Ist es nötig einen Vollholz Korpus gegen "verziehen" zu sichern?

castler

ww-pappel
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Hallo,

ich hoffe ich disqualifiziere mich nicht gleich mit meinem ersten Beitrag hier.

Für unser Wohnzimmer möchte ich einen Schrank aus Fichte-Leimholzplatten herstellen (Rückwand wahrscheinlich MDF, aber kein Vollholz).
Die Material Auswahl kommt daher, da ich viele getrocknete Fichte-Bretter kostenlos erhalten habe und daraus jetzt die Leimholzplatten herstelle.

Nun war ich mit meiner Konstruktionszeichnung soweit, dass ich zu den Türen kam. Klassisch verwendet man ja dort Rahmen und Füllung um konstruktiv gegen Verzug
zu sichern.

Für mich stellte sich dann die Frage: Warum muss ich bei der Tür "Rahmen und Füllung" machen (also gegen Verzug "sichern") und beim Korpus nicht?
Ich habe daraufhin Versucht durch eine Internet Recherche mir die Frage zu beantworten - bin aber gefühlt nicht viel weiter gekommen weshalb ich eure Hilfe ersuche.

Ich schwanke innerlich zwischen zwei Antwort-Möglichkeiten:

1) Da die Leimholzbretter des Korpus in die gleiche Maser-Richtung gehen (also Seiten, Boden, Deckel) und aus dem selben Material bestehen quillt und schwindet dieses ähnlich genug, dass keine weitere Sicherung notwendig ist.
2) Ja muss man. Rahmen und Füllung sind jedoch nicht der normale Weg für den Korpus sondern dies wird über die Verbinder der einzelnen Teile realisiert
(Anschluss-Frage: Geplant war Clamex S oder Scheulenburg XS/FF Verbinder zu verwenden, wären diese dann geeignet? Meine Antwort: Nein da zu starr)

Vielen Dank für eure Hilfe!
 

IngoS

ww-robinie
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Hallo,

ob der Korpus zerlegbar konstruiert werden muss, hängt doch von der Größe deines geplanten Möbels ab.
Da nenn doch mal Einzelheiten und ne Skizze.
Beim Massivholzkorpus halten sich die Teile gegenseitig gerade und quellen und schwinden gleichsinnig. Darum lässt sich das einfach machen.

Gruß Ingo
 

Manohara

ww-robinie
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die in diesem Zusammenhang wichtigste Eigenschaft von Holz:
längs zur Faser bleibt es so lang wie es ist, quer zur Faser quillt und schwindet es.
Deswegen muss überall, wo "Quer" und "Längs" zusammentreffen, Bewegungsfreiheit sein. Das geht bei einer Breite von ca. 10 cm beim Querholz los, weil es sonst reißt, wo es festgehalten wird.

Eine zweite Eigenschaft ist das "Krumm-Werden" und das wird bei einem Korpus durch die Eck-Verbindungen verhindert.

Es sind also 2 verschiedene Eigenheiten dieses Materials, bei denen mit verschiedenen Methoden vorgebeugt wird, die aber natürlich zusammen hängen.
 
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Ich schwanke innerlich zwischen zwei Antwort-Möglichkeiten:

1) Da die Leimholzbretter des Korpus in die gleiche Maser-Richtung gehen (also Seiten, Boden, Deckel) und aus dem selben Material bestehen quillt und schwindet dieses ähnlich genug, dass keine weitere Sicherung notwendig ist.
Das ist richtig. Ein Korpus hat immer die gleiche Richtung der Maserung. Wenn dann jahreszeitbedingt das Holz quellt und schwindet ändert sich nur die Tiefe des Korpus. Höhe und Breite bleiben nahezu konstant. Und da die Böden im Korpus fest verbunden sind mit den Seitenwänden können sie sich auch nicht werfen bei Änderung der Holzfeuchte.
 

ChrisOL

ww-robinie
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Ich gehe mal auf die Frage zum Korpus und Tür ein.

Grundsätzlich,
Holz nimmt im Jahresverlauf Luftfeuchtigkeit auf und gibt die auch wieder ab. Das ist normal, das passiert auch nach Jahren noch.
Eine Leimholzplatte kann dabei mit der Zeit krumm werden, da die Jahresringe sich anders verhalten.
Ganz einfach gesagt wollen die gebogenen Jahresringe gerade werden.

Korpus
Wenn du nun aus dem Leimholz einen Korpus baust sind die Platten in den Ecken verbunden. Damit sind die mechanisch gegen den Verzug gesichert. Die Platten halten sich gegenseitig über die Eckverbindung fest in Position.
Die o.g. Verbinder passen schon für den Korpus.

Tür
Bei einer Leimholzplatte als Tür gibt es da kein konstruktives Element das ein krumm werden verhindert. Daher vermeidet man solche Konstruktionen.

Quellen & schwinden.
Durch die Änderung der Luftfeuchtigkeit ändert sich die Breite deiner Leimholzplatte, das kann auch schon mal 1% im Jahresverlauf sein. Bei 600mm Breite sind das schon einige mm.
Bei dem Korpus ist das nicht relevant da alle Seiten sich im gleichen Maß verändern.
Bei einer Tür würden sich die Spaltmasse ändern und im Herbst mit viel Luftfeuchtigkeit können Leimholzplatten als Tür Klemmen. Das will keiner. Daher verwendet man Rahmen und Füllung oder lackiertes MDF bzw. Spannplatte wenn es glatte Türen sein sollen.
 

magmog

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Was stimmt wie nicht? Worauf bezieht sich Dein Statement?



die in diesem Zusammenhang wichtigste Eigenschaft von Holz:
längs zur Faser bleibt es so lang wie es ist, quer zur Faser quillt und schwindet es.
Deswegen muss überall, wo "Quer" und "Längs" zusammentreffen, Bewegungsfreiheit sein. Das geht bei einer Breite von ca. 10 cm beim Querholz los, weil es sonst reißt, wo es festgehalten wird.

Eine zweite Eigenschaft ist das "Krumm-Werden" und das wird bei einem Korpus durch die Eck-Verbindungen verhindert.

Es sind also 2 verschiedene Eigenheiten dieses Materials, bei denen mit verschiedenen Methoden vorgebeugt wird, die aber natürlich zusammen hängen.

Holz aus gemäßigten Zonen arbeitet bei Feuchtigkeitswechsel von. Fasersättigung bis völlig trocken
im Durchschnitt axial 0,3 %, radial 5 % und tangential 10 %.
 

castler

ww-pappel
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Wow! Vielen Dank für eure vielfältigen Antworten.

Ich denke ich habe die Thematik jetzt besser verstanden und kann mit dem Projekt und einem besseren Gefühl fortfahren. Insbesondere der Punkt, dass eigentlich zwei Eigenschaften des Holzes sind, die hier einwirken, war mir vorher noch nicht ganz klar gewesen.

ob der Korpus zerlegbar konstruiert werden muss, hängt doch von der Größe deines geplanten Möbels ab.
Genau, mein Plan war Aufgrund der Größe das ganze zerlegbar zu machen - hatte nur Bedenken, die jetzt ausgeräumt sind, dass ich das mit den genannten Verbinden nicht realisieren kann.
 
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