irgendwann einmal produziert, eingekauft und eingelagert werden musste.

Das Kapital ist also über Jahrzehnte gebunden, die Fläche verursacht laufende Kosten und trotzdem muss das Teil verfügbar sein, wenn es irgendwann jemand benötigt.

Wir reden hier über einen Zeitraum von 40 Jahren! Was hätte man mit diesem Kapital und dieser Fläche in der Zwischenzeit alternativ erwirtschaften können?

Diese Zusammenhänge werden bei der Betrachtung eines Ersatzteilpreises leider häufig ausgeblendet. Naja, so jetzt hab ich den KDT Thread aber ganz schön verzerrt, back to Topic aber ohne mich :emoji_wink:
 

Bitzi

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Kleiner Einwand wieso sind die Lagerhaltung und die Ersatzteile so teuer? Weil die Hersteller nicht wissen wie viel sie verlangen wollen, schreibst du ja auch. (Vergleich Autoersatzteile Graumarkt)
Wenn die Liegenschaft gemietet ist und der Vermieter Profit machen will fängt es dort an. Wenn der Händler auch grossen Profit machen will geht es weiter. Wenn dessen Einrichtungslieferant genauso arbeitet treibt auch der die Kosten. Wenn dann noch der grösste Teil fremdfinanziert ist kostet es noch mehr und so weiter.

Wir haben auch ein (zu) grosses Lager aber im eigenen Betrieb und ohne grosse Rendite. Es spricht sich herum wenn man dadurch flexibel ist
und schnell liefern kann. Finanzplanung wegen zu wenig Eigenkapital frisst auch Geld, davon sprechen aber die Berater nicht. Mir wollte einmal eine Person mit Wirtschaftsabschluss einer renommierten Hochschule erklären unser Lager wäre zu gross.
Auf meine Gegenargumente Flexibilität, extra Beschaffungskosten bei laufender Beschaffung wegen zu kleinem Lagerbestand etc. gab es grosse Augen. Ich wollte nicht fragen ob man das an der Hochschule nicht gelernt habe..............

Heute wird in vielen Bereichen geflucht über die Wirtschaftsabsolventen dieser bekannten Hochschule, daher nenne ich den Namen nicht.
Was ich dazu noch sagen muss: FIXKOSTEN brechen die Unternehmen, nicht die variablen Kosten.

Sprich, deine zusätzlichen Beschaffungskosten hin oder her... diese sollten doch auftragsbezogen an den Kunden weitergegeben werden können.

Wenn du dadurch natürlich im Gegensatz zu deinem Nachbarn nicht mehr wettbewerbsfähig bist, hast du meiner Meinung nach entweder deine Lagerhaltung, deine Prozesse oder deine Kalkulation nicht im Griff.

Genau so sehe ich das auch bei Händlern, egal ob Auto, Maschinen, Kaffee oder sonst was.

Es gibt verschiedene Wege, sich am Markt zu positionieren. Der eine ist der Beste, bietet höchste Qualität und den besten Service, ist dafür aber auch der Teuerste. Der andere ist der Schnellste und Günstigste, arbeitet mit schlanken Prozessen und optimiert seine Kosten konsequent. Und dazwischen gibt es natürlich zahlreiche Abstufungen.

Betriebswirtschaftlich sprechen wir hier von strategischer Wettbewerbspositionierung. In einer Preis-Leistungs-Matrix lässt sich das ganz gut darstellen: Auf der einen Seite die Differenzierungsstrategie also ich bin besser als der Wettbewerb und kann dafür einen höheren Preis verlangen. Auf der anderen Seite die Kostenführerschaft, ich biete zu möglichst niedrigen Kosten einen wettbewerbsfähigen Preis an.

Beides kann funktionieren. Entscheidend ist, dass das Geschäftsmodell dazu passt und man seine Kostenstruktur im Griff hat. Was meiner Meinung nach nicht funktioniert, sich als Premiumanbieter zu positionieren, aber gleichzeitig die Kosten eines Billiganbieters tragen zu wollen.
Genau da setzt es an mit den China Maschinen...egal mein Puls steigt schon wenn ich dran denke :emoji_grin::emoji_joy:
 
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